{"id":245,"date":"2015-10-06T21:07:23","date_gmt":"2015-10-06T19:07:23","guid":{"rendered":"http:\/\/lenka.musikerohnegrenzen.de\/?p=245"},"modified":"2015-10-06T21:07:23","modified_gmt":"2015-10-06T19:07:23","slug":"nach-einem-monat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/lenkastepanek\/2015\/10\/06\/nach-einem-monat\/","title":{"rendered":"Nach einem Monat&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten zwei Wochen bestanden haupts\u00e4chlich daraus, dass wir Deutschen von Auftritt zu Auftritt gescheucht wurden. Mal war es ein gem\u00fctlicher Abend bei Fernando (dem Leiter des Ensembles und auch Lehrer an der Musikschule), um uns irgendwelchen Amis vorzuf\u00fchren, die gerade auf Durchreise waren, \u00f6fter mal irgendeine kirchliche Verastaltung, bei der wir den Chor begleiten sollten und zu guter Letzt, um den Vizepr\u00e4sidenten von Ecuador zu empfangen, der letztendlich dann doch nicht kam. Ich kann nicht behaupten, dass das lange Warten und -je l\u00e4nger sich der Abend zog- das damit verbundene Frieren, immer so lustig war, nur um dann drei oder vier St\u00fccke zu pr\u00e4sentieren. Fest steht allerdings: Hallelujah mit Gesang und Gitarre kommt einfach bei jeder Gelegenheit gut an.<br \/>\nEs soll aber keineswegs so klingen, als w\u00fcrde es mir hier nicht gefallen. Ich denke es gibt einfach Pflichten, die man hat und denen man vor allem am Anfang nicht aus dem Weg gehen kann. Das ist in Deutschland ja nicht anders. Und doch muss ich sagen, dass ich diese Pflichten im Moment tausend Mal lieber hier erf\u00fclle als in Deutschland. \ud83d\ude00 Die Auftritte sind jedoch blo\u00df zweitrangig. Die Hauptaufgabe von uns Deutschen ist es ja bekanntlich zu unterrichten und alles andere ergibt sich dann hoffentlich im Laufe der Zeit. F\u00fcr mich ist es bisher noch etwas schwer im Projekt anzukommen. Es kommen zwar immer wieder Ecuadorianer auf mich zu, die Saxophon oder vereinzeit auch Klarinette spielen wollen, aber ich habe das Gef\u00fchl, wenn man nicht nochmal auf sie zugeht, ist die Idee auch schon ganz schnell wieder verflogen. Es gibt ein paar Gesichter, die man einfach jeden Tag in der Musikschule sieht. Auf der einen Seite freut es mich, dass einige junge Menschen so engagiert sind und einen gro\u00dfen Teil ihrer Freizeit der Musik widmen. Auf der anderen Seite sind sie jedoch etwas zu engagiert, wenn es um das Erlernen eines Instruments geht. Denn sie wollen am besten alles k\u00f6nnen, was angeboten wird und k\u00f6nnen letzten Endes alles nur mittelm\u00e4\u00dfig. Daf\u00fcr freue ich mich umso mehr \u00fcber die paar neuen Sch\u00fcler, die ich in den letzten Wochen dazu gewonnen habe, die (f\u00fcr ecuadorianische Verh\u00e4ltnisse) p\u00fcnklich kommen und dazu noch etwas Talent aufweisen!<br \/>\nWas ist sonst noch passiert:<br \/>\nAm Anfang der Woche hatten Niklas und ich die glorreiche Idee eines der Fitnessstudios im Zentrum zu testen. Eigentlich blo\u00df, weil die Fitnessstudios hier so lustig aussehen: Man kann es sich wie eine offene Garrage vorstellen, wo ein paar verrostete Ger\u00e4te zum Gewichte st\u00e4mmen rumstehen. Unwissentlich hatten wir uns das Fitnessstudio ausgesucht, das sogar noch ein zweites Stockwerk besa\u00df, in dem sogar Fitnessbikes und ein Laufband standen. F\u00fcr 2$ wurde ich dann eine Stunde lang von meinem pers\u00f6nlichen weiblichen Coach von \u00dcbung zu \u00dcbung gescheucht, wobei ich das Gef\u00fchl hatte, dass einfach jede \u00dcbung auf die Oberschenkel ging. Niklas genoss derzeit eine Stunde Bizepstrainig vom Feinsten. Die ganze Woche lang jammerten wir noch \u00fcber den Muskelkater unseres Lebes. Mal schauen ob wir uns an den Vorsatz \u201czwei Mal die Woche Sport\u201d halten werden&#8230;<br \/>\nMein pers\u00f6nliches Highlight der letzten Woche war der neue K\u00fchlschrank. Bisher hatten wir keinen im Haus stehen und um diesen einzuweihen, machte meine Familie gleich mal einen Gro\u00dfeinkauf. Seither gibt es h\u00e4ufiger Milch (die mir wirklich ab und zu gefehlt hat), Jugurt und vieeele verschiedene Fr\u00fcchte. Ganz nebenbei: Ich steh total auf Papaya. Mein Magen passt sich langsam an die ecuadorianischen Essverh\u00e4ltnisse an. Dass das Mittagessen manchmal schon um 11:00 Uhr ist st\u00f6rt mich nicht mehr und als Beilage keinen Reis zu haben kann ich mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Abgesehen von dem unangenehmen Mittagessen mit meinen Gastbr\u00fcdern, als es Rinderzunge gab, habe ich bisher alles gegessen. \u201cLenka isst keine lengua\u201d wurde zum \u2018Running Gag\u2019 in der Familie. Da mussten nat\u00fcrlich sofort Mutter und Schwestern im Local angerufen werden, um zu erz\u00e4hlen, was f\u00fcr eine Show ich ums Essen gemacht habe. Ziemlich erleichtert war ich, als ich merkte, dass sich meine Gastbr\u00fcder gegenseitig die Zungen von Teller zu Teller schubsten, wenn mal einer gerade nicht hinsah.<\/p>\n<p>Nach einem Monat Ecuador kann ich das erste Mal behaupten, dass ich wirklich einen Fortschritt gemacht habe, was die Sprache angeht. Letzte Woche hatte ich mir zwei B\u00fccher aus der Bibliothek des Casique ausgeliehen, in denen ich versuche jeden Tag ein St\u00fcck weiter zu kommen. Die beste \u00dcbung meiner Meinung nach jedoch ist es, wenn man sich in Ruhe mit einem Einheimischen eine l\u00e4ngere Zeit lang unterh\u00e4lt und keine Deutschen dabei sind, da man so verpflichtet ist auf spanisch zu kommunizieren. Auf diesem Weg lernt man in wenigen Stunde viele neue Vokabeln dazu, die auch im Kopf bleiben. Klar ist mein Spanisch noch nicht berauschend und klar verstehe ich vieles noch nicht, aber es reichte immerhin aus, um eine erste l\u00e4ngere Konversation mit meinem Gastvater zu f\u00fchren, in der er mir unter anderem ausf\u00fchrlichst erkl\u00e4rte, wie wichtig er es findet jeden Tag mit seiner Familie \u00fcber aktuelle Probleme, anstehende Ausfl\u00fcge oder andere Angelegenheiten zu kommunizieren. Eine Sache, die hier in vielen Familien einfach zum Alltag dazu geh\u00f6rt.<br \/>\nDadurch, dass ich besser spreche und verstehe, f\u00e4llt es mir auch leichter auf die Leute hier zuzugehen und ein Gespr\u00e4ch anzufangen. Man lernt (nat\u00fcrlich besonders als Wei\u00dfe) sehr schnell neue Menschen kennen, die dich mal eben spontan zu sich nach Hause einladen, mit dir an den Strand oder tanzen gehen wollen. Eine nette Bekanntschaft machte ich vergangene Woche mit einem Mann an die 45, als ich gezwungener Ma\u00dfen mein Fahrrad reparieren lassen musste, weil es Mal wieder am Auseinanderfallen war. Da er viele Jahre lang mit seiner Exfrau und zwei S\u00f6hnen in den USA gelebt hat, konnte er perfektes Englisch und erkl\u00e4rte sich sofort dazu bereit zwischen mir und dem H\u00e4ndler zu dolmetschen. Wir kamen sehr schnell ins Gespr\u00e4ch und er gab mir viele hilfreiche Tips zum Thema Sicherheit in Playas und Reisen in Ecuador. Von seiner Statur und seinem Charakter hat er echt verbl\u00fcffende \u00c4hnlichkeit mit meinem Gro\u00dfonkel; wohl mit ein Grund, dass er mir von Anfang an sympathisch war. Lustig war, als ich etwa eine Woche sp\u00e4ter -unwissend, dass er dort wohnt- an seinem Haus vorbeispazierte, das zuf\u00e4llig blo\u00df zwei Stra\u00dfen von meinem Haus entfernt ist und er gerade in diesem Moment aus dem Fenster schaute. Sofort stellte er mich seiner neuen Frau, die urspr\u00fcnglich von den Phillipinen stammt, und seinen beiden Katze vor. (Wohl die einzigen kastrierten Kater hier in Playas.) Es war so sch\u00f6n das erste Mal gesunde, gepflegte und gut gen\u00e4hrte Katzen streicheln zu k\u00f6nnen. Wobei ich sagen muss, dass die eine der beiden mit ihren 12kg wohl etwas zu gut gen\u00e4hrt war. \ud83d\ude00<\/p>\n<figure id=\"attachment_246\" aria-describedby=\"caption-attachment-246\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/lenkastepanek\/wp-content\/uploads\/sites\/27\/2015\/10\/Foto-1-3-e1444158303993.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-246 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/lenkastepanek\/wp-content\/uploads\/sites\/27\/2015\/10\/Foto-1-3-e1444158303993-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/lenkastepanek\/wp-content\/uploads\/sites\/27\/2015\/10\/Foto-1-3-e1444158303993-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/lenkastepanek\/wp-content\/uploads\/sites\/27\/2015\/10\/Foto-1-3-e1444158303993.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-246\" class=\"wp-caption-text\">Fett am Pumpen!<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten zwei Wochen bestanden haupts\u00e4chlich daraus, dass wir Deutschen von Auftritt zu Auftritt gescheucht wurden. 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