Musicians nuh’ve bada – musicians without borders

Rasta! Bless ya!

Mittlerweile bin ich immer mehr in Jamaika angekommen. Woran merk ichs? Das ein oder andere Patois wird aufgeschnappt (Wha gwaan? Yah mon! Mi a no tourist! BUMBOCLAAT!) und während man sich einerseits an das Leben in Trench Town immer besser gewöhnt, fallen einem immer mehr Dinge ein, die man früher oder später an Deutschland vermissen wird. Dinge, auf die man so gar nicht gekommen wäre, dass sie einem mal fehlen würden. Aus diesem Vermissen von deutschen Kleinigkeiten werde ich jedoch keine Trauerwelle werden lassen, sondern eher versuchen, mich an den hiesigen, jamaikanischen Lebensinhalten zu erfreuen. Ja, die Zeit hier verhilft einem, die Blickwinkel auf das Leben zu erweitern. Auch unsere musikalische Arbeit vor Ort fühlt sich anders an, trotz meiner vielen Musikpraktika, die ich im Studium erlebt hatte. Von unserem Projekt und dessen aktueller Umsetzung und Situation möchte ich nun ein wenig erzählen.

Musiker ohne Grenzen – Musicians without borders

So lautet die Bezeichnung der Organisation, welche mich nach Jamaika „entsendet“ hat. Hierbei handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation, die in weltweiten Projekten (insgesamt 6, auch in Ghana und Ecuador) das Ziel verfolgt, Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und Lebenssituation einen Zugang zur Musik zu ermöglichen. Was ist Musik für euch? Ein Hobby, eine Bereicherung, oder würdet ihr sagen, dass Musik das Leben sogar verändern kann? Musiker ohne Grenzen spricht von „musikalischer Solidarität“ als Form der Unterstützung der Menschen im Einsatzort. Unser soziales Engagement dreht sich nicht allein um das Lehren von Musiktheorie und Instrumenten, sondern ebenso um das Eröffnen von Möglichkeiten, mithilfe der Musik das Leben der Kids und Teens zu verbessern.

Und das bringt mich gleich zu unserem Projekt in Jamaika. Trench Town gilt als der Geburtsort des Reggae. Bob Marley, Peter Tosh und weitere große Musiklegenden haben hier deutlich Spuren hinterlassen und sind bis heute große Vorbilder. Es ist nicht verwunderlich, dass dementsprechend Musik eine starke Bedeutung im Leben der Jamaikaner, insbesondere im Leben der Menschen in Trench Town hat. Obwohl ich in Deutschland auch ein sehr musikalisches Leben geführt habe, fühlte ich mich von den vielen musikalischen Eindrücken Jamaikas schier überrannt. Es scheint hier noch essentieller zu sein. Musik wird hier wie ein Grundnahrungsmittel konsumiert! Gleichzeitig gibt es jedoch keine Ausbildung von Musiklehrern, wie wir es aus anderen Ländern kennen. Und genau hier kommen wir zum Einsatz: Wir kooperieren aktuell mit 3 Grundschulen in Trench Town und Umgebung, in denen wir je 1-2 Mal die Woche verschiedene Klassen in Musik unterrichten. Teilweise sind es Jugendliche, teils Vorschulkinder und Kids im Grundschulalter. Zusätzlich findet in unserem Haus Instrumental- und mit mir jetzt auch Gesangsunterricht statt. Leider gibt es ein Problem: So groß ist unser Haus („Kush Place“ nach unserem sehr sympathischen Hausbesitzer) nun leider auch nicht, als dass man Gitarre, Gesang, Saxophon und Klavier parallel unterrichten könnte. Apropos Klavier: Davon haben wir gerade kein funktionierendes im Haus! Bis letztes Jahr gab es eine Kooperation mit dem sogenannten Culture Yard – auch einer der Orte, in denen Bob Marley Musik gemacht hatte. Dort konnten die vorigen Freiwilligen unterrichten. Aus diversen Gründen bekommen wir dort aber aktuell keinen Unterrichtsraum zur Verfügung gestellt. Es sieht jedoch schwer danach aus, dass diese Kooperation bald, das heißt noch während meiner Zeit hier, wieder zustande kommen sollte. Zumindest arbeiten wir daran, suchen aber auch parallel nach Alternativen. Warum das Ganze? Auch wenn viele Jamaikaner vor Lebensfreude nur so sprühen, existiert in vielen Gegenden eine hohe Kriminalitätsrate. Kein Wunder, denn die Armut und damit die Perpektivlosigkeit ist für viele zur Normalität geworden, da ist Diebstahl, Raub und Mord ein oft gewählter „Ausweg“. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir hier eine Menge erreichen können, wenn wir durch die Kraft der Musik und der hier lebenden Gemeinschaft das ein oder andere Kind davor bewahren, auf die falsche Bahn zu geraten! Oder noch besser: Vielleicht schafft es der ein oder andere ja, durch die Musik sich ein Leben außerhalb des Ghettos aufzubauen! (Siehe P.S. ^^)

Heute waren wir außerdem noch an einer Highschool, welche Unterstützung zur Vorbereitung einiger Schüler für eine Performance am 6. Februar sucht, denn der Geburtstag vom Bob wird hier groß gefeiert! Mit der Schule bestand vor einiger Zeit bereits eine Kooperation, und die Schule hat angemerkt, dass nach dem 6. Februar über die Gründung einer Musik-AG, die wir durchführen, gesprochen werden kann. Wir freuen uns drauf!

Kurzum – es gibt Tage, die ziehen sich gewaltig, und es gibt Tage, die wie im Flug vergehen! Übrigens, wir sammeln aktuell Spenden für ein neues Klavier/Keyboard/Epiano. Den Link habe ich bereits im Gesichtsbuch gepostet, wer näheres dazu erfahren möchte, kann mir aber gern noch persönlich schreiben.

Was ist sonst noch in den letzten Tagen passiert? Letzte Woche mussten wir uns von Cheyenne verabschieden, sie ist auch als Freiwillige im November angereist, ihre 3 Monate waren nun also rum (Viele liebe Grüße, wir vermissen dich!). Wir gönnten uns kurz vor ihrem Flug einen langen Nachmittag und frühen Abend am wunderschönen Hellshire Beach. Wirklich traumhaft dort! Von Tourismus kann hier noch nicht die Rede sein – noch nicht. Übrigens: wie ihr euch vielleicht denken könnt, ist man, wenn man in Trenchtown wohnt, an einem weniger touristisch belebten Ort und somit sind wir in einem größeren Umkreis die einzigen Weißen. Immer wenn wir jetzt unterwegs sind und dann mal Weiße sehen heißt es gleich bei uns „Guck mal, ein/e Weiße/r!“ Als ob wir schon vergessen haben, dass wir selbst weiß sind O.o … Wenn man von den Einheimischen als „Brownie“ bezeichnet wird, dann ist man hier so richtig angekommen. Zum „Blackie“ kann man es halt leider nie schaffen, oh du Natur!

Diese Woche kommt schon übrigens der nächste Freiwillige, wie spannend!

Außerdem haben wir noch einen schönen Fluss mit Wasserfällen besucht, aber zu den Wasserfällen werde ich im nächsten Post ausführlicher.

Give tanks!

P.S.: Um euch das Trench Town feeling noch näher zu bringen, gibt es jetzt noch einen Song von Damian Marley (natürlich ein Sohn des großen Bobs), der hier rauf und runter läuft!

Daddy made it out, out of the ghetto

believe in your dreams, believe you and me

don’t let go

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