Aufwachen im Paradies

Kakaoplantagen, Orangenbäume, heiße Quellen und reißende Flüsse. Das findet man, wenn man den Großraum Guayaquils verlässt und aufs Land fährt.

Shagal ist ein kleines Dorf, das mit dem Bus von Guayaquil in etwa vier Stunden zu erreichen ist. Allerdings muss man das letzte Stück mit dem Pick Up fahren, da keine Busse im Dorf halten. Als ich das letzte Mal in Ecuador war, bin ich bereits einmal nach Shagal gefahren, da Musiker ohne Grenzen auch dort eine Musikschule hat. Jetzt bat ich die Jungs um den Gefallen, mit mir ein Wochenende in das Dorf zu reisen. Wir fuhren an einem Samstagmorgen los. Als ich im Pick Up saß und die holprige Straße nach Luz y Guía entlang fuhr, waren meine Erinnerungen so frisch wie selten. An dieser Biegung hatte der Wagen das letzte Mal gehalten,… hier hatten wir gewartet… diese Straße waren wir entlang gelaufen. Es ist so seltsam nach einem halben Jahr an einen geliebten Ort zurückzukehren. Man denkt man wäre nie fort gewesen, obwohl die Zeit einen eines besseren belehrt. Wir hielten am Haus der Señora Lupe und weil niemand da war, aber das Haus offen war, stellten wir all unsere Sachen ab und begannen zu kochen. Es war ein schöner Nachmittag, die Sonne schien und die Luft war feucht

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Auf dem Weg zum Orangen ernten

. Wir pflückten Limonen und machten daraus Saft, da die Orangen leider noch nicht reif waren. Dann beschlossen wir zu den heißen Quellen zu gehen. Wir liefen in Richtung des Dorfes und nahmen von da aus ein Camioneta zu den Quellen. Im Camioneta saß eine Mutter mit zwei Kindern, einer kleinen Tochter und einem älteren Sohn. Sie fragte woher wir kämen und wir verwickelten sie in ein Gespräch. Sie wohnte ganz in der Nähe der Quellen und erzählte uns von einem schönen Fluss, an den ihr Sohn und führen wollte. Wir vertrauten ihr und folgten dem Sohn auf dem Weg zum Fluss. Es war ein langer und beschwerlicher Weg, aber er führte uns vorbei an vielen Maracuja Plantagen und wir füllten unsere Rucksäcke mit den Früchten. Als wir schließlich ankamen, sahen wir, dass es tatsächlich ein schöner Fluss war, aber er war kalt und floss sehr schnell. Wir badeten kurz, aber Daniel wäre auf Grund der Strömung beinahe ertrunken und wollte danach nicht mehr ins Wasser. Mir war vor allem kalt und deshalb beschlossen wir doch noch zu den heißen Quellen zu gehen. Dort verbrachten wir den ganzen Nachmittag. Wir saßen im warmen Wasser, im Nieselregen und tranken kaltes Bier. Gegen sechs Uhr abends beschlossen wir zu gehen. Es regnete immernoch und auf der Ladefläche des Camionetas war es kalt und unangenehm.

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Als wir am Haus ankamen waren die Hausbesitzer auch endlich eingetroffen. Sie begrüßten uns und schlugen uns vor, uns in einem seperaten Haus, an einem anderen Ort, wo mehr Platz sei unterzubringen. Also schnappten wir uns unser Gepäck und fuhren immer tiefer durch die Kakao und Orangenplantagen. Als ich aus dem Auto ausstieg war es rabenschwarz um mich und ich konnte kaum etwas erkennen. Ich hörte deutlich einen Fluss rauschen und sah nach wenigen Metern Fußweg auch die Fassade eines Hauses. Es war ein sehr schönes Haus, mit einer Glaswand und einer Glastüre, einem großem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, einem Bad und einer seperaten, offenen Küche. Lady, Kathi und ich kochten Reis, Patacones und Ei. Die anderen machten aus den Maracujas Maracujasaft. Den Abend verbrachten wir im Wohnzimmer, bis es sehr spät war und sogar die letzten schlafen gingen. Als ich am Morgen aufwachte waren die Matrazen neben mir leer. Die anderen saßen schon beim Frühstück. Die Sonne schien hell und als ich aus der Glastür ging, konnte ich sehen, dass das Haus auf einer Art Klippe stand. Unterhalb von mir erstreckte sich der Fluss, den ich gestern Nacht gehört hatte. Es war wunderschön!

IMG_4069 IMG_4051Alles war grün und frisch, die Luft roch gut, der Himmel war wolkenlos. Wir frühstückten und liefen zum Fluss, um uns zu baden. Das Wasser war so klar, dass man es trinken konnte. Alles war so friedlich und schön! Gegen nachmittag packten wir unsere Sachen. Ich wäre gerne noch länger geblieben aber es war Sonntag und Montag bedeutete für einige meiner Freunde wieder Alltag und Arbeit. Als wir in Guayaquil am Terminal ankamen schlug uns die Hitze, der Lärm und der Schmutz ins Gesicht. Ich glaube es gibt keinen heißeren Ort in ganz Ecuador, als Guayaquil. Der Konrast zwischen dem ruhigen Landleben und der hektischen Stadt wurde nur zu deutlich, als wir uns in die volle Metrovía drängten. Aber es störte mich kaum. Ich mochte Guayaquil, so wie es war, auch wenn es unglaublich schön war, sich mal eine Auszeit davon zu gönnen, um in ein kleines, unscheinbares Paradies zu reisen.

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