Fußball, Feiertag und Früchte!

Diese Woche ist mal wieder einiges passiert und deshalb nehme ich den heutigen ruhigen Sonntag zum Anlass, diese Erlebnisse hier zusammenzufassen. Fangen wir doch ganz chronologisch mit dem letzten Samstag an, der ganz im Zeichen des Fußballes stand.

Am Morgen dieses ersten Wochenendtages wurden wir von Marcos, einem Taxifahrer der auch in Clave de Sur engagiert ist, gefragt ob wir nicht Lust hätten, ihn zum „El Clásico“ zu begleiten. Für alle Nicht-Ecuador-Kenner unter euch hier die Erklärung was man darunter zu verstehen hat: El Clásico ist das Aufeinanertreffen der beiden großen Guayaquiler Fußballclubs „Barcelona“ und „Emelec“, also nichts anderes als ein Stadtderby. Und ja, der Verein heißt wirklich „Barcelona“ und besitzt auch fast das gleiche Logo wie sein großer Bruder in Spanien. Warum, verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht – ich glaube es ist hier in Südamerika aber üblich, große europäische Fußballclubs zu „kopieren“.

Genau wie in Deutschland auch, sorgt ein solches Derby natürlich für Reibungen und Konflikte neben dem Spielfeld, weshalb uns rund um das 70.000 Zuschauer fassende Stadion ein riesiges Polizei- und Militäraufgebot erwartete. Wahrscheinlich, weil ich so einen bedrohlichen Eindruck auf die Polizisten am Eingang machte und ich auch einfach wie ein Schlägertyp wirke, wurde mir zu meinem Leidwesen der Gürtel abgenommen, was den Aufenthalt auf der Stehtribüne für mich gewissermaßen zu einer „Hängepartie“ machte… Naja, da heißt es Zähne zusammenbeißen und sich von den dröhnenden Trommeln und den Fangesängen beim „Vamos, Barcelona!“ mitreißen zu lassen! Marcos konnte uns Freiwillige auch davon überzeigt, das Barcelona natürlich der viel bessere Club ist, weshalb wir jetzt alle bekennende „Barcelonistas“ sind.

Aber alles anfeuern und „Emeleeeec, me vas a chupar los huevos!“ – schreien (Die Übersetzung lasse ich einfach mal gekonnt weg, ist nicht ganz jugendfrei) hat leider nichts geholfen und so fiel zehn Minuten vor Schluss das spielentscheidende Tor zum 0-1 für Emelec. Naja, trotz des Ergebnisses, des Gürtels und auch wenn der Fußball eher deutsches drittliga-Niveau hatte, war die Stimmung auf jeden Fall toll und ich verbrachte dort einen super Samstag!

So sieht das Stadion von aussen aus ...

So sieht das Stadion von aussen aus …

... und so von innen. Vamos, amarillos!

… und so von innen. Vamos, amarillos!

Und am Donnerstag ging es dann direkt weiter mit dem Fußballprogramm, es stand das Länderspiel Ecuador – Argentinien zur Quali für die WM 2018 auf dem Programm. Und neben Chile, die am gleichen Abend gegen Brasilien gewonnen hatten, gelang auch Ecuadors „Selección“ die Sensation: Ein 2:0-Auswährtssieg gegen die Argentinier in Buenos Aires! Entsprechend ausgelassen wurde natürlich an diesem Abend in den Straßen des Guasmos gefeiert, prakischerweise jährte sich am Freitag auch noch die Unabhängigkeit Guayaquils und der Folgetag war somit Feiertag.

Anlässlich dieses Festtages war das ganze Guayaquiler Zentrum zur Fußgängerzone umfunktioniert worden und es gab eine Bühne mit Auftitten der Guayaquiler Tanzschulen. So verbrachte ich den Freitagabend damit, über die Boulevardstraße „9 de Octubre“ und die Uferpromenade „Malecón“ zu spazieren und die gute Stimmung, die Tänze, Künstlerausstellungen und das leckere frittierte Essen der Straßenverkäufer zu genießen.

Tolle Stimmung und viiiele Menschen auf dem Malecón, der Uferpromenade am Fluss Guayas

Tolle Stimmung und viiiele Menschen auf dem Malecón, der Uferpromenade am Fluss Guayas

Ohne große Pause ging das Programm dann am nächsten Morgen um sieben Uhr weiter. Wir wurden von unserer Gastoma auf die „Finka“ unserer Familie eingeladen und machten uns an diesem Samstag zusammen mit ihr auf die einstündige Fahrt dorthin. Auch hier die Erklärung für den unaufgeklärten Deutschen: Eine Finca ist ein Anwesen im „Campo“, also auf dem Land, wo es zahlreiche Obstbäume, schlecht ausgebaute Straßen und viele Moskitos gibt.

Dort angekommen, wurden wir erst einmal von den zahlreichen dort lebenden Kindern zu einer Partie Fußball auf dem kleinen Ascheplatz neben dem Haus herausgefortert. Das hat wirklich viel Spaß gemacht und mein für den Rest des Tages stinkendes T-Shirt war wohl der Beleg dafür, dass ich mich gegen die täglich kickenden Jugendlichen ganz schön ins Zeug legen musste um wenigstens nicht ganz so alt auszusehen…

Pelota!

Pelota!

Nach einem leckeren frischen Fisch zum Mittagessen ging es dann ganz entspannt weiter mit Orangenpflücken und dem Ernten von allerlei anderen Früchten, die ich vorher gar nicht kannte. Und zur Belohnung gab es nach getaner Arbeit ein Schläfchen in der Hängematte mit einer geschälten Orange zum Aussaugen und frischen Minibananen. Diese frischen, zuckersüßen Früchte sind wirklich unbeschreiblich lecker und ich werde sie in Deutschland ganz schön vermissen, das weiß ich jetzt schon…

Mein Gastbruder Israel beim Orangenfangen. Ab und zu geht auch mal eine daneben und landet auf dem Kopf ;-)

Mein Gastbruder Israel beim Orangenfangen. Immer schön aufpassen, dass auch keine auf den Kopf fällt… 😉

Zum Abschluss dieses sehr vielseitigen Tages, machten wir auf dem Rückweg noch einen Stopp an einer kleinen Fluss-Staumauer und erfrischten uns in dem kühlen Wasser, bevor es dann schon im Dunkeln (die Sonne geht hier das ganze Jahr über pünktlich um 18:00 unter) wieder gen Guayaquil ging.

So viel fürs erste zu meinen „Fußball, Feiertag und Früchte“ – Erlebnissen hier in Ecuador! Achja, bis auf eine Sache die ich nicht unerwähnt lassen will: Gestern Abend hat es hier das erste Mal seit zwei Monaten geregnet! Und was noch viel faszinierender ist, dass trotz der zahlreichen Löcher im Dach nichts reintropft! Ganz im trockenen also und mit dem Prasseln der Regentropfen auf dem Wellblechdach im Ohr, konnte ich gestern einschlafen…

So, jetzt ist aber wirklich Scluss! Der nächste Blog kommt dann wohl erst in zwei bis drei Wochen, wenn ich von der Reise mit meiner Mutter und meinem Bruder zurückgekommen bin, die mich bald besuchen kommen!

Hasta luego,

Nicklas

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