Warum der deutsche Pass der wertvollste der Welt ist

Wir haben uns bestimmt noch nie darüber Gedanken gemacht, aber es ist erwiesen, dass der deutsche Pass der wertvollste Pass der Welt ist. Laut „Visa Restrictions Index“, können wir Deutsche mit unserem Pass visumfrei in 177 Länder reisen. Damit haben wir die größte Visumfreiheit weltweit!

Andere haben leider nicht soviel Glück und Deutschland selbst ist auch in der Vergabe ihrer Visa nicht so großzügig. Nachdem ich im Februar zurück nach Ecuador geflogen war, war uns beiden schnell klar: Daniel sollte nach Deutschland kommen. Wenn ich ans andere Ende der Welt reisen, neue Dinge erleben und neue Menschen kennenlernen konnte, warum nicht auch er? Aber für Daniel war dieser Gedanke so unvorstellbar, dass ich ihn erst davon überzeugen musste, dass eine Reise nach Europa für ihn überhaupt möglich wäre. Nachdem wir dann über einen längeren Zeitraum hinweg, die Frage der FInanzierung geklärt hatten, war die nächste Hürde, die in Angriff genommen werden musste, das Visum.

Wenn man als Ecuadorianer nach Deutschland als Tourist, das bedeutet für 90 Tage, einreisen will, benötigt man ein Schengenvisum. Dieses Schengenvisum gilt für den gesamten Schengenraum, muss aber in dem Land beantragt werden, in dem man die meiste Zeit seines Aufenthalts verbringt. Das bedeutete wir mussten zu einer deutschen Botschaft in Ecuador, von denen es genau eine gibt, die einem ein Visum ausstellen kann und diese Botschaft ist natürlich in Quito, 8 Stunden von Guayaquil entfernt. Aber bevor wir dorthin konnten, mussten wir erstmal eine Liste von Dokumenten besorgen, die wir für den Visumsantrag benötigten. Um einen kleinen Überblick zu geben. Das stand auf der Liste:

  • Reiseversicherung, die mindestens 30.000 Euro abdeckt
  • Flugticketreservierung
  • mehrere Passfotos
  • ausgefüllter Visumsantrag
  • Zertifikat von der Universität oder dem Arbeitgeber
  • Kontoauszüge und Einkommensnachweis – oder Bürgschaft im Orginal (wenn man eine Bürgschaft hat ist man außerdem immer im Vorteil)
  • Einladung aus Deutschland
  • Reisepass mit Gültigkeit von mindestens 6 Monaten
  • vorherige Visumsanträge auf ein Schengenvisum
  • persönlichen Termin in der deutschen Botschaft
  • Visumsgebühr (60 € in Bar)

Wer jetzt den Eindruck bekommt, dass das eine ziemlich lange Liste ist, dem ist noch lange nicht bewusst, wie schwierig es ist, all diese Dokumente überhaupt zu besorgen. Daniel hatte noch nicht einmal einen Reisepass. Er war ja auch zuvor noch nie aus Ecuador ausgereist und hat deshalb keinen Pass gebraucht. Wir mussten also zuerst einen Reisepass beantragen. Als wir den dann in den Händen hielten, erledigten wir Schritt für Schritt alle anderen Punkte auf unserer Liste. Die Versicherung kaufte ich über das Internet, auf einer deutschen Webseite. Die Bürgschaft und die Einladung besorgte uns meine Mama vom auswärtigen Amt in Deutschland. Gemeinsam füllten wir den Visumsantrag aus und stritten darüber, was Daniels eigentliche Adresse war, da keiner so genau zu wissen schien, wie seine Hausnummer lautete. Schließlich benötigten wir noch einen Termin bei der Botschaft. Wir wählten den 5. April, um 11 Uhr, drei Tage vor meinem Abflug.

Am vierten April brachen wir nachts auf. Wir nahmen einen späten Bus und kamen um etwa sieben Uhr morgens in Quito an. Wir fuhren direkt vom Terminal zur Botschaft. Wir hatten Angst, auch nur 5 Minuten zu spät zu kommen, da es auf der Webseite hieß, bei zuspätkommen würde der Termin gestrichen. Außerdem mussten wir noch ein wenig suchen, bis wir das Gebäude fanden. Müde, die Rucksäcke auf den Schultern, in unseren Reiseklamotten, standen wir vor dem riesigen mehrstöckigen Gebäude und fühlten uns klein. Draußen warteten noch andere auf ihren Termin. Daniel war sehr aufgeregt. Er fragte mich immer wieder, was er sagen sollte, wenn sie ihn nach Details fragten. Als wir in die Botschaft wollten, mussten wir unseren Namen angeben  und unseren Personalausweis hinterlegen. Unsere Taschen wurden durchleuchtet und wir erhielten eine Chipkarte, die durch einen Sensor eine Glastür zum Innenraum des Gebäudes öffnete. Wir mussten in den 11. Stock fahren. Dort mussten wir uns bei einer Sekretärin melden, die ein erstes Mal unsere Papiere prüfte. Unsere Handys mussten ausgestellt und abgegeben werden. Ich hatte vor allem Angst, die Behörden würden uns wieder wegschicken, weil wir ein Dokument vergessen hätten oder eines ihnen nicht recht wäre. Zuerst wollte die Sekretärin uns überhaupt nicht weiter lassen. Das Schengenvisum kann man erst 90 Tage vor Reiseantritt beantragen und in unserem Fall war es leider 93 Tage vor geplantem Reiseantritt. Aber dann schickte sie uns nur in den Copyshop an der Straßenecke, um von einigen Dokumenten eine Kopie zu machen. Wieder mussten wir warten. Endlich wurden wir von einer jungen Dame hinter einem Schalter ausgerufen. Sie sprach sehr gut Spanisch aber ich erkannte sofort, dass sie Deutsche war. Sie überprüfte akribisch alle Papiere. Sie tackerte und lochte und fragte uns nach dem Orginal der Bürgschaft. „In Deutschland.“, sagte ich. Sie antwortete, das Orginal müsse per Post nach Ecuador geschickt werden. Sie fragte Daniel, warum er nach Deutschland reisen wollte. Er sagte er wollte seine Freundin und deren Familie besuchen. Daraufhin fragte sie nach seinem Studium. Er sagte er würde noch zwei Jahre brauchen, bis er es abgeschlossen hätte. Sie lächelte. Sie war freundlich und erklärte uns wir könnten den Reisepass im Büro der Botschaft in Guayaquil abholen, wenn wir ein Dollar Porto bezahlen würden. Wir bezahlten das Porto und die Gebühr für das Visum.

Danach suchten wir uns endlich ein Hostel. Wir waren beide sehr erleichtert und ich war zuversichtlich. Ich schrieb meiner Mama, sie solle die Bürgschaft nach Ecuador schicken. Die Behörden hatten Daniels gesamten Papiere für gültig erklärt. Ich sah keinen Grund, weshalb sie ihm das Visum verweigern sollten. Wir genossen den restlichen Tag in Quito und fuhren am nächsten Abend wieder nach Guayaquil.

Ecuador zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren fiel mir wie erwartet sehr schwer. Aber ich hatte eine Motivation. Ich freute mich so sehr, Daniel bald Deutschland zeigen zu können. Er würde meine Familie und meine Freunde kennenlernen. Wir würden auf Reisen gehen…Wir würden 90 Tage zusammen verbringen können. Am Flughafen sagte ich zu Daniel: „Versprich mir, dass du kommst.“, und er versprach es.

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Daniel und ich in Quito

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