Abschied aus Deutschland und Ankunft im Guasmo

Um 3 Uhr morgens machte ich mich sehr, sehr müde auf den Weg zum Stuttgarter Flughafen. Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, weil ich mich noch mit Freunden in der Stadt verabredet habe. Es war ein wunderschöner Abschiedsabend und ich bin sehr froh, all die Menschen nocheinmal gesehen zu haben, die mir so wichtig sind.
Um sechs Uhr startete mein Flugzeug in Stuttgart. Eineinhalb Stunden später stand ich in Amsterdam auf dem riesigen Flughafen und versuchte mein Gate zu finden. Ich schlief schon beim Warten auf meinen Anschlussflug fast ein. Noch einmal durch eine Sicherheitskontrolle und dann saß ich endlich im Flieger. Es ist ein sehr seltsames Gefühl, wenn man weiß, dass man das kommende halbe Jahr nicht zu Hause sein wird. Deshalb machte ich mir den ganzen Flug über Gedanken (wenn ich nicht gerade schlief). Ich wusste nichts über meine Gastfamilie und konnte nur hoffen, dass mich irgendjemand am Flughafen in Guayaquil abholen würde. Ich fragte mich auch oft, ob ich es ein halbes Jahr in einem so fremden Land aushalten würde und begann bei 14 Stunden einsamen Flugs schonmal meine Familie zu vermissen.
Plötzlich landeten wir dann in Guayaquil und alle schnappten sich ihr Gepäck und strömten zum Ausgang des Flugzeugs. Ich lief einfach allen anderen hinterher und fand so den perfekten Weg durch Passkontrolle, Gepäckausgabe und Zoll. Am Ausgang wartete dann schon meine Gastfamilie auf mich! Meine Gastmama Erica, mit ihren zwei Kindern Kristel und Catalina und noch ein paar Freunden. Sofort wurde ich von allen umringt, jeder wollte sich mir vorstellen. Irgendjemand nahm mir meinen Rucksack und meinen Koffer ab und wir verließen gemeinsam den Flughafen. Ich war in dem Moment einfach nur froh, dass mich jemand abgeholt hatte, und dass so liebe Menschen um mich waren. Mit dem Taxi (einem sehr großen Taxi, denn es mussten alle hineinpassen plus meines Koffer, meines Rucksack und meiner Geige) fuhren wir dann zum Guasmo. Erica zeigte mir mein Zimmer, das im zweiten Stock des Hauses liegt, weshalb ich von meinem Fenster aus einen wunderbaren Ausblick auf die Straße habe. Wenn ich auf meinem Bett liege, kann ich durch das Moskitonetz das Wellblechdach sehen. Die kleinen Straßen im Guasmo, die vielen Hunde, das warme Wetter,.. Alles war mir sofort sympathisch. Zum Abendessen fuhren wir zur Mama von Erica. Wir quetschten uns zu siebt ins Auto und die Musik wurde laut gedreht. Ich starrte aus dem Fenster und versuchte zu realisieren, dass ich jetzt hier in Ecuador, so weit weg von Deutschland war. Obwohl ich in der Schule drei Jahre Spanisch gelernt habe, verstehe ich fast nichts und kann auch nur sehr schlecht sprechen. Aber alle sind sehr geduldig mit mir und versprechen, dass ich sehr schnell dazulernen werde.Ich kann das nur hoffen. Am Abend ging ich früh schlafen, weil ich einfach so müde war! Unten lief Musik, irgendjemand feierte Geburtstag und die Hunde bellten. Auch am Morgen war es furchtbar laut. Um 6 Uhr fingen die Hähne an zu krähen und ich konnte nicht mehr schlafen. Also packte ich meinen Koffer aus, was ich am Abend absolut nicht mehr geschafft hatte und laß die vielen Abschiedsbriefe, die mir meine Freunde aus Deutschland mitgegeben hatten. Es waren alles super liebe Briefe und ich musste auch ein bisschen weinen, als ich sie laß. Aber dann wachte später zum Glück meine Gastfamilie auf und wir frühstückten zusammen, tauschten Fotos und Gastgeschenke aus und redeten (so gut es ging) miteinander. Meine Gastmutter sagte mir, ich sei jetzt ihre Schwester und ich solle mir keine Sorgen machen, weil sie auf mich aufpassen würde. Sie erklärte mir, dass sie eine kleine Familie seien, aber mit großem Herzen.
Später kam dann Jana vorbei und ich war sehr glücklich sie zu sehen. Wir redeten lange miteinander und sie erzählte mir von ihrem bisherigen Aufenthalt. Ich bewunderte sie, weil sie sich so gut allein zurechtfand, schon so viel gereist war und wirklich gut Spanisch spricht.
Am Abend, so gegen 6 Uhr wurde ich sehr müde. Ich legte mich ins Bett und wachte auf, als ein fremdes Mädchen in mein Zimmer trat. Das war Johanna, die einen Tag nach mir nach Ecuador geflogen war und später (leider) weiter auf die Galapagos reist. Sie wohnt jetzt für ein paar Tage mit mir zusammen. Ich glaube wir sind beide froh, uns gegenseitig zu haben und redeten noch lange, als wir schon im Bett lagen.

 

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Die Straßen im Guasmo Sur

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