Am höchsten Punkt der Erde

Alle wissen sicherlich, dass der höchste Berg der Erde der Mount Everest ist. Was aber bestimmt viele nicht wissen ist, dass die Spitze des Mount Everest nicht der höchste Punkt der Erde ist. Auf Grund der geografischen Lage befindet sich dieser Punkt nämlich nicht im Himalaya, sondern in den Anden, genauer gesagt in Ecuador! Da Ecuador ziemlich genau an der Äquatorlinie liegt, liegt der Gipfel des Chimborazo näher an der Sonne als der Gipfel des Mount Everest.
An diesem Morgen also machten wir uns auf den Weg zu eben jenem Gipfel. Begleitet hat uns ein Freund von Samuels Gymnasiallehrerin. Er heißt Eugenio und ist Pfarrer in Riobamba. Das merkt man ihm aber gar nicht an, so locker wie er ist. Auf dem Weg zum Chimborazo fuhren wir durch das Dorf, in dem er ursprünglich Pfarrer war. Auf die Frage warum er die Kirche gewechselt hat, antwortete er, bei den Katholiken könne man keine Familie haben, weshalb er jetzt in einer anglikanischen Kirche arbeitet.
Hupend und rufend fuhren wir auf unserem Weg fort. Eugenio kennt jeden, im Umkreis von Riobamba und jeder musste gegrüßt werden.
Als wir am „Eingangstor“ zum Chimborazo ankamen, wollte man uns erst nicht passieren lassen. Wir brüchten einen „Guide“ und müssten dafür 30 Dollar bezahlen. Aber zum Glück waren wir in ecuadorianischer Begleitung! Diese erklärte beharrlich, wir seien keine Touristen sondern Freiwillige und wollten überhaupt nur kurz bis zum ersten Refugium fahren. So durften wir schließlich kostenlos weiter ziehen.

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Ich war noch nie zuvor auf einem so hohen Berg gewesen. Auf der Höhe auf der wir uns jetzt befanden wuchsen keine Bäume mehr. Die Landschaft bestand aus einer Art rötlichem Vulkanstein Geröll, in deren Hebungen und Senkungen sich gelegentlich eine besondere Lama Art verbarg. Das Wetter war an diesem Tag leider ziemlich schlecht und so fuhren wir durch tief hängende Nebel-und Wolkenfelder, die in einem einen unwirklichen Eindruck hinterließen, als befände man sich in einem Traum. Als wir am ersten Refugium auf etwa 4.800 Metern aus dem Auto stiegen, schlug uns die Kälte förmlich ins Gesicht. Ich hatte nur einen Pulli dabei, keine Winterjacke oder etwas in der Art und hätte mir Eugenio nicht die seine geliehen, hätte ich mich bestimmt zu Tode gefroren.

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Eugenio selbst wartete im Auto auf uns. Er war, wie er uns erzählte schon sehr oft auf dem Chimborazo gewesen. Wir beschlossen bis zum zweiten Refugium zu laufen. Das lag auf etwa 5.200 Metern. Wer bis zum Gipfel des Berges will, muss eine geführte Tour nehmen. Dazu muss man sich mit Bergsteigen auskennen, sich mindestens einen Tag zuvor an die Höhe gewöhnen und in der Nacht losgehen, damit das Eis auch genug gefroren ist, für den Aufstieg.
Ich hätte nicht gedacht, dass man die Höhe in dieser extremen Form zu spüren bekommt. Das Atmen fiel einem erheblich schwerer und auch das Laufen war nicht so einfach. Meine Füße waren einfach viel schwerer als normalerweise!
Aber nach kurzer Zeit gewöhnten wir uns an den Höhenunterschied. Wir stiegen bis zum zweiten Refugium hinauf und bedauerten, dass man auf Grund der Wolken den Gipfel des Berges nicht sehen konnte. Beim Abstieg begegneten wir einigen deutschen Touristen und (was mich wunderte) auch vielen älteren Menschen, denen die Höhe anscheinend nicht allzu viel auszumachen schien.

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Wieder im Auto fuhren wir zurück zu Eugenios Dorf, wo wir bei einem Freund von ihm kostenlos zu Mittag essen durften. Es gab Hühnchen und Kartoffeln und alles schmeckte sehr gut. Da wir noch etwas Zeit hatten nahm Eugenio uns mit, zu der ältesten, christlichen Kirche Ecuadors und zeigte uns danach ein Park, mit einer natürlichen Lagune. Beides waren schöne Orte, die wir ohne seine Hilfe wohl nie gesehen hätten.
Als wir um ca vier Uhr nachmittags ins Hostel zurückkehrten, waren wir alle wie erschlagen. Wir legten uns ins Bett und schliefen, bis zum Abendessen. Dann suchten wir uns ein Restaurant, aßen Hamburger und verbrachten den restlichen Abend mit Eistee und Canelaso (ein heißes alkoholhaltiges Getränk) in unserer „Stammbar“.

 

 

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