Inselhopping auf Galápagos – Santa Cruz die dritte und Isabela

Die Dunkelheit kehrt ein und eine nicht zu bändigende Lust auf Bier und Oreo-Kekse treibt mich aus dem Hostal. Wenige Minuten später sitze ich mit diesen Konsumgütern auf einem Holzausguck am Meer, lausche den Wellen, schaue in die Sterne und genieße die Ruhe und Einsamkeit.

 

Die Frage, die sich mir von Floreana zurückkommend auf Santa Cruz stellte, lautete: „Frisbee oder Isabela?“ Am Folgetag sollte es nämlich ein Ultimate-Frisbee-Spiel im Hafen von Puerto Ayora stattfinden. Laut unseren Gastgeber-MoGs ein einmaliges Erlebnis. Andererseits hatte ich auch große Lust, eine weitere Insel, Isla Isabela, die größte aller Inseln im Archipel, aus fünf Vulkanen zusammengeschmolzen ist, zu besuchen. Aus verschiedenen Gründen entschied ich mich, wie auch unschwer am Titel zu erkennen, für letzteres.

So packte ich auf ein Neues meinen treuen blauen Ortlieb-Rucksack und begab mich in aller Frühe in Richtung Isabela. Dort angekommen machte ich mich zunächst auf die beschwerliche Suche nach einem Hostal in der staubigen Hafenstadt Puerto Villamil. Dabei half ein Bauarbeiter, der mich gringo (Ausländer) sofort als Ami abstempelte und mir ein „What’s up?“ entgegenrief auch nicht viel. Zu diesem Thema schreibt Tobias (Ja, der mit dem ulkigen Nachnamen, der sich jetzt übrigens auf Reisen befindet, zuletzt wurde er in Cuenca gesichtet) auf seinem Blog unter der Überschrift „Gringo sein“ Lesenswertes. 

Schließlich fand ich im Hostal Garis Mar eine preiswerte Bleibe, in der ich sogar die Küche benutzen konnte. Von dort aus wurden meine Träume von einer Motorrollerfahrt zum zweithöchsten Vulkan der Insel, Volcán Cerro Azul, in einem Touristenbüro zum Platzen gebracht: Man konnte weder Motorroller ausleihen, noch den Vulkan auf eigene Faust besteigen. Die nächste geführte Tour begann allerdings erst am nächsten Tag.

Also hieß es Umdisponieren, ich buchte eine Kayaktour – auch das ging zu meinem Verdruss nicht alleine – um im Hafenbecken an einer Inselgruppe herumzupaddeln und zu schnorcheln. Die Inselgruppe wird nach den Blauhaien, die angeblich zu großer Zahl im Wasser schliefen, die wir allerdings nicht zu Gesicht bekamen, Los Tintoreras genannt. Dafür kamen wir einigen Blaufußtölpeln und Pinguinen, die ihren Weg von der Antarktis bis zu den Galápagos-Inseln gefunden haben, vor die Linse. Begleitet wurde ich von gleich drei Führern, von denen allerdings nur einer wirklich kompetent erschien (mich beschlich der Verdacht, dass die anderen beiden gar keine Führer waren) und einer amerikanischen Reisegruppe, die sobald wir die Pinguine erblickten in enthusiastisches Gekreische ausbrach.

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Gegen Abend überkam mich die Lust nach Bratkartoffeln, die ich vorzüglich in der Hostalküche zubereitete. Gaumenschmaus! Anschließend brach die Nacht herein und es folgte der Ausflug an den Strand, der im Opener beschrieben ist. Hier erreichte die Euphorie über das Alleinesein seinen Höhepunkt. Es fühlte sich plötzlich herrlich an, exakt so lange wie man wollte das Bierchen zu trinken oder sich noch über das Wrestling im Fernsehen einer Bar lustig zu machen. Wie sagte Rodrigo noch? „Mejor solo que en mala compania.“ (Lieber alleine als in schlechter Gesellschaft) Was nicht heißen soll, dass mir meine Kumpanen nicht gefielen – nicht, dass bald ein Anwalt auf der Matte steht!

Früh ging’s schlafen, da es am nächsten Tag auch wieder früh raus ging – zum Volcán Cierro Azul. Dorthin brachte uns ein chiva (ecuadorianischer Bus, s. Bild), der alle Touristen aus ihren Hostals einsammelte und anschließend auf die Highlands zusteuerte. Dort oben wurde uns die Hiobsbotschaft überbracht, dass wir nicht  den kompletten Weg am Kraterrand des Cerro Azul bis zu einem anderen Vulkan laufen konnten, da dieser zur Zeit ausbrechen konnte, dafür vertröstete uns der in seiner hyperaktiven Art etwas anstrengende Führer mit einem Lavatunnel, der laut ihm viel besser als der auf Santa Cruz sei, da er von innen Gold schimmere und einem mirador (Aussichtspunkt).

Die Gruppe wanderte eine äußerst staubige Straße entlang (Der rötliche Staub gelangte sogar bis in meine Socken.) und kamen schließlich zu einem Aussichtspunkt, von dem man den gesamten Krater überblicken konnte. Das war ziemlich gigantisch, da der Vulkan kollabiert ist, wie uns unser aufgedrehter Führer erklärte (vielleicht lag’s auch an der Aufregung, persönlich war er eigentlich ganz nett) und ein riesiges Kraterfeld von 4  x 5 Kilometer Durchmesser (laut Wikipedia, laut unserem Führer gleich 10 km) entstanden ist.

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Anschließend klapperten  wir die übrigen sights ab (und das kann man wörtlich nehmen, der chiva drohte aus allen Nähten zu platzen), die preisgekrönte Höhle und den Aussichtspunkt Mirador Mango (Mango Aussichtspunkt), der auf einem Mango-förmigen Fels positioniert ist.

Ich quatschte noch ein wenig mit einigen Weltreisenden, einem Paar aus Australien und einem Canadier, der seit drei Jahren auf Reisen ist. Sie erzählten mir von ihren Abenteuern und mich überkam wieder einmal das Gefühl, dass diese Backpacking-Community allesamt latent halt- und orientierungslos durch die Weltgeschichte geistert. Ohne zu wissen, was wirklich zählt und ohne einen richtigen Plan vom Leben zu haben, flattern sie von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, finden es toll, unabhängig und spontan zu sein und verlieren, so mein Eindruck, den Blick fürs Essentielle. Irgendwann muss der Ernst des Lebens doch auch losgehen. Nenn mich spießig, aber mir ging das auf den Galápagos-Inseln auf die Nerven. Dass in mir selbst und auch in dem Projekt im Guasmo ein ähnlicher Spirit herrscht, sei mal so dahingestellt.

Darauf hin checkte ich in meinem netten Hostal aus und begab mich zum Hafen, wo mein Boot auf mich wartete. Dort beobachtete ich amüsiert einen Russen, der gar nicht daran dachte, die $ 10 Eintrittsgebühr, die auch ich abgedrückt hatte und über die man im Vorhinein nirgends informiert worden war, zu bezahlen. Mit Händen und Füßen wollte er einem Polizisten klarmachen, dass er schon $ 100 für den Eintritt des Nationalparks bezahlt hat und es überhaupt nicht einsah, noch mehr zu zahlen. Recht hatte er. Ich dachte mir aber auch: „Mensch jetzt zahl die paar Dollar halt, das ist doch die Mühe nicht wert.“ Und tatsächlich musste er die Gebühr am Ende bezahlen.

Zurück auf Santa Cruz nahmen uns die WG-Bewohner noch ein letztes Mal mit ins Bongo, wo heute ein Live-Konzert gegeben wurde. Ein Sänger, der sich selbst auf der Gitarre begleitete, sorgte für gute Stimmung. So ging das Inselhopping auf den Galápagosinseln zu Ende, am nächsten Morgen ging es zurück zur Flughafeninsel Baltra im Norden von Santa Cruz. Auf dem Weg dorthin ereignete sich noch eine Tragödie:

Als wir das Taxi verlassen hatten, fehlte Simons Handy plötzlich. Wie von der Tarantel gestochen sprintete er zum Taxistand, doch unser Wagen war schon weg. Scheinbar war ihm das Handy aus der Tasche gefallen. An die vierzig Male riefen wir von meinem Handy aus seines an, bis das Guthaben leer war, doch vergeblich: Jetzt waren wir beide unsere Handys losgeworden.

Am Guayaquiler Flughafen wurden wir zunächst von dem schwülen Wetter erschlagen, während wir weg waren, ist die Regenzeit gekommen, jetzt regnet es oft abends und die Luft ist unglaublich schwül, sodass man viel schwitzt. Wir warteten wir eine gefühlte Ewigkeit auf Simons Gastgeschwister, die uns abholten und wurden dann abermals sitzen gelassen, da Simons Gastbruder Meliton geschäftlich noch etwas zu erledigen hatte. Gegen Ende wurden wir ganz schön sauer, wir wollten endlich mal ankommen. Schließlich ging es weiter, doch – schon wieder – hielt Meliton an, Simon wollte schon protestieren, als uns sein Gastbruder fragte, ob wir nicht einen Saft trinken wollten. Damit hatte er es natürlich wieder gutgemacht.

Im Guasmo kam ich ehrlich gesagt zum ersten Mal richtig gerne an. Keine Touris, Ecuador pur und die Freunde von Clave de Sur erwarteten mich dort. Wieder in der Basis.


Randnotiz: Auf dem gesamten Galapápagos-Archipel trafen wir unglaublich viele Argentinier, was wohl vor allem daran lag, dass dort gerade Ferien sind. Wir konnten sie an ihrem Akzent schon von Weitem erahnen. (y bzw. ll wird wie „sch“ ausgesprochen, la playa wird also zu la plascha). Der gescheiterte Harfenist von San Cristóbal war also nicht der einzige Argentinier.

 

Autor: Cons

Cons ist ein neunzehnjähriger Weltenbummler mit musikalischen Neigungen. Diese beiden Aspekte sieht er bei dem Verein Musiker ohne Grenzen (MoG) vereint und deshalb macht er jetzt für ein halbes Jahr einen musikalischen Freiwilligendienst in Ecuador, genauer Guayaquil. Er gibt dort in einem ärmlichen Viertel, Guasmo Sur, in der Musikschule Clave de Sur Unterricht für Klavier, Horn bzw. Trompete (da muss er sich an die Nachfrage anpassen) und Gesang.

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