Nutze die Feiertage!

Der 2. & 3. November waren bekanntlich Feiertage. Diese Tage nutzen die Ecuadorianer um der Toten zu gedenken und -weil es der Brauch so will- das Lieblingsessen der Toten zu kochen und an deren Gräbern zu verspeißen. Was wir Deutschen erst Donnerstag zuvor erfuhren war, dass das Gebäude der Musikschule, das sonst 24 Stunden nonstop überwacht wird, an diesen Tagen geschlossen sein sollte und uns somit ein verlängertes Wochenende bevorstand. Leicht angenervt, weil wir immer die letzten sind, die wichtige Infos erhalten, versuchten wir dann also auf den letzten Drücker eine Reise zu organisieren, um die freie Zeit sinnvoll zu nutzen. Da sich jedoch bisher noch keiner von uns fünf als Organisationstalent entpuppt hat, beschlossen wir mit einem so ungefähren Plan am Samstag um 11:00 Uhr erstmal einen Bus nach Guayaquil zu nehmen. Und da man Busverbindungen in Ecuador nicht vorab im Internet auschecken kann, war viel mehr auch nicht möglich. In Begleitung von drei Eccis brauchten wir uns dann letztendlich eh um nichts kümmern. Nachdem um 12:00 Uhr dann glücklich alle (nach einer durchtanzten Halloweennacht) am Terminal von Playas ankamen, konnte die Reise endlich losgehen; ein bisschen Busfahren, ein bisschen auf der Ladefläche eines Taxis und wir standen vor der Wohnung von Niklas Gastbruder Pedro. Ein Vorteil, wenn man mit Eccis verreist: Sie haben geschätzt überall über Ecuador verteilt Familie, wo man mal für eine Nacht unterkommen kann und spart sich die 8$ fürs Hostel. Nachteil: Sie haben drei Mal am Tag hunger auf eine richtige Malzeit und da man sich gezwungen fühlt auch etwas mitzuessen, ist das eingesparte Geld auch schon wieder weg.
Schnell wurde die Wohnung geputzt und das Matratzenlager aufgebaut, sodass wir uns mit dem Taxi auf den Weg in den Parque Historico machen konnten. Generell sind wir in Guayaquil sehr viel Taxi gefahren und ich war ziemlich erstaunt darüber, dass sich die Taxifahrer ohne Navi überhaupt zurechtfinden. Eine Straße gleicht der anderen und nach jeder Kreuzung hätte ich behaupten können, wir wären gerade eben erst vorbei gefahren. Übrigens kamen wir auch am Friedhof von Guayaquil vorbei und was für eine Menschenmenge sich dort befand war sagenhaft. Die Friedhöfe hier gleichen eher mit Plastikblumen geschmückten Leichenhallen im Freien. Das was in Deutschland unter der Erde verschabt wird, wird hier in die Höhe gestapelt. So enttäuscht bin ich jedenfalls nicht, dass ich das große Grabessen verpasst habe.
Egal was ich jemals über Guayaquil gesagt habe, der Parque Historico steht im kompletten Kontrast dazu: Ruhig, grün, und entspannend. Es ist ein kleiner Park in dem sich Geschichte, Schauspiel und Natur vereinen. Leider hatten wir etwas Zeitdruck, sodass es “nur” für einen gemütlichen Spaziergang durch den dschungleartigen Tiergarten gereicht hat. Kurz mit einem Reiswassergetränk gestärkt ging es dann weiter ins Künstlerviertel von Guayaquil. Bevor es total dunkel wurde wollten wir die vielen Stufen von Las Peñas erklimmen, um dann oben einen wundervollen Ausblick über das nächtliche Guayaquil genießen zu können, das mir aus dieser Perspektive plötzlich so ruhig und ungefährlich erschien. Vorbei an den vielen Händlern, die uns „agua“ oder das für diese Feiertage typische Getränk “Colada morada” andrehen wollten, ging es dann über die Uferpromenade Malecon zurück richtung Wohnung.
Nach längerer Zeit mal wieder richtig ausgeschlafen und glücklich darüber, endlich mal wieder einen richtigen Kaffee getrunken zu haben, ging es auf in die pure Natur. Unser Ziel war das mit dem Bus zwei ein halb Stunden entfernte Balzapamba. Ein Hostel war schnell gefunden. Genauso wie ein Guide, der uns für insgesammt 8$ Montagabend und Dienstag von einem atemberaubenden Ort zum nächsten entführte. Staubfreie Luft und keine Autogeräusche waren wir schon gar nicht mehr gewohnt. Wir konnten uns von der Landschaft, die von Bergen, Bananenbäumen und Wasserfällen geprägt war gar nicht satt sehen. Fast schon etwas traurig machten wir uns Dienstagabend auf den Rückweg in unsere Gastfamilien, wo wir wieder herzlich empfangen wurden. Fest stand allerdings, dass die nächste Reise bald folgen muss.

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