Cumpleaños, Navidad und was sonst noch so passiert

Die Zeit fliegt.

Das stellen ich und die anderen hier wirklich täglich fest und das ist auch der Grund, weshalb ich schon wieder so lange nichts geschrieben habe. Ich weiß, die Entschuldigung kann ich nicht immer bringen, aber es ist wirklich krass, wie schnell alles passiert und vor allem wie viel passiert. Sorry, dass ich mich jetzt erst wieder melde!

Im ganzen Dezember gab es unglaublich viele Weihnachtspräsentationen. Jeder wollte, dass wir mit dem „Orchester“ irgendwo spielen und die Weihnachtszeit musikalisch einläuten (d.h. das „Anzünden“ des Baums musikalisch unterlegen. „Anzünden“ heißt in dem Falle, dass die bunten Lichterketten am Baum angezündet werden, sowas von gar nicht spektakulär…). Ironischerweise fiel der Strom für eine viertel Stunde aus, als es im Centrum ein Event gab, um den Weihnachtsbaum von Playas anzuzünden. Das waren definitiv 15 schöne Minuten: keine Musik, die aus irgendwelchen Tiendas ertönt und mit der übertrieben laut gestellten Weihnachtsmusik auf dem Plaza Civica konkurriert. Keine nervigen bunten Lichter, gar nichts. Seltsame Atmosphäre auf der Straße. Ich war in dem Moment gerade vorm Tia, dem großen Supermarkt hier im Centrum und fragte mich, als ich mich mit meiner Handytaschenlampe zurück zum Platz tastete, ob die ganze Veranstaltung jetzt überhaupt noch stattfinden würde (wir sind ja in Ecuador..), worauf meine Frage nach kurzer Zeit von selbst beantwortet wurde, da der Strom wiederkam (wir sind ja in Ecuador..). Und was haben wir wieder gelernt? Jaaa, man weiß eben nie, was passiert. Das wird mir jeden Tag bewusst.
Einige Präsentation fanden in Kooperation mit einem Kinderchor statt, den Fernando in einer Schule in der Nähe des Caciques gegründet hat. Generell haben wir alles erfolgreich überstanden, es klang auch doch erstaunlich gut, dafür dass wir quasi nie richtig geprobt haben und die Kinder ganz schön klein und musikunerfahren waren.

Leider mussten wir wegen dieser vielen Präsentationen, die oft nachmittags stattfanden, immer wieder Schüler absagen. Im Nachhinein waren das wirklich zu viele und für die Schüler war es etwas blöd. Wir dachten eben, es wäre gut, dem Municipio entgegenzukommen und nicht alle Präsentationen abzusagen, auch um die Musikschule noch bekannter zu machen. Aber mittlerweile ist mir echt klar geworden, dass sich die Art, wie uns das Municipio behandelt, ohnehin nicht ändern wird, egal wie sehr wir ihnen helfen/entgegenkommen/uns bemühen. Dann können wir’s also auch gleich lassen.
Bei mir kommen leider nicht mehr alle Schüler wie am Anfang und die, die kommen, auch nicht mehr so regelmäßig, wie ich mir das wünschen würde.. Die Tatsache, dass einige (sehr gute ?) Schüler in Guayaquil zur Uni gehen und unter der Woche fast gar nicht mehr können, macht es auch nicht leichter. Im Januar werden wir MoGs wahrscheinlich ein bisschen reisen und weniger unterrichten, aber ab Februar soll es wieder richtig losgehen. Da fangen dann die Schulferien an und es ist anscheinend super viel im Cacique los. Wir haben auch schon einige Ideen für diese kommende Projektphase und wollen das ganze mit einem großen Konzert abschließen (auch als Abschluss von Lenkas und Aennes Zeit!). Dazu aber später mehr.
Vor etwa einer Woche fand unser Weihnachtskonzert statt. Letztendlich waren wir aber leider ziemlich unzufrieden mit der ganzen Situation und das lag keineswegs an den Schülern, die haben nämlich wirklich super gespielt! Ich bin sehr stolz auf alle, musikalisch lief also alles gut, was aber gar nicht ging war die Organisation oder in dem Falle eher Kooperation mit dem Municipio bzw. Cacique. Ursprünglich hatten wir uns dafür entschieden, das Konzert am Sonntag davor zu machen (das hatten wir schon vor mehr als einem Monat angekündigt, bis Isabel dann neulich plötzlich ankam und meinte, ne, das ginge nicht mehr.. Ich hab sie dann etwas zugeredet und meinte, es müsste aber aus bestimmten Gründen am Sonntag stattfinden). Alex fragte dann aber, ob wir das Konzert nicht auf Dienstag verschieben wollen, weil an diesem Tag noch andere Präsentationen der Mal-/Bastelgruppen etc. stattfinden und anscheinend viele Leute im Cacique sein sollen. Wir also, ja gut, dann also doch Dienstag. Mehr Publikum ist ja eigentlich immer gut. Einige meiner Uni-Schüler fielen deshalb aber leider weg, weil sie Dienstag noch zur Uni mussten. Und letztendlich stellte sich auch heraus, dass einige andere Schüler in ihren Schulen Veranstaltungen hatten.
Soweit so gut, wir bestellten also alle Schüler, die spielten wollten und konnten, ins Cacique. Eigentlich sollten diese Präsentationen der anderen Cacique-Gruppen um 15h stattfinden, weshalb wir das Konzert auf 16:30h gesetzt hatten (realistisch bzw. ecuadorianisch gedacht würden wir also frühestens um 17h anfangen). Wir haben hier noch kein einziges Konzert erlebt, das pünktlich angefangen hat. Was passiert aber ?
Um viertel nach 4, also vor der abgemachten Zeit, fängt Fernando plötzlich auf der Bühne an, mit einigen seiner Schülern zu spielen, moderiert von Julio, dem Kulturminister. Ich war gerade noch dabei, mit einigen Schülern hinten im Raum zu proben, als Niklas hektisch nach hinten kam und meinte, Julio würde fragen, wer denn als nächstes spielen würde. Ich dachte so, hä wie, wir haben doch noch gar nicht angefangen und dann ging das ganze Chaos los. Lange Rede, kurzer Sinn (ich fass es mal lieber kurz, denn ich könnte mich stundenlang drüber aufregen) – das Municipio hatte es irgendwie verplant, mit ihren Präsentationen anzufangen, es war aber schon Publikum da, weshalb sie das Konzert plötzlich in Eigenregie starteten, ohne dass in irgendeiner Weise mit uns kommuniziert wurde. Alles in allem war es super chaotisch und überhaupt nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Mehrmals beendete Julio das Konzert einfach, weil die anderen anscheinend mit ihren Präsenationen anfangen wollten (die aber eigentlich hätten davor stattfinden sollen!) und wir mussten jedes Mal hektisch dazwischen gehen, damit auch noch die restlichen Schüler spielen konnten, die ohnehin schon nervös wartenden. Die Reihenfolge wurde nämlich immer wieder spontan geändert, weil sich plötzlich Ivan und einige Schüler von Fernando einschoben (auch ohne Absprache mit uns). Letztendlich waren wir alle von der ganzen Situation ziemlich angepisst. Fernando und Ivan wirkten auch nicht so glücklich mit der ganzen Sache, aber da sie vom Municipio angestellt sind, können sie da wohl nicht so viel machen/sagen. Ich werde den Municipio-Leuten (vor allem Isabel) aber auf jeden Fall nochmal ordentlich klar machen, dass es so nicht geht. Hab sowieso das Gefühl, dass ich die einzige bin, die immer wieder Sachen kritisiert und ihren Mund aufmacht. Ivan und Fernando stimmen zwar immer zu, aber von selbst sprechen sie es trotzdem nicht wirklich an.
Im Februar wollen wir das ganze anders angehen und ein Konzert in Kooperation mit irgendeiner Veranstaltung des Municipios wird 100% nicht nochmal stattfinden. Sowieso finden wir, dass zu viel Municipio und zu wenig Ola Sinfonica im Vordergrund steht. Mehr Musik, mehr Schüler, mehr Ensembles, mehr Gemeinschaft, das wünsche ich mir für die Zukunft. Hach, es wäre halt doch echt toll, wenn man ein eigenes Gebäude für die Musikschule hätte, so wie im Guasmo.
Aber nun gut, das Konzert war eben eine weitere Erfahrung, aus der wir lernen werden und wie schon gesagt bin ich stolz auf die Schüler. Und es ist ja auch ganz schön, jetzt mit noch mehr Motivation in die nächste Projektphase zu starten.

So viel zum Projekt. In den letzten Wochen war ich gesundheitlich leider ziemlich angeschlagen. Angefangen hat alles mit einer Hautinfektion, anscheinend eine allergische Reaktion – auf was, weiß man bei dieser Krankheit nicht genau. Meine ganze Familie war sehr besorgt und brachte mich sofort zu einer Dermatologin in ein Krankenhaus in Guayaquil, die mir erstmal 4 verschiedene Sachen verschrieb (die ich aber nicht alle genommen habe). Es wird hier definitiv nach der Idee „doppelt-hält-besser“ behandelt, in diesem Falle sogar „viermal-hält-besser“. Beim zweiten Arztbesuch verschrieb die Ärztin, da die Flecken auf meinen Beinen schon wieder anders aussahen, noch etwas anderes. Mit der Krankheit, die sie anfangs diagnostiziert hatte, hatte das nicht mehr viel zu tun. Die behandelt man nämlich in Deutschland anscheinend gar nicht, weil sich der Körper nach einigen Wochen eigentlich selbst heilt. Mittlerweile ist es auch schon besser, aber die ganze Hautsache hat mich ziemlich belastet, weil ich nie genau wusste, was es wirklich war… Dazu bekam ich dann auch noch eine dicke Erkältung: Schnupfen, Halsweh und Husten (JA Leute, hier sind 30 Grad, und JA ich habe trotzdem eine Erkältung, und JA, man kann sich auch bei 30 Grad erkälten.)
Naja, aber das wird schon wieder. Alex wollte mich nach einigen Tagen zwar zum Arzt schleppen, weil mein Husten echt nicht mehr normal klang, aber ich sagte ihm, dass ich sicher nicht nochmal Antibiotikum nehmen würde (hatte ich nämlich dann doch wegen der Hautinfektion gemacht). Und dann gab er sich damit zufrieden, dass wir nochmal ein bisschen abwarten.

Abgesehen von diesem ganzen gesundheitlichen Kram und der Sache wegen des Weihnachtskonzertes geht’s mir aber wirklich sehr gut.

An meinem Geburtstag hatte ich einen super coolen Tag. Vormittags war ich mit Freunden auf dem Markt, wir haben für abends ganz viel leckeres Essen gekauft und ich hab einige Früchte probiert, die ich noch nie vorher gesehen, geschweige denn gegessen hatte. Mittag gab’s in meiner Familie Encebollado, danach war ich kurz am Strand. Das musste nach 18 Regen-, Schnee- und Kälte-Geburtstagen wirklich sein. Mittags hab ich ganz normal im Cacique unterrichtet und abends waren alle MoGs und Doris zu Besuch plus fast meine ganzen Familie, bestimmt 20 Leute. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass auch Oma, Opa, Tios, Tias, Primos etc kommen! War echt schön, es gab viel zu essen und mein Gesicht musste natürlich traditionell in die Torte. Um 23h sind dann langsam alle nach Hause und wir Alemanes sind zu anderen Freunden gegangen, wo schon einige Leute versammelt waren, um Jules Ankunft zu feiern, die kurz vorher angekommen war. Dort gab’s nochmal Essen (das, was wir vorher auf dem Markt gekauft hatten ?) und später sind wir alle tanzen gegangen. Nachts sind wir dann wieder zurück zum Haus und haben dann auch dort übernachtet. Alles in allem ein sehr cooler Tag bzw. Abend!
In den folgenden Tagen war ich fast gar nicht Zuhause. Meistens war ich mit Freunden am Strand, hab ein paar Surfstunden von einem Freund bekommen, wir waren im Zentrum unterwegs oder einfach nur entspannt bei Leuten Zuhause. Generell war der Dezember von ziemlich vielen witzigen Aktionen geprägt (vor allem diese eine Nacht, Elise und Niklas *hust*). Die Wochenenden sind immer sehr voll und die Wochentage vergehen wie im Flug.
Weihnachten war auch super entspannt. Ich war sowieso schon den ganzen Dezember über genervt von allem, was mit Weihnachten zu tun hat, deshalb war ich gar nicht so unglücklich, als meine Gastmama mir mittags am 24.12. verkündete, dass sie jetzt nach Guayaquil zu meiner Gastschwester fahren würde. Ich hätte zwar gerne mitkommen können, aber Alex wollte in Playas bleiben und ich schloss mich ihm an. Spontan hat mich dann eine sehr gut befreundete Familie eingeladen, mit ihnen zu feiern. Nach einem super leckeren Essen, Geschenke auspacken und einem gemütlichen Zusammensitzen trafen wir uns nachts dann noch mit ein paar Leuten am Skatepark. Auch die folgenden Tage war ich durchgängig unterwegs, ganz anders als man die Weihnachtstage eigentlich in Deutschland verbringen würde.
Aber hier ist eben alles anders und ich genieße es sehr, aus diesem typischen deutschen Alltag zu entliehen, mehr Zeit für alles zu haben, vor allem viel Zeit zum Nachdenken.
Es läuft hier sicherlich nicht immer alles rund, aber gerade aus diesen verschiedenen Erfahrungen lerne ich so viel. Ich erlebe hier alles irgendwie noch intensiver als in Deutschland.
Und ich bin mal gespannt, wie die geplante Reise im Januar wird.

So viel des Guten, ich werde in Zukunft versuchen, wieder öfter von mir hören zu lassen!

Ein paar Bilder von unserer letzten Reise, die schon etwas zurückliegt, poste ich einfach mal im nächsten Beitrag. Und sonstige Fotos auch, sonst wird der hier noch länger. Bilder sagen ja generell mehr als Worte.
Für alle, die es interessiert: hier hat sich der El Niño übrigens noch nicht blicken lassen und auch sonst kann ich jetzt noch nicht ganz glauben, dass es bald stark anfangen soll zu regnen. Bei dieser glühenden Hitze und den staubigen Straßen freue ich mich aber sogar ein bisschen auf den Regen. Und als ich meiner Gastmama erzählte, dass man in Deutschland eigentlich nicht unbedingt freiwillig das Haus verlässt, wenn es stark regnet, weil der Regen kalt ist, lachte sie nur und sagte, wenn der Regen kommt, dann gehen wir zusammen auf die Straße und baden uns darin. Warum auch nicht ?…

Ganz liebe Grüße aus dem heißen Playas!

Viva la vida!

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Lea

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