kleiner Urlaub großes Ziel

Und Ende Februar (ein Monat der nun wirklich verflogen ist) haben wir das letzte Mal vor unserem Rückflug nach Deutschland den Flughafen betreten.
Das letzte große Reiseziel sollte erreicht werden: Die Galapagos Inseln.
War ja quasi ein Katzensprung und vor allem ein Katzensprung, der sich gelohnt hat.

Wir hatten ziemlichen Stress in der Musikschule vor unserem Abflug und auch im Alltag lief nicht alles glatt.
Fritz, Maxi und Jule mussten leider erleben, dass unser kleines, schnuckliges Playas doch noch in Ecuador liegt und das nun mal ein gefährliches Land ist. Wussten wir vorher, vergisst man hier aber schnell wieder.
Die 3 liefen um 2 Uhr nachts von einer Hochzeit ins Centro, um ein Taxi nach Hause zu nehmen. Sie hatten einen Gig (bei dem wir 2 neue Klaviere erspielt haben!) und waren dank Freigetränken vielleicht leichtsinniger als sonst, man weiß es nicht.
Es kam ihnen ein Motorrad entgegen, deren Fahrer Fritz eine Pistole an den Kopf hielt. Das alles ging so schnell, dass wir lange im Nachhinein konstruiert haben, in welcher Reihenfolge sich die Ereignisse überschlugen.
Jule gab wortlos ihren Geldbeutel her, Maxi gab dem Mädchen, das sich an seiner Tasche vergriff einen Schlag ins Gesicht und als Fritz seinen Rucksack verteidigte rammte der Kerl ihm die Pistole in die Stirn.
Die Drei rannten, die Anderen fuhren. Playas war wieder gewohnt ruhig.
Fritz wurde im Krankenhaus genäht und hat jetzt seit 2 Wochen das Haus abends nicht verlassen. Wir sind echt alle ziemlich geschockt gewesen und haben für die Zukunft Sicherheitsmäßig einige Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Ich hoffe sehr, dass es Fritz bald besser geht und, dass wir so etwas nicht noch einmal erleben müssen.
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So und dieser und andere Vorfälle ermöglichten uns eine Reiseplanung gleich NULL.
Wir landeten also ohne Ahnung auf San Christóbal, wo man uns 100$ Nationalparkgebühr abknöpfen wollte. Wir weigerten uns eindringlich diesen Touristenpreis zu zahlen, wuchtelten mit unseren Visas. Punkt punkt punkt. Reisepassversperrung, Besuche im Ministerium, ein Treffen mit einem Anwalt, dem Chef der Parque Organisation der Inseln und 9 Tage später, zahlten wir zerknirscht, was uns befohlen wurde. Schade, dass ein Teil Ecuador, freiwillig Arbeitende Jugendliche nicht wenigstens um einige Dollar erleichtern kann.
Nun, aber die eigentliche Zusammenfassung unserer ersten Tage auf San Christóbal, der wohl für Surfer und Taucher am Meisten geeignete Insel.
Wir verbrachten den ersten vollen Tag an zwei nahegelegenen Stränden, die mit dem Auto zu erreichen waren. La Loberia und Las Tijetas.
Bei La Loberia schnorchelten wir doch tatsächlich mit unglaublich vielen zutraulichen Seelöwen und einem Übermaß an bunten Fischschwärmen, dazu das Wasser türkisklar und im Hintergrund die Surfer am Trainieren. Was für ein toller Beginn der Reise.
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Am Nachmittag ging es an den südlichen Strand Las Tijetas. Maxi und ich haben einen Adlerrochen gesehen. Alter Schwede war der groß. Kann einem echt Respekt einjagen einige Zentimeter über so einem Meergespenst zu liegen. Nur ständig diese Leguane. Muss überhaupt nicht sein finde ich.
An Land – ok. Im Wasser? Nein!
Gut, da muss ich wohl durch, während sich der Rest der Crew ein Lächeln über meine Phobie verkneift.
Aber der Sonnenuntergang hat dann ganz schnell alles wieder gut gemacht! Es ist wirklich ein Traum, für so wenig Geld und Zeit an diesem Ziel angekommen zu sein.P1010774_1     P1010780_1

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Nächster Halt war auch schon Santa Cruz. Die am meisten bewohnte Insel, mit dem Hauptflughafen und dem anderen Projekt von Musiker ohne Grenzen.
Boot fahren war spannender als gedacht, ich war froh irgendwann einschlafen zu können die 2 Stunden hätte man tatsächlich angenehmer als mit Schwimmwesten und fremden Gringos verbringen können.
Wir wurden aber umso freundlicher von unseren Partnern begrüßt und es wurde sogar Platz in ihrer Freiwilligen WG geräumt. Johnny ist leider zu der Zeit in Guayaquil gewesen und auch die Anderen vom Seminar waren schon nicht mehr anzutreffen, aber Johanna, mit der ich lustiger Weise in der Stufe war und Ella, eine Freundin von Johnny haben uns sehr gastfreundlich gleich ihre Insel vorgeführt.
Der Ausflug des Nachmittags war die Charles Darwin Foundation, in der Landschildkröten betreut werden. Die Eier werden eingesammelt und die Schildkröten werden dort aufgezogen, nach Lebensjahren sortiert.
Sie bekommen Inselspezifisches Essen und sind dank Spendengelder 6 Jahre dort großzuziehen, bis sie wieder an ihren Geburtsort ausgesetzt werden.
Ja und dann gibt es da noch diese gelben Langleguane. Ich sage dazu herzlich wenig.
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Am Abend wurde groß mit den ecuadorianischen Freunden aufgekocht. Einer bringt Fisch mit, der andere Früchte, wir kaufen Gemüse. Der Lebensstandart der Einheimischen dort ist doch höher. Sie reden aber auch alle sehr positiv über die vielen Touristen die ihre Inseln besuchen. Gut viele Arbeitsplätze, aber ist das nicht auch super nervig? Offensichtlich noch nicht.
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Am nächsten Tag planen wir nach dem Aufstehen, der Mittagshitze in den Lavatunneln zu entgehen. Heiß geflossene Lavaströme des Vulkans im Hochland sind von außen fest geworden, im Inneren jedoch weitergeflossen. So entstanden Tunnel, die man heute belaufen kann. In 15 Minuten ist man allerdings durch.
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Nach dem Mittagessen liefen wir 30 Minuten Nationalpark ab, um an den Schildkrötenstrand „Tortuga Bay“ zu gelangen. Aber wie sich dieser Weg gelohnt hat. Dreifarbiges Wasser, weißer Strand, kostenlose Surfbretter.
Wir sind glücklich auf unseren Longboards aufgestanden und bis zur Sandbank gesurft. Was stellen wir uns nur immer so an in Playas, wir könne ja doch surfen!
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P1010841_1Das war der Ausblick vom Nationalparkeingang.

Am nächsten Tag haben wir uns, gemeinsam mit Ella, auf die Insel Isabela schiffen lassen.
Die Insel besteht aus 6 bzw 7 Vulkanen, die das Festland wie ein Seepferdchen erscheinen lassen.
Deswegen haben wir auch beschlossen auf dieser Insel unsere erste geführte Tour zu machen. Einen Aufstieg auf den Vulkan „Sierra Negra“ und „Volcan Chico“. Die Tour began angenehmerweise um 7.00 Uhr morgens, sodass man zur Mittagshitze wenigstens Höhenwind um die Nase hatte. Der Ausblick war beeidruckend, ich hoffe die Fotos können einen Teil wiedergeben!
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Aus Zeitmangel fuhren wir noch am Tag der Tour erschöpft zurück nach Santa Cruz.
Auf dem Plan standen die „Grietas“. Eine Schlucht mit glasklarem Wasser zum Schnorcheln, Schwimmen und Springen.
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Und schon ruft die Bootsfahrt nach San Christobal, die Insel unseres Flughafens. Langsam haben wir uns an die wakligen Boote gewöhnt und mit den Schwimmwestchen angefreundet. Auf ins letzte Abenteuer!

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Auf der Überfahrt habe ich Roland aus Dresden kennengelernt und bei kurzem Smalltalk ist herausgekommen, dass wir beide den gleichen Tauchschein, sowie die gleiche Tauchpause von 2 Jahren hatten. Das hat die ganze Aktion erheblich erleichtert, da wir zusammen Angebote abgewägt haben und uns letztendlich für einen Guide entschieden hatten, der gleichzeitig noch für die Anderen einen Schnorchelausflug an der selben Location organisierte.

DSC00649_1Nach einem kleinen Check-Dive am Strand kamen wir mit unserem Boot am Kicker Rock an, auch genannt Leon Dormido. Ein beeindruckender Fels mitten im Pazifik, der einen 10m breiten Spalt besitzt. Ideal für alle Fischschwärme, denn es gibt Korallen mitten im Meer. Und da wo Fischlis sind, sind ja auch bekanntlich größere Fische, die die kleinen fressen.
Gleich im ersten Tauchgang sah ich nach 2 Minuten eine friedliche Schildkröte neben mir herdümpeln. Wirklich absolut faszinierende Tiere. Irgendwie unbeholfen, aber auch sehr elegant. DSC00670_1             DSC00657_1
So und jetzt kommen wir zu den Tieren, die die besagten kleinen Fische essen. Haie.
Nicht erschrecken, sie essen ja bekanntlich Fische. Der Ein oder Andere 2m Lappen hat mir aber doch hin und wieder Respekt eingejagt.
Der zweite Tauchgang eine Stunde später war dank Strömung etwas anstrengender und auch die Unterwasserwelt war wie weggeblasen. Trotzdem haben wir gerade noch die Hinterflosse eines Hammerhai entdeckt, zwischen Fischschwärmen in imensem Ausmaß und Schildkröten, Babyhaien und Seespferdchen.
Die Bilder können sich sehen lassen, auch wenn unser Guide schon von 30m Sicht, statt 8 geredetet hat und am nächsten Tag stolz mit dem Video eines Walhai angab. Egal – hat sich echt gelohnt!
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An unserem letzten Tag auf San Christobal und damit auch auf den Galapagos Inseln haben wir noch eine kleine Tour gemacht. Den Vulkan im Hochland hochspaziert und den schönsten Strand der Insel mit Blaufußtölpeln abgehakt.
Blaufußtölpel gab es tatsächlich und Seelöwen natürlich auch wieder. Und da kamen wir auf die Idee, den Seelöwen mal so eine Eigenschaft nachzumachen. Schließlich haben wir uns nach all den Tagen mit ihnen schon so einiges abgeguckt.
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Und in unseren allerletzen Stunden im Paradis um 8 Uhr morgens haben wir es doch tatsächlich noch gebacken gekriegt mit einer Schildkrötengroßfamilie zu schwimmen. Babys, Mamas, riesige Papas, die ganze Bucht voller wunderschöner Meereskreaturen. Was will man mehr, bevor man ins Flugzeug steigt und sich seinem Zuhause wieder nähert. Auch wenn wir bestückt von Bildern und Andenken sind, Playas bleibt irgendwie doch unser eigentliches Paradis.

2 Gedanken zu „kleiner Urlaub großes Ziel

  1. Hallo Paula,

    das war ja fast eine Reise in die Vergangenheit und ich hab dich sehr beneidet!
    Vielen Dank für deine schönen Berichte und ich wünsche dir noch eine Schöne Zeit in Ecuador und freu mich wenn du wieder da bist.

    ganz viele liebe Grüße von deiner Ulrike
    (Fabian ist jetzt schon auf seinem Amerika Road trip unterwegs.Urlaub auf ganz andere Art !mal sehen was die so erleben!)

  2. Hallo Paula, das sind ja aufregende Erlebnisse. Unter dem jetzt blühemden Kirschbaum freue ich mich über weitere Erzählungen. Gerne auch auf dem Weg zum Walnussbaum. Hier gibt es keine kruseligen Tiere, frische Beeren. Noch eine gute Zeit. Dein Ul

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