„Weiße“ -ach nein- „Heiße“ Weihnachten!

Hallo Zusammen!

„Noche de Paz, Noche de Paz“ und „Jingle Bells, Jingle Bells!“: Ähnlich wie in Deutschland hört man diese Melodien gerade aus allen Ecken und Enden erklingen, wenn man in der Musikschule Clave de Sur ist. Die Schüler haben sich mit uns Lehrern in den letzten Wochen auf das Schüler-Weihnachtskonzert am 11. Dezember vorbereitet und auch für das interne Weihnachtskonzert von Clave de Sur wird fleißig geprobt. In letzter Zeit wurde nämlich von der Koordination hier zur Entwicklung der Musikschule Musiktherorie-Unterricht gegeben, der anschließend durch einige Tests überprüft wurde. Der letzte dieser Tests ist gleichzeitig das interne Abschlusskonzert, in dem jeder Teilnehmer von Clave de Sur ein Stück vorspielen muss.

Zuerst waren wir Freiwilligen etwas skeptisch, da wir es nicht einsahen, dass alle Teilnehmer sich diesen Prüfungen unterziehen müssen – das Konzert wird dafür aber bestimmt ein tolles Ereignis und ein bunter Mix aus verschiedenen Beiträgen der vielen Teilnehmer von Clave de Sur. Und außerdem wird es für mich ein schöner persönlicher Abschied von den vielen Freunden, die ich in der Musikschule kennenlernen durfte und mit denen ich hier mein halbes Jahr verbracht habe – das Konzert wird nämlich am 19. Dezember an meinem letzten Abend hier stattfinden.

Vergangenen Freitag stand jedenfalls das Schüler-Abschlusskonzert auf dem Programm und es war wirklich ein toller Abend für alle Beteiligten. Es fand im „Parque Estella Maris“ hier im Guasmo inmitten von Bäumen und unter freiem Himmel in einem sehr schönem Ambiente statt. Wie auch schon beim letzten Schülerkonzert war es für mich ein sehr schönes Gefühl, die Fortschritte der Schüler zu sehen und zu merken, dass sich die in die vielen Unterichtsstunden investierte Zeit auch auszahlt. Manchmal kann es nämlich echt hart sein, fünf Tage die Woche, von morgens bis Abends und unabhängig von der eigenen Motivation neben dem Klavier zu sitzen und sich mit den verschiedenen Schülern unterschiedlichen Niveaus zu beschäftigen. Sowohl meine Klavier- als auch meine Schlagzeugschüler spielten alle trotz der Aufregung super und ich finde es bei einigen wirklich sehr schade, den Unterricht mit ihnen jetzt beenden zu müssen – zum Teil müssen sie wegen meiner Abreise sogar ganz aufhören, weil es an anderen Lehrern fehlt.

Alle drauf! Das Abschlussbild vom Schülerkonzert im Guasmo

Alle drauf! Das Abschlussbild vom Schülerkonzert im Guasmo

Das gleiche gilt leider auch für die Schüler in dem Pilotprojekt in der „Nueva Prosperina“, in das wir mit einem kleinen Lehrerteam von Clave de Sur in den letzten zwei Monaten drei mal die Woche gefahren sind, um dort Unterricht zu geben. Dort stand am Samstag ebenfalls ein Abschlusskonzert an, welches zwar deutlich kürzer und sporadischer als das im Guasmo, aber trotzdem eine sehr gelungene Veranstaltung war. Die Verhältnisse dort sind zwar ziemlich einfach, aber nichtsdestotrotz waren einige Schüler wahnsinnig motiviert und hatten viel Spaß dabei, das Erlernte zu präsentieren. Mein Schüler Fernando wollte mich danach unbedingt davon überzeugen, dass ich ihm das E-piano zum Üben überlasse und ein anderer Schüler hat sich aus Pappkarton eine Klaviatur gebastelt, auf der er jetzt „Jingle Bells“ und „Relojito“ (Bruder Jakob) ohne Ton spielt. Von solchen Schülern bekommt man so viel zurück und das Konzert war vor allem deswegen einer der besten Momente meines Freiwilligendienstes!

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Und auch in der Nueva Prosperina gab es ein Gruppenbild!

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Meine Schüler Fernando und Marcos

Sogar die Ansagen wurden von den Schülern übernommen!

Sogar die Ansagen wurden von den Schülern übernommen!

Und sonst? Abgesehen von den wirklich vielfach interpretierten, oben erwähnten Weihnachtsliedern kommt hier nun wirklich wenig Weihnachtsstimmung auf – wie auch bei schwülheißen Hochsommer-Temperaturen und Reis bis zum Umfallen, anstatt Weihnachtsplätzen und Glühwein. Wobei Weihnachten hier trotzdem gefeiert und die Adventszeit nicht ganz spurlos an uns vorbeigeht. Immerhin gibt es allerlei kitschigen Schmuck und Lichterketten, die in einer nervtötenden Dauerschleife „Stille Nacht“ von sich geben und in der Musikschule haben wir jetzt sogar einen bunt blinkenden Weihnachtsbaum aus Plastik. Ich glaube, man kann wirklich von einem Kulturschock sprechen, wenn ich dann zwei Tage vor Weihnachten von hier nach Deutschland fliege und von Kälte, (hoffentlich) Schnee und der andächtigen Feststimmung empfangen werde. Der Weihnachtsabend wird hier übrigens bis Mitternacht in der Familie mit einem Abendessen und danach mit einer riesigen Fiesta in den Straßen gefeiert – Erwachsene und Kinder feiern dann gleichermaßen bis in die Morgenstunden. So wurde mir das zumindest berichtet, weil ich dann ja schon bei Kerzenschein und Weihnachtsmusik in unserem Wohnzimmer sitze und es mir wahrscheinlich alles viel zu ruhig und entspannt vorkommt.

Sogar einen Weihnachtsmann hat es auf den Baum in der Musikschule geschafft!

Ho ho ho – Sogar ein Weihnachtsmann hat es auf den Baum in der Musikschule geschafft!

Auf der einen Seite würde ich gerne noch etwas länger hier in Ecuador bleiben und Weihnachten und Silvester mit meinen Freunden hier verbringen, auf der anderen Seite freue ich mich aber auch schon auf diese Zeit in Deutschland, die für mich immer eine der schönsten im Jahr ist! Und vielleicht schaffe ich es in dieser Ruhe ja auch, ein paar der vielen Erlebnisse von meiner Zeit hier zu verarbeiten – momentan habe ich nämlich den Eindruck, alles fließe wie in einem Film an mir vorbei. Jetzt schon weiß ich aber, dass mich mein Aufenthalt hier in Ecuador für den Rest meines Lebens prägen wird!

Der nächste Eintrag wird wohl dann schon aus Deutschland kommen – ich werde auf jeden Fall nochmal versuchen, so etwas wie eine Zusammenfassung zu veröffentlichen!

Bis dahin und zum letzten Mal liebe Grüße aus dem wunderschönen Ecuador,

Nicklas

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