Fünf Gestalten schlagen sich durch den Dschungel

Yorck und ich wollten in seinem zweiten Monat auf Reisen natürlich auch noch Ecuador erkunden. Und weil die anderen Voluntarios bisher noch genauso wenig wie ich vom Land gesehen hatten, haben wir beschlossen uns zu fünft durch den Dschungel zu schlagen.

Unser erster Halt war Baños, eine Stadt (na gut ein Dorf) in der Sierra, im mittleren Streifen Ecuadors. Sie grenzt teilweise schon an den Oriente, den „Dschungel“ Ecuadors und liegt im Tal von hohen Bergen und Vulkanen. Der erste Eindruck war wiedermal sehr dunkel. Bisher haben wir es noch nie geschafft, wie vorher geplant, im Hellen anzukommen. Also tasten wir uns im Laternenlicht durch die Straßen auf der Suche nach einem Hostel. Und dabei gibt es, seit unserer ersten Reise, nur einen Satz loszuwerden: „Es que, somos voluntarios en ecuador no tenemos mucho dinero“ (wir haben kein Geld.)
Als Yorck langsam ungeduldig wurde, hielt er uns in einem Hostel fest mit dem Versprechen, am Abend die Shisha des arabischen Hostels zu zahlen, wenn wir uns jetzt endlich entscheiden. Die Masche hat gezogen und so verbrachten wir eine sehr gemütliche Nacht im Verkehrsknotenpunkt der Sierra. Zum Frühstück gab es den unfassbaren Blick aus dem Fenster (direkt neben einem riesigen Wasserfall war das Hostel gelegen) und wahlweise Pancake oder Müsli mit frischen Früchten.
Am nächsten Tag stand eine Wanderung auf dem Programm. Ziel war das Casa del arbol. Ein kleines Baumhaus mit Schaukel, auf der man zwischen dem Vulkantal hin- und herschwingen kann. Die Wanderung mit unerwarteten Steigungen, Matschquellen und einer Kuh mitten auf dem Pfad zog sich doch länger als geplant und so kamen wir nach 4 Stunden an dem Baumhaus an. (1$ ärmer für die einzige Touristenattraktion Baños‘)
Das Setting war viel unspektakulärer als erwartet. Aber tatsächlich auch wir schafften es die Fotos dementsprechend aufzunehmen, sodass die typisch romantischen Bildchen auf der Kamera gespeichert wurden.
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Nach einem Teller Spaghetti mit Gemüse in Frischkäsesoße ging es in die dortgelegenen Thermalquellen. Die Harten unter uns haben das kochendheiß-eiskalt-lauwarm-heiß-kalt-Programm durchgezogen, ich für meinen Teil düdelte gemütlich im Badewannentemperaturbecken unter dem Sternenhimmel vor mich hin.

Doch am nächsten Tag sollte die Action rufen. Wasserfälle herabseilen – Canoying heißt der Spaß. Jule mussten wir leider mit Kopfschmerzen im Hostel zurücklassen, aber der Rest wurde vom Weihwasser des Berges gesegnet, ist Wasserfälle herabgesprungen und wurde in Naturquellen getunkt. Jule haben wir später mit Bildern versorgt, genauso wie ich das jetzt bei euch machen werde.

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Nachdem wir glücklich aus dem nassen Neopren schlüpften und uns um die heiße Dusche gestritten haben wurden die Rucksackinhalte wieder auf ein Minimum gefaltet und verstaut, um mal wieder im Dunkeln Tena zu erreichen. Tena ein Dorf weiter nördlich und östlich im Dschungel gelegen. Das und die Information Malariagebiet Stufe „rot“. Mehr Hausaufgaben wurden mal wieder nicht gemacht, abgelenkt durch die qualtitativ hochwertigen Filmkunstwerke, die auf den Fahrten ausgestrahlt werden und denen man sich durch die Lautstärke und die aufdringlich hell eingestellten Bildschirme unterwerfen muss. (selbstverständlich zu jeder Tageszeit alle Faktoren gleichzeitig. Denn wer zieht schlafen der „300“ vor?)

Schlaftrunken in Tena ausgespuckt fühle ich mich wie in Hellabrunn im Tropenzelt. Jacke ausziehen, Mückenspray raus und durch die warme, feuchte Luft waten. Gleich am Terminal wurden wir von einem ca. 50 jährigen Mann empfangen, der uns versprach uns zu einem tollen Hostel zu bringen für 5$ die Nacht. Er sei außerdem Touristenführer für Dschungeltouren. Wir folgten dem Herrn in die wohl spährlichste Unterkunft, der ich je begegnet bin. Zimmer mit Bett, kalte Gemeinschaftsdusche über der Kloschüssel fertig. Dank der Luftfeuchtigkeit durfte uns der Besitzer als seine Kunden aufnehmen und knüpfte uns freudig das (zu viele) Geld ab. Unter einer wackligen Moskitonetzkonstruktion widmeten wir uns dem Schlaf. Das Gefühl schon vor dem schlafen zu kleben wie eine Moskitofalle war nicht das angenehmste. Das am nächsten Morgen aber schlimmer. Die kalte Dusche war absolut notwendig, denn schon ab halb acht knallte sie Sonne auf Tena hinunter.

Der nächste Teil unseres Tena Abenteuers begann mit der Aussage Yorcks, er fühle sich durch die Hitze nicht so wohl und würde gern (im bereits neuarrangierten 5$ Hostel) etwas schlafen, während wir uns um die Organisation der Dschungeltour kümmern. Als wir jedoch zurückkehrten mit der freudigen Information, dass der Mann von gestern, Gabriel, uns eine ideale Tour zusammengebastelt hat, zu einem Freundschaftspreis, weil er schon andere Musiker ohne Grenzen zu Besuch hatte, war Yorck bereits ein Häufchen Elend. Das Fieberthermometer untermalte diese Beschreibung recht eindrücklich mit geschmeidigen 39° C. Das fand ich für meinen Teil in einer roten Malariazone gar nicht unbedingt harmlos und so packte ich den dahinvegetierenden Sonnenverfechter im Taxi zum Dorfkrankenhaus. (Dass es auch eine Privatklinik gegeben hätte erfuhr ich leider erst zu spät)

Nach unfassbar langem Befragen der Person und des genauen Aufenthaltsziel des Patienten haben sie es tatsächlich geschafft ein Bettchen im Gang aufzubauen, auf das der im Delirium schwebende Yorck verfrachtet wurde. Als er an der Infusion hing und schon wieder angefangen hat Klassiker wie „es gibt keinen Schmerz“ „die Sekunden ticken gnadenlos weiter“ und „äh – was??“ preiszugeben war ich schon wieder fast beruhigt. Und als das Fieber bei ihm schon bei 36.6° C war, begann ich langsam mich meinen Kopfschmerzen zu widmen. Ich hab mich schon die ganze Zeit etwas neben der Spur gefühlt, dachte aber an einen Sonnenstich, den ich so bald Yorck gehen kann, mit Schlaf und Wasser heilen werde. Das Ganze wurde zu einer größeren Aktion als ein vorbeirauschender Arzt 40.2° C gemessen hat. Diese Temperatur zu behandeln hielt er allerdings nicht für weiter notwenig und ließ mich mit der Information stehen, um sich der anhumpelnden Fleischwunde neben mir zu widmen.
Eine andere Krankenschwester schlug mir vor einfach mal zu duschen. Und zwar 20 Minuten. Kalt. Nachdem ich die Schocktherapie über mich ergehen gelassen hatte, fragte ich wieder den nächstbesten Arzt, was ich denn jetzt tun könnte. „Ach 40° C Fieber hm. ja du kannst dich da hinten hinlegen wenn du willst.“ Und so versuchte ich auf einem anderen Klappbettchen im Gang, neben dem schlafenden Yorck, auf die anderen Voluntarios zu warten. Aufgewacht bin ich von den Worten: „ach du scheiße wie sieht die denn aus?“ „Paula sag mal hast du schon was bekommen gegen dein Fieber?“ „Alter du zitterst während den Kopf einfach nur glüht, so fertig hab ich dich noch nie gesehen“
Ich konnte nicht mal antworten. Sophia hat einem Mensch im Kittel mal ein Ibuprofen abzwacken können. Dann habe ich wieder geschlafen. Viel weiß ich auch gar nicht mehr. Nur dass ich nochmal geweckt wurde um zwei weitere Ibuprofen zu schlucken. Dass zwischen den Tabletten nur eine halbe Stunde lag hab ich deswegen auch nicht mitbekommen.
Kurzum ich lag auf dem Bett etwas länger als der Rest der Krankenhausbevölkerung und immer wieder kam ein anderer Arzt oder wahlweise auch nur Mensch mit grünem Kittel ohne Plan an, um mir Befehle zu erteilen. „Setz dich aufrecht, ich klopfe dir jetzt auf den Rücken. – tut das weh?“ „Nein mein Kopf tut weh!“ „Achso. Dann nimm mal eine Ibuprofen“ „hab ich doch schon.“ „Nein hier liegt gar keine Packung rum, ich hol mal eine Tablette für dich.“ „Nein ich hab schon 3 genommen heute.“ „hm. ja dann nicht.“
Eine Stunde später standen 10 grüne Kittel um mein Bett und jeder durfte beliebig lange und fest in meinen Bauch drücken. „tut das weh?“ Dass ich vor Schmerzen gewimmert habe, schien sie gar nicht so zu beeindrucken. Die Diagnose gab es übrigens erst einen Tag später weil Jule die Blutbilder abfotografiert hatte und meiner Tante nach Deutschland geschickt hatte. Harnwegsinfektion nie gehört. Eine Nacht später (damals waren Ärzte und Patient noch unwissend) wurde ich entlassen mit einer Packung Anitbiothikum gegen „alle Schmerzen, die du jetzt noch hast“. Bewacht wurde ich in dieser fiebrigen Infusionsnacht, die von 4 Blutproben und zwei Urinproben, 3 Fragebögen zu meiner Beschäftigung in Ecuador, vielen Klogängen und mehreren Drucktesten an meinem Bauch unterbrochen wurde von den 3 besten Familienmitgliedern überhaupt, die sich mit 2 Stundenschichten die Nacht gemütlich machten. Das andere Versuchskaninchen Yorck wurde übrigens grundlos mitten in der Nacht aus dem Krankenhaus geworfen. „El tiene que irse.“
Ich weiß immer noch nicht genau, wo die Privatklinik ist, aber es sei jeden Reisenden wärmstens an Herz zu legen.
Nach einem weiteren Tag nur im Bett mit langsam, aber sicher sinkendem Fieber wurde ich abends von dem Rest der gesunden Mannschaft mit einem selbstgebrauten Antibiothikum aufgeweckt. Sie waren tagsüber mit Gabriel, der schnell ein Freund von uns geworden ist, das Herz am richtigen Fleck hat und auch noch mehrere Schlangen in Marmeladengläsern zuhause aufbewahrt, Guaven pflücken. Daraus haben sie eine Tradtionsmedizin gebrauht, mit der seit Jahrhunderten alle QuichuaIndianern in Atuny gesund werden. Ich musste mich davon hauptsächlich übergeben, aber das soll ja bekanntlich reinigen. Nächstes Bild. Damit ich für die Selvatour schnell fit werde, gibt es ein Rauchritual im Hostelzimmer. Ich sitze völlig schlapp auf einem Stühlchen neben meinem Bett, während vor mir ein kleines Feuer auf Steinen entflammt wird und Gabriel mich mit dem Rauch einreibt. Auch die Anderen müssen mir mit ihren T-Shirts den Rauch auf den Körper wedeln und so ergibt sich ein Bild von 4 halbnackten Gestalten, die mit ihren Oberteilen wedelnd beten, dass der verdächtige Rauchmelder im Zimmer nicht funktioniert. Als alle bösen Geister in meinem Körper geräuchert waren und damit wohl auch vertrieben, war ich zu müde um zuversichtlich meiner Besserung entgegen zu schauen.

Etwas angeschwächt, aber doch guten Mutes ging es dann in die Cabañas am nächsten Tag. Dort wohnt ein Teil Gabriels Familie, umgeben von Kakaobohnen, Bananenstauden, Mangobäumen und anderem Dschungelgemüse.
Während wir noch ausruhten, stapfte der Rest schon fröhlich in Gummistiefeln durch den Regenwald, durch natur-Capes und Hüten aus Blättern geschützt von den Schauern, die das Blätterdeck angriffen. Es wurde im Wasserfall geplatscht, an Lilianen geschwungen und Gabriel entdeckte die Funktion „Selfie“.
Und am Abend kam echtes Campingfeeling auf. In Schlafanzug, Gummistiefeln und Stirnlampe zum Zähneputzen watscheln, wer will da nicht „zurück ins Zeltlager!!“, Lulu?
Aber am nächsten Tag, pünktlich zur „selber-schokolade-zubereiten-Zeremonie“ begnügten Yorck und ich uns nicht mehr mit Fotos, sondern waren live dabei.
Kakaobohnen rösten, pellen, durch die Mühle drehen und mit Zimt in Milch aufkochen. Das beste Schokomousse wurde anschließend frisch auf die Bananen des Gartens gegossen. Und ich hab Schokofondue in Deutschland gefeiert. pff.
Danach ging es nach Misuhualli, einem Nachbarort. Bestehend aus 500 Einwohnern, darunter 387 Affen. Affe im Arm, auf dem Kopf, Affenkuss, Affentanz. Ich habe mich wieder gefühlt wie in Hellabrunn. Nachdem wir schnell zur allgemeinen Touristenattraktion geworden sind mit unserer Nummer, stiegen wir schnell in ein Bananenboot und fuhren ans andere Ufer. Das Indianerdorf, was uns dort angepriesen wurde hat leider eher abgeschreckt. Nach der Tanzvorführung, kam der unauffällig auffällige Satz „und hier verkaufen wir den Schmuck, den wir selbst herstellen, wenn ihr mal sehen wollt.“ Nachdem wir noch den heiligen, beeindruckenden Fels bestiegen haben, ergriffen wir mit hungrigem Magen die Flucht aus dem Dorf, des Stirnrunzelns.
Am Nachmittag ging es wieder in ein Boot. Wir glitten lautlos durch eine Lagune, an seltenen Vögeln, Affen und Schlangen vorbei und wurden beschmückt durch wandernde Schmetterlinge, die sich auf uns in der Sonne ausruhten und den Fahrtwind genossen.
Am Abend in den Cabañas wurde Fußball Deutschland-Ecuador revue passiert bis das Licht des Dschungels auch durch Handydisplays nicht mehr ersetzt werden konnte. Wir halfen beim Kochen und genossen mal wieder auf echten Bananensets zu essen. Kurz vor dem Einschlafen lief im Fernsehen (ja der Fernseher fehlt in keinem ecuadorianischen Haushalt, auch mitten in der Selva nicht!) ein Survivalfilm im Dschungel und die Hintergrundgeräusche waren quasi doppeltgemoppelt. Unglaubliche Stimmung bis wir gebührend im Bett den 1. Advent begrüßten und uns eine Packung Nürnberger Lebkuchen auf der Zunge zergehen ließen. Ja so feiert man den ersten Sonntag der Adventszeit auch nur einmal.
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Pünktlich zum ersten Sonnenstrahl standen wir auch schon wieder auf der Matte, Rucksäcke packen und ab in den nächsten Pick-up Richtung Fluss. Der letzte Tag der Tour versprach Tubing. In riesigen, schwarzen Ganzkörperreifen, die man aus der Wellenrutsche im Galaxy kennt ging es einige Stündchen flussabwärts in einem Amazonaskanal. Mein persönlicher Höhepunkt der Reise muss ich zugeben. Sich in einem Reifen umgeben von meterhohen Bäumen, Palmen und Lilianen treiben zu lassen und in der Mittagspause mit Würmern Fischlis zu angeln hat einfach was von ganzwoanderssein. Und als Sophia tatsächlich einen Handgroßen Fisch aus dem Wasser zog, war Jubeln angesagt. Und für Gabriel begann das echte Angeln. Mit diesem Fisch als Köder hieß es wolle er einen 1,5m langen Verwandten fangen. Wir ließen ihn träumen und basteln und verschlangen genüsslich von Mückenschwaden umgeben unseren Fisch-Take-away in Palmenblatt mit Salat und Eistee.
Einen Glücksschrei später hielt Gabriel tatsächlich etwas in den Armen, was entweder nach Vorschulkind oder nach Riesenfisch aussah. Ich hab es leider nicht über das Herz gebracht das noch atmende Tier hochzuheben, ich hätte euch gern von Gewichtschätzungen berichtet. Das Monster im Schlepptau traten wir im Nieselregen den letzten Part der Reifenfahrt an, an deren Ende wir im strömenden Regen, pitschnass vom Tagesausflug beladen mit 6 Reifen und einem Halbwal an der schlammigen Straße auf ein Taxi hofften, das Gnade mit den matschigen Gestalten walten lässt und uns zu einer warmen Dusche kutschiert. Ein krönender Abschluss, bevor es am nächsten Morgen nach Quito ging, dem letzten Halt unserer Reise und gleichzeitig der höchsten Hauptstadt der Welt.
Dank Yorcks alten Kumpel aus einer Sprachreise nach Amerika hatten wir den komfortabelsten Schlafplatz der Reise. Der Medizinstudent wohnt alleine in einem 3-Schlafzimmer Apartment und so hatten fünf erschöpfte Reisende ein Luxusbett, warme Dusche, gefließte Küche und Zugang zu einer Dachterasse mit Blick über das gesamte Bergdorf mit seinen 1,6 Mio Einwohnern.
Uns blieb aus Unterrichtstechnischen Gründen (daran zu denken allein war schon schwierig) nur ein Tag in Quito und so widmeten wir uns Vormittags gleich der historischen Altstadt. Durch Kirchen, Plätze, enge Gassen und einen Park kam beinahe europäischer Flair auf. Wenn da nicht die Hitze gewesen wäre, die natürlich auf 2.850 m leicht unerträglich werden kann. Trotzdem feierte Quito in dieser Woche wie verrückt, einen runden Geburtstag, seit der Gründung 1534 und so spielte auf dem mit Fahnen umrandeten Hauptplatz eine Blaskapelle, die bei Jule echte Heimatsgefühle wecken konnte.
Weiter gefeiert wurde in der Nacht, als wir uns (nach der köstlichen Nudelgemüseshrimpspfanne) auf das alte Flughafengelände bringen ließen, um am kostenlosen QUITONIA Festival teilzunehmen. Gerüchten zu Folge sollte dort ein berühmter Mann auftreten, dessen Namen ich, der Spannung wegen, noch nicht verraten möchte an dieser Stelle. Wir verloren jedoch Einlassmäßig relativ aprupt die Hoffnung als die Menge in „con“ und „sin“ Ticket eingeteilt wurde. So durften alle, die sich ein gratis Ticket geholt hatten eintreten und der Rest stand in einem undefinierbaren Haufen vor der Absperrung. Bis – Dank ecuadorianischer Struktur und Durchsetzungsvermögen, vor allem aber wahrscheinlich der Korruption wegen – auch der Haufen in einer Reihe durch die Polizeialle marschieren durfte. Und so kam es, dass 5 wahllos zusammengewürfelte Deutsche in Quito zusammen, vor dem ersten Wellenbrecher, unter Orion und großem Wagen, live und in Farbe STING hörten, der eine volle 90 Minuten Show abzog. Die Party war groß unter der Deutschen, den ecuadorianischen Musikgeschmack aber trifft er eben doch nur grob. Salsa wird einfach schwierig auf „Englishman in New Yorck“.
Dem Konzert folgte ein Feuerwerk aus einem Silvesterfilm, ja das mögen sie die Südländer. Wow war das gigantisch, der ganze Himmel leuchtete in Farben und sprühte Funken die langsam in das Andenbecken rieselten.

Mit zum letzten Mal zusammengeschnürtem Gepäck ging es nach Otavalo, 3 Stunden nördlich von Quito. Berühmt ist das Dorf durch seine Handwerks-, Tier- und Lebensmittelmärkte, die uns quasi magnetisch anzogen, Andenkensmäßig. Und so handelten, feilschten und bestritten wir uns durch den Markt, bis jeder seine Schätze kaum mehr tragen konnte. Es gab dort Decken, Pullis, Schals und Taschen aus der Wolle des Lamas, Alpacha heißt das Material. Außerdem Hängematten, Rucksäcke, Schmuck und andere „hey das könnte ich einer Freundin mitbringen“ Sachen.
Der letzte Stop war ein vegetarisches Restaurant und so teilten sich unsere Wege in Quito am Terminal auch schon wieder. Yorck blieb noch einige Tage bei seinem Freund um danach die restlichen Tage alleine weiterzureisen und das Land in mehr Facetten kennenzulernen, während die müden Intrumentallehrer sich in Playas wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen sollten.
Und als wir dann früh morgens in dem Strandort ankamen, dachte man schon gar nicht mehr an die Arbeit, sondern nur, dass man endlich wieder zuhause ist.

Bis bald, ich melde mich aus der Weihnachtszeit bei 29° C! Gute Nacht, und eine schöne Adventzeit, eure Paula

P.S. vielleicht vermisst ihr die Fotos, von deren Aufnahmen ich ständig erzähle. Leider sind in Ecuador eben nicht nur unausgebildete Ärzte am Gange, sondern auch jede Menge sehr professionelle Taschendiebe. Ich baue einfach auf eure Fantasie, lasst euch inspirieren von den Worten, das ist sowieso viel authentischer!

3 Gedanken zu „Fünf Gestalten schlagen sich durch den Dschungel

  1. Hallo Paula,

    wiedermal hab ich dein Bericht mit Begeisterung gelesen.
    Bin aber froh, dass alle Widrigkeiten dann doch gut ausgingen!!
    deine Mutter wird das einige Nerven gekostet haben!!
    ich hoffe , du bist gesundheitlich wieder ganz in Ordnung!
    Pass auf dich auf!!

    Aber ich wünsch dir jetzt von ganzem Herzen eine schöne Zeit und noch viel Spannendes im Neuen Jahr!!

    Ganz liebe Grüße von deiner Ulrike

  2. Ach Paula, das liest sich so spannend. Ich wünsch dir weiterhin eine gute Zeit und ein vielleicht interessantes Weihnachten. Pass weiter gut auf dich (und die anderen) auf und genieße die Zeit. Fühl dich fest gedrückt von den drei Brexners.

  3. Na herzlichen Glückwunsch zur überstandenen Dschungeltour!!!!!
    Du, jetzt haltet Euch fest, Leute: vor 22 Jahren sind Ulrike, Walter und Deine werte Frau Mama mit mir ebenfalls in den Dschungel gefahren, und rate mal, wohin?
    Undf weißt Du, was wir da so um den 3. Advent herum gemacht haben? Auf dem Dorfplatz ein Trio-Allegra-Konzert gegeben! Die Instrumente sind im Kanu zurück mit uns nach Tena geschaukelt und tags darauf haben wir in Quito nochmal gespielt.Ja, und gegenüber von Misahualli im Gebüsch wohnte eine sehr nette Schweizerin, eine Biologin, die mit einem Indigena namens Remigio verheiratet war, und sie hatte einen Adventskranz aus Bananenblättern geflochten. Da dachte ich genau das gleiche wie Du: Mensch, so feiert man Advent auch nur einmal.
    Schade, dass ich Dir das nicht vor Deinem Ausflug erzählt habe; vielleicht wohnt die nette Schweizerin immer noch da, inzwischen umgeben von einer Horde kleiner Remigios und Heidis…..
    Und Lebkuchen hatten wir auch – die hatte ich mir von meinem Besuch aus Deutschland gewünscht.
    Sehr herzliche und nostalgische Grüße
    von Regine! Schönes Weihnachtskonzert auch!!!

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