{"id":52,"date":"2014-08-19T03:00:12","date_gmt":"2014-08-19T01:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/musica-en-paradis.musikerohnegrenzen.de\/?p=52"},"modified":"2014-08-19T03:00:12","modified_gmt":"2014-08-19T01:00:12","slug":"eine-kleine-geschichte-aus-dem-guasmo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/2014\/08\/19\/eine-kleine-geschichte-aus-dem-guasmo\/","title":{"rendered":"Eine kleine Geschichte aus dem Guasmo"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Hola Chicas y Chicos,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als erstes Entschuldigung daf\u00fcr, dass ich mich bei den meisten erst jetzt auf diesem Wege melde, aber obwohl ich erst zwei Wochen hier bin, habe ich schon genug Erz\u00e4hlstoff f\u00fcr 50 Romane.<br \/>\nAlso, ich bin jetzt gut auf den Galapagos angekommen aber habe irgendeine Krankheit mitgebracht, doch erstmal erz\u00e4hle ich euch den ganzen Rest!<br \/>\nLos ging alles am Flughafen in D\u00fcsseldorf. Es war schon ein komisches Gef\u00fchl allein durch die Sicherheitskontrolle zu gehen, ohne sich nochmal umzudrehen und zu wissen, dass man seine Familie die n\u00e4chsten 10 Monate nicht sehen wird. Doch ich muss zugeben, dass in dem Moment meine Neugier und meine Spannung noch vorherrschend waren und ich es kaum erwarten konnte in dieses Abenteuer einzutauchen. Der erste Flug geht nach Madrid. Es ist definitiv der ungem\u00fctlichste Flug gewesen, den ich je hatte, und ich bin schon in einigen weniger vertrauensw\u00fcrdigen Flugzeugen geflogen. Beim Start habe ich das Gef\u00fchl, ich s\u00e4\u00dfe auf einem Massagesessel und es h\u00e4tte mich nicht gewundert, wenn einfach alles auseinander gefallen w\u00e4re. Snacks oder Getr\u00e4nke gibt es selbstverst\u00e4ndlich auch nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Den Aufenthalt in Madrid verbringe ich damit faul rumzusitzen und Leute zu beobachten, w\u00e4hrend ich, wie es sich f\u00fcr einen Schlagzeuger geh\u00f6rt auf allem was ich finde, rumtrommel. Beim Essen bestellen bei Burger King wird mir bitter deutlich, dass weder ein einziges Wort Spanisch spreche, noch verstehe&#8230; Hier nehme ich mir das erste Mal vor es zu lernen! Der zweite Flug ist viel entspannter, auch wenn mich das Pech trifft, dass ich neben einer Frau des Typen \u00a83kg Schminke sind nicht zuviel\u00a8 sitze, welche dementsprechend die meiste Zeit des Fluges mit Schminken besch\u00e4ftigt war. Sp\u00e4t nachts komme ich in Guayaquil an und habe keine Ahnung, ob und von wem ich abgeholt werde. Also stehe ich am Ausgang und warte, aber niemand scheint sich f\u00fcr mich zu interessieren&#8230; Nach 30 Minuten kommen dann aber doch zwei junge Typen Anfang 20 auf mich zu und fragen mich ob ich Joshua sei. Ich war sehr erleichtert, denn ohne Spanisch, oder funktionierendes Mobilfunknetz w\u00e4re das eine lange Nacht am Flughafen geworden!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nZu dritt laufen wir \u00fcber den Parkplatz, vorbei an allen Autos, bis zur Stra\u00dfe und steigen dort in einen wei\u00dfen Pickup, dessen Ladefl\u00e4che voll mit Metallschrott und Kabeln ist. Im Auto unterhalte ich mich mit Jhon und Danielle (wird er so geschrieben?) ein wenig auf Englisch, wobei ich kaum zum Reden komme aufgrund der Fahrweise unseres Taxis. Ich hatte noch nie eine so rasante Autofahrt. Die Reifen haben bei jedem Anfahren und jeder Kurve gequietscht und mit den anderen 9 Autos, die auf der 6-spurigen Stra\u00dfe nebeneinander fuhren, lieferten wir uns ein hei\u00dfes Rennen. Rote Ampeln interessieren in Guayaquil Nachts niemanden, man hupt vor der Kreuzung einmal und f\u00e4hrt mit Tempo 100 \u00fcber die Ampel. Als wir endlich da waren, war ich froh, dass ich es hinter mir hatte, und dankbar, dass ich es \u00fcberlebt habe. Ich werde direkt vor der Haust\u00fcre rausgelassen und mein Gastbruder Jos\u00e9 Steven \u00f6ffnet mir ohne ein Wort zu sagen die T\u00fcr und verschwindet sofort wieder im Bett. Ich gehe ebenfalls hoch, wo meine Gastmutter mir kurz das Bad zeigt und auf ein leeres, gemachtes Bett zeigt und auch wieder verschwindet. Also putze ich meine Z\u00e4hne und leg mich einfach schlafen. Dies erweist sich als schwieriger als ich dachte, weil ich fast den gesamten Flug geschlafen hatte und es hei\u00df und vor allem unglaublich laut war! Hunde bellen um die Wette, Katzen k\u00e4mpfen und Autos hupen. Irgendwann schlafe ich dann doch ein, doch schon um 5 Uhr bin ich hellwach und krieg kein Auge mehr zu, woran auch der ohrenbet\u00e4ubende L\u00e4rm seinen Anteil hat! Mir ist hier das erste Mal bewusst geworden, wie unglaublich leise Deutschland ist, auch vergleichbar gro\u00dfe St\u00e4dte wie Berlin sind so viel leiser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein erster Tag ist sehr entspannt. Ich bin aufgrund der Zeitverschiebung schon fr\u00fch morgens wach und sitze zusammen mit Nicol und Kenny, meinen zwei anderen Gastgeschwistern, meinem Gastvater und meiner Gastmutter am Fr\u00fchst\u00fcckstisch, wo es Bananenchips und Tee gibt. Auch wenn diese Chips optisch Bananen sind, erinnern sie vom Geschmack eher an ganz normale Kartoffelchips. Nachdem die beiden j\u00fcngeren Kinder aus dem Haus sind, geht meine Gastmutter wieder schlafen, also sitze ich mit Papa Chavez vor dem Fernseher und verstehe kein Wort was geredet wird. Ich warte also den gesamten restlichen Tag darauf, dass mich jemand abholt, denn die einzige Anweisung die ich habe ist:<br \/>\nIm Guasmo darfst du nicht allein \u00fcber die Stra\u00dfen laufen, es ist zu gef\u00e4hrlich!<br \/>\nIch denke schon alle haben mich vergessen, als abends pl\u00f6tzlich Lena (eine Freiwillige aus Playas) mit ihrem Freund vor der T\u00fcr steht und mich mit zur Musikschule nimmt. Endlich! Es tut gut mal wieder mit jemandem zu reden, der einen versteht. Hier in Ecuador spricht wirklich fast niemand Englisch (spricht nicht f\u00fcr das Bildungssystem).<br \/>\nIn der Musikschule treffe ich Samuel, Jana und Judith, andere Freiwillige aus Deutschland und ich f\u00fchle mich sofort wohl. Die Musikschule ist klein aber fein, sie hat einen Aufenthaltsraum, einen Instrumenteraum, einen Bandraum und einen normalen Unterrichtsraum. Unterrichtet wird aber auch im Flur, im Treppenhaus, auf dem Balkon und auf dem Dach, sodass immer reger Betrieb herrscht. W\u00e4hrend wir dort sind st\u00f6\u00dft auch noch Martin zu uns, welcher im Moment \u00fcbrigens auch auf den Galapagos Inseln ist und seiner ohne ihn abgefahrenen Kreuzfahrt hinterher jagt.<br \/>\nJhon, der Chef, ist ein unglaublich sympathischer Mensch und bringt mich auch wieder nach Hause. Auf dem Weg finde ich heraus, dass er Dream Theater (f\u00fcr diejenigen, die mich nur grob kennen: meine absolute Lieblichgband) kennt, was ihn nat\u00fcrlich gleich noch sympathischer macht! Zuhause gibt es Abendessen und aufgrund des Jetlags bin ich Todm\u00fcde und falle sofort in einen tiefen Schlaf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am darauffolgenden Tag bin ich den ganzen Tag in der Musikschule, allein zum Essen gehe ich kurz nach Hause. Morgens habe ich im Fernsehen einen Bericht \u00fcber das Viertel in dem ich hier wohne gesehen, es wird nur \u00a8Todesviertel\u00a8 genannt. Darin wird ein Gro\u00dfeinsatz der Polizei aus der letzten Nacht gezeigt, bei dem duzende Menschen festgenommen werden und mehr als 100 kg Drogen beschlagnahmt werden. Tags\u00fcber sieht man weder Polizei, noch Drogen, noch irgendwelche andere Gefahren. Es wirkt eigentlich friedlich. Aber vielleicht tr\u00fcgt der Schein, ich h\u00f6re lieber auf die, die sich hier auskennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Wochenende verbringe ich nicht in Guayaquil. Stattdessen fahre ich mit Samuel, einem unglaublich begabtem Jazzpianisten, dessen Gastmutter und Gastschwester zum Rest seiner Gastfamilie nach Santa Elena an die K\u00fcste. Die Busfahrt dauert insgesamt bestimmt 5 Stunden ist daf\u00fcr mit ungef\u00e4hr 4$ unglaublich g\u00fcnstig! Auf der Fahrt sehe ich endlich mal Landschaften. Guayaquil ist eine riesige Stadt, hat kaum Hochh\u00e4user und die sehr einfachen (um nicht zu sagen \u00e4rmlichen) H\u00e4user mit maximal 3 Stockwerken ziehen sich \u00fcber die sanften H\u00fcgel. Hinter der Stadtgrenze sind subtropische Waldregionen, welche jedoch relativ bald von Steppe und kahlen W\u00fcstenlandschaften mit Kakteen soweit das Auge reicht abgel\u00f6st wird. Vom Haus des Vaters kann man tats\u00e4chlich das Meer sehen und bei unserem Ausflug am Nachmittag wagen wir uns trotz nur 19 Grad Lufttemperatur (f\u00fcr die Eccis ist das Arschkalt) ins Wasser allein um sagen zu k\u00f6nnen: Wir waren im Pazifik schwimmen!<br \/>\nAm n\u00e4chsten fahren wir mit dem wundersch\u00f6nen Traumauto von Samuels Gastvater an einen anderen K\u00fcstenabschnitt. Das Auto ist ein uralter VW-Bus mit zwei Betten, nur 3 funktionierenden G\u00e4ngen, einer unglaublich coolen Hupe und der Motor geht jedes mal aus, wenn er stehen bleibt.. Damit ist man definitiv der langsamste (langsamer als die Roller), aber daf\u00fcr der coolste auf der Stra\u00dfe! Der Ort, an den wir fahren ist bekannt daf\u00fcr, dass man dort Wale sehen kann, was wir leider nicht taten, doch es war trotzdem wundersch\u00f6n dort! Geplant ist, dass wir uns um 2 Uhr auf den R\u00fcckweg nach Guayaquil machen, doch wie es sich f\u00fcr die Eccis geh\u00f6rt, fahren wir erst um 4 Uhr los.<br \/>\nZur\u00fcck im Guasmo werde ich nach Hause gebracht und es ist einfach toll, wie \u00fcberall noch Menschen auf der Stra\u00dfe sind und Musik h\u00f6ren oder mit den Kindern spielen. Zuhause sitze ich noch mit meiner Mutter und Nicol draussen und die beiden fragen mich bei jeder vorbeikommenden Frau ob sie mir gef\u00e4llt. Und eine Tanzlehrerin organisieren sie mir ebenfalls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mir gef\u00e4llt es hier unglaublich gut, aber ich bezweifle, dass ich es hier 10 Monate aushalten w\u00fcrde, weil mir ein wenig die Freiheit fehlt. Man kann nicht einfach allein raus und mal spazieren, sondern muss mit jemandem zusammen gehen und Nachts am besten auch nicht ohne Ecci. Da die Familien irgendwie viel Zeit Zuhause verbringen, muss man sich da anschlie\u00dfen, ob man will oder nicht. Auf Dauer sorgt das daf\u00fcr, dass es ein wenig eint\u00f6nig wird. Trotzdem m\u00f6chte ich gerne hierhin zur\u00fcckkommen, weil die Leute hier so unglaublich gut drauf sind und immer etwas los ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Dienstag wache ich auf und habe irgendwie schlechte Laune. Ich habe das erste Mal richtig Heimweh und m\u00f6chte zuhause sein. In der Musikschule f\u00fchle ich mich auch nicht wohl und ich habe das Gef\u00fchl krank zu werden. Mittags lege ich mich kurz hin und als ich wieder aufwache, habe ich Fieber. Ich sag meiner Gastmutter bescheid, ihre erste Diagnose lautet: Du wirst sterben! Die folgenden sehen \u00fcbrigens nicht anders aus. Ich finde das nur begrenzt lustig, mir geht es unglaublich schlecht, auch wenn mein Fieber nicht \u00fcberdimensional hoch ist, schmerzt mein ganzer K\u00f6rper und ich f\u00fchle mich einfach krank. Noch am Abend geht meine Gastmutter mit mir zu einer \u00a8\u00c4rztin\u00a8. Faktisch war es eine Krankenschwester, die in einer Apotheke (die auch Drogeriemarkt war) durch das Verkaufsfenster versucht eine Diagnose zu stellen. Ich bekomme Tabletten, nehme sie und gehe schlafen. Am n\u00e4chsten Morgen ist es nicht besser. Als Jhon kommt sage ich ihm, dass ich gerne zu einem richtigen Arzt m\u00f6chte, also gehen wir zum Krankenhaus. Dort wird ein Dengue-Test durchgef\u00fchrt, welcher sich drei Stunden sp\u00e4ter als negativ herausstellt. Was ich dort noch nicht wusste, ist, dass Dengue-Fieber fr\u00fchstens am f\u00fcnften Tag nachgewiesen werden kann und mit Sicherheit erst am achten Tag. Also bin ich erstmal beruhigt und gehe zum allgemeinen Arzt des Krankenhaus. Er schien nicht genau sagen zu k\u00f6nnen was ich habe, er vermutet es sein Typhus, aber als ich ihm sage, dass ich dagegen geimpft bin f\u00e4ngt er an auf einer Liste alle Krankheiten anzukreuzen, die ich haben k\u00f6nnte&#8230; Mindestens 12 Kankheiten stehen auf der Liste. Ich bekomme wieder Medikamente und gehe wieder nach Hause. Am n\u00e4chsten Tag sollte ich eigentlich nach Galapagos fliegen und da der Arzt keine Bedenken \u00e4u\u00dfert fasse ich den Flug auch fest ins Ziel, weil ich dort definitiv mehr Ruhe bekomme, als im Gro\u00dfstadtviertel Guasmo.<br \/>\nAls ich am n\u00e4chsten Morgen aufwache habe ich immernoch Fieber, trotzdem packe ich meine Sachen und mache mich auf den Weg zum Flughafen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Fortsetzung und die hierzu geh\u00f6renden Bilder kommen sp\u00e4ter. Ich kann schonmal soviel sagen, dass ich heute einen neuen Bluttest gemacht habe und alles doch auf Dengue-Fieber hinweist. \u00dcbermorgen wird der spezifische Dengue-Test gemacht, dann wei\u00df ich mit Sicherheit was ich habe! Das Fieber ist inzwischen aber zum Gl\u00fcck weg, Kopf und Gliederschmerzen ebenso. Das einzige was noch da ist, ist ein Ausschlag an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, der so sehr juckt, dass ich stattdessen lieber immernoch Fieber h\u00e4tte. Was auch immer ich habe. Ich hoffe, dass es vorbei ist, ich habe mich selten so schlecht gef\u00fchlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich vermisse euch alle unglaublich und hoffe, dass es euch gut geht (besser als mir gehts euch sowieso!).<br \/>\nWenn ihr noch irgendwelche Fragen habt, meldet euch einfach, ich bin im Moment noch viel Zuhause und habe Zeit auf Nachrichten zu Antworten.<br \/>\nIch freue mich von euch zu h\u00f6ren!<br \/>\nMuch love from Galapagos,<br \/>\nJoshua<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hola Chicas y Chicos, Als erstes Entschuldigung daf\u00fcr, dass ich mich bei den meisten erst jetzt auf diesem Wege melde, aber obwohl ich erst zwei Wochen hier bin, habe ich schon genug Erz\u00e4hlstoff f\u00fcr 50 Romane. 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