jamaican life update I – teaching music and fulljoying our lifes

Aktuelles aus Trench Town und Schilderungen der letzten Ausflüge

Es grüßt das braun gebrannte Fräulein Danner! Während Deutschland von Eiseskälte geplagt wird, lassen wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Also ehrlich, so braun war ich noch nie, und das ohne jemals auf der Insel einen heftigen Sonnenbrand erlitten zu haben. Mal sehen, wie lange sich das in Deutschland hält. Es folgt ein vielseitiges Update der letzten Wochen mit bunten Erlebnissen. Die Schilderungen werden etwas ausufern, deswegen werde ich meine Beiträge auf diesen und einen weiteren Post innerhalb dieser Woche verteilen. Viel Spaß beim Eintauchen in Claudels kleine Karibikwelt (Alliteration for president) 😀

Wie läuft das Unterrichten?

Mittlerweile befinde ich mich in meiner 10. Jamaikawoche, sodass das Unterrichten zur Routine geworden ist. Montags bis freitags befinden wir uns frühs für eine Musikstunde weiterhin an Basic Schools oder an der privaten Schule für Sonderschüler im Teenie-Alter. Meine Erfahrungen aus dem Studium haben mir gute Dienste geleistet, um zusammen mit den anderen Freiwilligen und deren Ideen vielfältige Unterrichtsstunden vorzubereiten. Es ist immer wieder schön, den ein oder anderen Fortschritt der Schüler zu beobachten, auch wenn dieser noch so klein zu sein scheint. Manchmal ist es schwierig einzuschätzen, was man von den Kleinen (und Großen, die können manchmal aber nur genauso viel wie die Kleinen) abverlangen kann. Vor allem die Basic Kids haben oft Probleme, Anweisungen konkret umzusetzen oder halten sich nicht an die Call ’n‘ Response- Weise „Wir machen vor, ihr macht nach“ sondern reden zwischendurch schon rein, rennen auf uns zu, umarmen uns oder werfen sich auf den Boden. Im Vergleich zum deutschen Schulsystem handelt es sich bei diesen „Schulkindern“ ja eigentlich um Kindergartenkinder, und oft denke ich mir, wenn ich die Kleinen in ihren Uniformen mehr oder weniger gerade im Stuhl sitzen sehe: Lasst doch die Kleinen einfach mal spielen! Aber vielleicht sind genau dafür unsere Musikstunden auch da, dass sie sich mal etwas wilder bewegen können. Und auch wenn es mal etwas anstrengender wird, das Freudengeschrei auszuhalten, so denke ich mir, schreit los, ihr Pimpfe, denn wenn wir den Raum wieder verlassen, müsst ihr wieder konzentriert eure Schulbank drücken (was die Kids eh nicht machen, weil sie dafür viel zu wuselig sind!). Ich bin gespannt, was ich nach meiner Jamaikazeit vom deutschen Unterricht halten werde… 

Der Nachmittagsunterricht läuft mal gut, mal weniger gut. Wir dürfen leider immer noch nicht im Culture Yard unterrichten, da es Unstimmigkeiten über finanzielle Vorstellungen gab. Wie so oft im Leben hat also wieder das liebe Geld das letzte Wort. Wir unterrichten also im Haus. Manche mögen sich unseren Unterricht ähnlich wie in einer Musikschule vorstellen: ein fester Termin mit der Lehrkraft, man kommt und man geht wieder. Ein solcher Ablauf würde jedoch mit dem jamaikanischen Zeitgefühl und -management nicht übereinstimmen. Meist läuft es so ab: die Kids wissen: Zwischen 15 und 18/18.30 Uhr können sie zu uns ins Haus zum Unterricht kommen. Das Motto lautet dann: „first come, first serve“, und dann wird drauf los unterrichtet, bis der Abend anklingt. Wir unterrichten im Wohnzimmer, auf dem Dach und mittlerweile auch im Park des Kreisverkehrs vor unserer Haustür. Leider sind dort die Bänke recht unbequem, ansonsten ist gerade dieser Ort ein sehr schöner Platz zum Unterrichten, umgeben von Kokospalmen und anderen Gewächsen.
Mittlerweile habe ich wirklich alles unterrichtet, was ich anbieten kann: Klavier, Gesang, Gitarre, Ukulele, Blockflöte. Wer will, dem zeig ich auch die Melodika, die hier als MoG-Instrument zur Verfügung steht. Ich habe nur wenig „feste“ Schüler. Einen Gesangsschüler, er hat sich als „Lion“ vorgestellt (hier haben fast alle einen Spitznamen), unterrichte ich ein bis zwei Mal die Woche. Er ist allerdings bereits erwachsen und gerade dabei seine eigene Firma aufzubauen, dementsprechend von einer zuverlässigeren Natur als so manch anderer Jamaikaner. Im Gegensatz zu vielen anderen ist er auch unglaublich dankbar und scheint immer sein Bestes zu geben. Für manche Kinder ist das alles nur Spaß, und wir müssen uns manchmal gegenseitig darauf hinweisen, dass es unser gutes Recht ist auch mal ein Kind vor die Tür zu setzen, wenn es unseren Musikunterricht und unser Haus mit einer Art Spielplatz verwechselt.

Kleine bis große Erlebnisse

Vor 2 Wochen hatten wir sogar einen weiteren Auftritt: am 23. Februar war Jamaica Day. An diesem Tag ziehen alle Schüler nicht ihre Schuluniform an, sondern tragen Klamotten ihrer Wahl in den Farben Jamaikas. Die Charlie Smith Highscool hatte uns gebeten, unsere Performance vom Bob Marley Earthday zu wiederholen. Davon abgesehen, dass wir von diesem gewünschten Auftritt einen Tag vorher erfahren hatten, lief es eigentlich ganz gut. Ich musste zwar spontan den Klavierpart übernehmen, weil unser Freiwilliger, der es im Bob Marley Museum pianistisch unterstützt hatte, schon abgereist ist (Hallo Yannis, wir vermissen dich, big up yourself!) aber außer ein, zwei verrückten Akkorden klang es eigentlich ganz gut. Mittlerweile führen wir gerade einen Music Club in der Charlie Smith ein und die Schüler scheinen recht interessiert auf die Aussicht einer Bandgründung zu sein. Hoffen wir, dass das klappen wird.

Oooh, von einem Ausflug habe ich ja auch nicht erzählt! Einen Tag nach dem Jamaica Day wollten wir einen Tagesausflug zu einem Strand machen, der Ort und Strand heißen Treasure Beach. Im Reiseführer wurde die Gegend erwähnt, weil sie trotz schönen Strandes als wenig touristisch und dörflich ruhig beschrieben wurde. Auch Suarez war von dieser Idee recht angetan, weil er an diesem Ort auch noch nicht war. Unsere Badetücher und Bikinis im Gepäck machten wir uns früh auf, um sobald wie möglich am Strand liegen zu können. Leider stellte sich auf dem Weg dorthin heraus, dass wir von Kingston aus nicht direkt nach Treasure Beach fahren können, sondern mehrmals umsteigen mussten. Von der Strecke her hätte unsere Anreise höchstens so lange wie die 3-Stunden-Fahrt nach Belmont (Grasplantage, vorletzter Blogeintrag!) dauern müssen. Letztendlich waren wir durch 2 mal Umsteigen über 4 Stunden unterwegs und hatten nur knapp 3 Stunden Zeit, um uns am Strang zu räkeln. es war ziemlich bewölkt, aber das war uns nur recht, denn so wurden wir von der Sonne nicht gegrillt. Besonders wird mir dieser Strandausflug in Erinnerung bleiben, weil ich in die höchsten Wellen gesprungen bin, in denen ich je gebadet habe! Es war wirklich umwerfend toll, vielleicht wäre es ein Paradies für Surfer? So war der kurze Strandbesuch auf jeden Fall den Ausflug wert, wobei ich zukünftigen Freiwilligen auf jeden Fall eine Übernachtung empfehlen würde. Denn auch die Rückfahrt kam mit einigen Tücken: unser letzter Bus, in den wir stiegen, hatte im Laufe der Fahrt einen Platten bekommen, und wir mussten an einer Tankstelle eine Weile verharren. Dennoch handelte es sich definitiv um einen gelungenen Ein-Tages-Ausflug, mit kleinen Hindernissen.

Vorletzten Freitag gab es noch ein besonderes Erlebnis. Kevin, der Cousin unseres Gastbruders Suarez erzählte uns etwas von einem Videodreh in Trench Town, der bald stattfinden würde und ob wir bereit wären, daran teilzunehmen. Wir sagten einfach mal zu, ohne groß zu wissen, was auf uns zukommen sollte. Es hatte irgend etwas mit Trench Town zu tun, eine Dokumentation oder so ähnlich, stellte sich auf Nachfrage raus. Einen Tag vorher fuhren wir zu einem Bürohaus, um uns persönlich bei den Leuten vom Videodreh vorzustellen. Das ganze lief ziemlich absurd ab: Uns begrüßten zwei, drei Leute (darunter der Schlagzeuger von Alborosie, einem Reggae-Künstler mit italienischen Wurzeln) und wir wurden von einer Dame sodann durch das Gebäude geführt. Wir liefen einen langen Gang entlang, jede Tür wurde kurz aufgemacht, jedes Mal saß eine Dame am Bürotisch, wir gingen rein, stellten uns vor, schüttelten Hände und gingen wieder raus und zur nächsten Tür mit der nächsten Dame. Das Prozedere wiederholte sich ganze 5 bis 6 mal. Dies erklärte allerdings die Frage nicht, was für ein komischer Videodreh am nächsten Tag erfolgen sollte. Von Tür zu Tür kam mir der Spaß immer lächerlicher vor und ich musste an mich halten, um nach der vierten Tür bereits nicht in schallendes Gelächter auszubrechen, weil dieses ständige Vorstellen uns keinen Deut näher zur Antwort der Frage brachte, was es mit diesem Videodreh auf sich hat…
Schließlich wurden wir in einen Konferenzraum gesetzt, bekamen dort noch den Big Boss vorgestellt… und dann saßen wir da und wussten nicht, worauf wir eigentlich warteten. Jedenfalls stellte ich einer jungen Dame, die mit uns ein bisschen schwatzte dann endlich mal die Frage, was das morgen eigentlich für ein Videodreh werden soll. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein Promotionsvideo für eine bald startende Tour-Reihe von „jammin tours“ drehte, die mit einem Bus berühmte Orte in Trench Town bereisen sollte.
So geschah es auch am besagten Tag darauf. Wir wurden zusammen mit einigen anderen schwarzen und weißen Touristen, welche zunächst erzürnt NICHTS von den Kameras wussten (wo haben sie die aufgegabelt???) in einen Bus gepackt und dabei gefilmt, wie wir jeeeeede Menge Spaaaaaß auf unserer Trench Town Tour hatten. Teilweise mussten die Jamaikinis die Reisetruppe motivieren, wie eine fröhliche Reisegruppe auszusehen, aber ich bin mir sicher, am Ende des Tages werden sie schon die Aufnahmen bekommen haben, die sie wollten. Mein besonderes Highlight der Tour war der Besuch eines Musikstudios, wobei ich selbst auch einige Takte ins Mikro singen durfte, freestyle gerapt und herumgealbert habe und dabei aufgenommen wurde. Sobald ich die Aufnahme oder den Link zum Tourwerbevideo habe, werde ich sie hier posten, ist glaub ich ganz lustig geworden. Am gleichen Tag ist leider noch eine Freiwillige aufgebrochen, um Jamaika den Rücken zu kehren. Jetzt sind wir nur noch 4 Freiwillige, solange ich noch da bin.

So, dieses war der erste Streich für diese Woche, der Zweite folgt in zwei, drei Tagen. Da erzähl ich euch etwas vom Krokodil und von einem weiteren abgefahrenen Wasserfallerlebnis.

Bis dahin: Soon forward, be blessed!

 

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