Wie fängt man eigentlich einen Blogeintrag an, wenn man schon so lange keinen mehr verfasst hat? Was soll er nur beinhalten, wenn so viele Ereignisse wie im Flug an einem vorbeizogen, sodass man all das selbst im eigenen Tagebuch nicht festhalten konnte?
Nun muss ich also die wichtigsten Ereignisse der letzten Monate sorgfältig herausfiltern.
Nach der letzten Reise begann für uns die Vorbereitung auf das bevorstehende Weihnachtskonzert. Alle Schüler waren wieder mobilisiert und wir reichlich motiviert, daraus etwas ganz Besonderes zu machen. Unsere anfänglichen Ideen, Glühwein und Weihnachtsplätzchen für alle Besucher auszugeben, wurden wieder zerschlagen, als wir feststellen mussten, dass sich niemand in einen Wintermantel einhüllen wird, sich unter einen Wärmestrahler stellt und sich mit heißem, wohlig duftendem Glühwein aufheizt, um sich mit all den restlichen Besuchern über den bevorstehenden Skiurlaub auszutauschen. Am 15. Dezember hatte es gut 30 Grad, der Glühwein wurde verworfen, die Plätzchen beibehalten.
Unsere vorweihnachtliche Zeit verlief auch sonst alles andere als andächtig und ruhig. Unter der Woche verbrachten wir viel Zeit in der Musikschule, an den Wochenenden unternahmen wir tolle Reisen, verbrachten das ein oder andere Wochenende im Projekt in Guayaquil, dazwischen brachte ich noch die Familie unter und unsere Freunde aus Playas durften natürlich auch nicht zu kurz kommen.
Der erste gemeinsame Ausflug unserer Musikschule Óla Symphónica führte uns in das schöne Örtchen Olón, das sich nördlich der Partymeile Montañita befindet. Im nahe gelegenen Manglaralto befindet sich nämlich ein weiteres Kulturzentrum, zu dem der Koordinator des Kulturzentrums, in dem wir wirken, regen Kontakt pflegt. Manglaralto wünscht sich MoGs in ihrem Kulturzentrum und so statteten wir deutschen Freiwilligen, Doris, eine Trompetenlehrerin aus Alaska, und einige Eccis dem Kulturzentrum einen Besuch ab. Uns wurde eine Nacht in einem Hostal bezahlt und Kochen durften wir in dem Haus des Koordinators des Centro Intercultural in Manglaralto. Zudem durfte die Band unserer Musikschule auf der Reina-Wahl des Dorfes Olón spielen.
Letztendlich kann ich diesen Ausflug als vollen Erfolg und förderlich für den Zusammenhalt der Musikschule bezeichnen.
Ein anderes Wochenende fuhren wir in den Guasmo nach Guayaquil, um uns die Präsentation und das Abschlusskonzert der Band La Múcura anzuhören. Die Gruppe war einige Zeit in den Guasmo zu kommen, um sich das Projekt dort anzuschauen und mitzuwirken. Auch uns im Kulturzentrum wurde indes ein außerordentlicher musikalischer Besuch abgestattet. Viele Musiker aus dem Guasmo kamen zusammen mit der Band, um bei uns im Kulturzentrum mit uns allen Musik zu machen. Wir verbrachten einen ganzen Tag mit ganz viel Workshops in lateinamerikanischem Rhythmus, Gesang, Gitarre und vielem mehr, Fußballspielen, einem Grillfest und in der Nacht führten wir eine kleines Konzert im Stadtzentrum auf.
Weihnachten rückte währenddessen immer näher. Das Konzert war ein voller Erfolg, auch, obwohl zum eigentlichen Beginn des Konzertes noch nicht einmal alle Schüler da waren. Inzwischen aber an die Mentalität der Ecuadorianer gewöhnt, warteten wir eine weitere Stunde, es kamen reichlich Eltern und alle Musiker waren bereit. Nach dem Konzert versorgten wir die Menge mit unseren Plätzchen, welche zweifellos gut ankamen und schenkten Früchtepunsch aus.
Während zwei Freiwillige danach auf Reise gingen, unterrichtete der Rest noch weiter. Die Weihnachtszeit empfand ich trotzdem als etwas ganz Besonderes. Ich verbrachte viel Zeit mit unseren Freunden aus Playas (Vielleicht habe ich es mit dem Surfen auch übertrieben, so ein Sonnenstich fühlt sich an wie eine Magendarmgrippe), die sich sich viel Zeit für uns nahmen und sich immer etwas Neues ausdachten und hatte auch die Möglichkeit Zeit in meiner Familie zu verbringen.
Es weihnachtete nicht gerade bei mir in der Familie. Aber warum sollte man auch Kerzen anzünden, wenn man vor Hitze sowieso schon alle Ventilatoren aufgestellt hat. Warum einen Weihnachtsbaum aufstellen, wenn es an der Küste nur Gestrüpp im immer gleichen Sandton gibt. Einzig und allein die düdelnen Lichterketten erinnerten ab und zu an Weihnachten, wenn man wieder eine Melodie gespielt wurde, die mit falschen Tönen und Tonlängen tatsächlich an das ein oder andere Weihnachtslied erinnert. Wer denkt dann noch an Stromrechnungen, wenn doch jeder Haushalt mindestens eine davon vor oder in sein Haus hängt und sie die Nacht durchblinken und -spielen lässt. Kurz vor Weihnachten verbrachten wir nochmal ein Wochenende in den Gastfamilien im Guasmo und während mein Gastvater auf der ein oder anderen Veranstaltung als Weihnachtsmann Geschenke an Kinder verteilte, meine Gastschwester an einem Grippenspiel vor dem Polizeigebäude teilnahm und meine Gastmama dann auch endlich die zweite Lichterkette gefunden hatte, war es dann auch Zeit für das – aus ecuadorianische Sicht – „kleine“ Familienfest.
Gegessen wurde Truthahn und – wer hätte es Gedacht – Reis. Meine Gastmama kochte mal wieder wie ein Weltmeister. Dass ich so fleißig Geschenke kaufte, war eigentlich übertrieben und dass ich selbst erwartete eine kleine Aufmerksamkeit zu bekommen, war ebenfalls überflüssig. Kurz vor heilig Abend zog dann doch jeder selbst los und kaufte sich neue Schuhe und neue Hosen zum Fest der Liebe. Einige Kinder bekamen ein Spielzeug. Dabei blieb es. Über meine Geschenke haben sich dann doch alle Gefreut, auch über die Sachen aus dem Paket meiner Eltern aus Deutschland, das tatsächlich noch an heilig Abend ankam. Meiner Schwester coverte ich ein Lied ihrer Lieblingsband und der passende Geldbeutel dazu brachte sie dann doch zum weinen. Das war dann mein Weihnachtsgeschenk. Alles richtig gemacht.
Der Abend zog sich nicht wie die meisten Ecci-Feste mit langer Sauferei und Schweigsamkeit dahin, sondern verlief sich nach guter Stimmung dann langsam nach Mitternacht, auch weil viele am nächsten Tag arbeiten mussten. Auch die restlichen Weihnachtsfeiertage nahm ich mir viel Zeit für die Familie und die Freunde. Die Jungs nahmen sich Zeit für ausgiebige Surfstunden, wobei ich dann die Intensität der Sonne falsch einschätze. Es blieb nicht nur bei dem Sonnenbrand auf der Rückseite meiner Oberschenkel, die sich heute noch schälen, einen mächtigen Sonnenstich nahm ich auch gleich mit. Nebenbei stand ich aber zum ersten Mal auf dem Surfbrett und die anschließende Kocherei in dem Haus eines Freundes überraschte mich mal wieder aufs neue. Es waren nicht die Frauen, die die Männer bedienen mussten. Die Jungs kochten selbst und bevor wir nach dem Essen nur aufstehen konnten, wurde uns schon das Teller zum Spülen weggezogen. So viel sich auch unsere Gastfamilien über unsere dubiose Freundschaft mit den Surfern auslassen, die, wie behauptet wird, nicht alle arbeiten, zu viel kiffen (obwohl da etwas dran sein mag) und mit 25 Jahren noch alleine Leben und keine Frau haben (was sie nicht gerade angesehen macht), sie gehen respektvoller und ehrlicher mit uns um als so mancher Gastvater.
Mein Sonnenstich zwang mich dann zwei weitere Tage in mein Bett, aus diesem Grund verbrachte ich auch die Silvesternacht sehr gemäßigt und trotzdem aufregend, da es in Playas eine Ausstellung der Viejitos, also Figuren, die aus Holz und Pappmaschee gebaut werden, um sie dann mit Böllern zu befüllen und zu Mitternacht zu verbrennen, gab. Und auch meine Familie baute sich eine Figur.
Den nächsten Tag schliefen mein Gastvater und seine Brüder ausnahmslos durch. Einer der Männer hatte sich morgens um 7 bei einem Sturz das Ohrläppchen fast vollständig abgerissen. Die Blutlache auf dem Boden lies sich nur schwer übersehen. Sowieso waren alle in der Familie ziemlich zerstört. Mir ging es dafür viel besser, kurz nach Mitternacht hatte mich wieder die Müdigkeit meines Sonnenstiches gepackt, sodass ich dem Drang mich wieder auszuruhen nachgab.
Schließlich ging es dann ja auch am 2. Januar nach Galapagos! Wir kamen in dem Haus von Fernando unter, von dem ich schon in meinem Blogeintrag aus Cuenca berichtete. Das Haus befindet sich auf der meist bewohnten Insel St. Cruz. Von dort aus besuchten wir den Traumstrand Turtuga Bay, besuchten eine versteckte Lagune und Fernando führte uns ins Hochland der Insel, damit wir uns die riesigen Magmakammern und die meter hohen Lavatunnel anschauen konnten.
Und auch die Galapagosschildkröten leben alles andere als versteckt. Robben und Echsen tümmeln sich haufenweise auf den Bootsstegen und an den Stränden.
Einige Tage später rasten wir mit dem Speedboot und Tabletten gegen Reiseübelkeit auf die Insel Isabela, auf der wir in einem Hostal weitere Nächte verbrachten. Von dort aus buchten wir Schnorcheltouren und beobachteten Rochen, Haie, Wasserschildkröten und Seepferdchen aus geringer Distanz. Außerdem beritten wir einen der Vulkane Isabelas und genossen einen fantastischen Blick am Rande des Kraters, der, nach Aussage unseres Inselführers, 10 km Durchmesser hat.
Zurück auf St. Cruz besuchten wir noch noch die Insel Floreana, die sich ebenfalls 2 std entfernt von St. Cruz befindet, erkundeten das Hochland und schwommen mit Meeresschildkröten am schwarzen Strand der Insel.
Freudig wurden wir übrigens auch von den MoGs auf St. Cruz begrüßt, die uns viel von der Insel zeigten, uns gute Tipps gaben und mit denen wir einige lustige Abende verbrachten. Und auch einen Blick in das Projekt durften wir werfen, das, wie jedes Projekt von MoG, mal wieder einen ganz anderen Charakter aufweist und einzigartig ist.
Der Abschied von der traumhaften Inselgruppe war auch gleichzeitig wieder der Start ins Projekt, der mich auch etwas wehmütig meiner Heimreise entgegenblicken lässt. Das Abschiedskonzert ist ebenfalls schon geplant…
Vorletzte Nacht lag ich in meinem Bett und lauschte freudig dem auf unser Wellblechdach rasselnden Regen, der zum ersten Mal seitdem ich hier bin auf das sonst so staubtrockene Playas niederprasselt. Mit dem Regen kommt auch die Hitze, an die man sich übrigens von Tag zu Tag neu gewöhnen muss. Und tatsächlich bin ich eine der Freiwilligen, dem zwar gerade höflich der Fernseher aus dem Zimmer entnommen wurde, da ich diesen ja tatsächlich nie benutzte, der aber jeden Tag in den Genuss eines funktionierenden Ventilators kommen darf.
Ein bisschen hat mich der Regen auch an zu Hause erinnert. Es kam der Duft nach nasser Erde auf, den ich schon so lange nicht mehr in der Nase hatte. So eine kleine Sehnsucht verspürte ich schon nach der fernen Heimat. Ich freue mich darum umso mehr auf die noch verbleibenden 2 Monate, die wieder gefüllt mit ganz viel Musik, ganz viel Abenteuer und mal wieder mit den ganz großen Gegensätzen und Aufregungen dieses kleinen Landes verbunden sein werden.














































































