Wah gwaan Germany?

Wah gwaan ihr Lieben,

so begrüßt man sich hier in Jamaika. Das ist Patois und bedeutet so viel wie „What`s up?“

Zwei Wochen sind seit meinem letzten Beitrag vergangen. Zwei Wochen voller spannender Erlebnisse. Schon einen ganzen Monat bin ich hier aber eigentlich kommt es mir viel länger vor, weil ich in dieser Zeit schon so unglaublich viel erlebt habe.

Ich finde mich immer besser zurecht und so langsam habe ich einen Überblick über meine Umgebung bekommen. Trotzdem wird es wohl noch einige Zeit dauern bis ich mich wirklich auskenne, wenn das überhaupt jemals der Fall sein wird. Manchmal wenn ich mit Suarez durch Trenchtown oder Downtown laufe, denke ich plötzlich „Achso HIER sind wir also!!“ :D, weil die Gassen Straßen so verwinkelt sind und vor allem am Wochenende in Downtown so viele Menschen unterwegs sind, dass man echt den Überblick verliert.

Aber ich glaube erst mal muss ich euch erklären was Uptown und Downtown überhaupt ist. Kingston kann man eigentlich in zwei Hälften aufteilen: Downtown und Uptown. Von unserem Zuhause kann man mit einem Route Taxi für 100 JMD (etwa 70 Cent) in zehn Minuten nach Downtown fahren. Wie der Name schon sagt fahren die Route Taxis immer eine bestimmte Strecke. Für mich wirkt Downtown eigentlich wie ein einziger großer Markt, auf dem es einfach alles zu kaufen gibt. Die Händler bieten ihre Waren an kleinen Ständen an, die oft mit riesigen blauen Planen überdacht sind, um sich vor der heißen Mittagssonne zu schützen. Wenn der Wind geht muss man aufpassen, dass man nicht von einer Plane erschlagen wird 😀 In Downtown sollte man als Tourist bzw. als Weißer nicht alleine rumlaufen, sondern immer in Begleitung eines Jamaikaners. Westlich von Downtown liegen die Ghettos Trenchtown und Tivoli Gardens.

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   Downton

Uptown ist der reichere Teil von Kingston, wo man Hotels und Restaurants findet. Hier wohnen die wohlhabenderen Leute.

Und dann gibt es noch Crossroads.

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Eine Straße in Crossroads

Hier gehen wir immer zum Geldabheben hin und manchmal wenn uns die Lust nach Joghurt oder anderen Leckereien überkommt, die man in den kleinen Shops im Ghetto nicht bekommt, gehen wir auch in den Supermarkt. Die Shops in Trenchtown sind eine Sensation für sich. Hier geht man nicht wie in Deutschland in einen kleinen Laden und sucht sich aus den Regalen das zusammen was man haben will, sondern hier bleibt man vor dem Laden stehen. Wenn niemand zu sehen ist muss man erstmal laut „Sir“ oder „Hello“ rufen, damit jemand kommt. Meistens sitzen die Leute im Nebenzimmer wo sie Fernseh schauen oder so. Man muss auch genau wissen was man kaufen will, weil man die Sachen ja nicht sehen kann, die verkauft werden. Manchmal kann man sogar nur durch ein winziges Fenster mit dem Verkäufer kommunizieren 😀 Meine Favourites aus den Shops hier sind SpiceBun (eine Art Gewürz-Brötchen), Bag Juice (pappsüßer Frucht Drink aus der Tüte) und Ice Cream inna Bag (selbstgemachtes Cookie Eis das man aus einer Plastiktüte saugt). Leeeeecker 😀

Aber jetzt zur Musik:

Da Vera und Andrin beide nacheinander krank geworden sind, musste ich ins kalte Wasser springen und das erste Mal alleine in der Modern Private School für lernschwache Kinder unterrichten. Das hat aber sehr gut geklappt und die Kids haben alle super mitgemacht. In der Modern Private School ist es ein bisschen schwer wirklichen Musik-Unterricht zu machen, weil einige der Kinder wirklich eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, und so machen wir zwischendurch auch einfach mal Fang- oder Tanzspiele, bei denen sie sich austoben können. In der letzten Stunde haben wir Bruder Jakob im Kanon gesungen das hat schon ganz gut geklappt.

Die anderen Unterrichtsklassen wie Recorder Class, Percussion Class oder Choir laufen auch gut, es ist nur sehr schwierig die Kinder dazu zu bekommen leise zu sein und nicht herumzurennen oder sich gegenseitig zu verprügeln (und da spreche ich nicht nur von den Jungs, die Mädels hier können auch ganz schön fest zuschlagen). Doch meistens bekommen wir sie dazu sich zumindest für eine Zeit lang zu konzentrieren und mitzumachen. In der Percussion Class haben wir letzte Woche einen neuen Body Percussion Rhythmus gelernt und es erstaunt mich echt immer wieder wie viel Rhythmusgefühl hier die meisten Kinder haben. Wenn sie einen Riddim cool finden, fangen sie gleich an dazu zu tanzen und sich zum Beat zu bewegen, das ist so cool!

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   Die Professionals der Recorder Class

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   Der Versuch ein geordnetes Gruppenfoto zu machen

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In der Basic School

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Der Einzelunterricht in Klarinette, Saxophon und Klavier macht unglaublich viel Spaß. Ich habe eigentlich durchgehend motivierte Schüler. Es ist so schön zu sehen, wenn meine Schüler Spaß daran haben Musik zu machen und sich freuen wenn sie etwas richtig gemacht haben. Da macht es richtig Freude zu unterrichten!

Hier kommen die Highlights der letzten zwei Wochen:

Eigentlich kann man Sarahs Abschied nicht als Highlight bezeichnen, weil es wirklich sehr traurig ist, dass sie gegangen ist und alle wollten, dass sie noch länger bleibt, aber ihre Abschiedsparty war wirklich sehr cool. Die Jamaikaner wollten uns beibringen im Jamaican Style zu tanzen. Wenn man sieht wie die Leute hier tanzen kommt man sich ziemlich blöd vor, deshalb war der Tanzunterricht wirklich sehr lustig. Es gibt einige Bilder, die ich euch aus eigenem Interesse aber nicht zeige 😀

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Ein weiteres Highlight war unser Ausflug zur Lime Cay, das ist eine Mini Insel in der Nähe von Port Royal mit einem wunderschönen Strand und tollem Wasser.

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Lime Cay

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Sonnenuntergang in Port Royal

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Port Royal

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Unser Ausflug zu den Hope Gardens war ebenfalls ein tolles Erlebnis. Etabliert wurden die Hope Gardens 1873 auf dem Grundstück von Major Richard Hope, einem englischen Kolonialherrn. Die Gärten sind die größte öffentliche Grünfläche in Kingston und Umgebung. Sie beherbergen eine Vielzahl an exotischen Pflanzen, Bäumen und Blumen. Hier gehen viele Kingstonianer hin, um ein Picknick zu machen oder einfach um zu chillen. Hochzeiten finden hier auch oft statt, und es ist wirklich ein sehr romantischer Ort um zu heiraten. Ich hab schon gesagt, sollte ich jemals einen Jamaikaner heiraten, dann in den Hope Gardens 😀 😀 (Keine Angst Mama ist nur ein Spaß) Danach sind wir noch Billard spielen gegangen und natürlich haben Vera und ich zwei Mal gegen Andrin und Suarez gewonnen!

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Und dann darf natürlich unsere erste Ghetto-Streetparty in der Liste der Highlights nicht fehlen. Am Freitag Abend sind wir mit Kevin, King und Kirk feiern gegangen. Eigentlich war ich schon ziemlich müde als wir losgegangen sind, denn hier bricht man erst so um 1 Uhr auf. Die Party war nicht weit weg von unserem Haus, wir konnten also bequem zu Fuß hinlaufen. Am Anfang waren gar nicht so viele Leute da, und die Musik war auch eher langweilig (neben Dancehall und Reggae hören die Jamaikaner auch gerne RnB und Soul). Um zwei kam dann mal die Polizei vorbei und King erklärte mir, dass die Streetpartys meist um zwei gelocked werden, aber anscheinend waren das nette Polizisten, denn sie sind nach kurzer Zeit, mit Blaulicht und Sirene wieder abgezogen.                                   Ab halb vier ging es dann richtig los. Plötzlich kamen sehr sehr viele Menschen und die Musik wurde immer lauter und der Bass dröhnte uns in den Ohren. Später hat uns Kevin erzählt, dass das eine besondere Streetparty war, da es das größte Soundsystem Jamaikas war, nämlich das Stone Love Soundsystem. Gegen sechs Uhr sind wir dann wieder nach Hause gegangen. Dementsprechend waren Vera und ich am nächsten Morgen ziemlich fertig, als um zehn unser Wecker geklingelt hat. Wir haben nämlich dem Pastor der Seventh Day Adventist Church, den wir in der Basic School kennengelernt haben, versprochen, dass wir um elf in seinen Gottesdienst kommen würden. Nach kurzer Abwägung ob wir nicht einfach liegen bleiben und am nächsten Samstag gehen sollen, haben wir uns schließlich überwunden und sind schlaftrunken in die Kirche gewankt. Wir können ja nach der Kirche nochmal schlafen, haben wir uns gesagt. Wie sich kurz darauf herausgestellt hat, war das reines Wunschdenken, denn der Gottesdienst ging geschlagene dreieinhalb Stunden. In diesen 3 1/2 Stunden wechselten meine Gefühle von Verwunderung über Begeisterung zu Verstörung 😀 Ich war beeindruckt, wie stark der Glaube der Menschen hier ist und wie viel Kraft sie daraus schöpfen. Anders wie bei uns, ist der Gottesdienst hier sehr euphorisch und voller Leidenschaft. Die Gemeindemitglieder singen voller Inbrunst mit und zwischendurch schreit auch mal jemand lauthals „Halleluja“ oder „Thank you Jesus“. Begeistert war ich von dem Zusammenhalt der Gemeinde. Eine Frau, die krank war, bekam den Segen von allen. Alle sind aufgestanden, haben sich um die Frau versammelt und für sie gebetet. Das Verstörende an dem Gottesdienst war für mich der Glaube an den Teufel. In seiner gefühlt einstündigen Predigt hat der Priester immer wieder davon geredet, dass man dem Teufel nicht die Tür öffnen soll, indem man zum Beispiel Filme wie Harry Potter schaut oder die falsche Musik hört. Diesen Gedankengang konnte ich einfach nicht nachvollziehen. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung und als uns der Pastor der Gemeinde vorgestellt hat, haben uns alle total nett begrüßt.

 

Für alle Reggae- und Dancehallinteressierten: Wenn ihr wissen wollt, welche Songs hier täglich und überall rauf und runter laufen; hier eine Liste der besten Songs:

  • Don Andre – Tom Cruise Remix ft. Ding Dong, Chi Ching Ching (https://www.youtube.com/watch?v=kL7nam_liK8)
  • Popcaan – Weed is my best friend (https://www.youtube.com/watch?v=aU0-8DHxiPY)
  • Alkaline – City (https://www.youtube.com/watch?v=139p7gMYef8)
  • Nesbeth – My Dream (https://www.youtube.com/watch?v=wt9vsk82yqE) Kleine Info am Rande: Nesbeth kommt aus Trenchtown 🙂
  • Konshens – Bruck off yuh Back ( https://www.youtube.com/watch?v=FHLS9xyXneg )
  • Popcaan – Ova Dweet (https://www.youtube.com/watch?v=r_FX6UANhLs)
  • Chi Ching Ching – Get There (https://www.youtube.com/watch?v=U4D8wY8k2oM)
  • Tanto Blacks – Real Rich (https://www.youtube.com/watch?v=nkZzlucn8i0)
  • Alkaline – Champion Boy (https://www.youtube.com/watch?v=tdyKjebTj7s)
  • Chi Ching Ching – Roast or Fry (Breadfruit) (https://www.youtube.com/watch?v=IGdtxQM8TuI)
  • Vershon – Used to Hungry (https://www.youtube.com/watch?v=IGUfNYWdG8c)
  • Chronixx – Spanish Town Rocking (https://www.youtube.com/watch?v=L79Q2aKdQzk)
  • Chronixx – Ghetto People (https://www.youtube.com/watch?v=aHQ0PDMLJLY)

Seit letzter Woche habe ich mit Suarez ein allmorgendliches Sportprogramm begonnen. Um 5.54 Uhr klingelt mein Wecker und dann geht es rüber zum Fußballstadion wo wir joggen gehen. Morgens ist es angenehm kühl und es geht eine leichte Brise. Eine richtig schöne Stimmung 🙂 Es erstaunt mich immer wieder, was für einen Tagesrhythmus die Jamaikaner haben. Hier geht man meist erst gegen 2 oder 3 ins Bett und um halb 7 sind die meisten schon wieder wach. Ein Rasta aus dem Culture Yard hat mir erklärt, dass er nicht gerne schläft weil man im Schlaf für den Tod übt 😀 naja ich brauche trotzdem meine acht Stunden Schlaf, deshalb lege ich mich meistens Mittags für ein Stündchen in die Hängematte, die an unserem Mangobaum hängt und lasse mich in den Schlaf schaukeln.

Mein Wochenablauf hat sich mittlerweile eingependelt. Ich gehe von Montag bis Mittwoch zum Unterrichten in den Culture Yard, weil ich dort Saxophon- und Klarinettenschüler habe. Donnerstags bleibe ich im Haus und unterrichte meine Klavierschüler und am Freitag ist dann das Meeting. Ich liebe es im Culture Yard zu unterrichten, doch der Weg dorthin ist echt anstrengend. Wir gehen meist um 15:00 los,vollbepackt mit zwei Saxophonkoffern, einer Klarinette und meinen Noten. Um diese Zeit ist die Sonne so heiß, dass ich erstmal eine Pause brauche, wenn wir im Culture Yard ankommen 😀 Manchmal ist der Gedanke schon sehr verlockend, ein Taxi zu nehmen, aber bis jetzt konnte ich widerstehen…

So und wie letztes Mal zeige ich euch ein paar Impressionen der letzten zwei Wochen:

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Jungs aus Trenchtown spielen „Wettschwimmen“ mit Flaschendeckeln im Abwasser; Orange hat gewonnen ;D

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Eine Straße in Trenchtown bzw. Jonestown

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Im Coaster Bus nach Half Way Tree

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Auf der Farm von Freunden von Suarez`Großeltern in Jonestown

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Schüler im Culture Yard

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Die zuckersüßen Kids in der Basic School

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Hier war ein Tag in der Basic School an dem sich die Kids als Krankenschwester, Polizisten, Lehrer usw. verkleidet haben

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Home sweet Home

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Das Wohnzimmer

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Mit dem total netten Ricky in seiner Bar zwei Straßen von unserem Haus entfernt

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Schöne Abendstimmung auf dem Rückweg vom Culture Yard

 

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Gruppenbild im Culture Yard

Sooo das wars erst Mal von mir… Ich hoffe euch geht`s gut im kalten Deutschland. Ich schicke euch sonnige Grüße!

Soon forward,

Eure Antonia <3

 

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