Seit 2 1/2 Wochen bin ich nun wieder in Deutschland. Inzwischen bin ich körperlich und auch geistig hier angekommen. Zum Glück begrüßte mich Deutschland mit strahlendem Sonnenschein, sodass mir zumindest die klimatische Umstellung nicht schwer fiel. Eher freute ich mich sogar über etwas kühlere Luft, da das viele Schwitzen in Ecuador schon auch mal nervig sein konnte. Schon nach ein paar Tagen auf deutschem Boden begab ich mich auf Wohnungssuche in Köln, da ich innerhalb von einem Monat eine Wohnung finden möchte. Im Mai beginnt nämlich schon mein Referendariat. Durch die Wohnungssuche wurde mir deutlich, wie schnell ich mich wieder von stressigen Situationen vereinnahmen lasse und die ecuadorianische Gelassenheit in Vergessenheit gerät. Sollte ich innerhalb eines Monats noch keine passende Wohnung finden, werde ich auch nicht auf der Straße landen und es gibt andere Lösungsmöglichkeiten. In Ecuador erschien mir das Leben entschleunigter und die Menschen gelassener. Diese positive Gelassenheit möchte ich mir bewahren und mich immer wieder daran erinnern. Ich bin sehr froh und dankbar diese tolle Zeit in Ecuador gehabt zu haben und denke, dass es nicht bei einem ersten Mal bleiben wird. Vielen Dank noch einmal an alle, die mich finanziell und auf andere Weise unterstützt haben! Es waren sehr schöne und erlebnisreiche Monate für mich!
Archiv für den Monat: April 2017
Meine letzten Wochen im Guasmo
Die letzten Wochen im Guasmo gingen so schnell vorbei, dass ich es dort gar nicht mehr geschafft habe von meinen Erlebnissen zu berichten. Dies möchte ich jetzt nachholen.
Anfang Februar hatte ich mir ja beim Joggen eine Fußverletzung zugezogen, sodass ich mich circa 3 Wochen fast nur im Haus aufhalten konnte. Nach 2 Wochen hat ein ecuadorianischer Freund zum Glück Krücken auftreiben können, sodass ich immerhin ab und zu zur Musikschule humpeln konnte. Ab Ende Februar habe ich dann auch doch noch ein paar wenige Stunden Klavier und Saxofon unterrichtet. Das Besondere an dem ersten Unterrichtsprozess in jedem Jahr ist, dass viele der Ecuadorianer selbst unterrichten. Ab Mitte Februar sind Schulferien, sodass fortgeschrittene SchülerInnen die Zeit haben, Anfänger zu unterrichten. Ein paar dieser LehrerInnen haben mein Angebot angenommen in ihrem Unterricht zu hospitieren. So konnte ich mit ihnen über ihre Fragen zum Unterrichten sprechen und ihnen ein Feedback geben.
Mitte März bot ich auf Nachfrage der ecuadorianischen LehrerInnen einen zweiten Teil des Workshops „Como dar clases“ (Wie gibt man Unterricht) an. In diesem Workshop thematisierten wir Fragen und Probleme, die aus dem eigenen Unterrichten entstanden sind. Auf diese Fragestellungen versuchten wir mithilfe der „Kollegialen Fallberatung“ verschiedene Lösungswege zu finden. Mithilfe dieser Methode soll die Intelligenz der ganzen Gruppe genutzt werden und zu Lösungsvorschlägen verhelfen. Zu Beginn und als Auflockerung zwischendurch gab es zwei Live-Arrangements mit Stimme und Bodypercussion, also Stücke, die spontan im Handeln entstehen.
An meinem vorletzten Wochenende fand die „Viaje de Integración“ statt, also die Integrationsreise. Diese findet einmal im Jahr statt und es geht darum, dass neue SchülerInnen in die Musikschule integriert werden und die bestehende Gemeinschaft gestärkt wird. Das tolle an der Musikschule „Clave de Sur“ ist nämlich, dass sie von den ecuadorianischen SchülerInnen und LehrerInnen inzwischen zum großen Teil selbst verwaltet und organisiert wird. Es gibt zwei Koordinatoren, die die Hauptorganisation übernehmen. Alle Entscheidungen, die die Musikschule betreffen werden jedoch von der Gemeinschaft getroffen. Dies sind fortgeschrittene SchülerInnen und LehrerInnen ab circa 15 Jahren, die schon längere Zeit dabei sind. Jeden Freitag Abend gibt es um 19.30Uhr eine Versammlung, in der alles besprochen und über Entscheidungen abgestimmt wird.
Die Viaje de Integración fand in Zhagal, ca. 3h südlich von Guayaquil statt. Wir wohnten in einem kleinen Haus mitten in einer Kakaoplantage an einem kleinen Fluss gelegen, in dem wir baden konnten. Es wurde gemeinsam gekocht, getanzt, gespielt, geredet… Für mich war dies ein sehr schöner Abschluss meiner Zeit in Ecuador.
Ein paar Tage vor meinem Abflug organisierte ich noch eine kleine Abschiedsfeier in der Musikschule.
Und auf einmal geht die Zeit zu Ende und ich stehe am Flughafen in Guayaquil.






























