Uns ist ein Engel erschienen

In der letzten Woche ist nicht viel passiert; Silvester war entspannt, die SchülerInnen haben Ferien und die halbe WG war im Urlaub. Ich habe also ganz viel im Bett gelegen und nichts gemacht. In unserem Regal habe ich DVDs der Serie Lost gefunden, allerdings fehlt die erste. Ich habe also mir der zweiten Staffel angefangen. Die Handlung wurde mir allerdings irgendwann zu abgedreht, dass ich, anstatt weiter zu schauen, mir die Zusammenfassung auf Wikipedia durchgelesen habe. Für zwei Tage war ich dann noch im Kinderparadise und habe bei einer Schatzsuche mitgeholfen.
Seit Montag hat die Schule wieder angefangen und somit auch unsere Arbeit. Allerdings auch nicht so wirklich, weil in der ersten Woche nur wenige Kinder zur Schule kommen, nächste Woche soll es wohl besser sein.
Trotzdem sind Johanna und ich nach Nima in die Library gefahren. Ich unterrichte eine Schülerin und warte, dass noch weitere kommen. Während wir draußen sitzen, kommt eine weiße Frau um die Fünfzig. Sie trägt ein tief ausgeschnittenes pinkes Top, darüber eine Art Netz, auch in Pink, mit gestickten Blumen. Dazu trägt sie eine schwarze Radlerhose, die hier eigentlich unter Kleidern und Röcken getragen werden. Ihre Haare sind mit Bunten Bändern zusammengebunden. Sie erzählt uns, dass sie als Freiwillige in der Nähe in einem Kulturzentrum arbeitet. Die Kinder von dort sollen auch mal in die Library kommen, sie fragt deshalb, wann es eine Aufführung gebe. Sie wohnt in einem Hotel, das 50 Cedi pro Nacht Kostet, darin AC enthalten. Direkt gegenüber ist ein Hotel, in dem ganz viele reiche wohnen, die 50 Dollar pro Nacht zahlen. Sie kann nicht verstehen, wie man sein Geld so verschwenden kann.
Etwas benommen von ihrem Redefluss, sehe ich einen Mitarbeiter der Library und rufe ihn, denn sie wollte ja eigentlich wissen, wann es eine Aufführung gebe. Sie sprecheb kurz miteinander, dann sagt sie zu uns, dass er wenigstens etwas wisse. Ich versuche zu erklären, dass wir nur die Örtlichkeiten nutzen. Auf ihre Nachfrage, erzähle ich von unserem Projekt, sie muss lachen und erzählt von einem Freund, der Freiwillige aufnimmt, die gar nicht wissen, was sie machen sollen und sich immer selbst fotografieren.
Irgendwann fragt Johanna, woher sie komme, sie sagt, sie sei ein Engel und kommt von Himmel und stelle uns nervige Fragen, wobei wir gar nicht wissen, wovon sie spreche. Sie dreht sich um und geht ohne weitere Kommentare. Johanna und ich gucken uns an und fragen uns: Was war das denn???

Ich warte immernoch auf SchülerInnen und der nächste kommt vorbei, diesesmal ein Ghanaer. Er ist Französischlehrer und seine Schwester sei in Deutschland. Sie habe berichtet, dass deutsche Rassisten sind und fragt mich, ob ich auch eine bin. Nein sage ich, er scheint allerdings nicht so überzeugt zu sein. Nach einiger Zeit fragt er, ob ich in der USA war und irgendwann kommeb wir auf Trump zu sprechen. Ich sage, dass ich seine Politik nicht unterstütze. „Also bist du eine Rassistin“, sagt er – gut, vielleicht hätten wir vorher diesen Begriff definieren sollen…
Nach fast drei Stunden warten, sind immernoch keine SchülerInnen da und ich fahre nach Hause.
Dort warte die anderen WG-MitbewohnerInnen plus Maikes Bruder und Cousin und haben schon mit dem Kochen begonnen.
Maikes Familie ist vor einigen Tagen abgekommen. Morgen fahre ich mit ihnen in den Norden in Ghanas größten Nationalpark. Hoffentlich sehe ich dort Elefanten. Und hoffentlich sehe keine Schlangen und Skorpione…

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