Musik im Dschungel: Konzert im März

Leise zwitschern Vögel, rascheln Blätter, murmeln die Tiere und zischen und knurren und rufen. „In dem Dschungel, dem mächtigen Dschungel, schläft der Löwe heute Nacht.“

So beginnt der Chor den Hauptteil des Konzerts im Kinder Paradise, eine Woche vor Ostern. Vorher haben vier Jugendliche aus dem Kinder Paradise ein selbst einstudiertes, mehrstimmiges Stück gesungen und genauso wie die darauffolgenden Aufführungen zweier Klavierschülerinnen von geniusHive das Publikum musikalisch eingestimmt.

Der kleine Mowgli wird als ausgesetztes Baby im indischen Dschungel vom schwarzen Panther Bagheera gefunden. Dieser bringt Mowgli zu einer Wölfin, die ihn in ihrem Rudel aufzieht. Dabei meistert das jüngste Kind im Kinder Paradise ihren Schauspielpart zwischen Scheinwerfer und weißen Laken. Stimmungsvoll untermalt wird dieser Beginn des Schattenspiels von einem Duett von Xorlali und Bernard, zwei Celloschülern aus Nungua.

Zehn Jahre später erfahren die Wölfe, dass der gefährliche Tiger Shere Khan in ihr Gebiet des Dschungels zurückgekehrt ist. Gemeinsam mit Bagheera wollen sie Mowgli zu seiner Sicherheit in ein Menschendorf bringen. Auf dem Weg verbringen Mowgli und Bagheera die Nacht unter einem Baum. Kaum hat Mowgli es sich bequem gemacht, kommt die hungrige Schlange Kaa zwischen den Blättern hervor.

Dieses Mal springen meine Geigenschüler nicht auf und rennen zur Schlange. So wie damals, als ich Gruppenunterricht in einem Klassenzimmer gab und alle Kinder samt Geigen und Bögen plötzlich aufgeregt rausrannten, um zuzusehen, wie die Schlange, die nicht weit vom Unterrichtsraum gefunden wurde, getötet wurde. Nein, diesmal sitzen sie im Orchester, lauschen der Geschichte, schauen der Schlange im Schattenspiel zu und warten auf ihren ersten Einsatz.

Die Schlange hypnotisiert Mowgli, während Lisa das Publikum mit mysteriösen Flötenklängen in den Bann zieht. Bagheera rettet Mowgli, bevor die Schlange ihm etwas antut. Am nächsten Morgen marschiert eine Elefanten-Herde vorbei.

„Hup, two, three, four!“ Der Chor, bestehend aus Schülern aus Nima und aus dem Kinder Paradise, singt den Elefantenmarsch und spielt dazu mit Boomwhackern, das sind gestimmte Plastikröhren. Der Elefant im Schattenspiel ist so groß, dass er von zwei Kindern in einem Kostüm gespielt wird. Die Szene erinnert mich an den Besuch im Mole-Nationalpark im Norden Ghanas. Schnell und leise waren wir zwei riesigen Elefanten aus dem Weg gegangen, die daraufhin gemächlich und majestätisch an uns vorbeischritten.

Anschließend weigert sich Mowgli, ins Menschendorf zu gehen, was zum Streit mit Bagheera führt. Die Beiden trennen sich und Mowgli trifft auf Baloo, den Bären, der ihm zeigt, wie man das Leben im Dschungel genießt. „The bare necessities of life will come to you!“: Der Chor aus 30 Personen und das 40-köpfige Orchester mit Geigen, Bratschen, Celli, Querflöten und Klarinetten faszinieren gemeinsam das Publikum, während Baloo und Mowgli im Schattenspiel dazu tanzen.

Kurz darauf wird der Dschungeljunge von Affen gekidnappt und zum Affenkönig King Loui gebracht. Dieser will von Mowgli lernen, wie man Feuer macht und dadurch so mächtig werden wie der Mensch. Chor und Orchester führen „Ich wär‘ so gern wie du“ auf, während sich im Schattenspiel ein Kind zum Affen macht.

Baloo und Bagheera befreien Mowgli aus der Situation und sind nun der festen Meinung, dass der Dschungel für Menschen zu gefährlich ist. Mowgli haut daraufhin erneut von seinen zwei Freunden ab. Shere Khan ist inzwischen dem Jungen auf der Spur. Mowgli macht mit Geiern Bekanntschaft, die sich als seine Freunde anpreisen. „We are your friends to the bitter end!“ Der Chor singt mehrstimmig das Lied der Geier. Als das Lied endet, kommt der Tiger Shere Khan. Die Maske im Schattenspiel ist beeindruckend und die Trommel hinter der Bühne erhöht die Spannung.

Bevor Shere Khan sich auf Mowgli stürzen kann, greift Baloo den Tiger gerade noch rechtzeitig an und rettet so Mowglis Leben. Es kommt zu einem heftigen Kampf. Streicher und Klavier spielen ein schnelles, spannendes Stück. Mowgli verjagt Shere Khan mit Zweigen, die Feuer gefangen hatten. Nach dem Kampf findet Bagheera Baloo bewegungslos und verletzt am Boden liegen und erklärt Mowgli, dass Baloo nun im Himmel ist.

Ein Geigen- und ein Klavierschüler aus dem Kinder Paradise haben nun ihren solistischen Auftritt. Sie spielen ein Stück in Moll, in dem man das Säufzen und die Trauer von Mowgli und Bagheera hören kann. Beide lernen ihr Instrument erst seit einem halben Jahr und beeindrucken das Publikum.

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Doch plötzlich bewegt sich Baloo. Er hat überlebt! Die Streicher feiern das mit einem schnellen Stück – fröhlich und ausgelassen.

Mowgli widerstrebt es immer noch, dass der Bär und der Panther ihn aus dem Dschungel bringen wollen. Doch auf dem Weg zum Dorf trifft er ein schönes Mädchen, das Wasser schöpft.

Zwei Mädchen singen vom Wasserschöpfen, vom Erwachsenwerden und vom Zuhause. Sie werden mit Klavier begleitet.

Die Schönheit und die Stimme des Mädchens beeindrucken Mowgli. Als sie ihn bemerkt, lässt sie ihre Schüssel ins Wasser fallen. Mowgli holt die Schüssel für sie und folgt ihr damit ins Dorf. Baloo und Bagheera sind froh, dass der Junge endlich in Sicherheit ist. Es folgt ein zweites Geige-Klavier-Duo zum Abschluss.

Der Applaus für die Musiker und Schauspieler ist groß. Das Publikum ist froh, dass das Konzert noch nicht ganz aus ist: Die Celli setzen mit Jan am Kontrabass und Elias am Xylophon ein. Und bei den meisten dürfte es schon rattern… „Das kenne ich doch!“ Joel spielt den rhythmisch komplizierten Anfang auf der Geige, dann setzt das Orchester ein – mit dem Refrain von Telemo. Telemo ist ein Rap-Song auf einer ghanaischen Sprache, der nach meiner Ankunft aus allen Boxen kam. Im Trotro, am Straßenrand, in Läden… Auch die Kinder mochten das Lied, also schrieb ich eine Orchesterfassung. Sofie studierte das Stück mit dem Chor ein, was vor allem wegen des Textes eine große Herausforderung war. Und die ersten Geigen meisterten bis zum Konzert ihre schwere Stimme auch im Tempo. Nach dem instrumentalen Refrain stößt der Chor dazu. Kurz vor Ende rappt ein Junge, begleitet vom Orchester, ehe zum letzten Mal der Refrain erklang.

Die Begeisterung der Zuhörer war groß und wir hörten die Forderung, Telemo gleich nochmal zu spielen. Sowohl für die Aufführenden, als auch für das Publikum und uns Freiwillige, war das Konzert ein schönes, gelungenes Ereignis.

Liebe Grüße,

Euer Johannes

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