Rückblick

Es ist auf den Tag genau 2 Jahre her, dass ich nach Ecuador aufgebrochen bin. Heute fühle ich mich manchmal, als würde ich zwischen zwei Welten feststecken, von denen ich in keine hineinpasse. Aber ich habe gelernt, dass kein Mensch in eine Welt „hineinpasst.“ Wir bauen uns unsere eigene Welt. Und in den Momenten, in denen wir nicht glücklich sind, liegt der Fehler bei uns. Weil ein Stein in der Mauer noch nicht richtig sitzt, weil wir vergessen haben, Platz für ein Fenster zu lassen, oder weil wir noch kein Dach auf unserem „Weltenbau“ konstruiert haben. Aber egal wehalb, es ist unsere Entscheidung, wann und wie wir unsere Welt bauen.

Nachdem ich beinahe ein Jahr lang, damit gehadert habe, wo ich leben soll, habe ich endlich gelernt, dass das wichtigste nicht ist wo ich lebe, sondern wie ich lebe. Weder Deutschland noch Ecuador sollen entscheiden, wie ich lebe, sondern die eigene Welt, die ich mir schaffe. Und diese Welt beinhaltet beide Kulturen, beide Länder und beide Lebensweisen. In dieser Welt hat Daniel einen Platz, genauso wie meine deutschen Freunde. Die Welt ist zu klein für Grenzen, das habe ich durch Ecuador gelernt.

Auch gelernt habe ich, wie weh es tut, sich von Menschen für lange Zeit verabschieden zu müssen. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich zurück nach Deutschland gegangen bin. Für mich bedeutete Ecuador viel Freiheit und eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung. Im Gegensatz dazu bedeutet Deutschland Lernen, Arbeiten, Pflichten erfüllen und Verantwortung tragen. Aber Deutschland, das heißt auch, erfolgreich sein, Wissen ausbauen, Studieren und Familie um einen haben. Deutschland bedeutet, Nachts alleine nach Hause laufen, es bedeutet soziale Absicherung und eine Krankenversicherung, es bedeutet, den wertvollsten Pass der Welt zu besitzen. In Ecuador lebt man den Moment und es ist wundervoll, den Moment zu leben, aber ich will nicht nur einen Moment, sondern auch eine Zukunft. Ich will weiterkommen und im Guasmo kommt man nie weiter, als bis an die nächste Esquina.

Aber ich bin auch manchmal traurig. Denn ich liebe meine kleine Ecuadorwelt. Ich liebe sie, weil sie mir die Möglichkeit gegeben hat, ein komplett neuer Mensch zu sein, den ich vorher in dieser Form nicht kannte. Und weil ich so viele Dinge nun viel mehr wertschätzen kann.

Vor allem vermisse ich Menschen in Ecuador, mit denen ich gerne mehr Zeit verbracht hätte,… mehr Gespräche geführt, mehr Fiestas gefeiert und mehr Musik gemacht. Egal woher sie kommen und wie sie aussehen. Ich wäre so gerne Teil ihres Lebens!

Deshalb werde ich auch nach Ecuador zurückkehren. Vielleicht werde ich dann auch länger dort bleiben. Aber ich werde nie ganz dort ankommen können, genausowenig wie ich in Deutschland ganz ankommen kann. Denn solage es an beiden Orten Menschen gibt, die mir wichtig sind, werde ich in Gedanken immer an zwei Orten gleichzeitig leben. Und obwohl das schwierig ist, habe ich endlich begonnen einzusehen, dass es in Ordnung ist, so wie es ist.

 

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