Jamaican update II – about mountains, waterfalls and wild crocodiles

Ein erneutes Hallo aus Trench Town! Zum Wochenanfang folgt ein weiterer Beitrag, gefüllt mit den Erlebnissen unserer letzten Ausflüge. Naja, der Beitrag ist schon eine Weile fertig, das Internet ist nur momentan sooo grottig schlecht, dass es eine Weile gedauert hat, den hier hochzuladen. (Wir haben tatsächlich darüber spekuliert, was uns mehr stört: dass wir gerade kein fließend Trinkwasser haben, oder dass das Internet nicht ordentlich geht… schlimm schlimm :D) 

Mir war klar, dass es irgendwann vorkommen wird, dass ich einen Ausflug, den ich bereits erlebt habe, mit den „neuen“ Freiwilligen nochmal durchführen werde, weil die nach mir eingetroffenen Deutschen einen Ort noch nicht gesehen hatten. Deshalb hat es mich besonders gefreut, dass wir tatsächlich meine bisherigen zwei Lieblingsausflugsziele an einem Wochenende miteinander kombinieren konnten. Dabei schien es zunächst so, als würde das erste Märzwochenende, von dem ich gerade erzähle, für uns als Ausflugswochenende ins Wasser fallen. Suarez Oma ist im Februar gestorben und am Samstag jenes Wochenendes war die Beerdigung angesetzt. Als uns allerdings die Idee kam, die Familie unter sich zu lassen und einfach allein in die Blue Mountains zu fahren (die erstens recht nah an Kingston liegen, zweitens ich mich da schon ein bisschen auskannte und drittens die Berge ziemlich reisesicher für Touris sind) buchten wir schnurstracks noch ein Zimmer im schönen Mount Edge Guest House und reisten also am Samstag frühs Richtung Berge.

Während mein letzter Bergebesuch recht regnerisch war, hatten wir diesmal bestes Wetter und unsere Stimmung wurde auch nicht dadurch getrübt, dass wir zu früh aus dem Local Bus stiegen und dadurch eine halbe Stunde mehr Aufstieg hatten (so viel zum Thema, Claudia kennt sich aus :D). Das Mount Edge war noch genauso umwerfend wie im Januar, hatte Hummingbirds und Doctorbirds zu bieten und unser Zimmer war urig gemütlich. Noch am selben Tag stiegen wir zum Hollywell Park hoch, welchen ich auch bereits mit den anderen besucht hatte (wer erinnert sich an den Park mit dem Jurassic-Park-Feeling? Ja, genau der!). Dort kauften wir den sündhaft teuren Queen-Kaffee und drehten noch eine Runde durch den Park im Wolkennebel, in welchem wir uns mittlerweile in dieser luftigen Höhe befanden. Nach einem angenehmen Abstieg gönnten wir uns noch ein feines Abendessen im Guest House, schauten uns einen Film an und rollten uns ins Bett, wobei wir ziemlich froh über die dicke Decke im Bett waren, weil es nachts in den Bergen ziemlich frisch werden kann.

Am nächsten Tag genossen wir ein super leckeres Pancake-Frühstück mit einer Tasse Blue Mountain Kaffee, also ein Frühstück, wie wir es sonst in Trench Town nie zu mampfen bekamen, und wagten uns danach auf unsere nächste Wanderung. Vom Mount Edge wanderten wir abwärts an einem kleinen Dorf vorbei, bogen eine Straße an einer Kaffeeplantage ab, um so auf einen wunderschönen Wanderpfad zu den kleinen Wasserfällen in Gordon Town zu gelangen, die ich auch bereits kannte und die mit eine der schönsten Badegelegenheiten war, welche ich hier auf der Insel so erlebt hatte. Es dauerte keine zwei Stunden, da schwammen wir bereits im Becken des ersten Wasserfalls, der uns entgegen kam. Das Wasser war zwar eisig frisch, aber das kam uns nach der hitzigen Wanderung gerade recht. So genossen wir unsere Wander-Erholung zunächst in diesem einen, darauf im nächsten Wasserfallbecken. Unsere Rückfahrt nach Trench Town verlief ebenso unproblematisch wie die Anreise, und so konnten wir von einem erfolgreich ausgenutzten Wochenende sprechen.

 

Am vergangenen Wochenende machten wir einen größeren Ausflug. Es ging, diesmal wieder mit Suarez zusammen, nach Black River. Der Ort hat einen gleichnamigen Fluss, welcher der zweit längste Fluss Jamaikas ist. Obwohl der Ort recht klein und beschaulich ist, kommen dort täglich einige Touristen hin, denn der Black River ist dafür bekannt, dass man Krokodile hautnah sehen kann. Am Freitag Nachmittag machten wir uns auf den Weg und kehrten am frühen Abend bereits in unser Guest House ein. Die Unterkunft hatte ich nach kurzer Recherche im Internet ausgesucht und sie vorgeschlagen, weil sie am interessantesten klang: Wir übernachteten im Waterloo Guest House, welches das erste Gebäude in der Geschichte der Insel ist, das überhaupt Elektrizität hatte. Das Anwesen hatte wirklich den Charme der letzten Jahrhunderte behalten, und auch wenn der im Internet angepriesene Pool kaputt war (wie jamaikanisch :D) hatten wir definitiv eine coole Zeit in diesem Guest House.
Am Samstag ging es dann also auf den Black River. Mit circa 15 anderen Touristen zusammen in ein mittelgroßes Boot gequetscht, fuhren wir von einem kleinen Hafen aus gemütlich auf dem Fluss entlang. Der Name kommt daher, dass der Grund des Flusses durch seine dunkle Farbe das Wasser nahezu schwarz erscheinen lässt, obwohl es eigentlich kristallklar ist. Die Fahrt ging los, der Kapitän stellte sich vor, entschuldigte sich erst mal dafür, dass er nicht schwimmen könne und ob jemand damit ein Problem habe… als alle verneinten, erzählte er uns von den Krokodilen (über 500 im 53 km langen Fluss lebend) und konnte uns nach wenigen Minuten auch schon das erste Prachtexemplar vorstellen. Am Ende der Fahrt hatten wir 3 oder 4 Krokos im Fluss gesehen, davon wurde aber eins aus dem Boot heraus gefüttert, sodass das „Safari Tour“ Feeling, wie die Tour angepriesen wurde, auf jeden Fall vorhanden war. Als unser Boot nach knapp einer Stunde wieder im Minihafen eintrudelte, konnten wir alle noch einer Crocodile Nursery einen Besuch abstatten, wo wir die Möglichkeit erhielten, ein kleines Kroko in den Händen halten zu dürfen. Das war auf jeden Fall ein cooles Erlebnis!

Nach der Safari Tour hatten wir die Idee, einen Strand aufzusuchen. Dies stellte sich als schwieriger heraus als erwartet, obwohl Black River direkt am Meer liegt. Zwar gab es eine Strandpromenade, dort war es aber  zu sehr mit Algen belagert und zu dreckig um dort baden zu gehen. Nach einem Blick auf die Karte im Reiseführer entschieden wir uns für den nahe gelegenen Parrottee Beach. Zunächst begannen wir dort hin zu laufen, um vielleicht auf dem Weg auch ein Taxi aufzugabeln. Da das Laufen allerdings in der puren Sonne kein gesundes Unternehmen gewesen wäre und außerdem alle Taxis die an uns vorbei fuhren schon voll waren, realisierten wir, dass wir zurück nach Black River gehen und von dort ein Taxi nehmen müssen, weil die Gefärhte von der Stadt aus starten würden. Der erste Taxifahrer der uns dort anquatschte sah wohl reiche Beute bei uns Weißen. Er verlangte 40 US $ pro Person. Als wir ihm darauf hin sagten, dass es sich um einen nur 7km entfernen Strand handelte, stellte er sich dumm und sagte etwas wie „aaaach soooo, Parrottee Beach, nicht Treasure Beach! Ja also da könnt ihr mir auch alle zusammen 40 US $ für hin und zurück geben!“ Völlig absurd, der Typ. Am Ende haben wir doch noch ein normales Route Taxi gefunden, wo wir einfach pro Person 120 J $ bezahlt haben, das sind umgerechnet  ca. 80 ct! Es ist und bleibt manchmal hart als Weiße. Deine Hautfarbe wird zum Aushängeschild für Reichtum. Trotzdem will ich diese Erfahrung nicht missen. (Zitat einer Deutschen zu einem Jamaikaner: „Do you think we sh*t money?“)

Der Strand war ganz schön trotz knaller Sonne, auch wenn Hellshire Beach und Lime Cay meine bisherigen Favoriten bleiben. Der Perottee Beach ist übrigens dafür bekannt, dass man von dort aus mit einem Boot auf eine Bar raus fahren kann. Die Pelican Bar steht quasi mitten im Meer auf Holzstelzen und macht daher einen spannenden Eindruck. Die Bar sah jedoch von weitem für uns nicht besonders aus, deshalb blieben wir am Strand und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Zwar wurde meine Euphorie leicht gedämpft als eine Ameisenkolonie meine Tasche aufgrund eines Schokobrötchens als neues Zuhause bezog, aber nach Minuten langem Schütteln (Danke Kira :D) war auch dieses kleine Problem behoben.

Den Abend ließen wir gemütlich bei einem Bier ausklingen. Das jamaikanische Bier ist gar nicht schlecht! Die bekannteste Marke nennt sich Red Stripe. Leider werde ich keine Kostproben mit nach Deutschland bringen können, weil meine Flug-Kilogrenze in Koffer und Handgepäck schon fast erreicht wurde. Wem ich ein Bierpäckchen (auf eigene Kosten) schicken soll, der kann sich natürlich noch bis Ostern bei mir melden 😉

Am Sonntag fuhren wir zu den nahe gelegenen YS Falls. Warum die Falls so heißen ist nicht eindeutig überliefert. Entweder handelt es sich um die Initialen der ersten Besitzer des Anwesens (Yates und Scott) oder der Ursprung liegt in einem keltischen Begriff „whyess“, was eigentlich „winding“ bedeutet.
Uns war natürlich klar, dass die YS Falls eher touristisch angelegt werden sein. Dementsprechend war der Eintritt recht teuer aber noch bezahlbar. Ich muss echt sagen: es fühlt sich richtig gut an, kein klassischer Tourist zu sein! Wenn wir diese Touristenmassen sehe, habe ich oft das Gefühl, dass diese Leute in ihren behüteten Kleingruppen bei weitem nicht das wahre Jamaika kennenlernen, das Jamaika, das wir Freiwilligen zunächst leben und dann lieben gelernt haben. Und wenn uns dann noch eine deutsche Truppe einen schönen Resturlaub wünscht, können wir meist nur schmunzeln. Urlaub? Neeee … Freiwilligendienst!
Jetzt zu den Falls selbst: der Eingang, wo der Eintritt bezahlt wird, befindet sich nicht direkt an den Falls. Wir wurden alle in den Anhänger eines Traktors gesteckt und fuhren gute 5 Minuten mit diesem Gefährt eine Flusslandschaft entlang, bis sich die Wasserfälle talartig vor uns aufbauten.

Die Wasserfälle waren wirklich wunderschön! Optisch erinnerten sie mich sehr an die Dunn’s River Falls, die ich in meiner ersten Woche auf der Insel in Ocho Rios gesehen hatte. Über mehrere Etappen zogen sich die Wasserfallreihen, wobei an manchem Abschnitt der Fälle auch eine Bademöglichkeit war. Leider konnte man nicht wie bei den Dunn’s River Falls den kompletten Wasserfall alleine hochklettern. Teilweise sollten Gebiete nicht betreten oder konnten nur mit einem Guide erklommen werden. Das war uns irgendwie zu doof, deswegen zogen wir es vor, in den natürlichen „Pools“ der Wasserfallanlage zu schwimmen. Ganz oben konnte man sich auch an einem Seil ins Wasser schwingen, was wir sehr genossen! Neben dem Wasserfall konnte man außerdem in zwei künstlichen Poolbecken (jeweils warm und kalt) schwimmen gehen, wo wir unseren Falls-Besuch ausklingen ließen. Auch wenn das Wasserfallvergnügen durch die ganzen Einschränkungen etwas begrenzter war hatten wir trotzdem eine super Zeit, ich kann die Fälle wirklich nur ans Herz legen!
Von den YS Falls aus brachen wir nach Hause auf. Leider standen wir über eine Stunde im Stau, und das zu fünft in unserer 4er-Sitzreihe, das war schon eine Belastung. Die Jamaikaner hingegen waren alle soweit gut drauf, wurden laut und lachten über alles mögliche. So endete die Rückfahrt von einem Ausflug mit einer Verzögerung und wir kamen ziemlich müde aber voller schöner Erinnerungen zuhause an.

So viel zu unseren sehr schönen Ausflügen der letzten Wochen. Übrigens gab es noch ein paar kleine Erlebnisse unter der Woche, zum Beispiel sind wir mal ins Kino und zum Bowlen gegangen. Zu beiden Erlebnissen kann ich nur sagen: Die Jamaikaner lassen einfach viel mehr „die Sau raus“! Kleinigkeiten werden viel größer gefeiert, es wird miteinander gelacht und viele loben sich gegenseitig in den Himmel oder im Kino wird geklatscht, wenn der Superheld etwas beeindruckendes gemacht hat. Wenn ich zurück an Deutschland denke, kommt mir so aus der Ferne einiges am deutschen Verhalten viel verklemmter vor. Von so einer Verklemmtheit lasse ich mich oft genug mitreißen und kriege nicht den Mund auf. Ich hoffe, dass ich auch ein klein wenig zum Jamaikini geworden bin (bzw. diesen in mir noch erwecken werde) oder zumindest zukünftig in Situationen, wo nichts voran geht, weil jeder gefühlt einen „Stock im Arsch“ hat (ich entschuldige mich für die heutigen Ausdrucksweisen) selber ein bisschen mehr auf den Putz hauen werde.

Wow, in 2 Wochen ist der Jamaikaspaß bereits vorbei! Wie geht es weiter? Heute verrate ich es euch: da es ziemlich langweilig gewesen wäre, einmal auf die andere Seite der Erde zu fliegen, um dann nur ein Land zu bereisen, schließe ich an meine 3 Monate Jamaika noch 2 Wochen USA an. Wohin es mich dort treibt, wen ich besuchen und was ich erleben werde…. dazu spreche ich Ende März.

Das wa’rs schon wieder mit den Ausflugsgeschichten! Drücker aus Jamaika an alle lieben Menschen da draußen!

-> ÜBRIGENS: Der Club in der Charlie Smith fängt nun doch nicht wie geplant diese, sondern nächste Woche an. Warum? weil die Lehrer sich aus Protest für die geringe Bezahlung einfach 3 Tage lang krank schrieben ließen und dementsprechend keine Schule stattfand, und das nicht nur an dieser Highschool! Interessante Art des „Streikens“ …

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