DSDS und Taxi fahren

Erst einmal, es tut mir leid, dass ich so lange nichts hab von mir hören lassen. Aber in den letzten Wochen war ich damit beschäftigt etwas “deutsche Struktur und Ordnung” in mein Leben hier und in meinen Unterricht zu bringen. Und meistens kostet das viel Anstrengung, Zeit und Nerven, ganz besonders wenn mein Bestreben nach Struktur und Professionalität auf jamaikanische Widerstände stößt. Aber in einigen Bereichen kann man mit viel Ausdauer trotzdem etwas erreichen. Zum Beispiel in der Jonestown Primary School, wo wir bis jetzt nur nachmittags im AG-Bereich unterrichten. Dort werden wir ab nächste Woche vormittags 4 Klassen in General Music Education und wahlweise Blockflöte oder Percussion unterrichten, sodass jeder Schüler der 5. und 6. Klasse Musikunterricht bekommt. Für uns wird das eine ganz neue Erfahrung 30 pubertierende Schüler gleichzeitig zu unterrichten. Umso mehr freuen wir uns, dass wir ab morgen bzw. ab nächstem Wochenende von zwei neuen Freiwilligen unterstützt werden.

Auch den Chor in der Jonestown Primary School wollen wir weiter voranbringen, also haben wir am Montag mit den Auditions angefangen um die talentiertesten Mädchen und Jungen für den Chor zu finden. Ich kam mir ein bisschen vor wie bei DSDS, nur halt nicht ganz so fies 🙂 Und obwohl wir auch echt abenteuerliche Versionen von One Love von Bob Marley gehört haben, haben wir auch echt talentierte Schüler gefunden. Nächsten Montag gehen die Auditions weiter und ich freue mich jetzt schon drauf.

Außerdem haben wir unsere Fähigkeiten im Taxi fahren weiter verbessert. Wir kommen immerhin in Kingston fast überall hin, auch wenn wir vorher lieber nochmal nachfragen, ob die Taxis tatsächlich dahin fahren wo wir hinwollen und auch so viel kosten wie wir denken. Denn es gibt hier Route Cabs, die auf bestimmten, den Jamaikanern auf wundersame Weise bekannten, Routen unterwegs sind und fixe Preise haben. Und dann gibt es sogenannte Charter Taxis, die man chartern kann, die einen direkt dahin fahren, wo man hin will und dafür aber natürlich mehr kosten. Die Jamaikaner erkennen irgendwie sofort um welche Art von Taxi es sich handelt und wohin sie fahren und was sie kosten. Für mich war das am Anfang ein Buch mit sieben Siegeln, aber langsam fange ich an ein System in dem Mysterium Taxi fahren in Jamaika zu verstehen.

LG aus dem grade regnerischen, aber trotzdem sehr warmen Jamaika

Janni

Hurricane Matthew vs. Jamaica

Wie bestimmt auch schon die deutschen Medien berichtet haben, hätte der  Hurrikan Matthew eigentlich am vergangenen Montag Jamaika treffen sollen,  hätte er nicht wie durch ein Wunder einen großen Bogen um Jamaika gemacht.  Aber von vorne:

Letztes Wochenende war zunächst noch von einem normalen Tropensturm die  Rede, im Laufe des Samstag wurde der Tropensturm, dann zu einem Hurrikan  Stufe 5 hochgestuft. In den jamaikanischen Medien war die Rede von dem  schlimmsten Hurrikan, der Jamaika je getroffen hat. Und wenn man sich jetzt  mal Trenchtown und die Bauweise hier anguckt, wäre von diesem Viertel  vermutlich nicht viel stehen geblieben. Die meisten “Häuser” bestehen aus  Wellblech und Holz, das irgendwie zusammen genagelt wurde. Unser Haus besteht immerhin aus Beton, aber in der Küche steht halt ein großer Mangobaum.  Nach dutzenden Telefonaten mit dem Vorstand von MoG, Freunden in Jamaika  und besorgten Eltern, haben wir uns entschlossen auf Nummer sicher zu gehen  und für zwei Tage nach Uptown in ein sicheres Hotel zu gehen. Den Samstag  haben wir damit verbracht unser Haus so sturmsicher wie möglich zu machen  und Vorräte, Trinkwasser und Kerzen einzukaufen. Letztendlich hätten wir das  gar nicht gebraucht, aber das weiß man ja immer erst hinterher. Denn wie durch ein Wunder hat der Hurrikan einen großen Bogen um Jamaika gemacht. Uns ist dadurch echt ein Stein vom Herzen gefallen, denn in Trenchtown ist wirklich  nichts passiert, aber auf der anderen Seite fühlen sich jetzt die Bewohner  Trenchtowns bestätigt, dass so ein Wirbelsturm total harmlos ist und man sich  nicht darauf vorbereiten muss sondern bloß zu Gott beten muss. Und wenn der  nächste Hurrikan dann Jamaika wirklich trifft, wird sich hier keiner  vorbereiten.

 

Auch wenn am Mittwoch die Schulen wieder aufgemacht wurden und hier ja  nichts passiert ist, kommen viele Schüler trotzdem nicht in die Schule. Am  Freitag bestand unsere Percussiongruppe in der Grundschule nur aus 2  Schülerinnen und nicht wie sonst aus 15.   Aber dafür hatten wir eine sehr produktive Stunde 🙂

Am Dienstag steht der Besuch von Marc Golding, dem neuen Member of  Parliament für Trenchtown, an. Wir wollen ihm unser Projekt vorstellen und  dafür natürlich auch zeigen, was die Schüler so können. Dazu versuchen wir  grade mit der Band zwei alte Stücke wieder einzustudieren. Unsere Probenpläne sind leider etwas an der jamaikanischen Pünktlichkeit gescheitert. Die Probe  heute sollte eigentlich um 11 Uhr anfangen und um 13 Uhr war dann die Hälfte  da und um 15:30 Uhr haben wir immernoch auf den letzten gewartet.  Wahrscheinlich müssen wir uns einfach noch daran gewöhnen, aber in bisschen nervig ist es schon, wenn man über 4 Stunden warten muss, bis man mit einer  Probe anfangen kann.

Diese Woche steht allerdings noch ein Auftritt an, den am Mittwoch ist National Heros Day. Und der Schulleiter der Jonestown Primary School, kam Ende letzter Woche auf die Idee, das wir doch bei den Feierlichkeiten in der Schule auftreten sollen. Also werden wir am Mittwoch nach einer (!) Probe mit einem neu  zusammengewürfelten Chor “Three little Birds” von Bob Marley aufführen. Ich  bin sehr gespannt, ob/wie das klappt.

 

Liebe Grüße aus der jetzt wieder sonnigen Karibik

Janni