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Eine ganz besondere Zeit auf dem „Continente“ und den Galapagosinseln

Wie fängt man eigentlich einen Blogeintrag an, wenn man schon so lange keinen mehr verfasst hat? Was soll er nur beinhalten, wenn so viele Ereignisse wie im Flug an einem vorbeizogen, sodass man all das selbst im eigenen Tagebuch nicht festhalten konnte?
Nun muss ich also die wichtigsten Ereignisse der letzten Monate sorgfältig herausfiltern.

Nach der letzten Reise begann für uns die Vorbereitung auf das bevorstehende Weihnachtskonzert. Alle Schüler waren wieder mobilisiert und wir reichlich motiviert, daraus etwas ganz Besonderes zu machen. Unsere anfänglichen Ideen, Glühwein und Weihnachtsplätzchen für alle Besucher auszugeben, wurden wieder zerschlagen, als wir feststellen mussten, dass sich niemand in einen Wintermantel einhüllen wird, sich unter einen Wärmestrahler stellt und sich mit heißem, wohlig duftendem Glühwein aufheizt, um sich mit all den restlichen Besuchern über den bevorstehenden Skiurlaub auszutauschen. Am 15. Dezember hatte es gut 30 Grad, der Glühwein wurde verworfen, die Plätzchen beibehalten.
Unsere vorweihnachtliche Zeit verlief auch sonst alles andere als andächtig und ruhig. Unter der Woche verbrachten wir viel Zeit in der Musikschule, an den Wochenenden unternahmen wir tolle Reisen, verbrachten das ein oder andere Wochenende im Projekt in Guayaquil, dazwischen brachte ich noch die Familie unter und unsere Freunde aus Playas durften natürlich auch nicht zu kurz kommen.
Der erste gemeinsame Ausflug unserer Musikschule Óla Symphónica führte uns in das schöne Örtchen Olón, das sich nördlich der Partymeile Montañita befindet. Im nahe gelegenen Manglaralto befindet sich nämlich ein weiteres Kulturzentrum, zu dem der Koordinator des Kulturzentrums, in dem wir wirken, regen Kontakt pflegt. Manglaralto wünscht sich MoGs in ihrem Kulturzentrum und so statteten wir deutschen Freiwilligen, Doris, eine Trompetenlehrerin aus Alaska, und einige Eccis dem Kulturzentrum einen Besuch ab. Uns wurde eine Nacht in einem Hostal bezahlt und Kochen durften wir in dem Haus des Koordinators des Centro Intercultural in Manglaralto. Zudem durfte die Band unserer Musikschule auf der Reina-Wahl des Dorfes Olón spielen.

Letztendlich kann ich diesen Ausflug als vollen Erfolg und förderlich für den Zusammenhalt der Musikschule bezeichnen.

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Ein anderes Wochenende fuhren wir in den Guasmo nach Guayaquil, um uns die Präsentation und das Abschlusskonzert der Band La Múcura anzuhören. Die Gruppe war einige Zeit in den Guasmo zu kommen, um sich das Projekt dort anzuschauen und mitzuwirken. Auch uns im Kulturzentrum wurde indes ein außerordentlicher musikalischer Besuch abgestattet. Viele Musiker aus dem Guasmo kamen zusammen mit der Band, um bei uns im Kulturzentrum mit uns allen Musik zu machen. Wir verbrachten einen ganzen Tag mit ganz viel Workshops in lateinamerikanischem Rhythmus, Gesang, Gitarre und vielem mehr, Fußballspielen, einem Grillfest und in der Nacht führten wir eine kleines Konzert im Stadtzentrum auf.

Weihnachten rückte währenddessen immer näher. Das Konzert war ein voller Erfolg, auch, obwohl zum eigentlichen Beginn des Konzertes noch nicht einmal alle Schüler da waren. Inzwischen aber an die Mentalität der Ecuadorianer gewöhnt, warteten wir eine weitere Stunde, es kamen reichlich Eltern und alle Musiker waren bereit. Nach dem Konzert versorgten wir die Menge mit unseren Plätzchen, welche zweifellos gut ankamen und schenkten Früchtepunsch aus.

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Während zwei Freiwillige danach auf Reise gingen, unterrichtete der Rest noch weiter. Die Weihnachtszeit empfand ich trotzdem als etwas ganz Besonderes. Ich verbrachte viel Zeit mit unseren Freunden aus Playas (Vielleicht habe ich es mit dem Surfen auch übertrieben, so ein Sonnenstich fühlt sich an wie eine Magendarmgrippe), die sich sich viel Zeit für uns nahmen und sich immer etwas Neues ausdachten und hatte auch die Möglichkeit Zeit in meiner Familie zu verbringen.

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Es weihnachtete nicht gerade bei mir in der Familie. Aber warum sollte man auch Kerzen anzünden, wenn man vor Hitze sowieso schon alle Ventilatoren aufgestellt hat. Warum einen Weihnachtsbaum aufstellen, wenn es an der Küste nur Gestrüpp im immer gleichen Sandton gibt. Einzig und allein die düdelnen Lichterketten erinnerten ab und zu an Weihnachten, wenn man wieder eine Melodie gespielt wurde, die mit falschen Tönen und Tonlängen tatsächlich an das ein oder andere Weihnachtslied erinnert. Wer denkt dann noch an Stromrechnungen, wenn doch jeder Haushalt mindestens eine davon vor oder in sein Haus hängt und sie die Nacht durchblinken und -spielen lässt. Kurz vor Weihnachten verbrachten wir nochmal ein Wochenende in den Gastfamilien im Guasmo und während mein Gastvater auf der ein oder anderen Veranstaltung als Weihnachtsmann Geschenke an Kinder verteilte, meine Gastschwester an einem Grippenspiel vor dem Polizeigebäude teilnahm und meine Gastmama dann auch endlich die zweite Lichterkette gefunden hatte, war es dann auch Zeit für das – aus ecuadorianische Sicht – „kleine“ Familienfest.

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Gegessen wurde Truthahn und – wer hätte es Gedacht – Reis. Meine Gastmama kochte mal wieder wie ein Weltmeister. Dass ich so fleißig Geschenke kaufte, war eigentlich übertrieben und dass ich selbst erwartete eine kleine Aufmerksamkeit zu bekommen, war ebenfalls überflüssig. Kurz vor heilig Abend zog dann doch jeder selbst los und kaufte sich neue Schuhe und neue Hosen zum Fest der Liebe. Einige Kinder bekamen ein Spielzeug. Dabei blieb es. Über meine Geschenke haben sich dann doch alle Gefreut, auch über die Sachen aus dem Paket meiner Eltern aus Deutschland, das tatsächlich noch an heilig Abend ankam. Meiner Schwester coverte ich ein Lied ihrer Lieblingsband und der passende Geldbeutel dazu brachte sie dann doch zum weinen. Das war dann mein Weihnachtsgeschenk. Alles richtig gemacht.
Der Abend zog sich nicht wie die meisten Ecci-Feste mit langer Sauferei und Schweigsamkeit dahin, sondern verlief sich nach guter Stimmung dann langsam nach Mitternacht, auch weil viele am nächsten Tag arbeiten mussten. Auch die restlichen Weihnachtsfeiertage nahm ich mir viel Zeit für die Familie und die Freunde. Die Jungs nahmen sich Zeit für ausgiebige Surfstunden, wobei ich dann die Intensität der Sonne falsch einschätze. Es blieb nicht nur bei dem Sonnenbrand auf der Rückseite meiner Oberschenkel, die sich heute noch schälen, einen mächtigen Sonnenstich nahm ich auch gleich mit. Nebenbei stand ich aber zum ersten Mal auf dem Surfbrett und die anschließende Kocherei in dem Haus eines Freundes überraschte mich mal wieder aufs neue. Es waren nicht die Frauen, die die Männer bedienen mussten. Die Jungs kochten selbst und bevor wir nach dem Essen nur aufstehen konnten, wurde uns schon das Teller zum Spülen weggezogen. So viel sich auch unsere Gastfamilien über unsere dubiose Freundschaft mit den Surfern auslassen, die, wie behauptet wird, nicht alle arbeiten, zu viel kiffen (obwohl da etwas dran sein mag) und mit 25 Jahren noch alleine Leben und keine Frau haben (was sie nicht gerade angesehen macht), sie gehen respektvoller und ehrlicher mit uns um als so mancher Gastvater.
Mein Sonnenstich zwang mich dann zwei weitere Tage in mein Bett, aus diesem Grund verbrachte ich auch die Silvesternacht sehr gemäßigt und trotzdem aufregend, da es in Playas eine Ausstellung der Viejitos, also Figuren, die aus Holz und Pappmaschee gebaut werden, um sie dann mit Böllern zu befüllen und zu Mitternacht zu verbrennen, gab. Und auch meine Familie baute sich eine Figur.

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Den nächsten Tag schliefen mein Gastvater und seine Brüder ausnahmslos durch. Einer der Männer hatte sich morgens um 7 bei einem Sturz das Ohrläppchen fast vollständig abgerissen. Die Blutlache auf dem Boden lies sich nur schwer übersehen. Sowieso waren alle in der Familie ziemlich zerstört. Mir ging es dafür viel besser, kurz nach Mitternacht hatte mich wieder die Müdigkeit meines Sonnenstiches gepackt, sodass ich dem Drang mich wieder auszuruhen nachgab.
Schließlich ging es dann ja auch am 2. Januar nach Galapagos! Wir kamen in dem Haus von Fernando unter, von dem ich schon in meinem Blogeintrag aus Cuenca berichtete. Das Haus befindet sich auf der meist bewohnten Insel St. Cruz. Von dort aus besuchten wir den Traumstrand Turtuga Bay, besuchten eine versteckte Lagune und Fernando führte uns ins Hochland der Insel, damit wir uns die riesigen Magmakammern und die meter hohen Lavatunnel anschauen konnten.

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Und auch die Galapagosschildkröten leben alles andere als versteckt. Robben und Echsen tümmeln sich haufenweise auf den Bootsstegen und an den Stränden.

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Einige Tage später rasten wir mit dem Speedboot und Tabletten gegen Reiseübelkeit auf die Insel Isabela, auf der wir in einem Hostal weitere Nächte verbrachten. Von dort aus buchten wir Schnorcheltouren und beobachteten Rochen, Haie, Wasserschildkröten und Seepferdchen aus geringer Distanz. Außerdem beritten wir einen der Vulkane Isabelas und genossen einen fantastischen Blick am Rande des Kraters, der, nach Aussage unseres Inselführers, 10 km Durchmesser hat.

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Zurück auf St. Cruz besuchten wir noch noch die Insel Floreana, die sich ebenfalls 2 std entfernt von St. Cruz befindet, erkundeten das Hochland und schwommen mit Meeresschildkröten am schwarzen Strand der Insel.
Freudig wurden wir übrigens auch von den MoGs auf St. Cruz begrüßt, die uns viel von der Insel zeigten, uns gute Tipps gaben und mit denen wir einige lustige Abende verbrachten. Und auch einen Blick in das Projekt durften wir werfen, das, wie jedes Projekt von MoG, mal wieder einen ganz anderen Charakter aufweist und einzigartig ist.

Der Abschied von der traumhaften Inselgruppe war auch gleichzeitig wieder der Start ins Projekt, der mich auch etwas wehmütig meiner Heimreise entgegenblicken lässt. Das Abschiedskonzert ist ebenfalls schon geplant…
Vorletzte Nacht lag ich in meinem Bett und lauschte freudig dem auf unser Wellblechdach rasselnden Regen, der zum ersten Mal seitdem ich hier bin auf das sonst so staubtrockene Playas niederprasselt. Mit dem Regen kommt auch die Hitze, an die man sich übrigens von Tag zu Tag neu gewöhnen muss. Und tatsächlich bin ich eine der Freiwilligen, dem zwar gerade höflich der Fernseher aus dem Zimmer entnommen wurde, da ich diesen ja tatsächlich nie benutzte, der aber jeden Tag in den Genuss eines funktionierenden Ventilators kommen darf.
Ein bisschen hat mich der Regen auch an zu Hause erinnert. Es kam der Duft nach nasser Erde auf, den ich schon so lange nicht mehr in der Nase hatte. So eine kleine Sehnsucht verspürte ich schon nach der fernen Heimat. Ich freue mich darum umso mehr auf die noch verbleibenden 2 Monate, die wieder gefüllt mit ganz viel Musik, ganz viel Abenteuer und mal wieder mit den ganz großen Gegensätzen und Aufregungen dieses kleinen Landes verbunden sein werden.

 

Quito – Otavalo – Ambato – Baños … und kein Cuyabeno – Reservat…

Zusammen mit vier deutschen und einem ecuadorianischen Freiwilligen aus Guayaquil, brachen Insa, Jana, Celine und ich im Nachtbus gen Anden auf, um uns das Hochland mal ein bisschen genauer anzuschauen. Die ersten Tage verbrachten wir in der Hauptstadt Ecuadors, in Quito. Die Gastfreundschaft der ecuadorianischen Bevölkerung war auch auf dieser Reise kaum zu übersehen, denn zu neunt wohnten wir in dem Haus des ecuadorianischen Freiwilligen.
Am ersten Tag durften wir natürlich schon das dem sehr europäisch ähnelnden Wetter zu spüren bekommen. Durchnässt und durchgefroren erkundeten wir erstmal die Altstadt. Die ist mit all ihren Kirchen, dem Präsidentschaftspalast und den wunderschönen Altbauten natürlich wirklich sehenswert.
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Am nächsten Tag machten wir uns mit der Seilbahn auf den Rucu Pichincha auf, an dessen Fuße sich Quito befindet. Da man zu neunt morgens sehr schlecht aus dem Haus kommt, das Wetter mittags aber von Sonnenschein und Hitze zu sehr viel Regen und Kälte umschlägt, ereignete sich vor uns auf 4100 m ein tolles Naturschauspiel, welches übrigens gefolgt von starkem Hagel dann doch ziemlich schmerzhaft war…
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Danach fuhren wir auf den Panecillo, den sogenannten Brötchenhügel, auf dem sich die große Statur einer angeketteten Jungfrau befindet. Von dort aus hatten wir einen tollen Blick auf Quito und den Vulkan Cotopaxi im Sonnenuntergang und bei Nacht.
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An unserem letzten Tag in Quito fuhren wir dann aus Quito raus (Sowas dauert dann schon mal 2 Stunden) zur „Mitad del Mundo“ (Die Mitte der Erde). Dieses touristische Örtchen bezeichnet einen Punkt auf dem Äquator und selbst dabei haben sie sich vor ein paar hundert Jahren um 200 Meter verrechnet. Trotz allem: Das Monument stand schließlich, deshalb wurde dann auch alles so belassen und die Touristen sind bis heute zufrieden.
Schön Fotos machen, noch ein Sandwich essen und ein letztes Mal versuchen bei Tag in die Basilika Quitos zu gelangen.
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Da wir aber viel zu spät und nach unfassbaren Regenschauern in der Stadt ankamen, machten wir noch eine Führung im „Palacio Legislativo“ und ich kam sogar zu meinem Käffchen und einer Schokotorte.
Celine, Jana und ich brachen dann am Abend mit dem Bus nach Otavalo auf. Die ebenfalls von sehr vielen Touristen besuchte Stadt birgt einen riesigen ecuadorianischen Markt. Wir fuhren jedoch schon Freitagabend los, um früh am morgen den Tiermarkt dort besuchen zu können. Meine einstige Vorstellung von Hühnern in der Küche wird jetzt von traditioneller Massentierhaltung überdeckt. Die Schweine werden an der Leine in Transporter geworfen (und wie ein Schwein schreien kann, wenn es weiß, dass es sterben wird), die Küken werden in den Kisten erdrückt, Hühner werden in Holzgittern übereinander gestapelt und Meerschweinchen, die in den Anden traditionell gegessen werden, befinden sich haufenweise in Plastiksäcken. Der Kapitalismus findet halt auch hier seine Anwendung, nur dass es keine Gesetze für Tierhaltung gibt…
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Freudig wurden wir aber von Hanna, einer Freundin aus Deutschland, empfangen, die in dieser Gegend ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. So eine 11er-WG hat dann natürlich schon ihren Reiz und treibt auch die Vorfreude aufs Studium voran…
Eine letzte Nacht verbrachten wir dann nochmal alle zusammen in Quito (inzwischen ausgestattet mit neuem Alpakapulli, einem Alpakaschal und neuer Hose und Taschen…) bevor es uns Playas-Freiwillige dann nach Ambato trieb.
Die Stadt kann man mal besuchen, muss man aber nicht. Es ist viel los und alles ein bisschen stressig, auch sonderlich schön ist sie nicht. Außerdem hat mich zum ersten Mal eine Taschendiebin überrascht. Alles was sie klauen konnte war zwar nur meine Sonnenbrillen-Krawattentasche, trotzdem eine komische Situation.
Die Markthallen in Ambato sind erstaunlich. Wir haben uns gefragt, wer denn wohl all diese Früchte kaufen wird.
Außerdem besuchten wir die moderne Kathedrale Ambatos, die mich wirklich beeindruckt hat. Der Künstler gestaltete sie nur mit Bildern aus der Natur (vorzugsweise der Himmel) aus. Sie ist ganz simple ausgestattet und das macht sie auch im Gegensatz zu Quitos plattgoldüberladenen Kathedralen zu etwas ganz besonderem.
Dem kurzen Aufenthalt in Ambato folgte dann unser Abenteuerurlaub in Baños. Die Stadt wird als ein weggeworfenes Bonbonpapier beschrieben und das trifft es auch ganz gut. Mitten in den Anden unterhalb des zurzeit aktiven Vulkans Tungurahua liegt die kleine, nicht sonderlich schöne Stadt.
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Und Abenteuer wird hier einiges geboten. Neben dem Aufstieg zum Aussichtspunkt auf den Vulkan und einer Wasserfall-Fahrradtour hatten wir auch noch die Möglichkeit für einen Spottpreis von einer Brücke in eine Schlucht zu springen und wer sagt da schon nein…
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Wir genossen es, mal wieder für uns und das ganz vegetarisch im Hostal kochen zu können. Ein Nachteil, den eine ecuadorianische Gastfamilie nun mal birgt, ist, dass es jeden Tag Fleisch und Essen in unendlichen Massen gibt.
Am nächsten Tag sollte es dann per Nachtbus in das an der kolumbianischen Grenze gelegene Cuyabeno-Reservat gehen. Die Malaria vorbeugende Malerone vertrug ich jedoch zu meinem sowieso schon länger anhaltenden Magendarm-Problem alles andere als gut und somit mussten wir einen Tag später ohne Jungle-Tour unsere Reise vorzeitig beenden. Die wird natürlich auch mal noch nachgeholt.

Jetzt beginnt für mich in Playas wieder der schöne Alltag. Bis zum Weihnachtskonzert am 15 Dez bleibt alles unverändert. Meine Schüler werden sich freuen, dass ich schon eine Woche früher wieder da bin.

Manta

Die „Foundation Pueblo Cholo de Ecuador“ lud zum großen Treffen von 5 Provinzen nach Manta ein. Das Kultusministerium bezahlte Busfahrt, Hotel und Verpflegung. Kein Wunder, dass die Provinz Guayas gleich mit zwei Reisebussen anrückte. So auch die Gastfamilie von Insa und natürlich meine, da Papa Chacha Präsident des Pueblo Cholo Guayas ist. Meines Wissens sollen die Traditionen des indigenen Volkes Cholo durch den Verein erhalten werden. Chacha erzählte mir im Vorhinein, dass das ganze Wochenende aus Sportfestspielen bestehen sollte, aber nicht alle mitmachen, wir daher nur zuschauen. Neben „Reise nach Jerusalem“, Wettessen, Bier-Wetttrinken, Eierlaufen und Sackhüpfen wurde dann tatsächlich auch wettgerudert, Fußball und Volleyball gespielt und ein Wettbewerb, wobei man ein öliges Zuckerrohr hinaufklettern muss, ausgetragen. Das war an sich ja alles ganz schön anzuschauen, nur muss man in Ecuador ja bekanntlich auf alles und jeden warten (ja, sogar ich! ). Der Bus fährt eine Stunde später los und das Spiel beginnt zwei Stunden später. Langeweile war da leider vorprogrammiert.
Lauffaul definiere ich inzwischen wirklich ganz neu. Da wir ja das ganze Wochenende den Reisebus zur Verfügung hatten und Manta ja (wenn es nach den Ecuadorianern geht wie alles in Ecuador) unglaublich gefährlich ist, sollte man noch nicht mal von unserem Restaurant über eine Brücke die Hauptverkehrsstraße überwinden und zu unserem Hotel laufen. Ich glaube diese angebliche „Gefahr“ ist für die Eccis mal wieder ein guter Grund, sich nicht bewegen zu müssen. Da setzt man sich nach dem Essen lieber eine halbe Stunde in den Bus und wartet bis alle 90 Leute fertig sind, anstatt 5 Minuten zum Hotel zu laufen, dass man ja eigentlich schon sehen kann, so nah ist es. Ich habe natürlich protestiert und meine Gastschwester mitgeschleppt, die sich natürlich lauthals beschwerte, sie könne doch jetzt nicht den ganzen Weg laufen. Dann aber Sportfestspiele ausrichten…
Und klar wurde dann auch am letzten Abend eine Königin aller Provinzen gewählt. Auf der super lauten Veranstaltung mussten wir zwar zwei Stunden warten bis es los ging (Ohrstöpsel sei Dank erträglich) dann wurden aber die Reinas in prächtigen Kostümen vorgestellt. Meine Schwester hat als Reina der Provinz Playas teilgenommen, leider aber nicht gewonnen.

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Sonntag Nachmittag hatten Insa und ich dann auch Freizeit und während sich die Eccis im Hotelpool tummelten, begaben wir uns im Zentrum Mantas auf die Suche nach ein bisschen Europa…
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Die ganze Veranstaltung war also ein mal wieder eine interessante Ecci-Erfahrung, muss aber eigentlich so gar nicht mehr wiederholt werden 😉

Abschlusskonzert und Cuenca

Nach vier Wochen Unterricht fand vor mehr als einer Woche fand das Abschlusskonzert der Projektphase in Playas statt! Viele Familien waren da und das Konzert verlief nahezu reibungslos. Auf meine Schüler war ich natürlich richtig stolz. Ein paar Fotos hiervon kommen noch nach. Besonders stolz sind wir auf unsere Band, die sich aus einigen Schülern formiert hat und schon wirklich gut ist. Das Bandprojekt soll weitergehen und sowieso haben wir ganz viel neues vor mit unserer kleinen Musikschule…
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Weiter ging es für Jana, Insa und mich dann auf unsere erste große Reise. Und zwar zog es uns nach Cuenca, eine wunderschöne Stadt aus der Kolonialzeit. Und genau so sieht sie auch aus. Die Stadt und ihre Bürger sind sehr wohlhabend. So etwas wie geschlossene Häuser und Fenster sind dort aber auch dringend nötig. Cuenca liegt mit einer Höhe von ca. 1000m im Gebirge Ecuadors. Die nächte waren äußerst kalt, mit einem Alpaka-Pulli aber durchaus erträglich.
Wir besichtigten Cuenca, ihre Kirchen und ein Museum über die Völker Ecuadors.
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Einen Gang durch die Markthalle Cuencas lohnt sich in jedem Fall. Inmitten von Pferdehufen und traditionellen Heilerinnen aus der Sierra, die ihre Kunden mit Kräutern schlagen fühlt man sich in der Zeit ein bisschen zurückversetzt…
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Einen Tag verbrachten wir auch in Ingapirka, einer ehemaligen Inka-Stätte. Einen Tag wollten wir einen Tagesausflug nach Guamote machen. Die von mir auf 2 Std geschätzte Strecke erwies sich aber als sehr steil und kurvig, was leider zur Folge hatte, dass wir dann doch 6 Std nach Guamote fuhren. Nachmittags um 5 wird nur leider schon der Markt abgebaut und da wir nochmal die gleiche Strecke zurücklegen mussten war unser Tag eine einzige Busreise. Einen Wasted Day braucht wohl jede Reise. Ihr hättet dafür mal den Stand sehen sollen, an dem wir frittierte Kochbanane, Käse und Bratkartoffeln gegessen haben. Das Wort „Hygiene“ ist in diesem Land eher ganz klein geschrieben…
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Auf unserer Reise lernten wir einen Ecci aus Galapagos kennen, er begleitete uns fast die ganze Woche. So auch in den Cajas National Park nahe Cuenca. Man hätte sich ja mal ein bisschen vorbereiten können oder zumindest ahnen können, dass der Park sogar noch höher liegt und es da auch tagsüber gar nicht mal soooo warm ist… Fernando lud uns übrigens zu sich auf seine Insel ein. Ein verlockendes Angebot, das wir wahrscheinlich im Februar annehmen werden 🙂
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Desfile in Ecuador und Montanita

Letztens fanden die großen Desfile in Ecuador statt. Natürlich sind bei einem auch wir Musiker mitgelaufen. Die Umzüge kann man sich so ein bisschen wie die Karnevalszüge in Deutschland vorstellen. Nur dass ein Großteil der Gruppen ausschließlich Trommeln und ein tragbares Xylophon dabei hatten.

Am Donnerstag hielt dann unser Bürgermeister eine Rede in der CasaIntercultural, die wir musikalisch umrahmen durften. Matthi und ich packten also ein schönes Duett für Klarinette und Saxophon aus.
Interessanter Weise spielten aber alle Eccis für diesen Tag ein bisschen verrückt. In der Straße vor dem Kulturzentrum wurden Steine, Zäune Mauern, Reifen und Palmen weiß blau (in den Farben der Stadt) gestrichen. Viel interessanter fand ich aber, dass eine große Baugrube vor der Casa einfach wieder zugeschüttet und plattgewalzt wurde. Die neuen Rohre, die schon etwas länger daneben liegen, wurden natürlich nicht vergraben. Das geschah noch am selben morgen und war dann auch kurz vor Veranstaltungsbeginn fertig. Wann die Straße dann wohl wieder für die neuen Rohre aufgerissen wird bleibt abzuwarten.
Am darauffolgenden Wochenende tingelten wir mit ein paar Freunden aus Playas und zwei Freunden von Matthi, die er im Flugzeug kennengelernt hatte, nach Montanita, einer kleinen Surferstadt nördlich von Playas. Der Weg dorthin ist ein bisschen mühsam. Zwar hat uns ein Freund mit einem Pickup am Busterminal in Playas aufgegabelt, nur waren wir nunmal zu zwölft mit Gepäck und zwei Surfbrettern und bei hundert km/h ohne Beinfreiheit auf einer Kamionetta hatte ich mir ein bisschen angenehmer vorgestellt. In Progresso sind wir dann in ein in wohl noch unbequemeres Gefährt gestiegen. Ein Auto ähnlich einem VB-Bus verlangte relativ viel Geld dafür, dass er uns ein Stück weiter nach St. Elena fährt. Begründung: Wir sind so viele, dass er gerade keinen Rabatt geben kann, weil er ja die Polizei bestechen muss, wenn sie uns anhält, weil wir ja viel zu viele im Bus sind.
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Merkregel für jede noch so kleine Reise sind für mich übrigens ein Pullover und Oropax. Es gibt zwei Arten von Bussen hier. Die klimatisierten und die unklimatisierten, die auch meistens kein Fernseher haben. In jedem Fall braucht man für beide etwas zum anziehen. Die Filme in den Bussen handeln meistens von ganz viel Schießereien und Menschen die sehr qualvoll getötet werden (die Kinder in den Bussen scheinen dass gewöhnt zu sein) und das bei einer Lautstärke, die man nur schwer auf längere Zeit ertragen kann. Man ist gut, die Eccis lieben wohl die Lautstärke und lieben es, Boxen so laut zu drehen, wie man sie gar nicht drehen sollte.
Zwar Montanita ist das ganze Wochenende über eine riesen Fiesta. Die Musik lief die ganze Nacht durch, die Straßen sind wohl bis zum Morgengrauen gefüllt. Mal ganz lustig zu erleben, so ein Ballermann von Ecuador.
Trotzdem gings dann Samstag für Jana, Alicja und mich auf eine kleine Urwaldtour auf hohem Ross. Im Galopp durch den Urwald Ecuadors war ein riesen Spaß!!

parte de mi cuerpo

Hola!
Das neue Piano ist da! Nach einem ganzen Tag aufregender Reise nach Guayaquil dürfen wir es stolz in der Musikschule präsentieren.
So teuer war das gar nicht und einen Rabatt haben wir zudem auch bekommen. Kompliziert war nur, dass wir mal locker Tausend Euro in Bar abheben mussten, um den Rabatt zu bekommen. Danke, DKB, dass die 600€-Sperre in Ecuador nicht wirklich funktioniert. Jetzt habe ich auch endlich eine Sim-Karte. Wir waren nämlich auf dem Schwarzmarkt, mit tausenden Ständen, einer brütenden Hitze und vielen Familien.
Einen kleinen Abstecher zur Musikschule in Guasmo gab es natürlich auch, kann man schon mal für eine Geige und ein Mundstück hinfahren. Also dann wieder zu zweit mit einem dreiteiligen Klavier, einer Geige und unseren Taschen zum Busterminal nach Guayaquil. Aber wir wären ja auch nicht in Ecuador, wenn nicht der Busfahrer geschickt vorm eigenen Haus halten würde.
Gestern Abend war bei mir zu Hause family abend. ich habe ganz europäisch gekocht und mein Zirkus-Gastbruder hat mir beigebracht mit einer brennenden Fackel zu jonglieren. vllt ist ja heute schon die zweite dran, mit Bällen klappt es ja schließlich auch schon lange. An das brennende Ende zu fassen tut übrigens gar nicht mal so weh. Heute morgen war ich zum ersten Mal in Playas am Strand! Und nächste Woche bekomme ich von einem Freund Surfunterricht. Ich bin gespannt wie lange ich durchhalten werde! Und weil wir so super flexibel sind, gibts sogar Geigenunterricht am Strand… ein bisschen wie im Traum…..P1070673 P1070688 P1070707 P1070718

La comida es muy buena

Hallo Ihr lieben!

Seit nun fast drei Tagen befinde ich mich im schönen Playas. Hier überschlagen sich die Ereignisse natürlich wie erwartet.
Zusammen mit den anderen haben wir übers Wochenende die Listen ausgelegt, in denen sich neue Schüler für ein Instrument eintragen konnten. Und weil sichs am Strand natürlich besser arbeiten lässt, haben wir dann unsere Stundenpläne beim Surfcontest in Engabao geschrieben, das kann man schon mal machen.
Hier ist übrigens Winter, da muss man sogar ein Sweatshirt mitnehmen! Sonnenbrand bekommt man aber trotzdem zu jeder Tageszeit, egal ob die Sonne scheint oder nicht. Hier verfärben sich meine Backen aber eher… pink.
Also in meiner Familie fühle ich mich super wohl. Ich werde lecker bekocht, habe ein eigenes Räumchen und wir haben sogar Internet, eine Waschmaschine und fließend Wasser. Sie sind alle sehr herzlich zu mir und geben sich große Mühe sich mit meinem Grundwortschatz zu unterhalten. Auch so ist meine Gastmama immer ganz besorgt ob es mir gut geht und mir das Essen schmeckt. Ich freu mich, mich bald noch besser mit ihnen unterhalten zu können.
Schon morgen fahren Katja und ich nach Guayaquil und wir kaufen ein E-Piano für den Unterricht, weil wir einfach viel zu viele Gesangs- und Klavierschüler haben, als dass wir die alle an den paar Nachmittagen unterrichten könnten! Das wird spannend mit dem Piano zwei Stunden im Bus nach Playas….

Ja also wie ihr lesen könnt, geht es mir momentan sehr gut! Achso, und wer mein Outlook-Problem beheben kann, dass ich nur noch email empfangen kann aber nicht mehr verschicken, weil sie im Postausgang so lange hängen bleiben bis irgendwann eine Fehlermeldung kommt, darf sich gerne bei mir melden! Der Rest aber natürlich auch! Ich freue mich, von euch zu hören 🙂

 

Viele Grüße
Anne

Bald geht es los….

Hallo ihr Lieben!!
Momentan bin ich noch fleißig am Packen. in fast einer Woche geht es nämlich in das mir noch völlig unbekannte Playas. Und um mich schon mal ein bisschen auf meine musikalische Zukunft einzustellen, ist ab Samstag erst mal eine kleine Konzertreise mit meinem Orchester in Karlsruhe geplant. Deshalb sind die Reisevorbereitungen schon in vollem Gange.
Nicht mehr lange und ich bin weg!!