Navidad, navidad

Weihnachten steht vor der Tür! Und wie wir schon vorgewarnt wurden ist der Dezember voll von Präsentationen. Denn ein Ensemble von weißen Menschen bei seiner vorweihnachtlichen Veranstaltung präsentieren zu können ist fast noch spannender als die Affen im Zoo. Ja, manchmal fühlt man sich hier wirklich wie ein exotisches Tier, wenn wildfremde Leute sich einfach neben dich stellen, um ein Foto zu machen oder noch besser ein Foto von dir machen, wie du gerade dabei bist ein Foto zu machen.
Neben den vielen Standartauftritten, wie beispielsweise der Einweihung des Weihnachtsbaums im Zentrum, wo erstmal der Strom ausfiel als es endlich losgehen sollte, hatten wir aber auch einen etwas ausgefalleneren „Gig“. Nachdem Lea und ich vor einigen Wochen nach dem Tanzen noch zur After Party im Hotel Titopolis eingeladen wurden, kam ich mit dem noch recht jungen Besitzer ins Gespräch. Etwa drei Wochen später suchte er mich dann ganz verzweifelt in ganz Playas, um zu fragen ob wir Deutschen Samstag Abend nicht einige Songs für ihn spielen könnten. Er war gerade dabei seine Website neu zu gestalten und hatte für Samstag schon eine Kamerafrau engagiert, die aktuelle Fotos und Videos vom Hotel machen sollte. Nun fehlte ihm wohl nur noch die Band als das gewisse Etwas. Erst schob ich etwas Panik, ob wir es in vier Tagen neben dem Unterrichten noch hinkiegen ein paar Songs mit Gitarre und Gesang einzustudieren. Aber zum Glück stellte das letzten Endes kein Problem dar, da wir Mädels schon einiges auf dem Kasten hatten, was Niklas auch ganz easy auf Gitarre begleiten konnte. Letztendlich lief dann sowieso alles ganz anders als vorgestellt. (Wie so oft in Ecuador.) Aenne und ich waren überpünklich um 18:00 Uhr am Start, um die Technik schonmal aufzubauen. Jedoch warteten wir noch ziemlich lange auf die Box. Und als die Technik dann glücklich irgendwann stand, entschieden wir es doch lieber unpluged zu machen. Ziemlich bald war auch klar, dass es keinen Andrang an Publikum geben würde. Das Publikum bestand letzten Endes aus dem Besitzer, drei weiteren Personen und einer jungen Frau, die für die Kamera zuständig war. Ganz kann ich ja nicht glauben, dass sie das wirklich Hauptberuflich macht. Während sie uns bei einem Gläschen Wein zuhörten, stand eine Kamera hinter den Zuschauern, eine Go-Cam vor ihnen und ab und zu wurde das Iphone gezückt um einige Aufnahmen zu machen. Meines Erachtens in den unpassendsten Momenten. So schlecht das alles auch klingen mag, ich fand den Auftritt echt super! Herrlich entspannend, zufriedenes Publikum und im Anschluss hervorragendes Essen, das uns nach dem monatelangem Reis ziemlich gut tat. Es ist nie schlecht seine Connections hier zu haben, denn dadurch, dass ich mich etwas mit dem Besitzer des Hotels angefreundet hatte, lernte ich eine gute Woche später den Ocean Club von Playas kennen. Dabei handelt es sich um Apartments mit eigenem Strandabschnitt und Pool für diejenigen, dies etwas dicker haben. Leider hatte ich nur eine knappe Stunde Zeit, um meine Zeit dort zu genießen, aber ich bin recht zuversichtlich, dass sich nochmal eine Gelegenheit ergibt.
So interessant und spannend ich das normale ecuadorianische Leben auch finde, immer wieder sehe ich mich in gewohnte Situationen „flüchten“. Als Aenne und ich eines Tages den Laden von Tom und Becky, einem Ehepaar, das ursprünglich aus Texas kommt, entdeckten, war es um uns geschehen. Die Einrichtung, die im Hintergrund laufende Jazzmusik, Cheesecake, Smoothies, Kaffee (!) brachte uns ein Stück Heimat nach Playas. Generell bin ich hier immer und ständig auf der Suche nach ausgefallenen Läden, die im besten Fall normalen Kaffee verkaufen. Bisher wurde ich jedoch nur bei ‚Tom und Becky‘ und bei der Pasteleria von der Familie meines belgischen Saxophonschülers fündig. Und beide Geschäfte haben leider bloß am Wochenende geöffnet. Fest steht, würde ich hier wohnen, wäre eine Espressomaschine meine erste Investition.
Aber zurück zum ecuadorianischen Lifestyle: Im letzten Monat habe ich ein paar typische Fiestas miterleben dürfen. Ich hatte die Ehre, Gast bei der Geburtstagsfeier von Aennes kleinem Gastbruder zu sein und war gezwungen zur Tauffeier eines Verwandten aus meiner Familie zu gehen, nachdem unsere Reise nach Salinas ins Wasser fiel. Egal um welche Art von Feier es sich handelt, im Großen und Ganzen läuft es immer gleich ab: Es werden Plastikstühle im Kreis aufgestellt, die Gäste trudeln nach und nach in einer Zeitspanne von mehreren Stunden ein und die Musik wird schrecklich laut aus schlechten Boxen oder auch einfach den PC-Boxen abgespielt, sodass sich keiner unterhalten kann. Es wird Essen auf Papptellern verteilt. Zwischendurch laufen irgendwelche Kinder mit Snacks oder Cola vorbei, die du im Normalfall gezwungen bist anzunehmen. Während die meisten schweigend eine Speise nach der anderen verschlingen und neue Gäste total overdressed eintrudeln, fangen die ersten dann auch schon in Mitten des Stulkreises an zu tanzen. Auch wenn man echt Null Bock hat seinen Platz zu verlassen, wo man sich so wunderbar unbeobachtet fühlt, wird man als weiße Person leider sofort dazu aufgefordert zu tanzen. „Baila, baila!“ wird man dann im Minutentakt nach dem Moto ‚Tanzt bitches, der König hat Laune‘ doof von der Seite angeschwätzt. Mir kommt es jedes Mal so vor, als würden sich die Leute mit diesem Tanzen die gute Stimmung erzwingen wollen. Doch dies geschieht meist erst im Laufe des Abends mir ansteigendem Alkoholpegel.
Nächestes Wochenende geht es jedoch ganz ungezwungen nach Guayaquil, um unsere Kollegen im Guasmo zu besuchen. Darüber, über Weihnachten, Silvester, unsere vorstehende Reiseplanung und vieles mehr werde ich dann in meinem nächsten Beitrag berichten.

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