Wie ich vor dem Präsidenten spielte

Letze Woche hat mich ein ehemaliger Celloschüler von MoG gefragt, ob ich bei einem Konzert aushelfen kann, klar, sage ich, wieso nicht. Vergangenen Samstag war dann die erste und letzte Probe. Ich bin um halb elf da, überpünktlich, denn um elf soll es anfangen. Allerdings sind um zwölf immernoch nicht alle da. Als dann die meisten da sind, fällt auf, dass es keine Noten gibt. Zu der Zeit bin ich bereits wieder hungrig, da ich ja nir gefrühstückt hatte. Bis dann ein Teil der Noten ausgedruckt wurden und wir die ersten Töne spielen können, ist es zwei Uhr und meine Laune ist nicht mehr ganz so gut wie zu der Zeit, als ich angekommen bin, fast vier Stunden zuvor. Ghanatime…Die Probendisziplin ist auch eine andere, als ich gewohnt bin, ich habe das Gefühl, dass wir weniger Spielen als auf irgendwen oder irgendwas zu warten. Bis wir alles Stücke einmal durchgespielt haben, ohne daran wirklich zu arbeiten, ist es bereits sechs Uhr. Es gab allerdings eine kleine Essenspause. Ich bin abends um sieben zu Hause, dafür dass ich dachte, dass die Probe nur bis Mittags geht, ist es spät geworden.

Gestern, also Sonntag, war dann das Konzert. Mir wurde allerding nicht genau gesagt, wo, ich wusste nur die Trotro-Station. Glücklicherweise treffe ich dort Musiker aus dem Orchester, mit denen ich dann zusammen dort hin laufe. Zumindest dachte ich das, wir irren nämlich eigentlich nur rum, wie ich später erkennen muss. Sie rufen die Organisatoren an und fragen einen Taxifahrer. Wir steigen ein. Im Auto finde ich heraus, dass der Geiger einen Standort auf GoogleMaps geschickt bekommen hat. Ich hätte ausrasten können. Er schickt mir die Nachricht und ich navigiere dann den Taxifahrer, der inzwischen komplett woanders hingefahren ist. Irgendwann kommen wir, immernoch pünktlich, an, müssen aber drauf zahlen, weil die Strecke so lang war, ich schlucke meinen Ärger runter. Was es für ein Gebäude ist, weiß ich nicht, jedenfalls groß und teuer. Der Innenhof hat Rasen und einen Swimmingpool, der nun mit Podesten überbaut wird. Der gepflasterte Teil ist bereits mit goldenen Holzstühlen bestuhlt, die Technik wird noch aufgebaut. Wir warten auf grünes Licht, damit wir die Bühne aufbauen können und noch etwas Proben können. Wir vertreiben uns die Zeit mit Essen und Quatschen. Ich erfahre, dass der Präsident kommen wird, oh, denke ich. Wir haben natürlich keine Gelegenheit mehr zu üben, das bedeutet, dass ich die Stücke nur einmal gespielt habe, egal, wir sind ja Profis. Stimmt sogar zum Teil, die meisten die mitspielen sind aus dem NSO (National Symphony Orchestra), dem Staatsorchester. Bei dem Konzert sind wir, also das Orchester, nur die Begleitung. Acht OpernsängerInnen stehen im Fokus. Es wird Dunkel, der Start des Konzerts rückt näher. Bewaffnete Polizeibeamte kündigen den hohen Besuch an. Die Reihen füllen sich, mit ca 250 Leuten. Das Orchester setzt sich hin und wartet, bis es anfangen kann. Dann fahren zwei schwarze Limousinen vor und der Präsident mit der First Lady steigen aus. Fotografen stürzen sich auf sie. Leider ist dann Stromausfall, die ganze Beleuchtung fällt aus. Würde ich an Schicksal glauben, würde ich sagen, dass es
eine Aufforderung für den Präsidenten ist, sich um das Stromnetz zu kümmern. Er wird zur ersten Reihe geführt, wo er sich auf einen handverzierten, goldenen Sessel setzt. Nach einer Ansprache beginnen wir mit dem Programm, glücklicherweise haben wir batteriebetriebene Pultleuchten, sonst säßen wir, ganu wie das Publilum auch, im Dunkeln. Manche Stücke sind wirklich gut, manche eher weniger, unabhängig davon, dass ich Opernmusik nicht so wirklich mag, obwohl die SängerInnen sehr gut sind, soweit ich das beurteilen kann. Nach dem Konzert, es ist inzwischen halb elf. Wir dürfen uns allerdings am Buffet bedinden; es gibt richtiges Brot und Käse, Weintrauben, Himbeeren und vieles Mehr. Das Konzert hat sich definitiv gelohnt, auch wenn ich feststellen musste, dass ich ziemlich deutsch bin, bzw. Pünktlichkeit und produktive Proben schätze.

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