Inselhopping auf Galápagos – San Cristóbal …the lion sleeps tonight

Ein Seelöwe schläft auf einer Bank. Ein zweiter gesellt sich dazu. Er kommt umständlich angewatschelt, hüpft auf die Bank und legt sich ohne Scham einfach auf den anderen Seelöwen. Diesen stört das. Er räkelt sich und wälzt sich hin und her. Schließlich fasst er sich ein Herz und watschelt zu einer anderen Bank, wo er es sich gemütlich macht. Womit er nicht gerechnet hat:  Der andere folgt ihm und legt sich erneut auf ihn. So geht das Spiel einige Minuten und Bänke weiter – ein großes Spektakel!

Das Ganze spielte sich am Kai von Puerto Ayora, kurz vor der Abfahrt nach San Cristóbal, ab. Wenig später brausten wir, Simon und meine Person, mit hoher Geschwindigkeit in einem größeren Boot auf die Insel zu. Auf der sich äußerlich nicht besonders von unserem letzten Eiland unterscheidenden Insel suchten wir uns in der Hafenstadt mit dem kryptischen Namen Puerto Baquerizo Moreno, den ich mir bis zum heutigen Tag nicht merken kann, ein Hostal.

Nach einem teuren und kleinen Frühstück mit einem netten Opi begaben wir uns auf eine Wanderung zum Cerro de las Tíjeretas, einem Hügel in der Nähe der Hafenstadt mit umwerfendem Rundblick. In der Bucht schnorchelten wir, schwammen mit Seelöwen, Schildkröten und dicken Fischen.

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Vom Wandern noch nicht genug habend liefen wir noch weiter zu einem etwas verlassenerem Strand. Der Weg war jedoch länger und die Sonne aggressiver als gedacht und so holten wir uns einen fetten Sonnenbrand. Schön war der Strand jedoch allemal. Wie ihn sich kleine Kinder vorstellen.

Zurück im Hostal frönten wir des W-LANs, auch wenn es miserabel war und begaben uns auf den Balkon, mit Blick auf das Treiben im Hafen. Unten rief mit einem Mal ein Pärchen „Hey Guys, do you have plans for tomorrow?“  zu.

Bei einem klärenden Gespräch unten im Hostal erfuhren, dass die beiden Geschwister aus Canada, Alexis und Emely, in einer Taxitour einige Touristen-Standorte, die ich mir aus dem Reiseführer auch schon auf die to-do-Liste gesetzt hatte, abklappern wollten. Wir waren dabei. Die beiden zeigten uns sogar ein Restaurant, das verhältnismäßig billig (immer noch $ 4) war, in dem wir wenig später angeregt plaudernd mit ihnen zu Abend aßen. Am Abend schlenderten wir noch ein wenig am malecón (Uferpromenade) entlang, gönnten uns Bier mit Schokolade und Simon führte mich in die Mysterien der Fotographie ein. Mit vor Brennweiten, Belichtungszeiten und Blenden rauchendem Kopf legten wir uns früh schlafen.

 

Das war auch besser so, da wir am nächsten Morgen um acht Uhr auf der Matte stehen sollten. Dort machten wir Bekanntschaft mit dem Argentinier Rodrigo, der sich spontan unserer Tour anschloss. Die Spontaneität musste er allerdings damit bezahlen, dass er nur auf der Ladefläche des Pick-Ups mitfahren konnte.

Der erste Stopp war die Laguna Junco, ein mit Süßwasser gefüllter Kratersee, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass das gesamte Galápagos-Archipel gut 1.000 km vom Festland entfernt liegt. Und da Süßwasser? Unglaublich!

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Die Lagune war sehr schön anzusehen, was die Bilder sicherlich belegen, allerdings sorgte der Parkplatz, der gut ausgebaute Fußweg für Touristen allen Alters und Gebrechlichkeit und das Stopp-and-Go des Taxis dafür, dass ich den Ort nicht wirklich genießen konnte. No good vibration. Schade, meinte auch Rodrigo, der eigentlich meditieren wollte, aber nicht in die richtige Stimmung kam.

Das fällt mir leider oft auf Galápagos auf, der viele Tourismus macht schon einiges kaputt. Natürlich ist die Umwelt und für mich besonders die Fauna, die man so nah wie nie zu Gesicht bekommt, umwerfend, die Gesamtstimmung wird durch den Tourismus und das Kommerzielle aber oft verdorben. Wie toll die Inseln ohne Touristen wäre, daran wage ich kaum zu denken. Auch die Tier- und Pflanzenwelt wird sich wohl auf lange Sicht fragen, wie viel Tourismus Galápagos verträgt, obwohl die Regierung viel für den Umweltschutz tut und die $ 100 Nationalpark-Eintrittsgebühren angeblich zu einem Großteil für ebendiesen Zwecken verwendet wird.

Runtergelaufen, Tür auf, Touris rein, Tür zu und weiter ging’s zur Landschildkrötenaufzuchtsstation (Kennst du ein längeres Wort? Schreib’s in die Kommentare!) La Galapaguera. Die riesigen Schildkröten wirkten langsam und weise. Auch die gut behüteten Brutkästen, welche die Arbeiter zum Schutz gegen Fressfeinde und zum Erhalt der Spezies errichtet hatten, waren interessant. Funfact am Rande: Diese Tiere werden an die 150-160 Jahre alt. Alter Schlabbe!       

 

Der letzte Punkt war der Strand Puerto Chino. Was genau der Strand mit China zu tun hat, konnte ich dem Taxifahrer leider nicht entnehmen. War es ein Hafen, in dem Schiffe aus China hielten? Besuchten diesen Strand besonders viele Chinesen? Man weiß es nicht.

Hier blieben wir länger als geplant, da die Kanadier plötzlich sehr schnell zum Flieger mussten. Sehr schlimm fand ich es nicht, Alexis ging mir mit seiner aufdringlichen Art ohnehin auf die Nerven. So vergnügten wir uns noch eine Weile mit dem wesentlich entspannteren Rodrigo am Strand, schnorchelten, beobachteten Seelöwen und verstärkten den Sonnenbrand.

 

Den Nachmittag über schlug ich mich in einem Internet-Eiskaffee mit meinem letzten Blogeintrag und der Verkäuferin herum, die für meine knapp eineinviertel Stunden schamlose $ 6 verlangte. Aber leckeres Eis! Am Abend machten wir uns zu Punta Carola, einem nahe gelegenen Strand auf, um den atardecer (Sonnenuntergang) zu betrachten. Leider kam uns auf dem Weg dorthin ein Wächter entgegen, der uns erklärte, dass der Strand nicht mehr zugängig sei. Also machten wir es uns auf halbem Weg auf einigen Lawasteinen gemütlich und beobachteten Surfer, die im Sonnenuntergang ihr Pirouetten drehten.     

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Auf dem Rückweg trafen wir zufällig Rodrigo (groß ist Puerto Baquerizo Moreno demnach nicht). Dort erzählte er uns, dass er in Buenos Aires Harfe studiert hatte, dann ein Problem mit der Hand gehabt hatte und seitdem Musiktherapie studierte.

Am dritten und letzten Tag schälte ich mich schon um 6:30 aus dem Bett, um um Punkt sieben am malecón (Uferpromenade) zu sein. Den Leon Dormido (Schlafender Löwe, pittoresker Fels in Ufergegend, allerdings etwas weiter weg und dadurch nur durch eine kostspielige Bootstour zu erreichen) wollte ich unbedingt noch sehen und daher stellte ich mich so früh an den Steg, wo schon einige zur Abfahrt bereite Touristengruppen warteten, um ein Last-Minute-Ticket zu erhaschen.

Tatsächlich konnte ich ein Touristen-Büro auftreiben, das mir ein Ticket für $ 10 weniger verkaufte, was sich dann aber immer noch auf $ 90 belief. Allerdings ging es erst um neun Uhr los, d.h. dass ich nochmals gemächlich an der Matratze horchen konnte.

Die Tour an sich war klasse. Die Gruppe stellte sich neben mir aus zwei ecuadorianischen Touristen vom Festland zusammen, sodass ich jedenfalls den Eindruck gewann, in keinen absoluten Touri-Nap gefallen zu sein.

 

Der schlafende Löwe war toll anzusehen. Mit rauen und steilen Felswänden lag er dort mitten im Meer. Auch die Scharen von Fregattvögeln und Blaufußtölpeln, die an seinen Flanken umherschwirrten, schienen ihn nicht großartig aus der Ruhe zu bringen.

 

Besonders gefiel mir die Unterwasserwelt. Top equiped mit Taucherbrille, die endlich mal nicht beschlug, Schnorchel, Flossen und Neoprenanzug konnte ich es eine gute Stunde im Wasser aushalten. Der Guide hatte – natürlich – eine GoPro am Start und sorgte für tolle Bilder von den Unmengen an Haien, Meeresschildkröten, Rochen (mein favorite) und Fischen, die es im unglaublich klaren türkisen Wasser zu sehen gab.

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Autor: Cons

Cons ist ein neunzehnjähriger Weltenbummler mit musikalischen Neigungen. Diese beiden Aspekte sieht er bei dem Verein Musiker ohne Grenzen (MoG) vereint und deshalb macht er jetzt für ein halbes Jahr einen musikalischen Freiwilligendienst in Ecuador, genauer Guayaquil. Er gibt dort in einem ärmlichen Viertel, Guasmo Sur, in der Musikschule Clave de Sur Unterricht für Klavier, Horn bzw. Trompete (da muss er sich an die Nachfrage anpassen) und Gesang.

2 Kommentare

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