Neujahrsvorsätze und anderer Schnickschnack

Während ich mittlerweile jeden Tag aufwache mit dem Gedanken: „Warum ist es eigentlich derartig heiß?“, grüße ich das verschneite Deutschland fast mit Würde an diesem Morgen.
Vielen Dank an dieser Stelle für all die netten Rückmeldungen für meine – wie nenn ich es am Besten? Vielleicht – Zusammenfassungen auf unsachlicher Ebene.
In diesem Sinne, weiter geht’s!

Der nächste große Programmpunkt nach Weihnachten war unser Jazz Konzert in einem brandneuen Hotel mit dem Namen Playa Paraiso, Übersetzung erklärt sich von selbst, das eine Jazz Combo für 4 Abende als Hintergrundmusik gebucht hatte. Kurzerhand bildeten wir demnach (teilweise ohne eine einzige Bluestonleiter-Erfahrung am Instrument) eine Jazzband. Zu meiner Enttäuschung, aber um die Organisation der Sache erheblich zu erleichtern, bildete die Mannschaft sich nur aus uns Deutschen und Doris, unserer Trompetenlehrerin aus Alaska.
Es ist doch wirklich schade, dass man sich am Ende einfach bei keinem Ecci sicher sein kann, dass er zu Proben, geschweigedenn zum Konzert zuverlässig erscheinen wird! An diese Geschichte muss ich mich noch gewöhnen, auch wenn ich es seit 5 Monaten vor mir herschiebe.
Gut, Proben waren schnell vereinbart – wer probt nicht gerne neben einem glasklaren Pool – und so traten wir mehr oder weniger zuversichtlich am 25.12 unseren ersten Gig direkt am Strand an.
Um die Konzerte zusammenzufassen, die sich bis zum 3.01 erstreckten, kann ich sagen, dass, wenn auch durch ständige technische Probleme (hallo Ecuador) erschwert, musikalisch ein großer Fortschritt zu beobachten war, wenn plötzlich die Soli an der Reihe waren und jeder nacheinander ordentlich jamen konnte. Yes we got this.
Ich meine Jazz auf der Geige ist so eine Sache für sich, da es in den meisten Originalen nicht zu erhaschen ist, dennoch habe ich versucht meinem Streichinstrument den nötigen Swingsound zu verpassen. Das Ergebnis – puh hat das eigentlich mal jemand gefilmt? Ich werde mich erkundigen.

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Wir verdienten also einmalige 800$ für unsere Musikschulkasse und können stolz verkünden uns somit erstmal unabhängig von deutschen Spenden gemacht zu haben. Es stehen jedoch auch schon die ersten Reparaturen der Schülerinstrumente an. Akkordeontasten, die klemmen, eine Trompete, die fehlt, weil sie mysteriöser Weise auf dem Transport aus dem Guasmo über einen Freund in Playas verschwunden ist, Kabel die uns unabhängiger machen würden, Saxophonblättchen, ach was man eben so zu bemängeln hat als Instrumentallehrer. An dieser Stelle. Wir brauchen wirklich dringend eine Trompete, falls sich dort draußen ein Kontakt befinden, der ein Spendeninstrument besitzt oder zu vermitteln hat, wäre das großartig!

Jetzt hüpfe ich vor oder auch zurück, wie auch immer, zum 31.12, auch als Silvesternacht bekannt. Um mal vorwegzunehmen und Spannung abzubauen, es war ein toller Abend und bestimmt eines der schönsten Silvester meiner Feuerwerkbetrachter-Karriere.
Zuerst wurden in meinem Barrio mit Moderation, ach wie schön und laut das immer ist, Pappmascheefiguren angezündet. Symbolisch standen diese Monigotes für das alte Jahr, das jetzt pasé ist und aus der Asche wird das Neue in all seiner Schönheit wachsen.
Nach diesem netten, gemeinschaftlichen Nachbarschaftsevent ging es ins Haus zurück in dem sich meine Gastschwester und meine Gastmama an meiner Frisur und meinem Make-Up verkünstelt haben. Da ich darum normalerweise eher dezent Bögen schlage, sah ich auch dementsprechend komplett anders aus, als wir ins Zentrum fuhren. Egal, man feiert eben nur einmal Silvester in Ecuador und das mit dem Anpassen ist eben so eine Sache.

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Im Zentrum war der größte Auflauf, den ich bisher erlebt habe. An der Malecón spielte eine Band Livemusik und alle tanzten auf der Straße, am Strand gab es das offizielle Monigotenfeuer und um zwölf natürlich ordentlich Feuerwerk. Das hat mich allerdings am wenigsten beeindruckt, seit ich hier fast jeden Tag irgendwo ein kleines Feuerwerk entdecke, gerne auch mal mitten am Tag, in den blauen Himmel hinein, einfach nur des herrlichen Krachs wegen.
Jedenfalls wurden dann traditionell 12 Trauben zu 12 Wünschen gegessen, und um 1 hat meine Familie dann auch schon wieder der Schlafschalter angeknipst. Ich bin allerdings im Zentrum geblieben und habe nicht nur die anderen Freiwilligen getroffen und ihnen überschwänglich frohe neue Jahre gewünscht, sondern auch so ziemlich jeden anderen Bekannten, den wir in Playas haben. Surfer, Schüler, Gastgeschwister, Tiendaverkäufer, eben jeder war im Zentrum tanzen und sich dem mittleren Alkoholgelage hingeben.

genau das wollte ich auch sagen

genau das wollte ich auch sagen.

Ich werde die Gesetzhandhabung in Ecuador nie verstehen, aber trotz allem wurde wie immer um 4.00 Uhr der Club geräumt von der Ortspolizei und die gesammelte Mannschaft verlagerte sich in verschiedene Gehäuse. Houssepartys, das Livekonzert an der Malecón, den Strand, jedem wie es passte.
Ich für meinen Teil tanzte zu ABBA auf der Straße, während auf der Bühne 4 Jungs mit Perücke und epochentypischem Kostüm ihre Choreografie zum Besten gaben.
Pablo konnte sich dafür weniger ausdauernd begeistern, da schlägt das Reaggatonherz zu laut und so spazierten wir zum Strand um dort der ersten zweitausendfünfzehn Sonne beim Aufgehen und gute Vorsätze verbreiten zuzusehen.

So genau darauf wollte ich doch hinaus, was für ein herrlicher Bogen.
Zu den 12 Trauben habe ich natürlich auch 12 Vorsätze für dieses Jahr und einige davon beziehen sich auf Ola Sinfonica, die Musikschule, mit der es nach den 10 Tagen Ferien, wieder losgeht.
Allgemein müssen wir dringend eine festere Deutschen-Ecci Beziehung aufbauen. Sie sind schließlich die, die bleiben und die Musikschule in Teilen doch eigentlich übernehmen sollten. Wir planen wieder regelmäßige Reunións, um die Vision zu bearbeiten und vertiefen. Ein Überblick über „was-haben-wir-was-wollen-wir-wie-ändern-wir“ ist fällig in diesem Jahr.
Ich habe eh schon seit ich hier bin das Gefühl, stets viel weniger zu erreichen und musikalisch zu erleben als die Voluntarios letztes Jahr. Wir düdeln so vor uns hin, keiner konnte von Anfang an spanisch, keiner ist älter als 19 (zumindest zu Beginn) und wir sind alle zur gleichen Zeit in dieses so ganz andere Wasser geworfen worden.
Das muss sich ändern! Vorsatz eins.
Vorsatz zwei. Ich will wieder einen funktionierenden und eingehaltenen Stundenplan. Ich werde meine Lücken mit Klavierschülern auffüllen, davon gibt es wie Guayaquilaner am Wochenende zur Hauptsession am Strand.
Und den Stundenplan mache ich erst mit Bleistift, teste 2 Wochen die Zuverlässigkeit des Schülers und trage dann mit Kugelschreiber die Chicos ein, auf die ich mich erstmal verlassen kann, zeitlich und motivationsmäßig.
Ich weiß, die Eccis sind es gewohnt, dass es unstrukturiert läuft und man passt sich ja nur zu gerne an, aber mich persönlich stresst das viel zu sehr, so wie es die letzten Wochen bei mir ablief. Langfristig gesehen bleibt mein Kopf wohl deutsch, auch wenn ich laut Freunden schon viel besser Hüften schwingen kann, à la Latina. Na gut. Anderes Thema.
Dritter Vorsatz, so etwas wie Buch führen über die Musikschule. Chroniken.
Konzerte notieren, mit Bemerkung, Schulen in denen wir unterrichten vermerken, Events auf denen wir gespielt haben mit Kontakt.
Ich würde so gerne mehr über das letzte Jahr hier wissen, aber da krame ich immer erstmal ewig in den Blogs der Engagierten rum, bis ich wieder etwas entdecke.
Letzter musikalischer Vorsatz, Nummer vier: Die Raumsituation mit dem Municipio klären. Es kam das Gerücht auf, dass es einen guten Grund hat, warum uns im Moment nur 1,3 Räume zur Verfügung stehen. Das Rathaus sagt, pro Organisation im Centro Intercultural ein Raum. Bastelgruppe ein Raum, Blindenverein ein Raum, Malkurs ein Raum, Tanzkurse Bühne, bzw. auch gern mal den Hof ebenfalls, Ivan ein Raum mit seiner Gitarren-Gesang-Gruppe täglich.
Ja alles schön und gut, nur sind wir als Organisation leider eine Musikschule, kein Einzelzwergverein. Wir brauchen mit 6 Instrumentallehrern leider mind. 4 Räume. Wie soll ich denn zwischen Schlagzeug und Saxophon noch die quietschenden Geigentöne genießen, geschweigedessen Aylin ihre Klavierkinder hören ohne Verstärker.
Das Isabel zu erklären ist müßig, wir haben es bereits in stündlichen Reuinóns probiert. Das Municipio, also das Rathaus hier, macht da ganz klar einen Strich durch die Rechnung bisher.
Ich habe schon überelgt, ob man uns aufteilt. Ein Teil unterrichtet vormittags, einer nachmittags. Dann bräuchten wir zumindest nur noch 3 Lokalitäten. Was aber schade ist, weil Gruppeninteraktionen erschwert werden und auch wir eigentlich zusammen bleiben wollen.
Und wenn wir dann wenigsten mal klipp und klar erfahren würden, wann wer irgendwo mit Verstärker im Hof rumtanzt, wann irgendwelche Impfaktionen in unserem Raum stattfinden und wann das Casique grundlos verschlossen ist und dummerweise mit Schülern vor verschlossner Tür gestanden wird, denen wir vorher ordentlich Druck gemacht haben, zuverlässig zum Unterricht zu erscheinen. Ähm peinlich?
Gut, wir bleiben auf jeden Fall dran, denn so geht es gerade irgendwie weniger als genug.

Dafür läuft sonst alles ziemlich gemütlich ab, wenn nicht gerade Wochenende ist und Playas von Touris aus Guayaquil gesprengt wird. Ohne Witz, nicht nur, dass Playas den ganzen Aufruhr Strom- und Wassertechnisch nicht aushält (lustig bei der Hitze unter der Dusche zu stehen um dann mierda zu sagen und sich wieder in die feuchten Sachen zu quetschen), sondern auch dass man sich am Strand fühlt wie in Italien im August. Man erblickt keinen Sand und weniger Meer vor lauter Menschen. Nicht schön.
Nun gut, dafür trösten wir uns mit Aktionen, wie unseren EINEN Raum im Centro Intercultural zu streichen, am Strand reiten zu gehen, Filmabende zu realisieren und von Schatten zu Schatten und Eis zu Eis zu spazieren.

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Ich sage euch, es ist so schön aufzustehen und zu wissen, dass man nirgendwo jetzt lieber wäre, als da wo man Reis und Fischsuppe zum Frühstück löffelt. Im Paradis. In meinem Zuhause. In Playas.
Und in diesem Sinne alles Liebe, eure Paula

2 Gedanken zu „Neujahrsvorsätze und anderer Schnickschnack

  1. Hallo Paula!

    Dir auch alles Gute zum Neuen Jahr!
    Schön zu hören, dass es dir so gut geht, hoffen aber natürlich trotzdem , dass du irgendwann auch wieder gern zurückkommst!
    Hier liegt eh kaum Schnee, du versäumst also nichts!
    Fabian weilt gerade mit Bene in Kanada 4 Tage Skifahren!Die Wahnsinnigen!!

    Weiter viel Spass und Erfolg !!
    LG Grüße Ulrike

  2. Hallo Paula, dir ein tolles 2015 mit noch spannenden Monaten in Ecuador. Übermorgen fängt nun auch bei uns in Hessen die Schule und die Arbeit wieder an. Heute sind’s hier auch über 10 Grad – okay, der Strand und das Meer fehlen… Dafür hatten wir tatsächlich Schnee im Erzgebirge und wir konnten Skifahren. Marlis überholt mich auf der Piste jetzt auch gerne mal…
    Dir weiter eine gutenZeit, liebe Grüße von den drei Brexners.

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