{"id":57,"date":"2018-10-21T04:07:46","date_gmt":"2018-10-21T02:07:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/?p=57"},"modified":"2018-10-27T18:37:39","modified_gmt":"2018-10-27T16:37:39","slug":"ein-musikalischer-empfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/2018\/10\/21\/ein-musikalischer-empfang\/","title":{"rendered":"Ein musikalischer Empfang"},"content":{"rendered":"<p>So, und pl\u00f6tzlich bin ich da. Vor wenigen Tagen war Guayaquil noch als \u201eZukunft\u201c in meinem Gehirn abgespeichert, nun ist alles real. Ich komme gerade von einer Art Mitarbeitertreffen aus der Musikschule, es riecht gut aus der K\u00fcche, und leicht schwitzend versuche ich, meine Gedanken zu ordnen. Denn es ist gar nicht so einfach, jetzt aus dem Stand alles in den letzten drei Tagen Erlebte in Worte zu fassen.<\/p>\n<p>Alles beginnt am 18. Oktober um vier Uhr Fr\u00fch in Taufkirchen, Deutschland. Der Wecker klingelt und rei\u00dft mich aus meinem kurzen Schlaf. Dann geht es mit dem Auto Richtung Flughafen, w\u00e4hrend ich eine K\u00e4sesemmel fr\u00fchst\u00fccke und mir den Schlaf aus den Augen reibe. Nach Check-In, Sicherheitskontrolle und allem, was man an Flugh\u00e4fen eben so macht (vor allem warten), sitze ich rechtz<em>e<\/em>itig zum Abflug im Flugzeug. Es ist 7:00 Uhr in M\u00fcnchen, die Sonne geht gerade auf.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-58 aligncenter\" src=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050136-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"186\" srcset=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050136-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050136-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050136-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/>Etwa zwei Stunden sp\u00e4ter \u2013 zwei anstrengende Stunden, weil ich die Geige zwischen den Beinen haben muss \u2013 landet die Maschine in Amsterdam. Es liegt wohl daran, dass ich so gut wie nie fliege, aber der riesige Komplex des Flughafens von Amsterdam ist f\u00fcr mich erst einmal total un\u00fcbersichtlich. Dennoch schaffe ich es rechtzeitig zum Boarding und kann \u2013 ein Stein f\u00e4llt mir vom Herzen \u2013 den Geigenkasten im Gep\u00e4ckfach unterbringen. Nach kleineren, \u00fcberwindbaren Hindernissen (ich sitze zum Beispiel eine Reihe zu weit hinten \u2013 ich h\u00e4tte in der Schule besser aufpassen sollten, als wir die Zahlen von 1 bis 30 durchgenommen haben) geht es dann weiter \u2013 Richtung Ecuador. Mehr als dreizehn Stunden Flug erwarten mich, bevor das Flugzeug in Quito zwischenlanden wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-59 aligncenter\" src=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050142-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"186\" srcset=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050142-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050142-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050142-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/p>\n<p>An dieser Stelle f\u00fcge ich einen den Lesern und H\u00f6rern der K\u00e4nguru-Chroniken wohlbekannten Zeitsprung ein, weil der Flug war, wie Fl\u00fcge eben so sind. Ich d\u00f6se viel, schaue den Hobbit an und sehe aus dem Fenster. Irgendwann geht alles vorbei, selbst dreizehn Stunden im Flugzeug. Die n\u00e4chste und letzte Etappe von Quito nach Guayaquil ist dagegen ein Kinderspiel, und zwar ein sehr kurzes. Lustig finde ich aber, dass die Economy Class in Quito aussteigen, sich einem Sicherheitscheck unterziehen und erneut boarden muss, w\u00e4hrend die Passagiere in der Business Class in ihrer Ruhe nicht gest\u00f6rt werden. So habe ich ein paar Schreckminuten zu durchleiden, als beim Boarden die Flughafenmitarbeiterin mit meinem Ticket in der Hand erst mehrere Anrufe t\u00e4tigt, ehe ich durchgelassen werde. Letztlich geht aber alles glatt und ich lande um kurz vor 17 Uhr Ortszeit in Guayaquil.<\/p>\n<p>Dort werde ich, nachdem die beiden Mitarbeiterinnen der Passkontrolle zun\u00e4chst mit meinem, schon in Deutschland ausgestellten Visum \u00fcberfordert zu sein scheinen (\u201eit is too long!\u201c), schlie\u00dflich von Rafael, meinem Gastbruder, abgeholt. Mit dem Taxi ging es quer durch Guayaquil \u2013 und ich werde standesgem\u00e4\u00df von einem Konzert begr\u00fc\u00dft. Allerdings eher kein sinfonisches Konzert, viel eher besteht es aus dem Hupen und Dr\u00f6hnen verschiedenster Autos. Offenbar ist die Hupe in hier kein Achtungssignal, sondern ein viel und gerne benutztes Musikinstrument. Verbunden mit der Fahrweise des Taxifahrers, die im Vergleich zum restlichen Stra\u00dfenverkehr sogar fast als defensiv zu bezeichnen ist, ist der Weg in mein neues Haus gleich das erste Erlebnis in Ecuador.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-67\" src=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050144-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"313\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050144-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050144-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050144-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\" \/> <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-69\" src=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050146-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"313\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050146-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050146-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/wp-content\/uploads\/sites\/37\/2018\/10\/P1050146-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\" \/><\/p>\n<p>Beim Haus im Stadtteil Guasmo angekommen, werde ich von meiner neuen Familie begr\u00fc\u00dft: Mutter Filadelfia, die Br\u00fcder Jos\u00e9 Luis, Leonardo und Rafael, Gro\u00dfmutter Olinda, Tante Eladia und Cousin Jairo. Das sind erstmal viele Gesichter, aber gro\u00dfe Familien bin ich ja gew\u00f6hnt\u2026<\/p>\n<p>Jos\u00e9 Luis spricht ziemlich gut Englisch und hilft mir, mich erst einmal zurechtzufinden. Ich kann endlich mein Gep\u00e4ck abstellen, duschen, und dann geht es auch schon zur Musikschule \u2013 in <em>Clave de Sur<\/em> findet das Abschlusskonzert des letzten Prozesses statt. \u201eProzess\u201c hei\u00dft hier eine Lerneinheit, die immer \u00fcber mehrere Monate l\u00e4uft und mit einem Konzert endet. In der Musikschule lerne ich die anderen Freiwilligen kennen und erhalte nun tats\u00e4chlich ein Begr\u00fc\u00dfungskonzert, das \u00fcber Autohupen hinausgeht. Nach zwei sch\u00f6nen Stunden wollen die anderen Freiwilligen und lokalen Lehrer noch etwas trinken gehen, doch ich bitte Rafael, mich erst noch nach Hause zu bringen. Es ist zwar erst neun Uhr in Guayaquil \u2013 aber meine innere Uhr geht noch nach deutscher Zeit: F\u00fcnf Uhr nachts. Ich habe seit 24 Stunden nicht richtig geschlafen und falle deswegen todm\u00fcde ins Bett.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Tag, <em>viernes<\/em>, ist ganz dem Ankommen, Ausschlafen und Einleben gewidmet. Rafael geht mit mir Schlappen kaufen; mit ihm und Jairo fahre ich in die Stadt, um Geld abzuheben; ich habe ein kurzes Gespr\u00e4ch mit Marcos, einem Koordinator an der Musikschule. Er spricht zum Gl\u00fcck etwas Englisch. Die Verst\u00e4ndigung n\u00e4mlich ist noch nicht ganz einfach \u2013 Jos\u00e9 Luis ist am Donnerstagabend zu seiner Frau und seinem Kind gefahren, ich muss mich irgendwie mit meinen paar Brocken Spanisch durchschlagen. Mein treuer Begleiter: Ein kleines, deutsch-spanisches und spanisch-deutsches W\u00f6rterbuch, das ich immer in Reichweite habe.<\/p>\n<p>Am Nachmittag spiele ich noch Fu\u00dfball mit Rafael und zwischendrin gibt es sehr gutes Essen (meist kochen Filadelfia und Olinda, und das <em>muy bien<\/em>), doch die meiste Zeit sitze ich einfach am Tisch, streichle die Katze und mache gar nichts. Oder schaue auf den Fernseher, der hier fast den ganzen Tag \u00fcber l\u00e4uft. Den Plan, noch etwas f\u00fcr den Blog zu schreiben, verwerfe ich, und gehe stattdessen fr\u00fch ins Bett.<\/p>\n<p>Der Samstag ist fast noch entspannter: Ich schlafe lange, dann dusche ich kurz und es gibt <em>patacones<\/em> zum Fr\u00fchst\u00fcck. Am Vormittag besuche ich mit Rafael einen Freund, unterwegs pfl\u00fccken wir ein paar Mangos. Au\u00dferdem lerne ich ein paar weitere Familienmitglieder (Tante und Onkel) und Freunde kennen \u2013 im \u201eWohnzimmer\u201c, wie ich es mal nennen m\u00f6chte (zugleich K\u00fcche, Schlafzimmer und mehr) ist immer etwas los. Nachmittags gehen wir in die Musikschule, bei der Inventur helfen und die B\u00fchne vom Konzert abbauen. Dort findet dann auch die <em>reuni\u00f3n<\/em> statt, eine Lagebesprechung mit allen Mitarbeitern. Ich verstehe wenig, aber Samuel und Nesta, zwei andere Freiwillige, \u00fcbersetzen f\u00fcr diejenigen, die noch nicht so lange da sind. Danach machen wir noch ein bisschen Musik (Pachelbel geht einfach immer) und gehen dann nach Hause. Meine Familie wohnt gl\u00fccklicherweise sehr nah an der Musikschule, es sind nur f\u00fcnf Minuten Fu\u00dfweg. Mittlerweile ist es dunkel und nicht mehr ganz so hei\u00df.<\/p>\n<p>Jetzt ist es halb neun Uhr abends, in Deutschland (halb vier) schlafen wahrscheinlich alle tief und fest. Ich werde auch schon m\u00fcde, muss ich zugeben, den Jetlag habe ich noch nicht ganz \u00fcberwunden. Aber ich bin sehr optimistisch: Das Spanisch klappt immer besser, ich f\u00fchle mich in der Familie gut aufgehoben und habe gro\u00dfe Motivation f\u00fcr das Unterrichten. Das startet, glaube ich, erst in einer Woche. Aber auch so bin ich gut besch\u00e4ftigt&#8230;<\/p>\n<p>\u00a1Hasta pronto!<\/p>\n<p><em><strong>Noch eine kurze Mitteilung: Wer k\u00fcnftig bei jedem neuen Beitrag benachrichtigt werden m\u00f6chte, schreibt bitte einfach eine kurze Mail an robin.waldenburg@gmx.de. Dann wird sie oder er in einen neuen Mailverteiler aufgenommen und verpasst keine Neuigkeit mehr.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, und pl\u00f6tzlich bin ich da. Vor wenigen Tagen war Guayaquil noch als \u201eZukunft\u201c in meinem Gehirn abgespeichert, nun ist alles real. 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