Ein kleines Stückchen Europa!

Hallo Zusammen!

Geradewegs aus dem allabendlichen Essens-Chaos bei mir in der Familie kommt hier mein neuester Blogeintrag. Essens-Chaos deswegen, weil dann alle (bis zu 14) Familienmitglieder der Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft hier im Haus zum Reisfassen gerufen werden und dementsprechend viel dann in unserem Wohnzimmer los ist. Definitiv gehört da die Privatsphäre auch zu den Dingen, auf die ich mich in Deutschland wieder freue. Wobei – so ganz ohne Hundegebell, dröhnende Fiestamusik vom Nachbarn und einen ständig laufenden Fernseher kann ich es mir gerade irgendwie auch nicht mehr vorstellen, da muss es ja geradezu klinisch still sein! Naja, jetzt setze ich mich einfach ganz entspannt neben den Trubel und nachdem ich etwas Reis mit Linseneintopf und Chorizo (Bratwurst) gegessen habe, schreibe ich an meinem Blog…

…was auch dringend nötig ist! Das letzte Wochenende gieng es nämlich mal wieder auf eine Reise in die Anden, genauer gesagt in die drittgrößte Stadt Ecuadors: Cuenca. Schon die vierstündige Anreise im Bus von Meereshöhe auf rund 3000 Meter war sehr faszinierend und hat mir einmal mehr bewiesen, was für eine Vielfalt Ecuador auf engstem Raum zu bieten hat. Den Wolken so nah wie sonst nur im Flugzeug und in der Kälte wohlwissend mit Pullis und langer Hose ausgestattet, gieng es dann am Freitagabend auf Hostalsuche. Dank der Tipps einiger MoGs hatten wir – also die zwei anderen Guasmo-Freiwilligen Josy, Anna (die vor zwei Wochen erst angekommen ist) und ich, schnell eine günstige Übernachtungsmöglichkeit im Zentrum gefunden und machten uns auf die Suche nach einem Abendessen. Das gestaltet sich in Cuenca praktischerweise als recht einfach, da es dort ein großes Angebot an Bars, Restaurants und Cafés gibt. Diese sind in der Küstenregion Ecuadors nicht sehr weit verbreite, hier kauft man sein Essen hingegen bei den vielen Straßenverkäufern und improvisierten Fressbuden.

Zusammen mit dem kälteren Klima und den zahlreichen Kolonialbauten in der Innenstadt sorgt diese Vielfalt an Cafés und Restaurants in Cuenca jedenfalls für ein ziemlich europäisches Feeling, die Stadt ist also super für eine kleine Auszeit aus dem Guasmo-Alltag geeignet! Die Innenstadt ist zurecht UNESCO-Weltkulturerbe und beherbergt außerdem einige Kunsthandwerks- und Indigene Märkte, auf denen wir unseren Samstagmorgen verbrachten. Ich dachte eigentlich, in Otavalo schon genügend Mitbringsel besorgt zu haben, aber irgendwie braucht man dann eben doch noch den ein oder anderen Alpaka-Schal oder eine Decke – so schnell kommt man schließlich auch nicht wieder nach Ecuador!

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Das Wahrzeichen Cuencas: Die neue Kathedrale von vorne …

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… und von der Seite mit ihren markanten Keramik-Türmen

Gut eingedeckt (was für ein Wortspiel!) mit allerelei Textilien und erfrischt von einer kleinen Mittagspause ging es dann weiter im Programm mit der Taxifahrt auf einen nahegelegenen Hügel, von dem man eine tolle Aussicht über die ganze Stadt hat. Ähnlich wie Quito schmiegt sich Cuenca in ein breites Tal und ist eingeschlossen von wolkenverhangenen Vulkanen – ein beeindruckender Anblick. Und so suchten wir uns ein Café mit gutem Ausblick und beobachteten von oben, wie die Dämmerung hereinbrach und die Stadt sich langsam in ein Lichtermeer verwandelte.

Übern den Dächern von Cuenca!

Werbung für Alpaka-Mode über den Dächern von Cuenca!

Den Rest des Abends und der Nacht probierten wir uns dann noch durch die ein oder andere Bar und eine Salsoteca und stellten schnell fest, dass Cuenca auch nachts einiges zu bieten! So entdeckten wir die „Wunderbar“, eine von Deutschen geführte Bar in der es Sauerbraten, Käsespätzle und Würste mit Sauerkraut zu essen gibt. Wir nahmen uns fest vor, am darauffolgenden Sonntagabend dort essen zu gehen – wir wussten leider nicht, dass just an diesem Tag Ruhetag war. Man stelle sich das mal vor: Den ganzen Tag über träumt man von einer leckeren Schweinsroulade mit Spätzle, nur um dann von einem kalten, abweisenden Schild in die Realität zurückgeholt zu werden! Wie würde der Ecuadorianer so schön sagen: ¡Tristeza!

Naja, abgesehen davon verbrachten wir aber einen sehr schönen Sonntag ausserhalb der Stadt in dem Nationalpark „Cajas“, der filmkulissenreife Landschaften, frische Luft und eine erholsame Stille zu bieten hat. Viel Zeit hatten wir dort aufgrund der Öffnugszeiten nicht, waren wegen der Höhe aber sowieso schnell platt und begnügten uns so mit einer kleinen Spazier-Runde um eine Lagune. Die war aber dafür wirklich schön und ich genoss es sehr, mich mal wieder in der Natur mit so einem beeindruckenden Weitblick zu bewegen!

Parque nacional Cajas

Parque nacional Cajas

Das Guasmo-Team!

Das Guasmo-Team!

Zurück nach Cuenca wurden wir dann von einem sehr freundlichen Parkranger mitgenommen, der witzigerweise auch das MoG-Projekt in Zhagal kannte und Anna und Josy unablässig auf ihre Schönheit ansprach – so ziemlich alle Männer, die ich hier in Ecuador getroffen habe, sind für unsere Begriffe wirklich ziemlich direkt und unverfroren was das angeht. Aber das gehört wohl einfach zur Kultur und man darf es nicht so ernst nehmen, so sind die Eccis halt…

Und so gieng die Zeit in Cuenca zwar ohne Roulade, aber dafür mit einem leckeren Abendessen in einem indischen Resaturant und der Busfahrt am folgenden Montag zurück ins heiße Guayaquil zuende. Das Wochenende fühlte sich wie ein kleiner Kurzurlaub an und war außerdem eine super Möglichkeit für unser deutsches Guasmo-Team, ein bisschen Zeit zusammen zu verbringen und die Erlebnisse der vergangenen Wochen im Guasmo zu verarbeiten.

Und sonst? Abgesehen von dem Trip nach Cuenca bin ich gerade im Projekt weiterhin viel beschäftigt: Am 11. und 19. Dezember gibt es zwei Weihnachtskonzerte im Guasmo, auf die ich meine Schüler vorbereite und außerdem noch zwei Stücke mit einem Bläsertrio aufführen werde. Und am 12. steht noch das Abschlusskonzert in der Nueva Prosperina an, das neue Projekt im Norden Guayaquils, wo wir drei mal die Woche hinfahren und Unterricht geben.

Davon, wie die Vorbereitungen laufen und wie die Konzerte werden, lest ihr dann in den nächsten Einträgen!

Bis dahin,

Nicklas

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