Ein anstrengendes Wochenende

Am Freitag sagte ich alle Termine in der Musikschule ab, um mich mit einer deutschen Freundin in der Stadt zu treffen. Dieses Mädchen, deren Name Ronja ist, ist eine Freundin einer Freundin von mir und zufällig ebenfalls ein halbes Jahr in Guayaquil. Wir beschlossen also, uns um zwölf Uhr mittags am Malechon zu treffen. Daraus wurde schließlich zwei Uhr, da meine Gastfamilie, die mich unbedingt dorthin begleiten wollte derart spät dran war.
Immerhin konnte ich mich schließlich wenn auch verspätet mit Ronja treffen. Wir verbrachten einen sehr schönen gemeinsamen Nachmittag in der Stadt und es war gut, mal wieder mit einem Mädchen unterwegs zu sein, da an der Musikschule fast nur Jungs sind. Den Rückweg schaffte ich dann sogar ganz alleine mit der Metrovia. Zwar war ich etwas nervös, da das ganze guayaquilenische Bussystem sehr undurchschaubar ist und ich nicht irgendwo in dieser riesigen Stadt hilflos umherirren wollte, aber ich fand auf Anhieb den richtigen Weg.
Zu Hause angekommen fragte mich meine Gastmutter, ob ich am Abend mit ihr in die Disco gehen wollte. Da ich, um mich an meine Gastfamilie zu gewöhnen so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen will, sagte ich natürlich nicht nein. Schnell zur Reunion gegangen, in der ich mal wieder überhaupt nichts verstand, in die von meiner Gastmutter geliehenen Kleider geschlüpft und schließlich gemeinsam aufgebrochen…-
Die Disco befand sich im Stadtzentrum und wir mussten erstmal eine Dreiviertel Stunde mit dem Taxi fahren. Wir tanzten bis um drei Uhr morgens und kehrten schließlich irgendwann um vier nach Hause zurück.
Am nächsten Tag schlief ich dann erstmal mehr oder weniger lange, da um ca. neun Uhr morgens eine Herde Kinder durch das Haus jagte, bevor schließlich alle zu dem Nachbarn verschwanden. (Ich schloss mich Ihnen etwas später, so gegen 12 Uhr an)
Nachdem ich schließlich glücklich dachte, wieder einschlafen zu können, klopften Alban, Samuel und Samuel (es gibt hier zwei Samuels, einen deutschen und einen ecuadorianischen) an meine Türe. Sie luden mich ein, sie am Nachmittag ins Riocentro, ein Einkaufszentrum in der Nähe des Guasmo, zu begleiten.
Wir machten uns also um drei auf den Weg mit der Metrovia, spatiierten einmal durch das ganze Center, einfach weil wir Langeweile hatten und machten ein paar Einkäufe. Ich hatte mir vorgenommen an diesem Wochenende Lasagne zu kochen und kaufte deshalb schon einmal alle Zutaten ein.
Am Abend waren wir ein weiteres Mal auf eine Quinzeañera eingeladen. Allerdings ging ich dieses Mal mit meiner Familie bzw. mit meiner Gastmutter. Sie borgte mir ein Kleid und furchtbar hohe Schuhe bei den Nachbarn und dann ging es nach vielem Hin-und Her, Nägel lackieren, Haare glätten und schminken, gegen 11 Uhr abends endlich los. Ich fühlte mich ziemlich schick, sogar etwas zu schick, für die staubigen Straßen des Guasmo, aber schließlich waren alle ziemlich schick und ich fiel, mal wieder nur durch meine helle Hautfarbe, sonst aber kaum auf.
Die Quinzeañera glich im Verlauf ziemlich der letzten. Es wurde sogar teilweise die gleiche Musik gespielt. Dieses Mal hatte ich allerdings die Gelegenheit etwas länger auf dem Fest zu bleiben, konnte deshalb reichlich tanzen (bis mir die Füße so weh taten, dass ich barfuß lief) und bekam zu sehen, wie die Quinzeañera ihre Strumpfbänder verteilte. Das ist ein weiterer Brauch, den die Ecuadorianer zu diesen Festen zu tun pflegen. Die Quinzeañera verteilt ihre Strumpfbänder und die Cavalieros dürfen sie den Mädchen unter lautem Applaus überziehen. Plötzlich wurde dann auch mein Name aufgerufen und ich stolperte ziemlich verwirrt in meinen hohen Schuhen nach Vorne, um mir mein Strumpfband abzuholen. Im Nachhinein war ich aber ziemlich stolz, dass mir eine solche „Ehre“ zu Teil wurde und seither liegt das Strumpfband in meinem Zimmer und erinnert mich an jenen Abend.
Um 6 Uhr morgens, als es schließlich zu dämmern begann und die Sonne sich langsam dazu aufmachte, die ersten Dächer des Guasmo zu erklimmen, fiel ich todmüde in mein Bett. Schlaf fand ich dort aber wenig, mich quälte der Gedanke, dass ich am nächsten Morgen die Lasagne kochen müsste und die „Nacht“ war nur von kurzer Dauer.
Nach dem Aufstehen wurde mir erklärt, dass meine Familie keinen funktionstüchtigen Backofen besitze, ein kleines Detail, das sich natürlich nicht unbedingt positiv auf das Zubereiten einer Lasagne auswirkt. Was nun? Es wurde beschlossen, extra für diesen überaus wichtigen Anlass ein anderes Haus aufzusuchen. Dieses Haus war eigentlich das Ferienhaus einer Amerikanerin, aber da die Freundin meiner Gastmutter es in der Abwesenheit jener pflegte, konnten wir problemlos hinein.
Das „Backofen-Problem“ war hierin also gelöst. Doch weitere sollten folgen. Ich muss zugeben, dass ich noch nie zuvor Lasagne gekocht habe und dass kochen auch nicht unbedingt zu meinen Leidenschaften gehört. Trotzdem war ich nicht unbedingt begeistert, als meine Gastmutter mein komplettes Rezept zu hinterfragen begann und mir mehr oder weniger unterstellte ich wisse nicht, was ich tue, da eine andere Deutsche, die für meine Gastfamilie ebenfalls Lasagne gekocht hatte, das ganze anders angestellt hatte. Ich meine im Prinzip ist es egal, ob man Frische Tomaten nimmt oder Tomaten aus der Dose und nur weil dieses Mädchen anscheinend keine Béchamel Soße kannte, heißt das noch lange nicht, dass es falsch ist, eine zuzubereiten. Alles in allem endete das Ganze in einer annehmbaren Lasagne. Der Käse war leider nicht ganz so geeignet für meine Zwecke, obwohl er unglaubliche 5 Dollar gekostet hatte, aber der ecuadorianische Käse ist eben nicht mit dem unsrigen zu vergleichen.
Ich war nach der ganzen Prozedur ziemlich müde und die Begeisterung der Familie war auch nicht riesig. Wie so oft wurde nicht einmal gemeinsam gegessen. Dazu kam, dass ich durch die ganze Lasagne-Geschichte die Möglichkeit verpasste, die anderen Musikschüler auf dem Fußballfeld zu treffen. Naja, immerhin war ich im Endeffekt dem Wunsch meiner Gastfamilie, Lasagne zu kochen nachgekommen und hoffe, dass ich nun fürs Erste (zumindest bis zum weihnachtlichen Plätzchen backen – mal schauen wie das so wird ohne Backofen) von weiteren Kochaktionen befreit bin.

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Mit Erica in der Disco

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