Ein Wochenende in San Vicente

Die deutsch-französische Organisation „una optión más“,hat die Jugendlichen von „Clave de Sur“ zu einem Besuch in ihr Projekt nach San Vicente (einen kleinen Ort an der Küste) eingeladen. Der Ausflug wurde auf den 5.-7. Dezember gelegt.
Im Vorfeld gab es dann einige Probleme, zum Beispiel, dass die Organisation für die deutschen Freiwilligen nicht die Busfahrt bezahlen wollte. Aber schließlich konnte man sich irgendwie einigen und nachdem alle Instrumente auseinander geschraubt und in Autos verladen waren, machten wir uns am späten Freitagabend auf den Weg nach San Vicente.
Der Bus fuhr um halb zwölf Uhr nachts vom Terminal ab und natürlich müssten wir uns ziemlich beeilen, weil wir wie immer spät dran waren. Um fünf Uhr morgens kamen wir dann mit müden Augen an unserem Zielort an. Dort wartete bereits ein Auto, um uns zu unserer Unterkunft zu bringen. Endlich angekommen suchte sich jeder irgendein Bett und alle schliefen bis ca. neun Uhr. Zu dieser Uhrzeit wurde in etwa das Frühstück serviert und das leckere Essen weckte schließlich auch die letzten.
Mit einem Camioneta fuhren wir nach dem Frühstück zu dem Ort, an dem die Kinder auf uns warteten. Das war eine Art „Schule“. Alle versammelten sich auf dem Hof und wir begannen ein Spiel zu spielen, wobei wir uns in drei Kreise aufteilten.
Aber eigentlich waren wir ja nicht zum Spielen gekommen, sondern zum Musik machen. Also begannen wir schon bald Instrumente zu bauen! Aus Stöcken, Bierdeckeln, Nägeln, Muscheln und Bambus wurden Rasseln und Klanghölzer. Besonders Spaß hatten die Kinder beim Bemalen der Instrumente und am Ende waren alle über und über mit Farbe bepinselt.
Ich half einem kleinen Mädchen, deren Name Judith war, eine Rassel zu bauen und versuchte die Arme möglichst farbfrei zu halten, da sie mir erklärte, ihre Mama würde sie schlagen, wenn ihre Kleider schmutzig seien.

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Links im Bild: Judith

Schließlich holten die Teilnehmer der „Grupo de Percusion“ auch ihre Instrumente heraus und probten zusammen mit den Kindern. Zuerst klang das alles nach einem ziemlich großen Durcheinander, aber mit der Zeit mischte sich der Klang und die Hauptsache bestand sowieso darin, dass die Kinder Spaß hatten.
Als wir am späten Nachmittag zurück zu unserer Unterkunft kamen, holten alle ihre Badesachen heraus und gingen zum Strand, der gleich gegenüber der Straße lag. Dieses Mal badete sogar ich, denn die Wellen an diesem Strand waren überhaupt nicht hoch und ich stellte fest, dass der Pazifik sehr warm ist.
Als es Abend wurde, kamen alle zusammen, denn wir wollten noch Werbung für das Konzert machen, das wir am nächsten Morgen spielen sollten. Und das macht man in Ecuador so:
Alle steigen auf die Ladefläche eines Camioneta und schnappen sich irgendein (möglichst lautes) Instrument. Dann fährt man schreiend und lärmend durch die Stadt und ruft den Passanten im Vorbeigehen zu, sie sollen doch bitte kommen…

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Werbung fürs Konzert

Das Ganze machte uns obendrein auch noch ziemlich viel Spaß! Zu Abend aßen wir Hamburger, in einem kleinen Restaurant in der Nähe. Dann liefen wir zu Fuß zurück zu und blieben noch lange auf. Es wurde ein sehr lustiger Abend. Ich verbrachte eine Zeit lang am nächtlichen Strand, Israel kippte einen Eimer voll Saft über mich und ich wollte ihn dafür in ein (mit Chemikalien vollgepumptes) Schwimmbad werfen. Samuel übte sich in dem Gefühl, eine Schildkröte zu sein und John versuchte zum hundertsten Mal das Wort „Schwester“ auf Deutsch auszusprechen (was er übrigens bis heute noch nicht ganz geschafft hat). Rafael beschloss um halb fünf Uhr morgens, dass er nicht schlafen gehen könnte, weil die Instrumente praktisch im Freien herumlagen und keiner auf sie aufpasste…

Am nächsten Morgen sollte das Konzert stattfinden und wir mussten einen strammen Zeitplan einhalten, da unser Bus schon um ca. halb eins Mittags nach Guayaquil zurückfuhr. Das Problem an diesem Plan war allerdings, dass niemand bedacht hatte, dass nach einer durchgefeierten Nacht, alle ziemlich müde sind und man nicht unbedingt um acht Uhr frühstücken möchte. Also begann das berüchtigte Konzert um 11 anstatt um 10 Uhr. Danach mussten sich alle beeilen. Noch während die anderen spielten wurde (möglichst unauffällig) das Schlagzeug hinter der Bühne abgebaut. Zum Mittagessen blieben dann auch nur noch 10 Minuten, aber wie durch ein Wunder schafften es alle pünktlich auf den Bus. Wir verabschiedeten uns von den französischen Freiwilligen und stiegen alle mit dem Gefühl ein schönes Wochenende verbracht zu haben in den Bus.
Tatsächlich wurde uns später erzählt, dass den Menschen in San Vicente unser Auftritt so gut gefallen hatte, dass sie uns als „famosos aus dem Guasmo“ bezeichneten und ein Foto signiert haben wollten…

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Konzert im Freien

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