Sieben Monate Ghana

Seit unserer Rückreise aus dem Norden ist bereits etwas Zeit vergangen, viel passiert ist aber trotzdem nicht. Der Unterricht läuft wieder überwiegend normal, nur manche Kinder fehlen immernoch. Letze Woche haben wir zusammen mit einer professionellen Flötistin und Cellisten ein Konzert gegeben. Anlass war der 56. jährige Esylée Vertrag mit Frankreich. Dementsprechend haben wir klassische Musik von KomponistInnen der beiden Nationen gespielt. Das Publikum bestand größtenteils aus den MitarbeiterInnen bzw. Angehörigen der beiden Botschaften. Wir haben durchweg positive Rückmeldungen bekommen, es scheint, dass alle klassische Musik vermissen. Daraufhin haben wir beschlossen, dieses Format weiter zu führen, wir treffen uns ab jetzt wöchentlich und proben zusammen, Konzerte werden vermutlich folgen.

Maikes letzten Tage sind angebrochen, sie fliegt am Mittwoch. Wir hatten schon lange vor, auf der Dachterasse zu schlafen, sodass wir Samstag abend unsere Matratzen rausgeholt und draußen hingelegt haben. Wir haben dann noch vier niedrige Bänke drum herum gestellt und darüber ein Moskitonetz gespannt, was leider in der Mitte durchhing. Ein Besenstiel, eine Schnur und eine Wäscheklammer später war unser Zelt perfekt. Bettfertig wollen wir unser Lager betreten, leider haben wir einen Eingang vergessen. Wir krabbeln also unter den Bänken her, was allerdings nur geht, wenb man komplett auf dem Boden liegt, weil die Bänke so niedrig sind. Dementsprechend sind wir schmutzig, unsere Bettlaken dann auch. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Leider ist der Himmel bewölkt, sodass wir nur wenige Sterne sehen. Dafür hört man das Meer rauschen, den Wind in den Palmen und wir sehen Vögel und Fledermäuse über uns her fliegen. Richtig dunkel wie auf dem Land wird es nie, auch hört man fast immer irgendwo ein Hupen oder Musik laufen. Durch den Wind ist es deutlich frischer als im Zimmer, Maike hat Halsschmerzen und Schnupfen als sie aufwacht. Trotzdem eine schöne Erfahrung, ich finde, man sollte generell viel öfter draußen schlafen, wenn man die Möglichkeit dazu hat.
Nach dem Frühstück (Spaghetti mit Tomstensauce) fahren wir zu einem Artsmarket. Schöne Gemälde, Figuren und Schmuck werden angeboten. Ich frage jeden Verkäufer, wie teuer die hölzernen Giraffen sind, ich glaube, bevor ich fliege, kaufe ich mir eine. Oder einen Elefanten. Oder beides. Am liebsten hätte ich auch noch ein Gemälde. Und eine Schale. Und Schmuck. Hier war ich wohl nicht zum letzten Mal…

Heute bin ich nach Prampram gefahren, um hier im Kinderparadise zu unterrichten. Man sollte es ja nicht sagen, aber mein einer Blockflötenschüler ist definitiv mein Lieblingsschüler, warum kann ich nicht einmal sagen. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis er mit mit mir geredet hat. Einige weitere, bis er mir in die Augen geschaut hat unf wieder einige Zeit später bis er mich angelächelt hat. Deshalb habe ich das Gefühl, dass ich eine wirkliche Bindung aufgebaut habe, im Gegensatz zu manchen Kindern, die mich von Anfang an stürmisch umarmt haben. Bei ihnen weiß ich, dass sie genauso bei meiner Nachfolgerin sein werden, aber es täte mir sehr leid, wenn sich mein Lieblingsschüler ihr gegenüber nicht so öffnen könnte.
Generell rückt der Abschied immer näher, ich bin seit mehr als sieben Monaten hier, es bleiben also weniger als vier.
Natürlich freue ich mich auf Deutschland, vorallem auf eine Waschmaschine. Aber auf der anderen Seite werde ich so viel aus Ghana vermissen, vorallem die Menschen und die Unbeschwertheit. Die Freiheit, immer und überall mit dem Trotro fahren zu können. Die Möglichkeit, bis spät abends auf der Straße günstiges Essen zu bekommen. Auch das Essen selbst werde ich vermissen, obwohl ich mich auch auf das deutsche freue. Daher heißt es zur Zeit die letzten Monate in vollen Zügen zu genießen.

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