{"id":1,"date":"2018-09-26T17:00:48","date_gmt":"2018-09-26T15:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/?p=1"},"modified":"2018-09-28T12:08:21","modified_gmt":"2018-09-28T10:08:21","slug":"blog1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/robinwaldenburg\/2018\/09\/26\/blog1\/","title":{"rendered":"Der Countdown l\u00e4uft"},"content":{"rendered":"<p>Der Countdown l\u00e4uft. Noch 22 Tage, dann wird die Maschine des Flugs Nummer KL1790 vom M\u00fcnchner Flughafen abheben \u2013 mit mir an Bord. Etwa 17 Stunden sp\u00e4ter, nach Zwischenlandungen in Amsterdam und Quito, werde ich dann zum ersten Mal s\u00fcdamerikanischen Boden betreten \u2013 und in mein Abenteuer in der \u201eNeuen Welt\u201c starten.<\/p>\n<p>Auch wenn Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k im <em>n\u00f6rdlicheren<\/em> der amerikanischen Kontinente zu seiner 9. Sinfonie inspiriert wurde, werde ich ebenfalls eine f\u00fcr mich neue Welt entdecken. Die Vorfreude ist gro\u00df, die Erwartungen und Vorstellungen dagegen \u00e4hneln noch einem unbeschriebenen Blatt. Bisher wei\u00df ich nur grob, wie die Monate von Oktober bis Juni aussehen werden: Ich werde bei einer Gastfamilie in Guayaquil leben und an der Musikschule \u201eClave de Sur\u201c im Stadtteil Guasmo Geige und Klavier unterrichten. Und ganz tief in eine mir noch unbekannte Kultur eintauchen.<\/p>\n<p>Den Plan, nach der Schule ins Ausland zu gehen, hatte ich schon lange. Wohin, war erstmal zweitrangig \u2013 Hauptsache, weit weg. Ich wollte Neues entdecken, Erfahrungen machen und fremde Kulturen kennenlernen. Das Jahr mit meiner Familie im s\u00fcdlichen Afrika, als ich 16 war, hatte mir Lust auf mehr gemacht. Ich hatte viele Ideen, wohin ich mal reisen will, und viele Vorschl\u00e4ge von Freunden und Bekannten. Zuerst hatte ich ein Projekt in Indien im Fokus, wo ich einen Freiwilligendienst als Unterrichtsassistenz gemacht h\u00e4tte. Das schien mir aber doch nicht so ganz das Wahre zu sein, und so schwenkte ich um in die Richtung Work&amp;Travel, am liebsten in Kanada. Ich meldete mich sogar auf der kanadischen Internetpr\u00e4senz an und lie\u00df mich in den Bewerber-Pool f\u00fcr ein Aufenthaltsvisum aufnehmen. Doch dann legte mir meine Mutter, es muss so im April gewesen sein, einen Ausschnitt aus der S\u00fcddeutschen Zeitung hin: Ein Interview mit einem jungen Mann, der einen Freiwilligendienst mit Musik gemacht hatte und mit einer Organisation namens \u201eMusiker ohne Grenzen\u201c in Ecuador gewesen war.<\/p>\n<p>Der junge Mann hei\u00dft Simon Kreuzer und ist heute mein Mentor f\u00fcr die Projektarbeit. Nach viel Recherchearbeit und einem Infotreffen entschied ich mich, mich als Freiwilliger f\u00fcr \u201eMusiker ohne Grenzen\u201c zu bewerben. Die Organisation wurde 2008 von einer Gruppe Studenten gegr\u00fcndet, von der einige zuvor ehrenamtlich ein Musikprojekt in Guayaquil geleitet hatten. Das Ziel war, die Musikschule im Guasmo Sur mit personellen und finanziellen Ressourcen sowie Sachspenden \u2013 in erster Linie Instrumente \u2013 zu unterst\u00fctzen. Seit 2010 schickt \u201eMoG\u201c auch Freiwillige in die Musikprojekte, die im Laufe der Jahre in Ecuador, Ghana und Jamaika aufgebaut wurden.<\/p>\n<p>Bei meinen \u00dcberlegungen zur Frage \u201eAbitur \u2013 was dann?\u201c erschien es mir letztlich doch reizvoller, eine sinnvolle T\u00e4tigkeit in einem Projekt auszu\u00fcben, als irgendwo \u2013 in einem unbestreitbar tollen Land \u2013 Teller zu waschen und G\u00e4ste zu bedienen. Es war mir gleichzeitig auch wichtig, nicht bei einer Besch\u00e4ftigungstherapie f\u00fcr gelangweilte Jugendliche zu landen, die gerne einen Auslandsaufenthalt im Lebenslauf stehen h\u00e4tten. Bei \u201eMusiker ohne Grenzen\u201c hatte ich von Anfang an das Gef\u00fchl, dass mit der Freiwilligenarbeit tats\u00e4chlich etwas bewirkt wird. Zwar lie\u00dfen mich offene Fragen beispielsweise zum Kindergeld und der nicht geringe selbst zu leistende finanzielle Beitrag durchaus zweifeln, doch die Vision der Projektgr\u00fcnder bewegte mich letztlich dazu, die Pl\u00e4ne f\u00fcr Kanada und Work&amp;Travel beiseite zu legen:<\/p>\n<blockquote><p><em>Musik stillt zwar keinen Hunger, aber sie ist Grundnahrungsmittel f\u00fcr die Seele.<\/em><\/p>\n<p><em>Musik sch\u00fctzt nicht vor Schl\u00e4gen, doch sie heilt Wunden.<\/em><\/p>\n<p><em>Musik ist keine Sprache, aber jeder kann sich durch sie ausdr\u00fccken.<\/em><\/p>\n<p><em>Musik schafft keinen Weltfrieden, doch sie baut Br\u00fccken zwischen Kulturen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das steht auf der Website von \u201eMusiker ohne Grenzen\u201c. Und so oder so \u00e4hnlich antworte ich immer, wenn ich gefragt werde, was ich denn n\u00e4chstes Jahr jetzt genau mache. Es geht darum, Menschen die Chance zu geben, Musik ganz anders und viel tiefer wahrzunehmen, als sie es vielleicht sonst k\u00f6nnten. Gerade Kindern und Jugendlichen eine Art St\u00fctze zu geben, die sie auch in schwereren Zeiten mal tragen kann, und eine Community jenseits der Stra\u00dfe. Und nat\u00fcrlich um \u2013 welch gro\u00dfes Wort \u2013 V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, um ein gemeinsames Erleben. Musik verbindet, das habe ich in den vielen Ensembles gelernt, in denen ich bisher gespielt habe.<\/p>\n<p>Guayaquil also. Wie gesagt bin ich noch nie in S\u00fcdamerika gewesen, auch deswegen gab ich bei der Bewerbung explizit den Wunsch \u201eEcuador\u201c an. Und tats\u00e4chlich erhielt ich Mitte Juni die Zusage f\u00fcr einen Einsatz in \u201eClave de Sur\u201c. Mit dieser Zusage begann die eigentliche Arbeit erst, fast gleichzeitig musste ich mich um Visum, Kindergeld, Auslandsversicherung, Flugbuchung, Spanischlernen und so weiter k\u00fcmmern. Es war dabei nicht immer einfach, den \u00dcberblick zu erhalten, auch weil der Mailverkehr mit der Organisation nicht optimal klappte. Aber jetzt ist vorerst alles geschafft, vor ein paar Tagen habe ich mein Visum per Post zugeschickt bekommen. Nun gibt es kein Zur\u00fcck mehr!<\/p>\n<p>Vom 11. bis zum 14. Oktober werde ich in Berlin sein, wo das Vorbereitungsseminar stattfindet. Dann geht es mit dem Zug wieder zur\u00fcck nach M\u00fcnchen (w\u00e4hrend der Fahrt werde ich die Wahlhochrechungen verfolgen k\u00f6nnen\u2026), wo mir noch ein paar Tage f\u00fcr die letzten Vorbereitungen bleiben \u2013 und der 8. Geburtstag meiner Schwester Anouk gefeiert wird. Am Freitag, den 18. Oktober, ist es dann soweit \u2013 7:00 Uhr fr\u00fch Abflug vom Flughafen M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Bis dahin habe ich noch Zeit, mich mit den unz\u00e4hligen Features von WordPress vertraut zu machen, Noten einzusammeln und eine Packliste aufzustellen. Und ich warte noch auf die Nachricht meiner, bisher noch nicht feststehenden, Gastfamilie, f\u00fcr die ich schon \u2013 auf Spanisch! &#8211; einen Brief verfasst habe. Ach ja, und ein bisschen Spanisch lernen wollte ich noch\u2026 Mir wird also nicht langweilig.<\/p>\n<p>\u00a1Hasta luego!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Countdown l\u00e4uft. Noch 22 Tage, dann wird die Maschine des Flugs Nummer KL1790 vom M\u00fcnchner Flughafen abheben \u2013 mit mir an Bord. 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