Inselhopping auf Galápagos – Santa Cruz die erste

Wind Nord/Ost, Startbahn null-drei, bis hier hör ich die Motoren.

Wie ein Pfeil zieht sie vorbei und es dröhnt in meinen Ohren.

Und der nasse Asphalt bebt, wie ein Schleier staubt der Regen,

Bis sie abhebt und sie schwebt, der Sonne entgegen.

Galápagos, wir kommen!

Beim Start zu meinem zwölftägigen Galápagos-Aufenthalt mit Simon mischten sich bei mir, wie immer beim Fliegen, die Schuldgefühle gegenüber der Umwelt und die Faszination an der Beschleunigung. Der Flug verging mit der Vorfreude auf die sagenumwobene Inselgruppe mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna, die nicht zuletzt Charles Darwin seiner Zeit zu seinen Ausführungen über die Evolutionstheorien inspiriert hatten, wortwörtlich wie im Fluge. Gut erinnere ich mich noch an die Dokumentation über die Galápagos-Inseln im Biologie-Unterricht von Hrn. Kühn. Und jetzt waren wir auf dem Weg dorthin!

Der Landeanflug mit Blick auf den Archipel ließ mein Herz schon höherschlagen. Im türkisen Wasser tauchte mal hier mal dort ein Eiland auf. Schließlich suchten wir uns die Insel Baltra, die vorgelagerte Flughafeninsel der meist bevölkerten Insel Santa Cruz, aus. Nachdem wir mit langen Gesichtern die $ 100 Nationalparkgebühr abgedrückt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Stadt Puerto Ayora, wo sich ein anderes Musikschul-Projekt von Musiker ohne Grenzen, La Tortuga Virtuosa (Die virtuose Schildkröte) befindet.

Die Freiwilligen aus diesem Projekt leben nicht wie wir in Gastfamilien, sondern in einer WG. So hatten wir die Möglichkeit, sie alle auf einmal zu treffen:

  • Teresa, eine Müncher Pianistin, die gute Seele und Ersatzmama in der WG
  • Fritz, ein Hamburger Geiger, der sich, anders als sein Elektrotechnik studierender Zwillingsbruder, für das Gap Year auf Galápagos entschieden hat
  • Janic, ein Göttinger Sänger und Saxofonist, in Bezug auf seine Feierfreudigkeit und seinen Schlafrhythmus schon ein richtiger Galapageño geworden ist
  • Flo, ein Dortmunder Gitarrist, der mit der Cousine meines Vaters, Bapsi, zusammen ein Patenkind hat – so klein ist die Welt!
  • Alexandra, eine Tänzerin aus Quito, die beim Gedichte schreiben Mozart vor Bach präferiert

Mit ihnen quatschten wir eine Runde und schnupperten etwas muffige, aber unglaublich entspannte WG-Luft. Leider mussten wir sie alsbald wieder zu einer reunión (Besprechung) verabschieden. Wir machten uns auf an den Hafen, um etwas zwischen die Kiemen zu kriegen. Dieses Vorhaben stellte sich tatsächlich als schwieriger als gedacht heraus, da sich die mannigfaltigen Vorwarnungen aus dem Guasmo über die horrenden Touristen-Preise bewahrheiteten. Schließlich fanden wir ein akzeptables Encebollado (Fisch in Limetten-Zwiebel-Soße mit Reis) für $ 5.

Anschließend steppten wir hinunter zum Strand, auf dem Weg dorthin sahen wir schon einige freilaufende Leguane und am Fischmarkt Pelikane und Fregattvögel. Am Strand ließen sich durch eine kleine Schwimmrunde sogar Seehunde aus nächster Nähe betrachten. Der weiße feinkörnige Sand und das angenehm kühle Wasser waren Balsam für die Seele.

Am Abend luden uns unsere Gastgeber ein, mit ihnen ins Bongo, dem Szenelokal von Puerto Ayora zu gehen. Immerhin war es Freitagabend. Die Stimmung war gut, die üblichen Südamerika-Schlager dröhnten aus dem Inneren: Cómo tú te llamas, yo no sé (Wie heißt du, ich weiß es nicht)

Cri- criminal, muy criminal (Kri-kriminell, sehr kriminell)

A mi me gustan mayores (Mir gefallen Ältere)

Dort lernten wir einige Gestalten aus Puerto Ayora kennen:

  • Ein schwules deutsches Pärchen, das ein Hotel führt und nach dem Motto „Django zahlt heut nicht, Django hat Monatskarte“ am Ende des Monats $ 1.000 abdrückt und dafür jeden Abend im Bongo auftaucht und sich nicht zu knapp an der Bar bedient
  • Zwei Freundinnen aus England, Laureen und Emily, die uns am nächsten Tag auf einer Wanderung begleiten sollten
  • Ein etwa 20-jähriges Mädchen ähh, Junge also bzw. sie ähh er fühlt sich wie ein Mann, aber steht auf Männer also im Ganzen eine männliche Frau mit maskuliner Sexualpräferenzen – auf der Suche nach seiner/ihrer Identität

Am nächsten Morgen wachte ich durch starke Magenschmerzen auf. Ich hatte Dünnpfiff. So toll war das Encebollado wohl doch nicht gewesen. Nachdem sich auch alle anderen aus den Betten geschält hatten und gefrühstückt hatten (sie hatten Müsli!!! *freu, freu*) war einige Zeit vergangen. Anschließend nahmen wir einen Bus zu einem Lavatunnel, eine röhrenförmige Höhle, die durch Abkühlung der äußeren Lavahaut entstand, während sich die glühende Masse innen weiter fortwälzte. Erstaunlich lang und erstaunlich perfekt, was die Form und die Linien an den Wänden betrifft streckte sich diese Pipeline dahin und strahlte eine angenehme Kühle aus.

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Anschließend trafen wir die verkaterten Mädels aus Brighton und Janic, die noch ein wenig länger schlafen wollten, und machten uns auf die Wanderung in den grünen Highlands und bestiegen einen Vulkankegel, der uns eine atemberaubende Rundsicht über die ganze Insel bescherte. Die Engländerinnen konnten gar nicht mehr aufhören, Fotos zu machen. „ Oh, I love this profile, show me your profile! “– „Oh no, Emily, I’m scared!” (“Oh, ich liebe dieses Profil, zeig mir dein Profil!” – “Oh nein, Emily, ich habe Angst!”)

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Auf dem Nachhauseweg gingen wir noch das obligatorische Eis für $ 1 schlecken, wobei ich das mit meinem Magen lieber sein ließ. Dann kauften wir ein und kochten gemeinsam Nudeln mit Ratatouille für die ganze Meute mit Raubtierhunger. Wir jammten noch ein wenig in der Gegend herum, Flo eignet sich hierzu an der Gitarre als Wunderwaffe.

Anschließend ging es – na, wohin wohl? Ins Bongo, genau! Immerhin war saturdaynight und der Geburtstag eines Freundes unserer Gastgeber. Im Bongo erwartete uns in etwa dasselbe wie am Vortag, d.h. dieselben Gestalten und mir war, als wäre es auch exakt dieselbe Musik gewesen, na gut, vielleicht in anderer Reihenfolge.

Für den nächsten Tag war die berühmt-berüchtigte Tortuga-Bay angesetzt. Dieser Traumstrand liegt etwa eine gute Stunde von Puerto Ayora entfernt. Auf die Wanderung schleppte ich sogar das Surfboard der WG mit, was diese nicht gerade erleichterte. Auf dem Weg konnten wir unzählige Opunita-Baumkakteen, halb Baum, halb Kaktus, sichten.

Der Strand war ein Traum: Der Sand erinnerte in den Kategorien Farbe und Beschaffenheit an Mehl. Das Wasser schimmerte in allen erdenklichen Blautönen. Große Wellen spülten an den Strand. Wir liefen den ganzen Strand ab und legten uns an eine ruhigere Lagune, vor allem wegen des Schattens.

Nach einer Weile lieh ich mir Fritz‘ Taucherbrille aus und begann zu schnorcheln. Erst war ich ob der diesigen Sicht etwas enttäuscht, doch dann konnte ich einige Fische ausmachen, folgte diesen – und blickte plötzlich in das Gesicht eines etwa ein Meter großen Hais. Unwillkürlich schreckte ich zurück und bekam es mit der Angst zu tun. Allmählich wurde ich jedoch ruhiger als ich merkte, dass mich der Hai so gut wie ignorierte und die Angst machte der Faszination Platz.

Auf dem Rückweg schwamm ich gemeinsam mit einem geruhsam paddelnden Leguan. Dort angekommen, traf Janic, inzwischen vom Kater erholt, ein, der eine Frisbee am Start hatte, ein. Daraufhin tollten wir eine ganze Weile im Wasser herum.

Später überkam mich die Lust, zu surfen, um das Board nicht umsonst mitgenommen zu haben. Dieses Vorhaben setzte ich sogleich in die Tat um, allerdings mit mäßigem Erfolg – lag natürlich an den Wellen… Eine besonders heftige Welle riss mir das Board sogar von der Leine, die am Fuß befestigt ist und schoss an den Strand – ganz schön gefährlich, glücklicherweise waren keine Schwimmer in der Nähe.

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Auf dem Nachhauseweg kauften wir nach dem obligatorischen Eis noch Utensilien, um Reis mit Ei und Patacones (Gestampfte Kochbanane) zu kochen. Nach dieser Götterspeise zogen wir uns noch „Ratatouille“ als ecuadorianische Raubkopie rein – großes Kino!

Autor: Cons

Cons ist ein neunzehnjähriger Weltenbummler mit musikalischen Neigungen. Diese beiden Aspekte sieht er bei dem Verein Musiker ohne Grenzen (MoG) vereint und deshalb macht er jetzt für ein halbes Jahr einen musikalischen Freiwilligendienst in Ecuador, genauer Guayaquil. Er gibt dort in einem ärmlichen Viertel, Guasmo Sur, in der Musikschule Clave de Sur Unterricht für Klavier, Horn bzw. Trompete (da muss er sich an die Nachfrage anpassen) und Gesang.

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