Jamaikitchen :D Was essen wir so?

Gud dey! Aalrait?

 

Good vibes in da ‚ouse! Mi fulljoy ma life!

Erneut nehme ich euch mit in meine kleine jamaikanische Trench Town Welt. Was ist die letzten Tage noch so abgegangen? Ich werde bräuner und bräuner, habe es also zumindest farblich bald zum Brownie geschafft. Ansonsten ist nicht viel passiert, doch so komme ich mal dazu, über die kleinen Dinge zu schreiben, die das Leben hier ausmachen, zum Beispiel das Essen.

 

Jamaika und Essen – was kommt euch dabei in den Sinn? Über das Essen hatte ich mir tatsächlich überhaupt keine Gedanken gemacht, bevor ich hier her gekommen bin. Umso besser, so konnte ich sämtliche Sinneseindrücke für kulinarische Neuigkeiten offen halten. Maximal hätte ich erwartet, dass afrikanische Einflüsse in der Küche gelten könnten, aufgrund der ‚roots‘ der Nachkommen der ehemaligen Sklaven, die einen Großteil der Bevölkerung ausmachen. Das kann ich nun vor Ort nicht bestätigen. Vorneweg muss ich erwähnen, dass meine bisherigen Erfahrungen auch eng mit dem Leben in Trench Town zusammenhängen. Wir kochen hier jamaikanisch nach den Kochempfehlungen unserer Gastfamilie; in anderen, reicheren Gegenden würden sicherlich andere Erfahrungen gemacht werden.

 

Jamaikas Früchte und Gemüsesorten sind abwechslungsreich und bieten dem europäischen Gaumen geschmacklich brisante Entdeckungen. Die „Nationalfrucht“ heißt Ackee. Umgeben von einer roten Schale befinden sich innen mehrere nussgroße Stückchen „Fruchtfleisch“ mit jeweils einem schwarzen „Kern“ an der Seite. Schwer zu beschreiben, sieht ulkig aus. Schmeckt tatsächlich auch nussig, wird als Nationalgericht mit Saltfish serviert. Fisch habe ich seit meiner Ankunft aber noch gar nicht gegessen. Außerdem habe ich bisher Yum probiert, eine Wurzel, die vom Geschmack von Kartoffel nur minimal zu unterscheiden ist, außerdem Star apple, was von der Beschreibung her am ehesten einer Orange mit Melonengeschmack gleicht. Die Äpfel, die wir hier kaufen, schmecken bei weitem nicht so, wie wir es gewohnt sind. Sie sind weicher, haben ein kleineres Kerngehäuse und erinnern mich eher an Naschi Birne, nur nicht so saftig. Die Orangen sind hier außen mehr grün als orange und mit Vorsicht zu genießen, da bei übermäßigem Verzehr eine… naja, sagen wir, erhebliche Verlangsamung des Darmtraktes hervorgerufen wird. Ansonsten verzehren wir hier auch normale Kartoffeln sowie Süßkartoffeln, Zwiebel, süße und scharfe Pepper und haufenweise Kohl, letzteres fast täglich. Auch Reis steht fast jeden Tag auf dem Speiseplan. Was für mich auch neu war: das viele Kochen mit Kochbanane („Plantain“) als Beilage. Frittiert, gebraten oder gekocht, es ist regelmäßig auf unserem Speiseplan. Außerdem habe ich noch nie in meinem Leben so viel Kürbis gegessen, und ich find es erstaunlich lecker! Callaloo ist eine Spinat ähnliche Beilage, die in Kombination mit dem Kohl (Cabbage) das Mahl angenehm verfeinert. Dann gibt es noch Ocra, ein längliches, grünes Gemüse, optisch ähnlich den kleinen Gewürzgurken. Wir essen das Zeug eher selten. Ich hab es probiert, als ein Jamaikaner uns ein jamaican Stew zum Probieren anbot. Es ist im Inneren extrem glitschig und hat gustatorisch nicht viel zu bieten. Naja, war auch ne Erfahrung.

 

Wir essen wahnsinnig wenig Fleisch, maximal einmal, zweimal die Woche Corned Beef. Stattdessen gibt es hier Chunks, ein Fleischersatz, den man mit der deutschen Variante des Sojageschnetzelten vergleichen könnte. Schmeckt eigentlich echt in Ordnung, ist bei uns nicht täglich im Essen dabei, aber circa jeden zweiten Tag.

Wie sieht also ein klassisches jamaikanisches Mahl aus? Viel Reis, dazu eine Gemüsepfanne bestehend aus Cabbage, Callalo, (Süß-)Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Pepper, Kürbis, eventuell noch Karotten, Bohnen und Tomaten und ab und zu Chunks/Corned Beef dazu. Klingt doch eigentlich ganz lecker, nicht wahr? Nun ja, wir essen das fast täglich… aber letztendlich passt man sich den Essgewohnheiten des Gastlandes doch gerne an!

 

Eine weitere jamaikanische „Spezialität“ die es hier mindestens alle zwei Tage gibt sind Dumplings, oder auch Festivals genannt. Es handelt sich um kleine Fladen artige Küchlein, süß oder herzhaft gegessen. Sie bestehen aus Mehl, Maismehl, Backpulver, Wasser, Salz sowie eventuell Zucker. Dumplings werden entweder gebraten oder gekocht. Manchmal essen wir sie als Beilage zum bereits erwähnten Mahl, manchmal zum Frühstück wie kleine Brötchen mit Konfitüre oder Schokocreme. Apropos Schokocreme, Nutella ist hier – pardon – ARSCH teuer! Ein winziges Gläslein gibt es hier nicht unter 7€! Von daher ist das eher ein seltener Genuss.

Eine weitere jamaikanische Spezialität, die ich aber bisher nur im Restaurant gegessen habe, ist Jerk Chicken. Eine besondere Hähnchenmarinade, die super lecker ist. Ein großer Verkaufsschlager auf der Insel sind die sogenannten Patties, gefüllte Teigtaschen. Die populärsten Pattiefüllungen sind Beef, Chicken, Fish, Shrimps und Cheese. Des Weiteren ist geschieht es nicht selten, auf der Straße auf Suppenverkäufer zu treffen, die aus großen Pötten für wenig Geld einen Suppenbecher auffüllen. Für den süßen Hunger am Nachmittag gehen wir zu einem kleinen Shop um die Ecke und holen uns Bulla, kleine Kuchenstückchen, schmeckt nach Honigkuchen, obwohl im Teig kein Honig drin ist (zumindest laut Chefkoch :D).

 

Nach fast 6 Wochen kann ich aber bei allem, was ich hier esse auch langsam realisieren, was ich an Deutschlands Kulinariawelt vermisse. Die Eintönigkeit der Speiseplanabwechslung stört mich (noch) nicht so sehr, doch einige Lebensmittel fehlen mir schon arg, zum Beispiel Käse und Milch. Nudeln mit Tomatensoße oder Mac ’n‘ Cheese gönnen wir uns ab und zu, aber eher selten. Alle paar Wochen gibt es sogar Rührei zum Frühstück, aber das ist dann schon die Krönung des Speiseplans. Wenn wir beim Einkaufen mal in der Nähe eines Supermarktes sind, schlagen wir dann alle auch mal gerne zu und gönnen uns Cookies, Chips, oder ich mir ne Schokomilch. Frische Säfte vermisse ich, denn alles, was man sich hier an Getränken holen kann, schmeckt entweder chemisch oder ist total überzuckert. Ach ja, bei den Getränken ist noch ein Saft einer abgefahrenen Frucht dabei: Sorrel. Man stelle sich eine Frucht vor, die scharf wie Ingwer und süß wie Beeren zugleich ist.

 

Schade ist, dass ich euch bildertechnisch nicht viel bieten kann. Zu gerne würde ich Bilder von unseren Einkaufsnachmittagen machen. Warum das eher ungünstig ist? Wenn wir einkaufen gehen, dann auf den günstigsten Märkten in Downtown, und da wimmelt es nur so von Taschendieben. Über Downtown selbst könnte man auch einen ganzen Blogeintrag schreiben: Bunt, laut, dreckig, überfordernd, eng, einzige Weiße im Umkreis von mindestens einem Kilometer. Doch ich müsste Bilder sprechen lassen, und die trau ich mich nicht zu machen. Wenn dir schon die Einheimischen davon abraten, das Smartphone nach Downtown mitzunehmen, halte ich mich doch gerne an diesen Vorsatz…

Für weitere Eindrücke verlinke ich hier mal die Wikipediaseite über jamaican food.

 

Bilder gibt es trotzdem, und zwar von einem sehr, sehr schönen Ausflug auf eine Insel, naja, eher Sandbank im Süden von Kingston. Mit einem kleinen Boot fährt man von Port Royal (Ja, die Stadt in Fluch der Karibik ist an eben dieses angelehnt) nach Lime Cay. Das war bisher der paradiesischste, karibischste Ausflug, den wir hier bisher gemacht haben! Ich habe noch nie so türkis farbenes Wasser gesehen wie dort, so feinen Sand erlebt,… es war wie Urlaub vom Urlaub. Gönnt es euch einfach 😀

 

Umärmel an alle Leser!