Mucho cuidado!

Die letzten zwei Wochen haben mir deutlich vor Augen geführt, dass ich mich wirklich in einem komplett fremden Land befinde, in dem die Menschen andere Ansichten haben.
Bisher bin ich davon ausgegange, dass ich mit meiner Art und meiner Offenheit auf keine größeren Konflikte stoßen werde, doch leider bin ich doch zu einem Punkt gekommen, an dem ich mich nicht sehr wohl gefühlt habe und auch nicht wusste, was ich anders machen soll. Des öfteren merkte ich in letzter Zeit, dass mich die Familie anders behandelt als am Anfang; ich wurde nicht mehr ganz so herzlich begrüßt, wenn ich heimkam, ich wurde ab und zu wegen Kleinigkeiten “angegiftet”, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Ich kann nicht behaupten, dass ich die letzten zwei Wochen immer gerne von der Musikschule nach Hause gekommen bin, weil ich etwas Angst davor hatte, was mich erwartet oder auch weil ich nicht sehen wollte, wie die Familie beisammensitzt und über mich redet, wärend ich zuhöre und nur Wortfetzen verstehe. Da ich von der Freiwilligen, die vor mir in der Familie war wusste, dass es für sie am Anfang auch nicht ganz so einfach war, versuchte ich eigentlich die “Fehler” zu vermeiden, die sie gemacht hatte. Scheinbar erfolglos. Ich versuche mich wirklich in die Familie zu integrieren, indem ich zum Frühstücken oft schon vor 8:00 Uhr mit aufstehe und abends unter der Woche ohne größere Umwege nach dem letzten Schüler nach Hause komme, damit die Familie sieht, dass ich Zeit mit ihr verbringen möchte. Vergangenes Wochenende war ich Samstag und Sonntag zu Unzeiten sogar mit in der Kirche (was für mich ja mal sowas von untypisch ist), weil zwei Gedenkfeiern von verstorbenen Geschwistern des Gastvaters stattfanden. Täglich helfe ich dem Onkel beim Kochen oder beim Abwasch, aber das sind Sachen, die die Familie nicht mitbekommt. Gestern kam es dann etwas unerwartet zu einer Aussprache. Der Hauptkritikpunkt war wohl, dass die Kommunikation zwischen mir und der Familie bisher noch nicht ganz so perfekt war. Was der Familie wichtig ist, ist zu wissen wo ich bin und ob ich mit Menschen zusammen bin, die vertrauenswürdig sind. Playas ist nicht allzu groß und gefühlt jeder fünfte hier ist mit meiner Familie verwandt. Wenn ich also mal mit einem Trisimotofahrer schnacke, weil er wissen will wo ich herkomme, geht ganz schnell das Gerücht rum, dass er mein ˋnovio´ ist. Das Gerücht wird dann beliebig variiert und erweitert, bis meine Familie zu Ohren bekommt, dass ich mit einem Columbianer abhänge, der Drogen nimmt. (Ganz nebenbei: Der Trisimotofahrer war Halb-Araber). Ich bin froh, dass wir darüber geredet haben, weil ich jetzt weiß, dass die Familie mir wegen keiner Sache böse ist, sondern sich einfach nur um mich sorgt. Der Vater sieht mich wie eine Tochter und die Mutter will, dass es mir hier gut geht und ich mit vielen positiven Erfahrungen nach Deutschland zurück kehren kann. Wenn sie mich fragen wie es mir geht, wollen sie wohl nicht nur ein “Muy bien, gracias” hören, sondern nehmen sich auch gerne die Zeit mir zuzuhören, wenn mal nicht alles rosig ist. Da das nun geklärt ist und die Familie meines Erachtens nicht nachtragend ist, kann ich nun einen zweiten Anlauf in ein unbeschwertes Familienleben wagen.
Nun aber zu den erfreulichen Dingen der letzten Zeit: Am Wochenende vom 10./11. Oktober sind wir Deutschen mit zwei von Niklas Gastbrüdern relativ unorganisiert nach Montañita aufgebrochen. Das Städtchen ist ca. 2 1/2 Stunden Busfahrt von Playas entfernt (ich persönlich glaube nicht, dass wir das Umsteigen ohne ecuadorianische Hilfe gepackt hätten), liegt ebenfalls an der Küste, ist sehr touristisch und hat was Party und Surfen angeht echt einiges zu bieten. Tagsüber relaxen die Besucher am Strand und schlürfen Kokosmilch aus der Schale, sobald es dunkel wird fangen sie das Trinken an und Tanzen sich bis in die frühen Morgenstunden von Strandbar zu Strandbar. Aus jedem Local oder Club ertönt verschiedene Musik, Barkeeper mixen dir Cocktails ab 3$ und wer von Arbeit oder Studium abschalten will ist hier genau richtig. Wir Deutschen waren -aus welchem Grund auch immer- ziemlich geschafft von der Woche, sodass wir nach vielen Stunden Essen-Trinken-Tanzen-Essen(…) schon gegen 2:00 Uhr wieder zum Campingplatz aufgebrochen sind. Ja, wir waren zu geizig 10$ für ein Hostel auszugeben. Genauso geizig waren wir, als es um die Essensfrage ging. Dadurch, dass Montañita sehr touristisch ist, gehen die Preise logischer Weise auch nach oben. Wir wählten Sonntag Mittag also lieber einen Comedor etwas außerhalb des “Party-Zentrums” für 3,50$ die Portion ˋsopa de camerones´ + ˋarroz con pescado empanado´ und sparten somit immerhin mindestens 2$. Hohe Preise hin oder her; fest steht, dass das nicht unser letztes Mal in Montañita sein sollte.
Die Familie hat übrigens Zuwachs bekommen! Eines Nachts haben die Hunde in meinem Barrio besonders laut geheult, sodass mich das sogar am Schlafen gehindert hat. Den Tag darauf kam Luigi zu mir und berichtete mir freudestrahlend, dass wir perritos haben. Sechs Stück hatte die Hündin über Nacht geboren. Darüber war ich ziemlich erstaunt, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, dass sie trächtig war und dann auch noch mit sieben Babys in ihrem Bauch (eins war eine Totgeburt). Umso mehr fiel mir jetzt auf wie abgemagert sie eigentlich ist. Bisher verstecken sich die Babys noch unter der Treppe, wo man bloß durch einen kleinen Spalt hineinspitzen kann. Heißt ich muss mich noch ein wenig gedulden, bis ich mit ihnen kuscheln kann. Das ist jedoch gar kein Problem, weil gefühlt jeder in Playas zur Zeit Babyhunde hat. Nicht gewundert habe ich mich, sondern eher etwas geschmunzelt -weil ich einfach nicht jede Entscheindung nachvollziehen muss, die Ecuadorianer treffen-, als meine Famlie heute einen Babyhund aus Guayaquil für den anstehenden 19. Geburtstag von Israel anschleppte. Wenn der Plan war, dass es an diesem besonderen Tag Babyhundebraten zum Essen gibt, hätten sie vermutlich gleich noch zwei weitere aus Guayaquil mitgebracht, damit auch jedes Familienmitglied seinen eigenen Braten bekommt. 😀

 

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