Salar de Uyuni

Von Sucre nach Uyuni fährt man etwa acht Stunden. Der Bus hält unter anderem in Potosí, fährt also erstmal die gesamte Strecke von Sucre nach Potosí wieder zurück, die wir vor wenigen Tagen gefahren sind. Im Bus ist es heiß, so heiß, dass man das Fenster weit aufreißen möchte. Wir fahren durch eine surreale Hochplateaulandschaft. Inzwischen sind wir so hoch, dass schneebedeckte 6000-Meter hohe Gipfel uns wie kleine Spitzen vorkommen. Oft ähnelt die Landschaft eher einer Wüste, so karg ist sie. Rechts und links von der Straße wachsen nahezu überhaupt keine Pflanzen, sodass man sich fragt, wo die Lama Herden und vereinzelt verstreuten Vincunas ihre Futterquellen haben.

Gegen fünf Uhr nachmittags kommen wir an, steigen aus dem Bus und befinden uns direkt in den Händen einer Vielzahl von Touristenagenturmitarbeitern, die uns Touren zum Salar de Uyuni verkaufen wollen. Wir laden erstmal unser Gepäck im nahgelegenen Hotel ab. Dann entscheiden wir uns für eine der Agenturen und buchen die Drei-Tage-zwei-Nächte Tour mit Transfer nach Chile. Nachdem wir das wichtigste damit erledigt haben, gehen wir nur wenige Häuser von unserem Hotel entfernt Lama Steak essen.
Am nächsten Morgen fahren wir nach dem Frühstück mit unserem Fahrer Theo um halb elf Uhr los. Er bringt uns erstmal zu dem gleich bei Uyuni gelegenen „Zugfriedhof“. Dabei handelt es sich um Zugteile und alte Lokomotiven, die teilweise seit über vierzig Jahren in der Wüste liegen. Grund dafür ist der eingestellte Personenverkehr zwischen Bolivien und Chile. Die Chilenen haben sehr strenge Grenzbestimmungen und befinden sich seit Jahren in Verhandlungen mit Bolivien über einen Hafenzugang. Man hat auch das Gefühl, dass Bolivien es den Chilenen bis heute nachträgt, dass sie den Zugang zum Meer im 19. Jhd. in einer kriegerischen Auseinandersetzung verloren. Insgesamt verwundert es allerdings nicht, dass die Grenzbeziehungen zwischen dem ärmsten und dem reichsten Land Südamerikas nicht gerade einfach sind. Die Touristen jedenfalls feiern den eingestellten Zugverkehr und scharen sich um die in einer landschaftlich wunderschönen Kulisse gestrandeten Fahrzeuge.

Am Mittag fahren wir in einen kleinen Ort, in dem man Salzsouvenire bestaunen und ein kleines Museum ansehen kann. Das Museum ist komplett aus Salz gebaut und birgt einige Salzstatuen in sich. Theo hat das Mittagessen gekocht. Es gibt Quinoa, Fleisch und Gemüse.

Nachdem wir alles wieder im Auto verstaut haben, geht es endlich weiter zum Salzsee. Der Salar de Uyuni ist der größte Salzsee der Welt! Nach wenigen Minuten erstreckt er sich in seiner ganzen, weißen Fläche vor uns und blendet uns so sehr, dass wir unsere Sonnenbrillen aus den Rucksäcken kramen müssen. Es ist unglaublich, wir befinden uns auf etwa 4000 Meter Höhe, aber was sich vor uns erstreckt ist kein Schnee, sondern Salz. Vor langer Zeit war die ganze Region vom Meer bedeckt, erzählt Theo. Als das Meer sich zurückzog hinterließ es an manchen Stellen Seen, von denen wir gerade im größten erhaltenen stehen. Wir legen eine Fotopause ein, bevor wir zu einem Monument der Ralley Dakhar fahren, die in dieser Gegend regelmäßig durchgeführt wird.

Unser nächster Stopp führt uns zu einer Insel mitten im „Salzmeer“. Die Insel ist über und über mit teilweise tausend Jahre alten Kakteen bewachsen. Wir nehmen den engen Pfad zur Spitze der Insel und wundern uns über die seltsam geformten Steine, die sich neben uns gruppieren. Es sind Korallen! Das bestätigt, was Theo uns erzählt hat. Wir stehen in einer gigantischen, ehemaligen Meerlandschaft auf 4000 Höhenmeter! Die Sonne steht schon tief, als wir die Insel verlassen und über die Salzkruste zurück zum Auto laufen. Die Salzschicht ist an den Außenrändern des Sees nur 10-15cm tief. Am tiefsten Punkt dafür mehrere Meter. Im Winter, in der Regenzeit ist der See nur teilweise befahrbar, weil er sich mit Wasser füllt. Insofern haben wir Glück, dass wir zur besten Reisezeit nach Uyuni gekommen sind. Weit entfernt von den anderen Touristen sehen wir irgendwo mitten im See dabei zu, wie die Sonne am Horizont verschwindet. Dann wird es plötzlich schrecklich kalt. Wir kuscheln uns eng im Auto zusammen, während Theo noch eine ganze Stunde bist zu unserer Unterkunft fährt.

Im Salzhotel, in dem alles aus Salz erbaut ist, sogar die Betten und Nachttische, bekommen wir Tee und Abendessen serviert. Um sieben Uhr morgens gibt es Frühstück. Dann lassen wir den Salzsee hinter uns und fahren in die Wüste. Unseren ersten Halt machen wir wieder an Zugschienen. Nur dieses Mal fahren noch Züge, wenn auch nicht zu dem Zeitpunkt an dem wir dort sind. Wir befinden uns ganz nah an der Grenze zu Chile. Theo kann uns genau sagen, welche Berge auf welche Seite gehören. Man kann die Grenze sehen. Güter, die auf bolivianischen Zügen kommen werden nach der Grenze auf chilenische Züge umgeladen. Weiter als bis zur Grenze kommt kein bolivianischer Zug. Wir fahren zu einer anderen Stelle, von der aus wir einen guten Blick auf einen der chilenischen Vulkane haben. Der Vulkan ist noch halb aktiv, aus einem kleinen Krater an seiner Seite dringt ununterbrochener Rauch. Aber obwohl der etwa 6000 Meter hohe Berg ganz nah erscheint, befindet er sich noch ein ganzes Stück außer Reichweite. Die Felsformationen sehen aus wie große, zu Stein erstarrte Reptilien.

Mittags halten wir an einer großen, von Flamingos besiedelten Lagune. Es befinden sich mehrere verschieden große und verschieden farbige Lagunen in der Nähe. Überall leben die rosa-gefiederten Vögel in großer Zahl. Sie sind auch nicht scheu, sodass man sie ohne Probleme fotografieren kann. Zwar weht ein heftiger Wind, als Theo den Kofferraum zum Picknick auspackt, doch er versichert uns, dass das Wetter heute sehr gut sei. Manchmal sei der Wind so stark, dass man nicht einmal aus dem Auto aussteigen könne. Nach dem Essen haben wir noch etwas Zeit die langbeinigen Vögel zu beobachten. Während wir am Ufer sitzen und auf den See starren, nehmen die Vögel keinerlei Kenntnis von uns. Würdevoll tauchen sie ihre gebogenen Schnäbel in den eiskalten See.

Wir fahren durch die Wüste, vorbei an 6000-Meter hohen Bergketten und kleinen, liegengebliebenen Flecken Schnee. Jetzt beginnt hier der Sommer, aber vor einigen Wochen war die ganze Wüste schneebedeckt. Einmal halten wir, um Fotos zu machen. Dann geht es weiter, durch den Staub, bis wir vor einigen Felsformationen erneut Halt machen. Hier steht auch der „Steinbaum“, ein Felsen mit einem dünnen Stamm und einem sich nach oben hin ausbreiteten Gewölbe. Noch immer weht ein unangenehm starker Wind. Dieser Wind verstärkt sich sogar noch, als wir den nächsten Stopp an der farbigen Lagune einlegen. Hier mischen sich blaue, weiße und rote Wasser ineinander. Die verschiedenen Farben werden durch verschiedenartige Mineralien erzeugt, die in den jeweiligen Bereichen der Lagune mehr oder weniger stark vorhanden sind.

Unweit der Lagune übernachten wir in einer schlichten Herberge. In der Nacht ist alles stockdunkel, sodass sich die Milchstraße mit ihren zahlreichen Punkten deutlich am Himmel abzeichnet. Am nächsten Morgen klingelt unser Wecker um 3.45 Uhr. Um vier soll es Frühstück geben, damit wir rechtzeitig aufbrechen können, um den Sonnenaufgang anzusehen. Als unsere Fahrer um fünf Uhr immer noch nicht da sind, von Frühstück auch keine Spur, bricht kurze Unruhe aus. Anscheinend sei ein anderes Auto mitten in der Nacht in der Umgebung stecken geblieben und unsere Fahrer mussten zu Hilfe eilen. Wir brechen trotzdem noch rechtzeitig auf, um die Sonne und einige qualmende Geysire anzusehen. Dann heißt es Badeanzüge auspacken! Bevor wir die Grenze nach Chile passieren, machen wir einen Halt bei heißen Thermalquellen. 30-40 Grad warm sollen die natürlichen Schwimmbäder sein. Endlich ist mir einmal nicht mehr kalt!

Vor der Grenze nach Chile haben alle gewarnt. Es gäbe sehr ausführliche Kontrollen und wer verbotene Lebensmittel mit sich trage, müsse mit hohen Strafen rechnen. Wir wurden ohne größere Schwierigkeiten durchgewunken, im Gepäck 2kg Zucker, eine Flasche Öl, eine Tüte Salz und einige Knoblauchzehen. Ein Colectivo brachte uns ins Zentrum von San Pedro de Atacama.

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