Mein Weihnachten in Ecuador

1.12. Es wartet eine Keksdose aus bekanntem Haushalt auf mich.
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Ich habe einen Adventskalender! Ein ungewohnt sentimentaler Moment überrollt mich und mir kommen Tränen beim Anblick auf die handgefüllten Säckchen. Das wird also meine Weihnachtszeit ganz weit weg von Zuhause.

5.12. Wir machen einen Abendspaziergang. Ich stelle so gerne fest, im Paradis zu leben.

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12.12 Weihnachtspräsentation in einer Schule, außerhalb Playas. Wir sollen dadurch Werbung bei den Kindern machen, damit diese zu uns in die Musikschule kommen. Der Direktor hat uns eingeladen, und unterstützt uns unglaublich aus Begeisterung von dem Projekt. Er und seine Kinder sind quasi jeden Tag im Casique.
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Abends ist in Playas im Stadtzentrum die große Weihnachtsbaumerleuchtung. Wir spielen mit Doris Weihnachtslieder in Bandbesetzung auf und ab.

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Bis der mit Abstand hässlichste Weihnachtsbaum, den ich je gesehen habe. Ein Drahtgestell wurde mit Rollrasen und blickenden Neonstangen umwickelt.
Nach dieser Enthüllung haben wir uns schnell aus dem Staub gemacht.

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14.12. Weihnachtsplätzchen müssen sein. Ich kaufe die Zutaten ein und bestelle mir meinen Gastbruder in die Küche. Wir machen jetzt deutsche Kekse, die man dort zu Weihnachten isst. (In Ecuador hält sich das Selbstmachen, bis auf das alltägliche Kochen sehr in Grenzen.)
Komischerweise fand sich Isaak zu gut erzogen, den Teig mit den Händen kneten wollte er nicht, aber ich liebe den Spaß sowieso immer noch.
Das mit den Brezeln formen hat er dafür richtig schnell rausgehabt und so entstehen in Windeseile 3 Bleche Brezeln. Ich darf sie nicht Schokoladenbrezeln nennen, aber Kakaobrezeln ist ok.
Die Kekse kamen sehr gut an! Vor allem bei meiner Gastschwester, die nur zugesehen hat.

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17.12. Ich bekomme nicht genug Weihnachtsgefühle zwischen all dem Gesurfe und Geschwitze. Ich schnappe mir meine Geschwister und zwinge ihnen eine nächste Tradition aus dem Hause Zimmer auf. Es gibt Bratäpfel mit Vanilleeis.

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19.12 Ich war so aufgeregt! Unser erster Konzert von der Musikschule.
Es war nicht viel Zeit, seit wir von der Reise zurückkamen und trotzdem mussten wir vor unseren Herzen dieses Weihnachtskonzert über die Bühne bringen.
Geprobt wurde bis zur allerletzen Sekunde und geklappt hat einiges erst im Nachheinein. Aber es war unser Konzert! Unser Spiegel dessen, weswegen wir hier sind.
Es haben zwei Geigenduos von mir gespielt, eine Percussiongruppe, Saxophonkonstellationen von Jule, Klavierstückchen von Aylins Kindern, ein Ensemble aus Gitarre, Gesang, Blockflöte, Altflöte und Tenorflöte und unsere Band am Ende.
Und als die Scheinwerfer ausgeknipst waren, war da dieses Lächeln auf meinem Gesicht und das Gefühl von Erfüllung. Stolz. Erleichterung. Erschöpfung. Und Motivation für das nächste Konzert.

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21.12 Wir werden von den zwei Saxofonjungs oben zum Essen in Engabao eingeladen. Es begrüßte uns ein Sonnenuntergang, der einen kurzzeitig wieder vom Datum ablenkte. Der 21. Dezember. Mit diesen Worten kann man plötzlich gar nichts mehr anfangen.

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Nach Toastbrot mit Käse und gegrillten Würstchen am Strandlagerfeuer, schläft der eine Teil direkt unter dem Sternenhimmel meines Lebens im Sand. Zitat Maxi: „Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, ob ich die Augen zumachen oder auflassen soll.“

Der andere Teil schaffte es trotz Sternfaszination noch in das Baywatchhäuschen mit Decken und ganz vielen Sandkörnern. Der Sonnenaufgang verlockte mich gerade dazu, euch eine Nachricht zu hinterlassen.

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23.12 Presentation Navidad in der Grundschule, in die wir in Projektgruppen zweimal wöchentlich vormittags gehen. Die Flötengruppe spielt Stille Nacht, die Gesanggruppe performed Jingle Bells, die Trommeljungs verausgaben sich trotz 33 °C und die Trompeten mit Doris und Fritz machen den krönenden Abschluss mit Jingle Bells Rock. Danach mit viel zu viel heißer Schokolade und Sandwiches im Magen, die Klassenperformance bewerten. Wir haben Kärtchen von 1 – 3 und entscheiden uns für die motiviertesten und textsichersten Kinder. Ein bisschen wie bei DSDS oder so einer Show, die ich nie gucke, aber da gibt es doch so was auch oder?

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Trotz all dem „ein-Tag-vor-Weihnachten-Stress“ (ja es gibt ihn auch hier) treffen wir uns am Strand und machen Fotos für die allgemeine Deutschlandgesellschaft. Man ist schließlich nicht oft einen Tag vor Weihnachten am Strand und trinkt aus einer Kokosnuss. Man muss wissen, was man schätzen kann und soll. Und plötzlich hatte ich ein klitzekleines Weihnachtsgefühl. Vielleicht ist es doch egal wo man den Tag verbringt, im Herzen feiert man Weihnachten ja doch zusammen.
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Und zur Feier des Datums bringt jeder seine Schätze von zuhause mit und wir feiern Weihnachten mit geschlossenen Augen. Lebkuchen, Spekulatius, Butterplätzchen, Vanillekipferl und Dominosteine. Ach so schlecht geht es uns gar nicht, stellen wir immer wieder fest.

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24.12. Heiligabend nennt man ihn. Zu deutscher Bescherungszeit öffne ich meine Geschenke von Zuhause mit Weihnachtsoratorium und Kerzchen in meinem Zimmer. Da ich mir nicht sicher war, ob man sich überhaupt was schenkt, wollte ich meiner Gastfamilie nicht meine Päckchen vorführen. Ich habe mich unglaublich gefreut, allein über das Zimmerische Geschenkpapier! Der Abend allerdings fing dann mit krankwerden an. Mir war plötzlich total übel und ich habe mich übergeben. Mit Bauchschmerzen und Schwindel lege ich mich ins Bett. Und da blieb ich bis zum Morgen auch. Ich weiß nicht was los war und bin unendlich traurig nicht zu wissen, wie Weihnachten hier abläuft. Was ich weiß ist, dass es Truthahn gab, laute Musik und alle lang wach waren. Ich weiß nicht, ob sie sich was geschenkt haben, aber ich habe meine Kleinigkeiten für die Familie heute morgen einfach unter den Baum gelegt.
Da muss ich wohl nochmal zurückkehren, um den 24.12 im Original zu erleben. Aber bis es soweit ist, genieße ich einfach Silvester hier doppelt.

Weihnachtlich geschwächte Grüße und Küsse, Paula

 

 

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