¡Familia Flores!

Neuigkeiten von äußerster Wichtigkeit haben sich angestaut. Das erste Mal richtig unwohl in meiner Familie habe ich mich schon Ende August gefühlt. Als ich nach Hause gekommen bin waren alle meine Sachen verstreut auf dem Bett und offensichtlich im Koffer gewühlt. Ich dachte so: „ok, was ist jetzt passiert?“ Aber gut ich habe eine 2 Jahre alte Nichte, die fasst eben alles an, was sie in die Finger bekommt.
Mir hat dann im Laufe des Septembers drei Mal Geld gefehlt. Aus meinem Koffer, aus meiner Tasche, aus meinem Geldbeutel, immer wieder stellte ich fest, dass ich ziemlich sicher, mehr vorher hatte. Ich habe gleich beim ersten Mal mit meiner Gastmama geredet, die weniger geschockt als ich dachte, immerhin angeboten hat, mein Geld zu verwahren. Das hat dann auch erstmal geklappt, bis mir dann selbst mein Kleingeld genommen wurde. Es war einfach ein ganz schöner Schlag auf den Kopf für mich. Ich weiß, dass meine Familie wenig Geld hat und bestimmt das ein oder andere Kind gerne öfter Schokolade hätte als möglich ist. Aber wie gern würde ich Schokolade für alle kaufen? Wenn ich mein Geld verwalten kann. Mein Vertrauen war quasi wieder am Anfang nach diesem Monat. Ich hab das irgendwie nicht geschafft, zu vergessen. Immer wieder dachte ich: „ok wie viel Geld hast du gerade in deinem Geldbeutel? 3$? Dann schläfst du damit besser unter dem Kopfkissen.“ Das war einfach sehr anstrengend. Ich bin nicht hier, um jeden Tag Angst um mein Eigentum zu haben. Dass Klamotten und Schuhe von mir von den Kindern ohne Fragen angezogen wurde und ich einzelne Teile Tage später unter der Waschmaschine fand, daran hatte ich mich fast gewöhnt. Aber wenn man länger darüber nachdenkt, ist es unglaublich anstrengend, nie zu wissen, wer gerade an deinen Sachen ist und das Gefühl zu haben, eigentlich alles weg sperren zu müssen.
Und das mit dem Geld verwahren hat auch nicht geklappt. Als ich nach Olon gefahren bin, und 20$ aus meinem Umschlag wollte, hieß es: „ja das haben wir gerade nicht, erst Montag, wenn Waldemar sein Gehalt bekommt.“ Das Gehalt kam 2 Wochen später und ich war leicht verwirrt, wie ich diese Situation aufnehmen soll. Ich habe eigentlich immer wieder Vertrauen aufgebaut, es ist immerhin meine Familie hier, aber wurde ständig zurückgestoßen.
Es sammelte sich irgendwann, vielleicht durch meine subjektive Wahrnehmung, immer mehr an, bis ich – von den anderen Freiwilligen bewegt – nach einer anderen Familie Ausschau hielt.
Wir besuchten eine Familie etwas am Stadtrand von Playas, aber am Strandstadtrand (!), die mir total gut gefiel. Die zwei Söhne hatten letztes Jahr Schlagzeugunterricht in der Musikschule, und wollten wieder eine Freiwillige aufnehmen. Das Haus, ist das komplette Gegenteil von meinem bisher. Steinfließen im Wohnzimmer und in der Küche. Ein Tisch zum gemeinsamen Essen, nur drei Kinder und eine Mama, die ständig auf Achse ist. Aufklärungsreunións für Frauen, eigene Firma, kleiner Bazar im Stadtzentrum. Ich hätte den Luxus eigentlich gar nicht gebraucht, das alles ging in der alten Familie auch, aber das Interesse an mir, das bei dem Besuch schon da war, die Kinder, die mich sofort mit Schwester begrüßt haben und die verlockende Aussicht auf ein Zimmer, in dem mein Koffer unberührt bleibt, haben mich zu meiner Entscheidung bewogen, umzuziehen.

mein Umzug im Tricimoto!

mein Umzug im Tricimoto!

Und jetzt bin ich hier! In vielen Teilen, einem Leben, das meinem in Deutschland sehr ähnlich ist. Wenn morgens alle schon los sind, steht ein Teller mit Frühstück in der Küche. es gibt Müsli und Milch und überhaupt einen vollen Kühlschrank. Ich habe Internet hier und eine Kommode für meine Klamotten. Aber darum geht es im Grunde nicht. Es geht um Dinge, wie dass ich mich bei einem Tee mit meiner Gastmama über die Frauensituation in Ecuador unterhalte. Über Aufklärung, den kirchlichen Einfluss und die vielen vaterlosen Kinder in Ecuador. Es macht mich unbeschreiblich glücklich morgens mit ihnen an einem Tisch zu sitzen und zu frühstücken. An einem gemeinsamen Tisch. Ohne dass der Fernseher läuft. Ich muss sagen, wenn ich nur diesen Teil Ecuadors kennengelernt hätte, würde mir vielleicht etwas fehlen. Ich bereue die Erfahrungen nicht, die ich bisher gemacht habe und gebe ehrlich zu, dass ich in der Dusche heute Morgen den Eimer gesucht habe, bevor ich den Duschkopf an der Decke entdeckt habe. Aber jetzt ist es hier gerade wundervoll für mich! Und wenn ich mir überlege, wie lange ich hier noch bin, freue ich mich darauf für die 4 mal deutsch aufzukochen. Das ist doch mit insgesamt fünf Mündern leichter, als für 14! Und meine andere Familie hier hat mir den Wechsel in keiner Weise übel genommen. Ich hatte eher das Gefühl, sie waren erleichtert. Dass wieder alles seinen gewohnten Gang geht, ohne die Probleme, die sie vor mir vertreten mussten. Dass ein Bett frei wird. Dass sie sich eben wieder um sich kümmern können. Ich glaube ich war letzlich doch die Zeit über nur Gast. Und der bin ich hier nicht!
Ich habe schon die Kinder von der Schule abgeholt und beim Waschen geholfen. Ich war schon mit meiner Gastmama einkaufen und habe ein Gericht gelernt. Und sportlich bin ich jetzt auch, weil es jeden Tag 15-20 Minuten Fahrradfahren heißt, um ins Zentrum zu kommen. Aber was soll’s. Ich bin ja nicht zum Urlaub machen hier!

 

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Ola Sinfoníca!

Ja, ich weiß schon. „Hat die Musikschule eigentlich schon geöffnet?“ „Und das mit dem Unterricht, hat das bereits angefangen?“ „Aber musikalische Arbeit ist das ja nicht so, von was du berichtest.“

Also ich schulde euch einen Bericht, in dem ich als Ola Sinfoníca Mitglied spreche. Ja der Unterricht ist das ganze Jahr über. Es sind ja immer Freiwillige vor Ort, um Schüler zum weitermachen zu motivieren. Und wenn gerade kein Klavierlehrer da ist, gibt es eben übergangsweise Schlagzeug Klasse. Das kann man positiv und negativ sehen finde ich. Die Kinder hier haben tendenziell auf alles Bock. Und wenn sie dann einmal kommen und der festen Überzeugung sind bald Stargitarrist in Guayaquil zu sein, aber plötzlich eine Geige sehen: „Qué está?“ („was ist das?“) Ja das will ich auch lernen. Und das laute da drüben? Schlagzeug! Ja das auch.

Der ecuadorianische Lifestyle ist etwas inkonsequent und eventuell auch oft unbewusst etwas unrealistisch. Aber so lange die Motivation sie in eine Musikschule treibt, soll man ja nicht meckern. Es ist toll zu beobachten, wie Kinder von ihren Eltern begleitet werden und beim Abholen lautstark gestikulieren, wie man den Ton „sol“ auf der Blockflöte spielen kann.

Genauso faszinierend finde ich aber auch, wie Jugendliche in unserem Alter einer Eingebung folgen und Geige spielen wollen neben dem Studium. Gibt es das in Deutschland überhaupt? Ich kenne Musikschulen nur, vollgestopft mit Grundschulzwergen, die den Unterricht im Wissen verlassen zuhause bestimmt wieder mit ihren – während dem Unterricht wahlweise Kaffetrinkenden oder perfektionistisch mitschreibenden – Müttern ihr Instrument üben zu müssen. Na gut ich gebe zu, ich war einer von den Zwergen, die Zuhause zum Üben mit belohnenden Pfannkuchen getrieben wurde.

Das mag ich hier. Dass es keine Norm gibt. „Mit 6 fängt man sein Instrument an, später lernt man es nicht mehr.“ Und wenn nicht, man lernt immer so viel, wie man lernen will. Und wenn der Schüler nach 3 Stunden merkt, Nö Fußballspielen finde ich doch cooler, hey, dann muss kein Musikschulvertrag auslaufen, sondern er geht einfach Fußballspielen.

Was aber der Nachteil ist, ist, dass mein Stundenplan, den ich im August ganz optimistisch entworfen habe, vorne und hinten nicht funktioniert. Mittlerweile weiß ich, welche Schüler zuverlässig zu ihren Stunden erscheinen (zwei) und welche vorbei kommen, wenn das Fernsehprogramm nichts hergibt und kein Surfwetter ist (achtzehn). Mein Nachmittagsalltag ist demnach beschränkt spannend. Ich sitze mit den Anderen in der Musikschule, wir unterhalten uns, spielen Karten, löffeln überteuerten (aber-mir-egal-ich-brauche-joghurt) Joghurt, singen, planen die Woche und hin und wieder verschwindet einer von uns zum Unterrichten.

Im Moment ist das noch alles schön und gut, aber die Projektphase, die wir für Dezember geplant haben, scheint wie eine Erlösung, in der wir endlich genug Erfahrung und Zeit haben, etwas Strukturiertes durchzuziehen. Die Projektphase hat ein Konzert um Weihnachten herum am Ende, sodass wir hoffentlich präsentieren können, warum es uns alle hierhin verschlagen hat. Man könnte meinen, es wäre der Strand und das Wetter – pffff.

Vielleicht hört sich Dezember jetzt ein bisschen spät für das erste Konzert an, aber das Problem ist, dass wir so gut, wie keinen musikalischen Übergang mit den vorherigen Freiwilligen hatten. Nur Insa und ich, aber trotzdem haben wir uns hier ins kalte Wasser geworfen gefühlt. Jetzt ist ein Monat vergangen und langsam kommen wir an, was die musikalische Arbeit betrifft. Wir haben Flötenklassen vormittags in den Schulen, wir unterstützen den Chor in dem Seniorenheim hier, wir fahren auf Konzerte, um Ola Sinfoníca zu präsentieren und wir haben die Bandproben mit einer ecuadorianischen Jungsgruppe wiederaufgenommen, die letztes Jahr mit den anderen Freiwilligen aufgetreten ist.

Ich bin zuversichtlich, dass die Musikschule noch Luft nach oben bietet, wenn wir alle noch mehr da sind und mehr Ahnung haben, wie wir was organisieren können. Und bald kann auch die Musik mit all den coolen Erfahrungen in Playas mithalten, mit all den Leuten, die wir jetzt schon grüßen und treffen, mit all den Aktionen, die wir hier genießen und uns denken: „Alter, das ist einfach so ein perfektes Jahr hier! Fehlt nur noch, dass die Musikschule läuft… „

Kurztrip ins Paradis: Canoa

O’zapft is‘

was für eine vielfältige Überschrift!

Bald fängt mein dritter Monat in Playas an, der Oktober. Und damit auch die Maßkrugfotos auf facebook. Aber was soll’s – auch in Playas kann man den Anstich erleben!

Für Samstagabend haben wir beschlossen unsere eigene „Fiesta de munich“ zu machen.

Nach der Musikschule sind wir direkt ins Zentrum. Zuerst haben wir für einen guten Zweck, nein für zwei gute Zwecke, Bingo mitgespielt. Der Erlös ging an ein krankes Kind in Playas, gleichzeitig habe ich meine Zahlenkenntnisse vertiefen können. Aber wer weiß, vielleicht habe ich ja doch die ein oder andere Zahl missverstanden und eigentlich hätte ich den Sack Reis als Hauptgewinn bekommen. Ich bin mir fast sicher, dass ich mich verhört habe!

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Bingo wird hier fast jeden Tag irgendwo gespielt, um Spenden für Kirche, Krankenhaus oder andere Projekte zu sammeln. Na und irgendwann gewinnen auch wir bei diesen rammelvollen Events den ein oder anderen Schnickschnack.

Nach der dritten Runde und einem wachsenden Loch in unseren Bäuchen, haben wir unser Wiesen-Projekt gestartet.

Es gab eine große Kochaktion, Eier trennen, Mehl, Zucker, Milch und Eigelb verrühren, Eischnee unterheben und ja. Es wurde ein Kaiserschmarren besser als im Ritschard-Zelt ich bin mir ziemlich sicher!

Maxi und Sophia haben in der Ausbackzeit noch an einem Straßenstand Hendl mit Pommes für jeden geholt und so saßen wir am Skatepark mit Blick auf BMX und Co. Nein, wir saßen nicht, wir schunkelten zur Rosi, zum Zillertaler Hochzeitsmarsch, zum Münchener Hofbräuhaus und stießen mit Bier (ja es war Pils – ich weiß) zum Prosit an.

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Um noch mehr deutsche Traditionen aufleben zu lassen, ging es danach mit ein paar Eccis an den Strand Flunkyball spielen. Es wurde ein sehr netter Abend, und eine noch lustigerere Nacht als um halb drei vorgeschlagen wurde die Location zu wechseln. Die Übriggebliebenen der Fiesta alleman, also Maxi, Julio, Pablo, Kevin und ich waren plötzlich von der Idee begeistert, jetzt etwas „sehr gruseliges“ zu erleben.

Die Mannschaft bewegte sich – Teile in Schlangenlinien, Teile geradeaus – Richtung Stadtrand, auf einen Hügel mit Blick auf ganz Playas.

Die Lichter waren wie ein eigenes Meer, auf das man herunterblicken konnte.

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Nach 20 langen, lustigen Minuten kamen wir an der „Academia“ an. Eine alte Schule oder Internat, in dem aus bautechnisch sehr brüchigen Gründen nicht mehr unterrichtet wird.

Die Ruine erinnerte an einen fast zu guten Tatort für jeden Krimi. Eingebrochene oder fehlende Fensterscheiben, kein Dach, nur der Himmel über dem Ganzen.

In der zweistündigen Entdeckungstour durch Treppenhaus, Turnhalle, Aula, Schlafsäle, Küche, Baderäume und die kleine Kirche, von der nur noch Fensterrahmen auf eine Kirche schließen ließen, versuchte jeder, Anflüge von Angst durch das Erschrecken der anderen zu überspielen. Hinter jeder Ecke lauerte ein kleiner Geist, in jedem Innenfenster ein Pfiff, auf der Treppe ein schlafender Kevin. Jedes Knacken wurde von einem „SSHHH“ kommentiert, jede zitternde Hand an eine andere gehängt und so erkundeten wir das Gebäude, das vor einigen Jahren wunderschön gewesen sein musste. Wir hatten so richtig Spaß, es war das gleiche Gefühl, wie damals das erste Mal alleine auf dem Dachboden. Nur dass man eben in so manchem Raum von einem anderen Kind überrascht wurde.

Am Schönsten war aber der Ausblick aus dem Balkon im ersten Stock. Einfach nur entspannen, fünf Uhr morgens Gespräche führen, die wandelnden Polizeilicher in der Stadt beobachten und den ersten Hähnen zuhören.

Die Nacht wurde promt beendet, als einer der Jungs mit einem „Chiau“ das Haus durch die quietschende Eingangstür verließ und sich einfach mal auf den Weg nach Hause machte.

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Alleine soll man ja nicht unterwegs sein, deswegen folgten wir ihm möglichst schnell, was gar nicht so einfach war Dank der Uhrzeit und dem vorangegangenen Münchener Lieblingsspiel.

Im Zentrum haben Maxi und ich aber das erste Tricimoto erwischt und tuckerten mit vollaufgedrehtem Radio und blinkenden Lichtern für 50 Cent durch die Barrios nach Hause.

Um die Nacht würdig zu beenden, haben sih Maxi und ich am nächsten Tag zum schlafen am Strand verabredet. Und wie müde wir waren, fiel uns dann auf, als wir noch im Regen schlafend auf unseren Handtüchern das Meeresrauschen verfolgten und erst viel zu spät registrierten, dass es gar nicht unbedingt ein gemütlicher Ort war, um unseren Schlafmangel aufzuholen.

Aber da es dann auch schon egal war, sind wir erstmal eine Runde baden gegangen. Abgetrocknet und unter einem kleinen Basthüttchen vom Regen ausgesperrt von der Welt, fühlten wir uns wie nach einem Spa Aufenthalt auf den Malediven. Seelengereinigt.

Und mit diesem Wochenende war in Playas mein Leben o’zapft. Ich bin angekommen. Ich fühle mich wohl, die Tage ziehen vorbei, mein Alltag mit all seinen kleinen Highlights nimmt mich durch die Wochen und den zweiten Monat in Ecuador.

Und wir haben so viel vor! Wochenendausflüge, Campingaktionen mit den Eccis, Stockbrot und Marshmellow am Strandlagerfeuer, die ersten Freiwilligengeburtstage krönen den Oktober – und da macht mir nochmal einer Deutschland schmackhaft!

Na gut. Ich gebe zu, das mit dem Kaiserschmarren machen wir jetzt öfter. Ein bisschen Heimat muss eben doch sein!

Eine Umarmung ins Wiesnzelt, in den Herbst und auf die Schulbank, eure Paula

Mixto días

Die Highlights der Woche kann man kaum unter eine Überschrift packen. Ich fange einfach mal an von meinen Erlebnissen zu berichten.

Montag war Julemas 24. Geburtstag. Den ganzen Tag über ist eigentlich gar nichts passiert, bis auf das „Haddi Bursdai“-Lied in Dauerschleife auf VOL max., das zumindest von der Melodie an ein altbekanntes Geburtstagslied erinnerte. Das fing um 6:54 an und hat mich quasi aus dem Bett geworfen. Während das restliche Haus, die Töne weiter friedlich schlummernd in ihren Traum aufgenommen haben.Vielleicht hat meine Gedanken jemand gehört, denn um 7:40 flog die Sicherung raus und es war erstmal wieder Ruhe. Das war sozusagen mein Geschenk für den Tag!

Erst spät am Abend, ich schon in Jogginghose, weil ich dachte es passiert nichts mehr, hieß es: „Carro, Carro!“ Alles klar, dann schauen wir mal. Julema, Gastmama, Onkel und ich düsen ins Zentrum und kaufen erstmal ein Eis. ¡Me gusta!Im Supermarkt wird Schnaps, Wurst und Limonen gekauft, in der Pastelleria eine Sahnetorte. Doch bevor wir wieder nach Hause fahren, sitzen wir auf Plastikstühlen am Strand und der Plan ist offensichtlich dort zu dritt die Flasche Schnaps und die Wurst mit darübergeträufelter Lemone zu verzehren. Alles klar, denke ich mir, unauffällig mitmachen und dafür sorgen, dass die Fragezeichen in meinem Kopf nicht sichtbar werden.Um Mitternacht gibt es dann endlich die Torte zuhause, das heißt, es wird erstmal posiert für die Fotostrecke auf Lokis und dann das Gesicht in die Torte gedrückt. Aus der Tradition entspinnt sich eine mittelgroße Sahneschlacht und ein weinendes Kind, dem Sahne in die Träume geraten ist. Der Kuchen an sich war ziemlich nichts sagend und ich war froh, einfach nur die Sahne von meinem Gesicht lecken zu können.

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 Am Donnerstag haben wir, Insa, Doris und ich eine Schule besucht, in der wir vormittags in kleinen Gruppen Blockflötenunterricht geben können.Die Schule hat nur ungefähr 40 Schüler und eine wahnsinnig nette, flexible Direktorin, die uns zweimal die Woche eine Stunde zur Verfügung stellt. Zuerst wollen wir das Blockflötenprojekt machen, aber auch ein Chor oder Rhythmusgruppen kann ich mir dort total gut vorstellen! Super gut, dass das geklappt hat!

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Für Samstag stand die große Fiesta für Julema und ihr Kind, Juviliana, an, die am Sonntag 2 Jahre alt wurde. Am Abend vorher wurde Unmengen von Essen geliefert, Berge von Yuka, eine Bananenstaude mit 50 Verdes, Orangen, und dieser Fisch. Das Wichtigste schien natürlich erstmal, jeden einzeln mit dem Monster abzulichten, aber das war es auch wert. Ich denke mein Essen wird in den nächsten Tagen nicht ganz so abwechslungsreich, Fischli-Stunden!

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Der Plan von meiner Seite aus Essenstechnisch war, einen Schokoladenkuchen zu backen, so etwas gibt es hier nämlich überhaupt nicht. Schon zwei Tage vorher habe ich mal vorsichtig nachgefragt, ob der Ofen eigentlich trotz seines Aussehens funktioniert: „Si, si!“ Also gut, ich wage mich an das Projekt doch dazu später. Der Kindergeburtstag war ein reines Amüsement. Die Kinder standen in 2 Reihen vor den Eltern, die im Stuhlkreis auf Plastikstühlen alle Viertelstunde mit Keksen, Bonbons und Cola versorgt wurden, und tanzten. Ich glaube in Deutschland tanzen Kinder nicht, und ich bin mir noch unsicher, ob das vielleicht besser so ist. Auf: I’m sexy and i know it, wird geshaked, was geshaked werden kann, auch wenn es noch nicht da ist. Die skurrilste Situation war glaube ich, dass meine Cousine 1 Stunde lang ihren Opa angebaggert hat, durch ihre Dancemoves, als würde sie ihn gleich zu sich und den Kuscheltieren einladen wollen. Lieber Kassel-Opa, ich werde dir das nicht vorführen. Ich hoffe du nimmst mir meine Entscheidung nicht übel! Ein Clown hat das ganze Fest übrigens mit Spielen, Tanzwettbewerben und Süßigkeitenwerfen moderiert, bis jeder Gast sein nach-Hause-Tortenstück in der Hand hielt.

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Juviliana selbst hat übrigens den ganzen Geburtstag über geschlafen und als sie zum Kerze auspusten aufgeweckt wurde, hat sie auch die letzten Gäste durch ihr Geschrei zur Tür hinausbegleitet.

Die Fiesta für die Großen sollte um 9:00 beginnen, um halb elf wurde geduscht und geschminkt, bis Mitternacht (!) Fotos in verschiedenen Konstellationen und Kussmündern geschossen. Manchmal weiß ich nicht, ob ich so mit 24 wieder werde! Abgeschreckt von den Mädels hier, vielleicht aber eher nicht. Die Partygesellschaft bestand, für einen 24. Geburtstag, aus erstaunlich wenigen Jugendlichen! Hauptsächlich Familienfreunde und Verwandte 40 aufwärts schwangen das Tanzbein, aber zumindest wurden die Plastikstühle weggeschoben. Um halb zwei wurde meine Kuchenform endlich frei vom letzen Stück Truthahn und ich konnte anfangen zu backen.

Erstens: Backofen auf 180° C vorheizen. So, wie geht denn jetzt der Ofen an? „Der geht nicht, das Gas ist leer.“ For real? Warum frage ich eigentlich? Ok, ich kann vielleicht bei der Nachbarin backen, kein Problem. Ich laufe rüber, um festzustellen, was ein Gasofen ist. Flamme an: Heiß. Flamme aus: Kalt. Puh – ich habe echt gedacht, das wird was. Mit der Unterstützung von Nanyeli, meiner vierzehnjährigen Schwester, haben wir einen Teig zustande gekriegt und ich bin mit der gefüllten Form wieder zur Tante gewatschelt. Es gab kein Blech, also musste ich den Kuchen einfach auf den Boden direkt über der Flamme stellen. Um mal kurz das Rezept zu zitieren: Zunächst 30 Minuten bei 180° C backen, dann weitere 30 bei 160° C. Ich habe wirklich gebetet, dass man wenigstens irgendwas schokoladiges löffeln kann am Ende. Nach 10 Minuten roch es super verbrannt und ich habe beschlossen, dass der Kuchen erhöht werden muss. Mit einem Topf unter der Auflaufform habe ich den Kuchen weitere – angenehm ruhige – Minuten im Nachbarhaus mit Buch bewacht und schließlich um 3:06 serviert.

Bis auf die untere Kruste war der Kuchen essbar und für die provisorische Backweise richtig lecker! Puh. Challenge accepted.

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Zweieinhalb Salsastunden später habe ich meinen Koffer für Olón gepackt, mir Insa aus meinem Bett geschnappt und wir sind losgelaufen zum Busterminal.

Sonntag bis Dienstagmorgen waren wir dort, Zoe, Rebekka und Debora besuchen! Olón ist ein kleines, grünes Dorf, direkt am malerischen Strand etwas nördlich an der Küste gelegen. Das Wetter war zwar verhangen, aber die Stimmung war wie immer super! Ich habe bei Rebekka in ihrem Schuppen übernachtet und es war wirklich wie Urlaub, ohne Hunde, Hähne und Kinder bis 9:05 (!!!) ausschlafen zu können! Nach einem Strandspaziergang haben wir dort Picknick gemacht. Pfannkuchen mit Bananen oder Guacamole, dazu frische Ananas. Es war so ein tolles Essen, nach 4 Wochen täglich Reis mit Fisch oder Fleisch, da sind meine „ich-freu-mich-auf-das-Essen-in-Deutschland-Gefühle“ gleich etwas geschrumpft.

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Ich besuche die Mädels echt gerne, es ist immer wie eine Wiedervereinigung mit langen Erzählrunden, Lachflashs über die Kopfschüttel-Ereignisse hier und Ferien von Rumsitzen und Nichtstun.

Am Sonntagabend entspann sich noch eine weirde Situation darüber, dass sich deren Gastfamilien beschwert haben, dass die Mädels zu wenig duschen. Alle zwei Tage würde nicht reichen, sie duschen zweimal am Tag mit Haare waschen, das wäre wegen der feuchten Luft notwendig. Außerdem soll man eine Hose und einen Pulli nach einmal tragen waschen. Ich hab gedacht, ich spinne, als dann darüber diskutiert wurde, warum man in Deutschland eine Hose nach zweimal die Woche tragen nicht in die Waschmaschine schmeißt und warum man seine Regenjacke nicht mehr als einmal alle paar Monate wäscht. Ich glaube, zwischen meinen Lachtränen, dass die Leute ja hier noch nie aus einem Koffer gelebt haben. Man fährt hier so gut wie nicht in den Urlaub und daher wissen sie vielleicht nicht, dass man bei zwei langen Hosen im Gepäck diese nicht täglich waschen kann und will. Der Höhepunkt war dann, als sich der „Chef“ des Projekts, der MOG nach Olón geholt hat, sich vorsichtig erkundigt hat, ob die Mädels denn wenigstens Deo benutzen. Ich sage euch, manchmal ist hier verkehrte Welt. Die Schuhe werden bei Matschwetter jeden Tag gewaschen, zweimal am Tag die Haare gewaschen, aber in der Küche krabbeln die Ameisen durch Müsli und ölige Pfannen. Trotzdem, so was zusammen zu erleben hat auch was, wer weiß wie viele Momente noch kommen, in denen ich mich wieder zum Kopfschütteln und Lachen mit meinen Girls auf die durchgelegene Matratze in Rebekkas Schuppen wünsche.

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Meine fünfte Woche beginnt wieder in Playas mit Sonnenschein und Vorfreude auf die Ankunft der anderen Freiwilligen, mit denen wir endlich ein Team bilden!

Bis bald, eure Kulturschockbereite Paula

¿Siesta? ¡Fiesta!

Eine neue Erkenntnis kann ich mit euch teilen: Party macht die ganze Familie!

Am letzten Samstag war ich bis drei Uhr mit Papa, Mama und meinen zwei ältesten Schwester in der Dorfdisco.
Die Musik im wilden Matsch aus amerikanischen Charts, spanischen Oldies zum mitgrölen (alle – außer mir: ähm loco loco loco??) und Salsa. Den lerne ich zwar gerade, aber die Qualität der Musik ist wirklich anstrengend. Trotzdem. Wir hatten sehr viel Spaß!

Lorgia und Waldemar

Lorgia und Waldemar

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Heute ist wieder Fiesta, der Geburtstag von Julema (24). Tortenschlacht munkelt man, ich kann euch bald mehr berichten!

Die Nachbarskinder sind auch sehr süß, wenn sie zu Besuch kommen, ist es zwar noch lauter aber es gibt auch immer: „paulita a ver!“

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Ach und letzte Woche haben wir einen Ausflug zu Delfinen gemacht! Das mit dem Foto ist ja immer schwierig, aber einen Versuch war es wert!

Puerto Morro

Puerto Morro

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Bis bald meine Lieblinge! Ich melde mich, wenn ich aus Olon zurück komme!
Ach und nächste Woche kann ich auch Skypen – einfach nachfragen, vielleicht finden wir einen Termin!
Küsse, eure Paula

„weil man nicht alles in Worte fassen kann“

unser Haus - La Casa

Hier ist der Ort, an den ich nach Hause komme. Die Musik hört man meistens schon 2 Straßen weiter. unser Haus – La Casa

die allgemeinen Straßenverhältnisse in Playas

die allgemeinen Straßenverhältnisse in Playas

das Wohnzimmer - im Ausnahmezustand: leer.

das Wohnzimmer – im Ausnahmezustand: leer.

Küche Teil I

Küche Teil I

Küche Teil II

Die Tür neben dem Herd führt direkt zum „stillen Örtchen“. Was hier definitv nicht der Fall ist, dank der Wandhöhe hört man nämlich mehr als stille! Küche Teil II

10 Tage Playas

Ihr Lieben!

Endlich habe ich mich etwas sortiert hier und kann euch so vieles berichten!
Ich bin gut angekommen – mit Koffern! – da war ich nach so vielen Unsicherheiten in Mexico sehr erleichtert!. Ich wurde von einer anderen Freiwilligen und einer anderen Trompetenlehrerin abgeholt und zuhause abgeliefert. Von Maria, der Freiwilligen, wurde ich power gespoilert und kam nach 2 Stunden Geschichten, total erledigt, in meiner neuen Familie an.

Ich wurde umrannt von Kindern, obwohl es schon 11 war und gedrueckt und gekuesst von gefuehlten 10 Familienmitgliedern. Der Empfang war so lieb, meine kleine Gastschwester hat mir sogar ein Plakat gemalt (Bild folgt hoffentlich bald!).
Das Haus ist eigentlich mehr eine Huette mit Wellblechdach und die Waende sind aus blossen Ziegelsteinen, die nichtt ganz bis zur Decke reichen.
Mein Zimmer ist genau so gross, dass mein Bett (was aber riesig ist) und eine Matraze hineinpasst, auf der meine zwei (10 Jaehrigen) Schwestern schlafen.
In dem Zimmer daneben schlafen meine Eltern, Lorgia und Waldemar (oh ich freu mich immer so den Namen zu sagen, das erinnert mich an Zuhause!), mein Gastbruder Daili, meine andere Schwester (14) und wahlweise Freunde und andere. Im hinteren Bereich des Wohnzimmers, oder sagen wir Aufenthaltsraum steht noch ein Bett, da schlaeft meine aelteste Schwester, die ist 23 mit ihrem Kind (das ist bald 2 und unglaublich niedlich) und ihre Freundin mit ihrem Mann.
Wenn das Haus voll ist, habe ich glaube ich mal 13 Bewohner gezaehlt aber das schwankt eigentlich taeglich.

meine Gastschwester bei meiner Ankunft

meine Gastschwester bei meiner Ankunft

Die Stimmung ist echt sehr herzlich, alle lachen viel und kuemmern sich um jeden, mein einziges Problem war das Klo.
Ich habe in der Nacht einfach keine Spuelung gefunden, nur einen Eimer.
Mittlerweile bin ich aber schon Profi. Einfach den Eimer fuellen und mit viel Schwung ins Klo kippen. Alles easy.

THIS IS IT

THIS IS IT

die alltägliche Eimerdusche

die alltägliche Eimerdusche

Am Donnerstag nachdem ich ankam habe ich mit Maria Playas erkundet und sie hat mir den Strand, den Markt und die Musikschule gezeigt. Alles ist so cool hier, die Musikschule hat sogar eine beleuchtbare Buehne fuer Konzerte!

Am Freitag bin ich gleich mit allen anderen Freiwilligen aus Ecuador nach Zhagal gefahren. Da ist eine Finca auf dem Land im noerdlichen Teil Ecuadors mit Orangenbaeumen und Kakao im Garten, wo wir das Wochenende alle uebernachtet haben.
Es war fuer das Ankommen hier echt perfekt, gleich so viele bekannte Gesicher zu sehen und sich mit ihnen auszutauschen, Treffen zu vereinbaren und alles zu verstehen, was geredet wird!

La Finca

La Finca

Frühstück ecuadorianisch: Ballons

Frühstück ecuadorianisch: Ballons

und Orangensaft!

und Orangensaft!

Am Samstag sind wir alle auf einem Pick up zu heissen Vulkanquellen gefahren, die malerisch an einem Fluss gelegen waren. mitten unter Bananenstauden. Wir haben abwechselnd im kalten Fluss und in den Quellen gebadet und Sandwiches gegessen.
Abends waren wir tanzen auf einer Dorffiesta und so habe ich meine erste echte Salsastunde gleich in freier Wildbahn gehabt.
Die Musik ist hier uebrigens unglaublich laut und es tanzen dafuer erstaunlich viele Kinder auf Armen der Muetter mit!

Thermalquelle

Thermalquelle

erfrischender Fluss

erfrischender Fluss

Auf der Busfahrt nach Hause konnte ich endlich ganz lange mit Zoe reden, meiner Zimmerpartnerin vom Vorbereitungsseminar. Sie ist in Olon, einem Strandort im Sueden und in 2 Wochen werde ich sie dort besuchen!

ZOE PAULA Busfahrt

ZOE PAULA Busfahrt

Am Abend hatte ich einen unglaublich herzhaften Empfang zuhause. Es wurde spaet abends noch fuer mich gekocht und gequatscht und ploezlich ging das mit dem Spanisch schon eine ganze Ecke besser!

Am Montag habe ich mit Insa (meine Geigenvorfahrin) und Maria einen Strandtag im Nachbarort verbracht. Es ist traumhaft schoen, nur leider gerade Winter! Also bewoelkt und keine Badetemperatur. (Sagt mir nicht, dass es in Deutschland heiss ist, dann sterbe ich vor Neid!)
Leider bin ich den restlichen Tag nur noch im Bett gelegen, da ich Fieber hatte. Vielleicht war doch alles ein bisschen viel fuer den Anfang. Aber gut Anfang, es sind tatsaechlich erst 10 Tage vergangen und es kommt mir schon so unglaublich lange vor. Vielleicht weil noch alles so neu ist.

Mittlerweile bin ich wieder gesund und hatte im Laufe der Woche auch schon meine ersten Unterrichtsstunden! Ich kann endlich sagen, dass ein grosser Teil von mir hier angekommen ist, und diese Prozedur hat echt sehr viel laenger gedauert, als ich dachte!
Aber meine Familie hier ist toll und die Kinder immer sehr aktiv und so werde ich gleich als Teil ihrer behandelt.
Das Essen hier ist auch viel besser als ich dachte! Zum Fruehstueck suesse Tortillas ist einfach ein Traum!
Nur an das Duschen mit einem kleinen Eimer aus einer Tonne muss ich mich noch gewoehnen, aber gut, werde ich eben hier zum Kaltduscher, soll ja gesund sein.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es mir gut geht, aber die Zeit geradezu schleichend vorangeht. Ich bin schon sehr gespannt, ab wann die Tage im Nu verfliegen werden! Im September kommen zumindest die anderen Freiwilligen fuer dieses Jahr, im Moment haenge ich noch mit denen aus der letzten Arbeitsphase ab. Dann gehts ans Strukturieren, Schueler werben und im Meer baden.
Bilder gibt es hoffentlich bald, in 2 Wochen in Olon habe ich WLAN dann geht das einfacher!

Ihr Lieben, ich halte euch auf dem Laufenden, aber tut ihr das bitte auch! Ich will ungedingt wissen, was so in Deutschland los ist, hier ist die Welt sehr auf das Leben in einem Haus beschraenkt.
Ganz viele Kuesse, eure Paula

„Si – si -si?“

kurzer Bericht aus Mexico. Zuerst. Guten Morgen! hier ist es kalt und ungemütlich verlassen um diese Uhrzeit.

Mein neues Wort. „OK.“

Das erste Mal habe ich es noch in München benutzt. Mir war vor dem Gate sehr heiß, also knotete ich sämtliche Jacken oben auf meinen Rucksack, der auf die doppelte Höhe heranwuchs mit dieser Aktion. „Also dieses Gepäckstück entspricht vorne und hinten nicht den unserer Maßen!“ Ich wurde zur Seite genommen und musste meinen Rucksack in eine Box quetschen, um meine Unschuld beweisen zu können. Er passte hinein – da dachte ich die Sache wäre geritzt. „Aber 8 Kilogramm wiegt er nicht!“ Die Frau versucht meinen Rucksack hochzuheben. „8 Kilo kann ich ja wohl hochheben! Dieser hier ist viel zu schwer.“ (der Rucksack klemmte allerdings unten mit einem Gurt, sodass sie ihn nicht im geringsten hochhob.) Egal. Ich schaue etwas unschuldig und sage erstmal nichts.

Mein unförmiges zweites Gepäckstück wird „netterweise gelabelt“. Was ist das denn?? Ich nicke.

Sie entnimmt mir mein Handgepäck und klebt eine Zettel daran mit der Anweisung den Rucksack unten vor den Frachtraum zu stellen und vorher alles nötige zu entnehmen.

Also gut. Ich laufe etwas unsicher mit ein paar einzelnen Dokumenten und meiner Geige zum Frachtraum.

Der Flug war viel zu kalt aber der Himmel unbewölkt und so fliege ich in gefühlter Zeitlupe an den klaren Sternbildern vorbei. Am längsten begleitet mich der große Wagen, während ich meine Spiralnudeln mit Tomatenstückchen in Wasser löffel.

In Mexico wieder kleine Überforderung. Einreisedokumente, Reisepass, Stempel, Unterschriften, Anstehen, Spanisch? Puh: „Si – si – si“ (Danke Aaron es funktioniert wirklich!)

Ich suche nach einer Departure Tafel, finde aber nur ein Gepäckband auf dem mein Koffer auf und ab tuckert. Achso. Ich dachte der fliegt durch?

Ich bin schon auf dem halben Weg, da fällt mir ein, dass da vielleicht auch noch mein Rucksack ankommen wird. Tatsache! „Ok.“ Dann suche ich mal nach dem neuen Gepäckdropoff. und wieder: Einreisezettel, Flugnummern, Reisepass, Boardingpass, Spanisch? „Si – äh si?“

In einem bunten Mix aus Spanisch, Englisch, Italienisch und etwas sehr unbekannt klingendem erfahre ich dass noch kein Bus zum Terminal fährt. Der Mann zeigt wild auf seine Uhr. „OK.“

Anscheinend fährt der Bus erst um 5:00. Aber ich habe eh Zeit ohne Ende.

So und mit diesem Bericht verabschiede ich mich. Aber keine Sorge Mama, es geht mir sehr gut. Ich habe gut geschlafen und alle versuchen mir die richtige Richtung zu zeigen. Jetzt ist es ja nicht mehr weit. Ich bin schon mitten im Abenteuer drin!

Ein müdes Lächeln, Paula

4:13 MEXICO CITY

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