La vida en la Selva

In der Nacht verwandelt sich der Regenwald in ein Meer aus Geräuschen. Dann wird es stockdunkel und alles was irgendwie Beine hat kriecht aus den finstersten Ecken hervor. Es zischt und zirpt von überall her und von Fern kann man den Rio Napo rauschen hören.
Ich stand um ca. 7 Uhr morgens auf und gesellte mich an den schon mit Obst und Brötchen gedeckten Frühstückstisch. Danach putzten wir unsere Zähne und wuschen uns mit Händen und Wasserbechern unsere Gesichter. Um etwa halb neun standen alle fertig zum Aufbruch in ihren Gummistiefeln bereit. So begannen wir unseren Tag mit einer dreieinhalb Stunden langen Wanderung. Im Regenwald zu wandern kann ziemlich anstrengend sein. Zum einen liegt über allem eine feucht/schwüle Hitze, die einen schnell ins Schwitzen bringt, zum anderen muss man bei jedem Schritt aufpassen wohin man tritt, da die Gefahr auszurutschen groß ist.
Wir durchwateten einen kleinen Fluss und blieben immer mal wieder stehen, damit Luis uns etwas über die Tiere und Pflanzen des Waldes erzählen konnte. Dabei erfuhren wir so manchen interessanten „Überlebenstrick“. Zum Beispiel, dass ein Schlangenbiss nur dann giftig ist, wenn er einen, zwei, drei oder höchstens vier Zahnabdrücke zeigt.
Unser Ziel war einer der größten Bäume der Umgebung. Ich hatte noch nie zuvor einen solch riesigen Baum gesehen. Seine Wurzeln umfassten das Ausmaß eines ausgewachsenen Buchenstamms in unseren Wäldern. Sein Stamm war so dick, dass wir ihn zu fünft unmöglich hätten umfassen können. Er überragte die anderen Bäume und stach laut Luis Schätzung um die 45 Meter weit in die Höhe. Säße man auf seiner Spitze, so könnte man den übrigen Wald überblicken und bis in die Sonne schauen….

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Als wir von unserer Tour zurückkamen, waren wir alle ziemlich verschwitzt und stürzten uns sofort zum Baden in den Fluss. Später fuhren wir dann flussabwärts zu einer indigenen Familie. Dort zeigte uns die Señora Marlene, wie man auf natürliche Art und Weise (mit Hilfe einer Pflanze) Fäden und Keramik herstellt. Danach ernteten wir Juka und während das Juka kochte zerstießen wir Kakaubohnen, um Schokolade herzustellen.
Señora Marlene stellt alles auf natürlichem Wege her. Sogar der Pinsel zu, Bemalen der Keramik ist ein speziell aus Kinderhaar angefertigter. Der Kaukau wurde mit Zitronengras gekocht, bis eine Paste entstand. Diese natürliche Schokolade schmeckte zwar anders als gewöhnlich (es war ja auch kein Zucker darin), aber trotzdem vorzüglich. Ich hatte noch nie zuvor reines Juka gegessen und war überrascht, wie gut es schmeckte! Juka ist so eine praktische Pflanze. Wenn man sie erntet muss man einfach die abgebrochenen Äste wieder in die Erde stecken und es wächst eine neue Pflanze daraus. Außerdem kann man so vieles mit Juka machen: kochen, stampfen, frittieren… Die Indigenas stellen daraus sogar eine Art alkoholisches Getränk her, das gleichfalls vorzüglich schmeckt. Ich nahm mir also nach diesem Ausflug fest vor, auch in Deutschland Juka zu pflanzen.
Die Kinder, Neffen und Cousinen der Señora Marlene waren über unseren Besuch überaus erfreut. Sie drückten uns Blumensträuße in die Hand und wollten unbedingt Fotos mit uns machen.
Zuletzt wurde uns noch gezeigt wie man Gold im Fluss wäscht. Das ist eine ziemlich anstrengende Arbeit! Erst müssen Schlamm und Steine in einer Holzschale aufgehäuft und dann in kreisenden Bewegungen mit der Flussströhmung wieder fortgewaschen werden. Da das Gold schwerer ist als der Sand bleibt es am Boden der Schale- und siehe da es blieb am Ende sogar ein feiner Goldstaub in unserer Schale. Im Rio Napo soll es einige Goldvorräte geben, und so mancher wurde durch das Gold Waschen schon ein reicher Mann. Die meisten haben aber kein Glück und alles was die Goldsuche ihnen einbringt ist ein kaputter Rücken, von der schweren körperlichen Arbeit.
Nach dem Abendessen brachen wir zu einer Nachtwanderung auf. Der Wald war stockdunkel. Wir sahen eine Menge Insekten, vor allem Spinnen und einen Skorpion. In der Nacht, wenn man nicht genau sieht wo man hintritt muss man noch mehr aufpassen, dass man nicht stolpert. Um ein Haar wären wir im Fluss gelandet…
Anschließend machte Luis ein Feuer aus Bambusstämmen und kochte uns einen „Amazonas Cocktail“.
Der Wald hüllte uns wieder alle in seine nächtlichen Geräusche. Wir saßen am Feuer und lauschten dem Rauschen des Flusses. Über uns glitzerte so mancher Stern und man konnte sich in jenem Moment kaum einen schöneren Ort auf der Welt vorstellen.

 

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