Fiesta y nada mas – Ausnahmezustand in Playas

Weihnachten, Silvester, Neujahr. Die letzten ein einhalb Monate verflogen so schnell und es passierte so viel, sodass ich nicht mal mehr im Stande bin mich an alles zu erinnern. Was mir an Fiesta versprochen wurde, wurde jedenfalls eingehalten. Diese Feiertage werden in Ecuador nämlich groß geschrieben. Ich war so gespannt, wie mein erstes Weihnachten ohne meine richtige Familie wohl werden würde und wurde in meinen Erwartungen anfangs etwas enttäuscht. Pünktlich zur Adventszeit -wie sollte es auch anders kommen- packte mich eine Erkältung. Am 24. fühlte ich mich also noch etwas schwach. Da meine Gastfamilie viel arbeitet, waren sie auch an Heilig Abend bis 20:00 Uhr beschäftigt und ich musste mir überlegen, was ich mit meinem Tag anfange. Nachdem die letzten Weihnachtsgeschenke gekauft waren, entschloss ich mich kurzerhand dafür, für den Abend Pfannkuchen als Nachspeise vorzubereiten. Da die “cena” erst gegen den späteren Abend stattfinden sollte, zog sich der Tag relativ lang. Ich hatte ja nicht wie die vergangenen Jahre immer noch einen Baum zu schmücken. Das geschah schon einige Tage zuvor und wurde vom Onkel übernommen, der den Plastikbaum bis Weihnachten jedoch noch geschätzte 10 Mal umdekorierte bzw dann doch plötzlich eine andere leuchtend und singende Lichterkette für besser befand. So sah ich mir noch in aller Ruhe den Sonnenuntergang am Meer an, bevor ich nach Hause zurükkehrte um mich hübsch zu machen. Ich wartete auch ganz artig bis zum Abend um das Geschenk meiner Eltern zu öffnen, das sie mir hatten zukommen lassen. Das ließ mich dann zum ersten Mal an diesem Tag in eine weihnachtliche Stimmung verfallen. Nach acht trudelte meine Gastfamilie so langsam ein. Dann musste es schnell gehen; alle noch eben duschen, sich schminken, 100 Selfies machen und dann ab ins Hotel. Ich hatte das Gefühl, dass ich die einzige war, die versuchte etwas auf Weihnachten zu tun, indem ich die Geschenke unter dem Baum positionierte. Meine Familie schenkte sich an diesem Abend gegenseitig nichts. In vielen ecuadorianischen Familien -meiner inbegriffen- ist es Tradition sich vor Weihnachten einmal komplett mit neuen Klamotten einzukleiden, die sie dann an Weihnachten und Silvester das erste Mal tragen dürfen. Ich glaube sie waren auch etwas verwirrt über meine Geschenke, da sie diese tagelang nicht anrührten, bis ich sie daran erinnerte. Der Heilig Abend mit der Familie bestand also aus nicht viel mehr als einem gemeinsamen Essen und den Pfannkuchen oder doch eher Kaiserschmarrn, den ich im Anschluss servierte, während meine Gastfamilie schon halb auf dem Esstisch einschlief. Mein Heilig Abend ging jedoch noch weiter, da es hier üblig ist die Nacht mit Freunden oder Familie im Zentrum zu verbringen. Dafür, dass der Tag total unspektakulär begonnen hatte, endete er in einem entspannten Abend mit “Afterparty”.
In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist in Playas Ausnahmezustand. Die Familien aus Guayaquil oder anderen Teilen Ecuadors kommen in unseren schönen Küstenort um zu feiern. Und Silvester war wie schon erwartet der Höhepunkt. Mein letzter Tag des Jahres war nahezu perfekt. Um diesen in vollen Zügen zu genießen, verbrachte ich den Tag über mit einem Freund am Strand etwas abgelegen von Playas, womit mein Vorsatz sich bis zum Ende des Jahres keinen Sonnenbrand mehr zu holen somit aufgehoben war. Meine Familie hatte schon Tage zuvor die Vorbereitungen für diesen Tag getroffen. Silvester sollte nämlich im Vergleich zu Weihnachten ganz besonders werden. Einige Tage zuvor hatte ich erstaunt festgestellt, dass sich ein neues Haustier in unserem Hof befindet: Ein angeketteter Truthahn, vor dem ich mich ganz schön erschreckte als er ein Geräusch von sich gab. Ganz ehrlich, ich habe selten ein so hässliches Tier gesehen. Das machte es etwas leichter keine Beziehung zu ihm aufzubauen. Zudem war mir ja auch bewusst, dass es in ein paar Tagen auf meinem Teller landen würde. Silvester verbrachten wir nicht im Hotel. Nach der üblichen Routine “duschen, schminken, Fotos” ging es gegen zehn Uhr Abends los. Das Haus war blitzeblank geputzt, der Tisch festlich gedeckt und der Alkohol stand bereit. Da ich den Tag über gefastet hatte, um Platz für den Truthahn am Abend zu haben, schlug der Alkohol auch ziemlich schnell an. Jedoch nicht nur bei mir. Hätte ich mal gewusst, dass erst um halb zwei Uhr nachts gegessen wird… Zehn Minuten vor Mitternacht stellte sich die Familie im Kreis auf, alle hielten Luftballons in der Hand, auf die persönliche Wünsche fürs neue Jahr gescheiben werden konnte, die Gastmutter sprach ein letztes Gebet im alten Jahr, jeder konnte dem im Anschluss noch etwas hinzufügen und um Punkt Mitternacht wurden die mit Helium gefüllten Luftballons in die unendlich schwarze Nacht entlassen. Dieser Teil rührte mich beinahe zu Tränen -was aber auch am Alkohol liegen konnte. Punkt 0:00 Uhr und alle Menschen versammelten sich auf der Straße. Jetzt kam es zu dem Teil auf den ich schon so gespannt war: Die Tradition der “años vjechos”. Es handelt sich hierbei um Puppen verschiedener Größen aus Pappe und Stoff, die vor dem Haus verbrannt werden als Symbol dafür, dass alle schlechten Dinge aus dem letzten Jahr verschwindet und im neuen Jahr keine Rolle mehr spielen. Die meisten Familien geben sich beim Basteln dieser Gebilde richtige Mühe. Oft repräsentiert es den Wohlstand einer Familie. Je größer und prächtiger, desto wohlhabender ist diese. Viele sind wochen-, wenn nicht sogar monatelang damit beschäftigt eine Skulptur fertigzustellen. Vor Silvester besuchte ich die Ausstellung der años vjechos in Guayaquil. Eine ganze Straße voller Skulpturen, die zum Großteil zum Verkauf bereit standen. Die sogenannten muñecas in Form von Superhelden, Disneyfiguren, Minions, Spongebob und vieles weitere. Jedenfalls war es echt ein Bild für sich all diese Figuren, die so mühsam erbaut wurden, herunterbrennen zu sehen. Zu gerne hätte ich die erleuchteten Barrios aus der Vogelperspektive betrachtet. Playas in Flammen.
Morgens um acht fand ich mich am Strand mit Freunden wieder und wie kann ein Jahr schöner beginnen als mit Ausblick aufs Meer.

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