Meine Gastfamilie

Seit knapp zwei Wochen lebe ich nun bei meiner ecuadorianischen Gastfamilie. Wie im letzten Beitrag bereits erwähnt habe ich insgesamt fünf Gastgeschwister, von denen aber nur die Jüngste, Allison, dauerhaft zuhause lebt. Zwei meiner Gastgeschwister, Gabriela und Stalin, studieren in Guayaquil Psychologie und sind nur von Freitag bzw. Samstag bis Montag zuhause. Eine weitere Gastschwester lebt ebenfalls in Guayaquil, gemeinsam mit ihrem Mann und den gemeinsamen zwei Töchtern. Sie kommen uns gelegentlich am Wochenende besuchen. Am vergangenen Wochenende kam uns außerdem mein fünfter und ältester Gastbruder  besuchen. Paúl lebt in einem Kloster in der Nähe von Quito und studiert Theologie. Er konnte mir sehr gute Tipps für meine eventuellen Reisen in den kommenden Monaten geben, denn er reist selber viel und kennt beinahe alle Highlights Ecuadors.

Ebenfalls kennengelernt habe ich am Wochenende meinen Gastvater. Er ist als Fischer immer mehrere Wochen oder Monate am Stück auf dem Ozean unterwegs und ist deswegen nur selten, und auch dann nur für wenige Tage zuhause. Wenn er aber dann nach Hause kommt bringt er stets einen Teil des Fangs mit. Dieses mal waren es 50 halblebendige Krebse/Krabben und kiloweise Thunfisch.

Normalerweise mag ich keinen Thunfisch, so frisch aus dem Meer schmeckt er mir aber sehr gut.

Das liegt aber wahrscheinlich auch an den Kochkünsten mein Gastmutter Laura. Sie kocht wirklich sehr gut, und nicht zuletzt deswegen wird mir der in Ecuador zu beiden warmen Malzeiten übliche Reis bis jetzt noch nicht langweilig. Laura ist wahnsinnig herzlich, spricht aber leider nicht so wahnsinnig deutlich. Häufig wiederholt Allison für mich noch einmal was ihre Mutter gesagt hat, bei ihr verstehe ich es deutlich besser.

Ansonsten leben hier noch zwei Hunde (ein dritter ist vor zwei Tagen gestorben). Hier in Playas scheint jeder Haushalt Hunde zu haben. Kümmern tut sich um die aber keiner. Unsere Hunde verlassen nie das Grundstück, sie bekommen Essensreste und sollen vermutlich einfach das Haus ein Stück weit bewachen.

Meine Gastfamilie wohnt ganz in der Nähe des „Cacique“, in dem ich Musikunterricht gebe. Nicht mehr als fünf Minuten brauche ich von Tür zu Tür. Das Haus meiner Familie befindet sich offiziell im „Umbau“. Seitdem ich hier bin wurde an dem Haus aber nicht gearbeitet. In der vergangenen Regenzeit im Frühjahr war das Grundwasser gestiegen. Wenn ich es richtig  verstanden habe ist dadurch der Boden im Haus aufgeplatzt. Wie auch immer, die Familie entschied sich dazu ihr Haus um knapp einen Meter nach oben zu verlagern. Deshalb wurde ordentlich Schutt in das Haus geschaufelt und anschließend der neue Boden betoniert. Ob das in Hinblick auf den Grundwasserpegel eine sinnvolle Maßnahme war wird sich in der nächsten Regenzeit zeigen. Auf jeden Fall führt es zu den ein oder anderen Problemen. Durch den um einen Meter nach oben verlegten Boden sind nämlich beispielsweise die Türen einen Meter kleiner geworden. Daraufhin ist die Wand oberhalb der Türen ein Stückweit aufgerissen worden. Meine Zimmertür ist jetzt immerhin auf Schulterhöhe.

Der rechte Vorhang ist unsere Eingangstür

Wenn ich hier von Türen rede meine übrigens von Verbindungen zwischen den Zimmern. Tatsächliche Türen hängen im Haus nirgendwo. Vor dem Haus gibt es ein Gitter mit einer Tür, die man auch abschließen kann, am und im Haus selber gibt es aber entweder gar keine Türen oder provisorische Vorhänge.

Aber auch an Vorhängen könnte man meiner Meinung nach noch ein bisschen aufstocken, zur Zeit haben wir für die zwei Zugänge zum einzigen Bad nur einen Vorhang. Man kann sich also immer aussuchen, von welcher Seite man sichtbar sein möchte.

Ein weiteres Problem sind die Küchentische, die fest im ursprünglich Boden verankert sind. Sie befinden sich nun für mich in etwa auf Kniehöhe.

Fenster gibt es keine. Allerdings gibt es zahlreiche Löcher zwischen Decke und Wand, die Licht und vor allem viel Luft durchlassen (was bei den luftigen Türen allerdings auch nicht so entscheident ist). Leider kommen so auch viele Mücken rein, aber wir schlafen ohnehin alle unter Moskitonetzen. Der hintere, wenig genutzte Teil des Hauses ist zur Zeit gar nicht überdacht, das Badezimmer ist es immerhin zur Hälfte.

Auf Fotos habe ich gesehen, dass das Haus vor dem Umbau ganz anders aussah und wirkte. Aber trotz des improvisierten Zustandes (wir hatten bis gestern nur 2 Stühle – am Wochenende waren wir zu elft) fühle ich mich hier sehr wohl und identifiziere das Haus mittlerweile aus mein zuhause.

10 comments to “Meine Gastfamilie”
  1. Lieber Tobias, vielen Dank für Deinen lebendigen Bericht. Wenn es nur 2 Stühle gibt, esst Ihr dann im Stehen oder auf dem Boden sitzend?

  2. Ist ja ein tolle Familie, die Dich da aufgenommen hat.So viele Psychologen benötigt Equador doch noch gar nicht? Aber so sieht ein Entwicklungsland eben aus, obwohl Dir bewußt sein dürfte, daß diese Familie schon irgendwie etwas Besonderes sein dürfte.Das sind Eindrücke, die ein normaler Tourist so nicht bekommt.Saug alles in Dich hinein. Es wird Dich ein Leben lang begleiten,besonders wenn der Alltag dann mal etwas langweiliger wird!!! Dein Uli

  3. Felicitaciones Tobias! por ese buen espíritu y ánimo que transmites!

    Herzlichen Glückwunsch Tobias! für diesen guten Geist, den du übertriffst.

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