10 AÑOS Clave de Sur

Wir hatten nun schon so lange geplant, schon vor Monaten über diesen einen Tag debattiert, Songs geschrieben, Bandproben organisiert…
Da war es nun plötzlich soweit. Der siebte August und damit das Jubiläumskonzert war gekommen.
Am Morgen jenen Tages wachte ich ziemlich müde und dazu auch noch mit einer heftigen Erkältung auf, den Kopf voll all der Dinge, die noch organisiert werden mussten. Eloisa schuf ein kleines Kunstwerk auf meinen Fußnägeln. Da stand schließlich: Clave de Sur – 10 años geschrieben. Dann packte ich all meine Sachen zusammen und in der Metro fuhren wir ins Zentrum zur Casa de la Cultura. Wir trafen dort um ca. 3 Uhr nachmittags ein und um sieben Uhr abends sollte das Konzert beginnen. Es musste aber noch so viel organisiert werden. Zum Glück hatte John mit Hilfe von Samuel und ein paar anderen schon die Instrumente aufgebaut. Es fehlte allerdings ein genauer Plan des Abends und vor allem der Soundcheck. Wenn man an einem Abend mit ungefähr 10 verschiedenen Bands spielt, die alle ein unterschiedliches Genre haben, (über Klassik zu Rock und Salsa) ist es sehr, sehr schwer, immer einen guten Klang zu bewahren. Folglich klappte auch bei diesem Konzert nicht alles, obwohl wir schon so lang im Voraus geplant hatten. Wie immer kam der ein oder andere zu spät zum Konzert, ohne sich darum zu sorgen, dass wir pünktlich beginnen mussten, weil wir die Casa de la Cultura nur bis zu einem bestimmten Zeitraum besetzen durften.
Als es dann sieben Uhr war, sah ich mich ein wenig nervös nach meinen Schülern um. Wir sollten an dritter Stelle spielen. Ich trieb alle zusammen und sorgte dafür, dass die Geigen gestimmt waren, als mir meine Schüler nach plötzlichem Nachfragen einstimmig erklärten sie hätten ihre Noten vergessen. In meiner Not schickte ich Miguel, einen meiner Schüler, los Kopien machen zu lassen. In Ecuador kann man sich zum Glück an fast jeder Straßenecke für 10ct eine Kopie machen lassen.
Das Konzert begann also, die Gäste wurden willkommen geheißen und direkte Programmpunkt wurde abgerufen. Nur dass Marcos leider etwas nervös war und sich beim Ankündigen vertan hatte. Anstatt des geplanten Klaviervorspiels wurde sogleich die Geigengruppe aufgerufen und da stand ich nun, mit meinen zehn kleinen Geigern, allesamt ohne Noten und unfähig zu spielen. Das Publikum applaudierte natürlich und als wir nicht auf die Bühne traten meinte Marcos, wir seien nur etwas schüchtern und man solle uns doch bitte mit noch einem Applaus beschenken. Ich war nahe daran auf die Bühne zu treten und zu gestehen, dass uns ein kleiner Fehler unterlaufen war, als ich am Ende des Saals Miguel mit den Kopien durch die Tür kommen sah. Also traten wir sogleich alle auf die Bühne und ich war schon unglaublich erleichtert, bevor wir nur einen einzigen Ton gespielt hatten. Dann begannen wir mit dem Vorspiel und trotz all der Aufregung gelang es uns sehr gut. Ich war nur so gestresst, dass ich mich in diesem Moment einfach nur müde fühlte. Aber im Nachhinein, als ich ein Video der Präsentation sah, fühlte ich mich sehr stolz. Dies waren die Schüler, denen ich vor etwa zehn Monaten begonnen hatte Musikunterricht zu geben und nun spielten sie in einer Gruppe, mit Klavierbegleitung und nach drei einhalb Monaten (fast verzweifelnder) Proben klang es auch noch wirklich gut.
Aber zurück zum Konzert. Das war nämlich noch lange nicht vorüber. Sehr viele Dinge an diesem Abend gelangen uns sehr gut. Es wurde sich bei den Koordinatoren Clave de Surs bedankt und Magdalena brach bei ihrer Rede in Tränen aus. Viele Menschen, die beim Prozess der Musikschule mitgewirkt hatten, wurden namentlich erwähnt oder auf die Bühne gerufen. Musikalisch gelang uns auch einiges. Samuel war den ganzen Abend damit beschäftigt Mikrofone hin und herzuschieben. Das „Orchester“ spielte leider ziemlich kläglich. Das erste Lied das wir spielten hieß „el alma en los labios“ und ist ein typisch ecuadorianischer Pasillo. Hierbei begann leider Josi schon ziemlich unsicher und nachdem sie sich verspielt hatte, begannen alle anderen sich auch zu verspielen, bis plötzlich eine riesige Pause entstand, in der keiner spielte. Nur Paul und ich, mit dem ich viele, viele Stunden über das Lied eingeübt hatten, spielten von Anfang bis Ende im richtigen Tempo. Dadurch entstand eine ziemlich seltsame Experimentalmusik ähnelnder Mischung. Und auch das Lied, das John extra für das Jubiläum gespielt hatte gelang uns nicht gut. Daniel begann in einem Tempo, dass ungefähr dem doppelten von dem entsprach, das wir gewohnt waren. Da Samuel nicht spielte, musste ich plötzlich eine komplett andere Stimme spielen und das ganze endete in ziemlichem Chaos.
Danach sollte dann das 30minütige Video abgespielt werden, dass Ana über Clave de Sur zusammengestellt hatte aber die Technik ließ uns leider im Stich und am Ende wurde ohne Video weitergemacht.
Aber all diese kleinen Probleme waren verzeihlich, denn die Jungs spielten mit so viel Freude und Liebe für die Musik. Einige der Gruppen präsentierten sich exzellent und nahezu fehlerfrei. Als ich zum Beispiel mit der Rock Latino Gruppe spielte gelang uns das Stück besser als in jeder Probe.
Am Ende spielte die Salsa Gruppe und Magdalena und Rodolfo tanzten auf der Bühne.
Danach verließen alle schlagartig den Saal, denn draußen hatten wir einen kleinen „Cocktel“ hergerichtet, der eigentlich für die Familien hätte sein sollen, schließlich aber von allen genutzt wurde. Alle gratulierten uns. Es waren Freiwillige und Freunde aus Playas, Olón, Quito, Cerritos und anderen Orten Ecuadors gekommen. Der Saal war voll gewesen und das Konzert ein Erfolg. In Grandotes Camioneta fuhr die Mehrheit zurück in den Guasmo. Dort wurde schließlich im Haus von Daniel und auf der Straße gefeiert. Aber obwohl so manch einer bis um acht Uhr morgens dort blieb, war ich müde und vor allem krank und ging darum verhältnismäßig früh zu Bett. Vielleicht war das auch ein Glück, denn sonst wäre ich vielleicht am nächsten Morgen nie aufgestanden, um mit den Jungs zur Garza Roja zu gehen…

11855757_1670112969892216_4200967034027068377_n

Die Geigengruppe beim Konzert

 

IMG_8448

Große Bühne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.