{"id":283,"date":"2019-11-19T15:06:22","date_gmt":"2019-11-19T14:06:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/?p=283"},"modified":"2019-11-19T15:06:22","modified_gmt":"2019-11-19T14:06:22","slug":"auf-dem-zweiten-blick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/2019\/11\/19\/auf-dem-zweiten-blick\/","title":{"rendered":"Auf dem zweiten Blick"},"content":{"rendered":"\n<p>Wahnsinn- jetzt bin ich bereits f\u00fcnf Monate in Playas, Ecuador- das bedeutet, dass schon mehr als die H\u00e4lfte meines Aufenthalts vor\u00fcber ist. H\u00f6chste Zeit also, einen Bogen von meinem allerersten Blogeintrag zu eben diesem hier zu spannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich beginne wieder bei meiner Gastfamilie: <\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchle mich nach wie vor super wohl in meiner Familie. Mittlerweile kennen wir uns einfach auch viel besser und ich habe ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelt, was in Ordnung ist und was nicht. Das macht das Zusammenleben nat\u00fcrlich sehr viel entspannter: Abends bekomme ich nun immer einen Schl\u00fcssel mit, sodass meine Gastmutter nicht mehr auf mich warten muss und ich traue mich auch mal Essen abzulehnen (was zugegebenerma\u00dfen so gut wie nie vorkommt&#8230;) <\/p>\n\n\n\n<p>Was mir am besten an meiner Gastfamilie gef\u00e4llt ist, dass die T\u00fcren immer offen stehen: Egal, ob wir MoGs abends einfallen oder die Nachbarin vorbeikommt- es ist immer etwas los! Meine Gastoma kocht deshalb meistens mehr, man wei\u00df n\u00e4mlich nie, wer noch so vorbeikommt. Ich habe mich schon so an den Trubel gew\u00f6hnt, sodass ich mich echt alleine f\u00fchle, wenn meine Familie mal nicht zu Hause ist! <\/p>\n\n\n\n<p>Noch immer habe ich den Eindruck, dass es meiner Familie finanziell ganz gut geht: Die K\u00fcche ist top ausgestattet, die Mahlzeiten sind abwechslungsreich und aus der Dusche kommt auch ab und zu Warmwasser. Aber auch in meiner Familie gibt es Zeiten, in denen es finanziell eng wird. Vor dem Einkaufen rechnet meine Gastmutter meistens genau durch, wieviel sie brauchen wird und als sie sich einen Staubsauger gekauft hat, hie\u00df es in diesem Monat &#8222;Ya no tengo plata&#8220; (Ich habe kein Geld mehr.). <\/p>\n\n\n\n<p>Mir fehlt es aber generell an nichts hier und ich f\u00fchre nach wie vor ein sehr komfortables Leben. Zwischenzeitlich war ich deshalb ein wenig entt\u00e4uscht: Ich hatte erwartet, mich noch mehr umstellen zu m\u00fcssen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen seltsam- ich bin ja auch froh, dass ich kaum Eingew\u00f6hnungsschwierigkeiten hatte. Aber ich hatte vorher einfach andere Vorstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht haben sich meine Ansichten eines &#8222;komfortablen&#8220; Lebens auch einfach etwas ge\u00e4ndert&#8230; Zumindest bin ich sehr froh, in einer so lieben und offenen Familie wohnen zu d\u00fcrfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich ein eigenes Zimmer habe, sch\u00e4tze ich auch sehr! Die Tage hier k\u00f6nnen sehr anstrengend sein und da bin ich froh, wenn ich die T\u00fcr auch mal zumachen kann und ein bisschen Zeit f\u00fcr mich habe. <\/p>\n\n\n\n<p>An den L\u00e4rm habe ich mich gl\u00fccklicherweise l\u00e4ngst ge\u00f6hnt! Ich kann mich erinnern, dass ich anfangs aufgrund des Fernsehers schlecht einschlafen konnte und auch morgens sehr fr\u00fch aufgewacht bin. Das ist jetzt aber gar kein Problem mehr: Einmal habe ich meinen Wecker so lange \u00fcberh\u00f6rt, bis meine Gastmutter mich geweckt hat. Das ist mir in Deutschland noch nie passiert.  <\/p>\n\n\n\n<p>Meine Arbeit im Cacique:<\/p>\n\n\n\n<p>Nochmal zur Erinnerung, weil ich das Wort so oft benutze: Das <em>Cacique<\/em> ist das Kulturzentrum Playas, wo wir im Rahmen der <em>Ola Sinfonica<\/em> Musikunterricht geben. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Stundenplan ist mittlerweile richtig voll, besonders montags und dienstags bin ich nach dem Unterrichten oftmals echt platt. Da Antonia nun da ist, die zum Gro\u00dfteil Klavier unterrichtet, k\u00f6nnte ich eigentlich ausschlie\u00dflich Gesangsunterricht geben. Ich habe aber trotzdem noch zwei bis drei Klaviersch\u00fcler t\u00e4glich, einfach, weil mir die Abwechslung gef\u00e4llt. <\/p>\n\n\n\n<p>Da viele meiner Sch\u00fcler spanische Songs singen m\u00f6chten, muss ich neben dem Unterrichten oft nach Noten oder zumindest Akkorden suchen und wenn beides nicht vorhanden ist, selbst Melodien und Harmonien raush\u00f6ren und aufschreiben. Das ist sehr zeitaufwendig, weshalb ich fast jeden Tag l\u00e4nger im Cacique bin. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon seit L\u00e4ngerem haben wir auch einen Chor, mit dem wir gerade &#8222;Somos es mundo&#8220; (&#8222;We are the world&#8220;) \u00fcben. Mittlerweile schaffen wir es sogar, dreistimmig zu singen, was mich sehr gl\u00fccklich und stolz macht. Ich freue mich auf jeden Fall schon jetzt auf das Weihnachtskonzert, wo wir unter anderem dieses St\u00fcck auff\u00fchren werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass mir manchmal die Motivation zum Unterrichten fehlt. Das anf\u00e4nglich Neue und Spannende ist ein wenig der Routine und dem Alltag gewichen. Die regelm\u00e4\u00dfigen, kleinen Erfolgserlebnisse geben mir dann aber wieder neuen Antrieb. <\/p>\n\n\n\n<p>So auch das Konzert vom vergangenen Donnerstag: Sechs meiner Gesangssch\u00fcler und einer meiner Klaviersch\u00fcler haben vorgesungen bzw. -gespielt. Wir hatte auch einige Bandst\u00fccke auf dem Programm, bei denen dann beispielsweise meine Gesnagssch\u00fcler von Gitarren- und Basssch\u00fclern begleitet wurden. So war das Programm sehr vielseitig und auf einem echt guten Niveau! Das Publikum blieb zum Gro\u00dfteil bis zum Schluss, woran man merkt, dass es allen gefallen hat. Das Wichtigste aber: Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Sch\u00fcler, dass sie ihre Nervosit\u00e4t \u00fcberwunden haben und gl\u00fccklich, mit allen schon so gut vorangekommen zu sein! In solchen Momenten vergesse ich dann auch alle \u00c4rgernisse, die das Unterrichten im Cacique mit sich bringen kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen gehe ich wirklich gerne in die Musikschule und freue mich jetzt schon auf das Weihnachtskonzert!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich meine Woche sonst so gestaltet:<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir unter der Woche unterrichten, bleibt zwischen Unterricht und den Mahlzeiten zu Hause kaum Zeit f\u00fcr Anderes. Besonders Montag und Dienstag sind f\u00fcr mich volle Tage, wo ich abends nach Hause komme und gar nicht mehr viel machen kann, weil ich so ersch\u00f6pft bin. Deshalb bin ich froh, den Mittwoch frei zu haben, an dem wir surfen oder an den Strand gehen, Sonstiges, wie Konzerte, in Ruhe organisieren und neue Kraft tanken k\u00f6nnen. <br>Am Wochenende habe ich dann auch mal Zeit, f\u00fcr meine Familie zu kochen, den Vormittag entspannt zum Joggen, Tagebuch- oder Blogeintr\u00e4geschreiben und Telefonieren zu nutzen. Nachmittags treffen wir uns dann eigentlich immer, um etwas mit unseren Geschwistern und Freunden zu unternehmen. <br>An manchen Wochenenden packt uns das Reisefieber und wir fahren mal nach Ol\u00f3n, in eines der Partnerprojekte, oder wie letzte Woche nach Cuenca (Eintrag folgt). Es ist dann echt sch\u00f6n, mal wieder etwas anderes zu sehen und eine andere Luft schnuppern zu k\u00f6nnen. Was mir an Ecuador so gut gef\u00e4llt, ist, dass sich die Landschaft und auch die Leute und deren Sitten so schnell \u00e4ndern: Man braucht nur zwei bis drei Stunden die K\u00fcste hochfahren und die Umgebung ist gr\u00fcn und das Klima feucht- k\u00fchl. In der <em>sierra<\/em> isst man ganz andere Gerichte als in der <em>costa <\/em>und im <em>oriente<\/em>\u2026 <br>Ihr merkt schon, ich bin ein bisschen in dieses wundersch\u00f6ne Land verliebt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Spanischsprechen:<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte Aspekt, \u00fcber den ich gar nicht viel reden m\u00f6chte, von dem ich aber wei\u00df, dass er euch interessiert\u2026.<br>Ich kann mittlerweile zwar fast alles verstehen (alte Leute zu verstehen ist nach wie vor oft eine Herausforderung\u2026) aber das Sprechen f\u00e4llt mir immer noch etwas schwer. Anfangs habe ich gezwungenerma\u00dfen schnell gelernt, weil ich mich ja sonst nicht h\u00e4tte verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Gerade habe ich aber das Gef\u00fchl, stehenzubleiben. Ich m\u00fcsste einfach jeden Tag ein bisschen f\u00fcr mich lernen, besonders die tausend unregelm\u00e4ssigen Verben und verschiedenen Zeiten machen mir zu schaffen\u2026 Aufgegeben habe ich aber noch lange nicht. Ich habe mir n\u00e4mlich vorgenommen bis zum Ende meines Aufenthaltes relativ fl\u00fcssig sprechen zu k\u00f6nnen ohne bei jedem Satz \u00fcber die Konjugation der Verben nachdenken zu m\u00fcssen. Hoffentlich klappt das! <\/p>\n\n\n\n<p>Und zum Schluss:<\/p>\n\n\n\n<p>Playas gef\u00e4llt mir am besten fr\u00fch morgens, wenn das Meer ruhig da liegt und die Stadt erst langsam wach wird. Von Chavela, unserem Surfstrand, kann man auf die ganze Stadt sehen, mit dem Meer vornedran- und jedes Mal bei diesem Anblick durchstr\u00f6mt mich ein Gef\u00fchl von Gl\u00fcck und Liebe zu meinem zweiten Zuhause. <br>Ok, ich werde jetzt ganz sch\u00f6n schnulzig- ich sollte aufh\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe noch so viel vor hier und bin deshalb froh, noch etwas Zeit zu haben, in der ich sicherlich noch Einiges erleben, hoffentlich besser Spanisch lernen und vor allem meine Familie, Land und Leute noch mehr kennenlernen werde. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchlt euch umarmt!<\/p>\n\n\n\n<p>PS.: Klar, manchmal habe ich auch Heimweh, vor allem wenn ich in schwierigen Situationen bin oder alles auf einmal kommt. Meine Gastfamilie und der t\u00e4gliche Kontakt mit meinen Mitfreiwilligen helfen mir aber, auch \u00fcber solche Momente hinwegzukommen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahnsinn- jetzt bin ich bereits f\u00fcnf Monate in Playas, Ecuador- das bedeutet, dass schon mehr als die H\u00e4lfte meines Aufenthalts vor\u00fcber ist. H\u00f6chste Zeit also, einen Bogen von meinem allerersten Blogeintrag zu eben diesem hier zu spannen. Ich beginne wieder bei meiner Gastfamilie: Ich f\u00fchle mich nach wie vor super wohl in meiner Familie. Mittlerweile [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":45,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/users\/45"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=283"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":304,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283\/revisions\/304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/sophialoos\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}