{"id":255,"date":"2015-10-20T06:03:06","date_gmt":"2015-10-20T04:03:06","guid":{"rendered":"http:\/\/lenka.musikerohnegrenzen.de\/?p=255"},"modified":"2015-10-20T06:03:06","modified_gmt":"2015-10-20T04:03:06","slug":"mucho-cuidado","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/lenkastepanek\/2015\/10\/20\/mucho-cuidado\/","title":{"rendered":"Mucho cuidado!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\">Die letzten zwei Wochen haben mir deutlich vor Augen gef\u00fchrt, dass ich mich wirklich in einem komplett fremden Land befinde, in dem die Menschen andere Ansichten haben.<br \/>\nBisher bin ich davon ausgegange, dass ich mit meiner Art und meiner Offenheit auf keine gr\u00f6\u00dferen Konflikte sto\u00dfen werde, doch leider bin ich doch zu einem Punkt gekommen, an dem ich mich nicht sehr wohl gef\u00fchlt habe und auch nicht wusste, was ich anders machen soll. Des \u00f6fteren merkte ich in letzter Zeit, dass mich die Familie anders behandelt als am Anfang; ich wurde nicht mehr ganz so herzlich begr\u00fc\u00dft, wenn ich heimkam, ich wurde ab und zu wegen Kleinigkeiten \u201cangegiftet\u201d, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Ich kann nicht behaupten, dass ich die letzten zwei Wochen immer gerne von der Musikschule nach Hause gekommen bin, weil ich etwas Angst davor hatte, was mich erwartet oder auch weil ich nicht sehen wollte, wie die Familie beisammensitzt und \u00fcber mich redet, w\u00e4rend ich zuh\u00f6re und nur Wortfetzen verstehe. Da ich von der Freiwilligen, die vor mir in der Familie war wusste, dass es f\u00fcr sie am Anfang auch nicht ganz so einfach war, versuchte ich eigentlich die \u201cFehler\u201d zu vermeiden, die sie gemacht hatte. Scheinbar erfolglos. Ich versuche mich wirklich in die Familie zu integrieren, indem ich zum Fr\u00fchst\u00fccken oft schon vor 8:00 Uhr mit aufstehe und abends unter der Woche ohne gr\u00f6\u00dfere Umwege nach dem letzten Sch\u00fcler nach Hause komme, damit die Familie sieht, dass ich Zeit mit ihr verbringen m\u00f6chte. Vergangenes Wochenende war ich Samstag und Sonntag zu Unzeiten sogar mit in der Kirche (was f\u00fcr mich ja mal sowas von untypisch ist), weil zwei Gedenkfeiern von verstorbenen Geschwistern des Gastvaters stattfanden. T\u00e4glich helfe ich dem Onkel beim Kochen oder beim Abwasch, aber das sind Sachen, die die Familie nicht mitbekommt. Gestern kam es dann etwas unerwartet zu einer Aussprache. Der Hauptkritikpunkt war wohl, dass die Kommunikation zwischen mir und der Familie bisher noch nicht ganz so perfekt war. Was der Familie wichtig ist, ist zu wissen wo ich bin und ob ich mit Menschen zusammen bin, die vertrauensw\u00fcrdig sind. Playas ist nicht allzu gro\u00df und gef\u00fchlt jeder f\u00fcnfte hier ist mit meiner Familie verwandt. Wenn ich also mal mit einem Trisimotofahrer schnacke, weil er wissen will wo ich herkomme, geht ganz schnell das Ger\u00fccht rum, dass er mein \u02cbnovio\u00b4 ist. Das Ger\u00fccht wird dann beliebig variiert und erweitert, bis meine Familie zu Ohren bekommt, dass ich mit einem Columbianer abh\u00e4nge, der Drogen nimmt. (Ganz nebenbei: Der Trisimotofahrer war Halb-Araber). Ich bin froh, dass wir dar\u00fcber geredet haben, weil ich jetzt wei\u00df, dass die Familie mir wegen keiner Sache b\u00f6se ist, sondern sich einfach nur um mich sorgt. Der Vater sieht mich wie eine Tochter und die Mutter will, dass es mir hier gut geht und ich mit vielen positiven Erfahrungen nach Deutschland zur\u00fcck kehren kann. Wenn sie mich fragen wie es mir geht, wollen sie wohl nicht nur ein \u201cMuy bien, gracias\u201d h\u00f6ren, sondern nehmen sich auch gerne die Zeit mir zuzuh\u00f6ren, wenn mal nicht alles rosig ist. Da das nun gekl\u00e4rt ist und die Familie meines Erachtens nicht nachtragend ist, kann ich nun einen zweiten Anlauf in ein unbeschwertes Familienleben wagen.<br \/>\nNun aber zu den erfreulichen Dingen der letzten Zeit: Am Wochenende vom 10.\/11. Oktober sind wir Deutschen mit zwei von Niklas Gastbr\u00fcdern relativ unorganisiert nach <strong>Monta\u00f1ita<\/strong> aufgebrochen. Das St\u00e4dtchen ist ca. 2 1\/2 Stunden Busfahrt von Playas entfernt (ich pers\u00f6nlich glaube nicht, dass wir das Umsteigen ohne ecuadorianische Hilfe gepackt h\u00e4tten), liegt ebenfalls an der K\u00fcste, ist sehr touristisch und hat was Party und Surfen angeht echt einiges zu bieten. Tags\u00fcber relaxen die Besucher am Strand und schl\u00fcrfen Kokosmilch aus der Schale, sobald es dunkel wird fangen sie das Trinken an und Tanzen sich bis in die fr\u00fchen Morgenstunden von Strandbar zu Strandbar. Aus jedem Local oder Club ert\u00f6nt verschiedene Musik, Barkeeper mixen dir Cocktails ab 3$ und wer von Arbeit oder Studium abschalten will ist hier genau richtig. Wir Deutschen waren -aus welchem Grund auch immer- ziemlich geschafft von der Woche, sodass wir nach vielen Stunden Essen-Trinken-Tanzen-Essen(&#8230;) schon gegen 2:00 Uhr wieder zum Campingplatz aufgebrochen sind. Ja, wir waren zu geizig 10$ f\u00fcr ein Hostel auszugeben. Genauso geizig waren wir, als es um die Essensfrage ging. Dadurch, dass Monta\u00f1ita sehr touristisch ist, gehen die Preise logischer Weise auch nach oben. Wir w\u00e4hlten Sonntag Mittag also lieber einen Comedor etwas au\u00dferhalb des \u201cParty-Zentrums\u201d f\u00fcr 3,50$ die Portion \u02cbsopa de camerones\u00b4 + \u02cbarroz con pescado empanado\u00b4 und sparten somit immerhin mindestens 2$. Hohe Preise hin oder her; fest steht, dass das nicht unser letztes Mal in Monta\u00f1ita sein sollte.<br \/>\nDie Familie hat \u00fcbrigens Zuwachs bekommen! Eines Nachts haben die Hunde in meinem Barrio besonders laut geheult, sodass mich das sogar am Schlafen gehindert hat. Den Tag darauf kam Luigi zu mir und berichtete mir freudestrahlend, dass wir perritos haben. Sechs St\u00fcck hatte die H\u00fcndin \u00fcber Nacht geboren. Dar\u00fcber war ich ziemlich erstaunt, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, dass sie tr\u00e4chtig war und dann auch noch mit sieben Babys in ihrem Bauch (eins war eine Totgeburt). Umso mehr fiel mir jetzt auf wie abgemagert sie eigentlich ist. Bisher verstecken sich die Babys noch unter der Treppe, wo man blo\u00df durch einen kleinen Spalt hineinspitzen kann. Hei\u00dft ich muss mich noch ein wenig gedulden, bis ich mit ihnen kuscheln kann. Das ist jedoch gar kein Problem, weil gef\u00fchlt jeder in Playas zur Zeit Babyhunde hat. Nicht gewundert habe ich mich, sondern eher etwas geschmunzelt -weil ich einfach nicht jede Entscheindung nachvollziehen muss, die Ecuadorianer treffen-, als meine Famlie heute einen Babyhund aus Guayaquil f\u00fcr den anstehenden 19. Geburtstag von Israel anschleppte. Wenn der Plan war, dass es an diesem besonderen Tag Babyhundebraten zum Essen gibt, h\u00e4tten sie vermutlich gleich noch zwei weitere aus Guayaquil mitgebracht, damit auch jedes Familienmitglied seinen eigenen Braten bekommt. \ud83d\ude00<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0<p>no images were found<\/p>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten zwei Wochen haben mir deutlich vor Augen gef\u00fchrt, dass ich mich wirklich in einem komplett fremden Land befinde, in dem die Menschen andere Ansichten haben. 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