Eine lange Wanderung

Um fünf Uhr morgens quälten wir uns aus unseren Zelten, um die Sonne über dem Fluss aufgehen zu sehen. Leider war der Erfolg dieser Unternehmung eher mäßig, da es an diesem Tag ziemlich bewölkt war.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg flussaufwärts. An diesem Tag stand eine fünfstündige Wandertour durch den Regenwald an, auf die uns Luis allerdings nicht begleiten konnte, da er anderweitig zu tun hatte. Wir trafen also unseren neuen Guide. Sein Name ist Jaeyson und er ist erst 18 Jahre alt. Er erzählte uns, dass er hier am Rande des Regenwalds geboren sei und auch nicht von dort fortziehen wolle. Seine Familie gehört zu den Indigenas und alle sprechen Quitchua. Quitchua ist eine der vielen indigenen Sprachen Ecuadors und die am häufigsten gesprochene. Ich finde es eine wunderschöne Sprache! Sie klingt fremdartig, aber gleichzeitig sehr melodisch, wie viele kleine Glocken in meinen Ohren.
Ich konnte kaum glauben, dass er erst 18 war. Er kannte jede Pflanze, jeden Vogel und jeden Pfad im Wald. Ich fragte mich, was ich in den achtzehn Jahren meines Lebens gelernt hatte und all mein Wissen kam mir klein und nichtig vor, im Vergleich zu dem Wissen Jaeysons. Gegen Mittag machten wir an einem Fluss Halt und aßen unser Lunch, zusammen mit der zuvor von Jaeyson selbst geernteten Ananas. Wir tauschten ein bisschen die gegenseitigen Lebensgeschichten aus und erfuhren, dass Jaeyson fünf Geschwister hat, dass sein Vater auch Guide ist und dass er Umweltingenieurstechnik studieren will.
Mit der Zeit wurde die Tour ganz schön anstrengend. Jaeyson gab ein strammes Tempo vor und der Boden war ziemlich uneben, sodass man mal lange Zeit in die Höhe steigen und dann wieder bergab schlittern musste. Gegen 15 Uhr nachmittags kamen wir am Fluss an und fuhren (dieses Mal mit einem richtigen Kanu ohne Motor) flussabwärts. Der Ausblick vom Fluss und die Ruhe des Wassers nach der langen Wanderung waren atemberaubend. Leise wie ein Fisch glitten wir durchs Wasser und mussten nur bei manchen Strömungen darauf achten die Balance im Boot zu halten.
Vom Flussufer aus, auf der Ladefläche eines Camionetas zurück nach Misahualli gefahren und erstmal geduscht! Am Abend gingen wir noch in eine Bar und trafen dort ein paar Guayaquilenios, die uns zu Billard und Bier einluden. Als wir dann um ein Uhr morgens ins Hostal zurückkehrten, fühlten wir, dass das wirklich ein langer Tag war.

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