Das geben wir manchmal spaßeshalber zur Antwort, wenn die Kinder zu uns gerannt kommen und stauend fragen, woher wir denn kommen. Einige Kinder haben hier doch noch nie in einen Weißen „ in echt“ gesehen, und bestaunen uns zum Teil fast schon ehrfurchtsvoll. Das ist dann schon etwas befremdlich, wenn die Kinder immer wieder unsere Haare oder Haut anfassen wollen. Ein Mädchen hauchte leise „ Would you give me some of your hair?“. Die Kids sind dann super happy, wenn man sich ein bisschen mit ihnen beschäftigt und rumalbert, denn hier ist das Leben im Ghetto für sie schon manchmal etwas eintönig.
Erst einmal wünsche ich euch allen noch ein frohes neues Jahr 2014 – ich hoffe ihr hattet alle einen guten Rutsch! Viel Kraft, Glück und Energie für all eure Vorhaben im neuen Jahr.
Ich kam wirklich eine ganze Weile nicht zum Bloggen – zuerst hatte mich ja ein tropischer Virus heimgesucht (und das leider nicht nur einmal) und dann ist hier einfach in der Weihnachtszeit so viel passiert! Ich weiß gar nicht genau, wo ich anfangen soll.
Wir haben Silvester in Kingston gefeiert. Wir sind nach Downtown gelaufen, denn da gibt es jedes Jahr an der Waterfront (Hafen) ein großes staatliches Feuerwerk, welches von einem Schiff auf dem Wasser aus gezündet wird. In Jamaika ist es nämlich verboten privat Feuerwerke zu zünden, da die Geräusche zu sehr an Schüsse erinnern können. So hatte man wirklich das Gefühl, dass sich ganz Kingston in Downtown versammelt hatte: Es war einfach eine große Party und natürlich durfte die Stage-Show mit verschieden Dancehall-/ und Reggaeartists auch nicht fehlen…
Bis heute hatte ich Weihnachtsferien (wie die Jamaikaner auch), aber ab morgen geht dann unser Unterrichtsalltag wieder los. Ich bin mal gespannt, wie der Musikunterricht in der High School voran geht – der Direktor der Schule hat uns nämlich für das neue Jahr eigene Unterrichtsstunden versprochen. Es scheint mir, als ob die Lehrer dort wirklich von unserer Arbeit begeistert sind, und sehr wertschätzen was wir hier tun. (Kurz noch am Rande: Es ist auch immer wieder so schön wie wir jeden Morgen in der High School begrüßt werden: Der Pförtner grüßt mit einem lauten und freudigen „Yoooooo musical people!“ und von allen Seiten tönt von verschiedensten Schülern ein „Guten Morgen“, „Guten Tag“ oder auch „Tschusssssss“ zu uns herüber. )
Aber jetzt erstmal noch zu den ganzen Ereignissen im Dezember: Wir haben letzten Monat vor allem verschiedene andere Projekte und Organisationen besucht, mit denen wir uns eventuell „connecten“ (wie man hier so schön sagt) könnten und mit denen wir mehr zusammen arbeiten könnten.
So hat zum Beispiel die Trenchwon Police Station hier vor Ort einen Youth Club, zu dessen wöchentlichen Treffen wir dann hingegangen sind. Alle waren sehr interessiert an unserer Arbeit und nach einer kleinen Musikeinlage unsererseits (die Bob Marley Songs kommen immer und überall gut an 🙂 ), haben dann plötzlich alle angefangen zu singen und zu tanzen – Letztendlich haben wir dann auch gleich wieder 3 neue Schüler gefunden, und der Youth Club kann uns auch weiterhin neue Schüler vermitteln. An einem anderen Tag sind 3 von uns MoGs zu dem Edna Manley College of the Visual and Performing Arts (Kunst- und Musikhochschule) aufgebrochen, um dort eine österreichische Künstlerin und Flöten-Dozentin zu suchen, welche uns der deutsch Botschafter „empfohlen“ hatte. Leider war sie an diesem Tag nicht vor Ort, aber durch Zufall sind sie auf etwas Anderes, höchst interessantes gestoßen: Hier in Kingston gibt es das National Youth Orchestra of Jamaica. Dieses Jugendorchester ist ein Programm was sich wie wir zum Ziel gesetzt hat, arme Kinder und Jugendliche zu unterrichten, die sonst nie die Möglichkeit hätten, ein Instrument zu erlernen oder gar in einem Orchester mitzuspielen. Die Organisation ist hier in Jamaika schon sehr etabliert und besteht seid einigen Jahren. Schnell sahen wir also eine Möglichkeit, mit dem NYOJ zusammenzuarbeiten – unsere Schüler, die ein Orchesterinstrument erlernen, hätten die Möglichkeit, in einem richtige Orchester zu spielen und sich zu beweisen. Währenddessen könnten wir auch Schüler vom Orchester übernehmen, die andere Instrumente wie Klavier oder Gitarre lernen wollen. Es würden schlussendlich also alle profitieren – ich bin sehr gespannt wie die Zusammenarbeit jetzt im neuen Jahr genau aussieht, und was sie für Früchte trägt…
Aber nun muss ich aber doch noch ein bisschen von der Weihnachtszeit berichten: Weihnachten hier in Jamaika wird nicht als so großes Fest wie bei uns zelebriert. Als „importierte“ Tradition wird es zwar von vielen Christen am 25. Dezember gefeiert, allerdings feiern die Rastas „ihr Weihnachten“ erst am 6. Januar. Auch Deko und Christmas-Songs erinnerten hier eher an die kitschige amerikanische Filme, als an die schöne heimatliche Adventszeit. Naja, desto mehr mussten wir uns also ins Zeug legen, um etwas Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Paula überraschte uns am 01. Dezember mit einem kleinen selbst gebastelten Adventskalender. Dieser wurde zwar zuerst von den Jamaikanern misstrauisch bestaunt, aber spätestens als der Tag kam, an dem ihr Name auf dem Kalendertürchen stand, war jegliches Misstrauen schnell verflogen. Am 06. Dezember spielten dann auch Leonie und ich ein bisschen Nikolaus, sammelten in der Nacht alle Schuhe ein und füllten sie mit diversen Sweeties – auch dieses führte zu einem Schmunzeln in den jamaikanischen Gesichtern.
Nicht zu vergessen unser provisorischer Adventskranz, den wir aus Palmblättern gebastelt, mit Christbaumkugeln dekoriert, und auf eine alte Schallplatte geklebt hatten 🙂
- Konzentriertes Basteln
- fast fertig…
- unser Adventskranz
Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien wurden wir auch eingeladen bei der Devotion („Morgenandacht“) in einer Primary School hier in Trenchtown zu spielen, die von uns gehört hatte Die kleinen Kids erwarteten uns voller Begeisterung und wir spielten ein kleines gemischtes Programm mit einigen Bob Marley Songs aber auch Weihnachtsliedern. Spätestens bei Pink Panther war dann das Eis gebrochen und die Kinder sangen lauthals „Joy to the world“ und „O come all you faithful“ mit uns. Hier fühlte ich zum ersten Mal ein bisschen „Weihnachten“, was wunderschön war.
- Gespannte Schüler
- Morgengebet
- süßer Bub
- Weihnachtssingen
- Weihnachtstanzen
- Gruppenbild mit der Direktorin
Und dann war da natürlich noch das Weihnachtskonzert mit all unseren Schülern: Schon am Mittag des großen Tages fingen wir an, den Culture Yard weihnachtlich zu dekorieren und das Essen vorzubereiten. Nach und nach trudelten dann auch immer mehr Schüler und Zuschauer ein – letztendlich ging das Konzert zwar 1,5 Stunden später los, aber wir sind ja nun mal auf Jamaika 🙂 Es war dann ein sehr schönes Konzert mit bunten Programmpunkten: Insgesamt haben 20 Schüler vorgespielt und wir waren alles in allem sogar ca. 40 Personen – das ist doch für ein kleines Projekt, welches gerade einmal 4 Monate besteht,wirklich super oder? Einziger Wermutstropfen: Leider waren nur 4 Elternteile da. Dies ist meiner Meinung nach aber der gesamten jamaikanischen Kultur geschuldet – denn die Familienstrukturen sind hier viel „loser“ als in Deutschland. Viele Eltern kümmern sich nicht wirklich um ihre Kinder – man lebt mehr nebeneinander her als miteinander. Von mir haben 4 Klavierschüler vorgespielt und ich muss sagen, sie haben ihre kleinen Auftritte, angefangen bei „Jingle Bells“ bis hin zu „I wish you a Merry Christmas“, wirklich super gemeistert, sodass ich am Ende ziemlich stolz war! Nach dem Konzert haben wir unsere Schüler noch mit kleinen Leckereien verwöhnt, da gab es Sandwichs, Fruchtsnacks und Eis (Die Essensdiskussion im Vorfeld war auch wirklich lustig: Die Jamaikaner waren der Meinung, man müsse unbedingt fried chicken, Burger und weiteres fast food verteilen – aber da wir auch ein bisschen Vorbildcharakter haben, waren wir für „gesundes“ Essen. Zuerst bekamen wir den obligatorischen Satz „You could never do dat“ zu hören, letztendlich haben wir uns dann aber auf den Eis-Kompromiss einigen können). Gemeinsam wurden noch ein paar Weihnachtslieder geträllert und so klang der Nachmittag schön gemütlich aus.
- Warten auf Konzertbeginn
- Kadiesha
- Neco und Sacha
- David mit den süßen Boys
- Geigenschüler
- Gespannte Zuschauer
- Cho Cho
- Konzentration beim Auftritt
- Deko
- Marlon & Renard
- Deko
- Akelya
- Trompetenschülerin
- Weihnachtsssingen
- The Sandwich-Maker
Bleibt nur noch zu berichten wie wir selbst Weihnachten hier in Jamaika gefeiert haben. Am 24. Dezember haben wir mit unserer Familie ein (mehr oder weniger) traditionelles „deutsches Weihnachtsfest“ gefeiert. Wir verbrachten den ganzen Tag mit Kochen und Backen. Der Kartoffelsalat wurde super lecker und auch unser veganer Schoko-Kokos-Kaffee-Rumkuchen war der Hammer – und das obwohl er mindestens 4 Stunden in unserem kaputten Ofen verweilte. Dazu servierte ich noch eine jamaikanische heiße Schokolade (mit wirklich richtigen Kakao). Den gesamten Vormittag beschallten wir auch ganz Arnett Gardens mit dem Weihnachtsoratorium von Bach über unser Sound System – bei uns sorgte dies für ein heimisches Gefühl, die Jamaikaner mussten allerdings sehr verwirrt gewesen sein 🙂
Abends versammelten wir uns dann auf der weihnachtlich dekorierten Terrasse – das Erstauen war dann aber groß, als wir merkten, dass alle jamaikanischen Familienmitglieder irgendwie ausgeflogen waren. Naja Jamaika eben -im Laufe des Abends kamen dann alle wieder zurück und probierten unser Weihnachtsmahl. Alle freuten sich total über unsere Geschenke (von Hand selbst-bedruckte T-Shirts mit „Musicians without borders“ – Logo) und mit ein paar deutschen Weihnachtsliedern wurde noch bis spät in die Nacht gefeiert.
- T-shirts bedrucken
- Geschenke
- Das Weihnachtsmahl
- DER Kuchen
- Kevin ist happy
- Geschenke auspacken
Am 25. (jamaikanische Weihnacht) sind wir dann sogar noch mit Rosina Moder (die Frau, die wir eigentlich im Edna Manley College gesucht hatten; und dann später getroffen haben) und ihrer Familie in ein Krankenhaus gegangen und haben dort für die Kinder ein kleines Weihnachtskonzert veranstaltet. Danach hat sie uns sogar noch einige ihrer selbst geschriebenen Flötenbücher mit karibischen Liedern für unser Projekt und die Arbeit in der High School geschenkt. Zu guter Letzt ließ sie es sich nicht nehmen und hat in jedes Buch noch eine kleine Widmung geschrieben – was für ein schönes Weihnachtsgeschenk!
- Flötentrio
- Nikolaus beim Singen
- Geschenke
- Konzert
- noch mehr Geschenke
- die ganze Bande
Ach und by the way noch eine andere kleine Geschichte: Gestern durften wir bei einer Probe der Jazzcombo ihres Mannes mitspielen – es war so schön wieder mal mit top Musikern zusammen zu spielen und dann auch noch Jazz in einer kleinen Bigband – waaaaah 🙂 Danach wurden wir noch bei ihnen zu Hause auf eine Suppe und einen selbstgemachten Mangosaft eingeladen. Es wurde viel geredet und gelacht und plötzlich meinte Rosina dann „Oh is Usain coming tomorrow?“. Mir stand der Mund offen – meinte sie tatsächlich Usain Bolt? Aber na klar – die Insel ist ja klein. Da hat sich dann echt herausgestellt, dass sie die Tante und Mutter von Usain Bolt sehr gut kennt.
Hui der Beitrag wurde ja jetzt wieder richtig lang – ich versuche ab jetzt mehr und kürzere Beiträge zu schreiben, versprochen! Auch bin ich im Dezember ganz schön rumgekommen auf der Insel. Allerdings waren die Trips so spannend und voller Eindrücke, dass ich alles in einem separaten Beitrag berichten werde.
Bis dahin – check out!