Esmeraldas mit gutem Essen und vielen Tänzen

Am Donnerstag Abend befanden sich ein Berg verpackter Instrumente und eine Gruppe erwartungsvoller Jugendliche vor dem Gebäude von mi cometa. Wie jedes Mal vor einer Reise wurde alles in letzter Sekunde geplant, eingepackt und hin- und hergeschleppt. Dann gab es noch (zumindest für manche) eine Überraschung. Samuel hatte beschlossen, für das 10-jährige Jubiläum Clave de Surs wieder in Ecuador vorbeizuschauen und kam genau an jenem Donnerstag Abend in Guayaquil an. Für mich fühlte sich es erst etwas seltsam an, dass Samuel in der ganzen Zeit, in der ich in Ecuador war, einmal nach Deutschland und wieder zurück geflogen war, aber nach kurzer Zeit war es für alle wieder ganz selbstverständlich, dass er Teil der Gruppe war. Mein Gastbruder fuhr uns, oder besser gesagt die Instrumente, zum Terminal und als wir dann endlich alles zum Bus getragen und eingeladen hatten, ging die Reise um etwa elf Uhr abends los.
Wir fuhren die ganze Nacht durch und irgendwann um fünf Uhr morgens mussten wir den Bus wechseln, um dann nochmal eine Stunde zu fahren. Um sechs Uhr morgens kamen alle ziemlich müde und zerzaust in Chamanga an. Chamanga ist eine der ersten Städte in der Provinz Esmeraldas und liegt gleich an der Grenze zu Manabi. Viele der Häuser dort sind noch aus Caña und ragen auf Holzbalken gebaut aus dem Meer. Fließend Wasser gibt es kaum. Viele Menschen dort leben vom Fischfang, darum wundert es auch nicht, dass wie schon zum Frühstück Shrimpsuppe serviert bekamen.

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Ankunft am Morgen

Danach wurde uns eine kleine Stadttour gegeben. In Chamanga wohnen ca. 2000 Menschen, es ist also eher ein Dorf als eine Stadt. Der Ort ist von aus dem Wasser ragenden Mangrovenwäldern umgeben. Wir fuhren ein Stück in einem sehr wackeligen Boot. Dann trafen sich alle am Steg und plötzlich hatte jemand die wunderbare Idee Baden zu gehen. Schade nur, dass niemand Badesachen dabei hatte. Aber den Ecuadorianern machte das natürlich nichts aus. Wer nicht mitbaden wollte (wie ich zum Beispiel) wurde mitsamt seiner ganzen Kleidung in das nicht besonders saubere Wasser geworfen. Nur die, die nicht schwimmen können wurden verschont. Danach wurde ‚geduscht‘ und darauf gewartet, dass die Organisatoren einen Platz für den Musikworkshop fanden, was sie eigentlich schon im Voraus hätten machen sollen. Leider fehlte es dann anschließend auch an Materialien für die Instrumente, die wir zusammen mit den Kindern bauten. Es machte aber trotzdem Spaß. Ich habe hier erst so richtig festgestellt, wie gerne ich eigentlich mit Kindern arbeite. Später gab es dann Fisch zum Mittagessen und dann konnten wir endlich ein bisschen schlafen.

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Später am Abend wurde dann geprobt. Zuerst probte die Salsagruppe und weil ich dort nicht mitspiele, drehte ich mit Luigi eine Runde durch den Ort.
Die Probe lief sehr gut, weil alle sehr motiviert waren. Begleitet wurden wir von einer Gruppe neugieriger Kinder und Jugendlichen, die sich zum Zuhören und Applaudieren versammelt hatten.
An diesem Abend probten wir bis ca 10 Uhr abends… Unser Schlafplatz war ein großer, mit Matratzen ausgelegter Raum und weil es nicht genug Matratzen für alle gab, schlief jeder einfach irgendwo.

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Mit den Kindern aus Chamanga

Am nächsten Morgen dann, begann der Tag mit noch mehr Proben und mit einem zum Glück sehr leckeren Frühstück (Reis, Fisch und Kochbananen).
Danach konnten wir der Musik zum Glück für kurze Zeit entkommen. Mit dem Mototaxi fuhren wir zu einem Fluss und gingen baden. Der Fluss war sehr schön! Von einem Felsen aus konnte man sich an ein Seil hängen und ins Wasser fallen lassen. Und weiter hinten hatte ein Baum und einige Schlingpflanzen einen natürlichen Vorhang aus lebendem Grün geschaffen. Wir badeten und die Jungs ließen Steine über das Wasser hüpfen. Auf dem Rückweg aßen wir Orangen. Eine Orange kostet hier höchstens 5ct erklärte man mir.
Dann mussten wir noch den Sportplatz herrichten, auf dem wir uns am Abend präsentieren sollten. Wir schleppten also Stühle und bauten ein Zelt auf, unter das wir später die Instrumente platzierten. Das Konzert sollte um sieben Uhr abends beginnen, aber natürlich sind wir in Ecuador und das Ganze fing erst um acht an. Zum Glück muss man sagen, denn alle waren noch in irgendwelchen Häusern, die die freundlichen Menschen von Chamanga uns zum Duschen bereitstellten. Jemandem aus Deutschland mag es erstmal seltsam vorkommen, ohne fließendes Wasser zu leben. Aber die Menschen in Chamanga sind so überaus fröhlich und glücklich!
Das Konzert wurde sehr anstrengend, weil es überaus lange dauerte und wir leider als erstes und als letztes spielten. Dazwischen häuften sich verschiedene künstlerische Darbietungen, so zum Beispiel Tänze, Theater und Gesang. Mehre Gruppen führten einen für Ecuador typischen Tanz auf: Marimba. Dazu tragen die Frauen lange, bunte Röcke, die sie zu allen Seiten schwingen, während die Männer, ebenfalls in traditioneller Kleidung mit Taschentüchern winken. Natürlich waren diese ganzen Darbietungen sehr interessant, aber nach einer Weile wurden wir auch müde und wir mussten ja noch spielen…
Als wir nachts um zwölf dann endlich an die Reihe kamen, waren Mikrofone und Sound durch all jene die sich vor uns präsentiert hatten so verstellt, dass der Klang ziemlich schlecht war. Und hinzu kam auch, dass es so spät war, dass viele aus dem Publikum schon nach Hause gegangen waren.
Nach dem Konzert mussten wir die ganzen Instrumente zurück zu unserem Haus tragen. Alle waren ziemlich müde und hungrig und so begannen ein paar um ein Uhr morgens zu kochen. (Natürlich wie immer Fisch)
Ich blieb aber nicht mehr so lange wach. Jeder suchte sich wieder irgendwo einen Platz auf irgendeiner Matratze und irgendwann um drei Uhr morgens fielen auch die letzten in tiefen Schlaf.
Eigentlich hatten wir am nächsten Morgen früh morgens aufbrechen wollen, um gegen Nachmittag wieder im Guasmo zu sein. Aber alle waren müde vom Vorabend.mund als uns dann von Seiten unserer Gastgeberin auch noch Ceviche angeboten wurde, ließen wir uns dazu hinreißen deutlich länger zu bleiben als geplant.
Leider ging dann auch noch ein Bus auf der Reise kaputt und wir mussten zweimal umsteigen. Die Stunden vergingen und vergingen und erst gegen halb zwölf nachts kamen wir in Guayaquil an. Aber egal wie viele Stunden wir unterwegs waren, wir hatten sehr viel Spaß gehabt, haben neue Menschen kennengelernt, Musik gemacht, ich hatte das erste Mal die Provinz Esmeraldas besucht, wir hatten Samuel zurück in unserer Gruppe und für mich begann von diesem Zeitpunkt an etwas Neues.

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Konzert am Abend

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