{"id":128,"date":"2014-09-05T02:33:55","date_gmt":"2014-09-05T00:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/musica-en-paradis.musikerohnegrenzen.de\/?p=128"},"modified":"2014-09-05T02:33:55","modified_gmt":"2014-09-05T00:33:55","slug":"die-dengue-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/2014\/09\/05\/die-dengue-story\/","title":{"rendered":"Die Dengue-Story"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Es ist Dienstag, der 12.8.2014. Ich wache morgens auf und f\u00fchle mich anders als sonst. Irgendwie f\u00fchle ich mich unwohl. Es ist der erste Tag an dem ich Deutschland und alle Menschen dort richtig vermisse. Ich habe getr\u00e4umt, dass ich mit meinen Freunden unterwegs bin und h\u00f6re die Lieder vom PAD. Auch habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich mich Zuhause fast gar nicht gemeldet habe, aber ich hatte kein Internet (Im Nachhinein habe ich mir sagen lassen, dass es Internet gab, aber sie scheinen meine Frage nach Internet nicht verstanden zu haben).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dennoch gehe ich in die Musikschule, wo kein einziger Sch\u00fcler, daf\u00fcr aber alle Freiwilligen sind. Diese sitzen zusammen und besprechen mit John auf Spanisch, was sie am n\u00e4chsten Wochenende machen. Ich sitze im Sessel und h\u00f6re nur mit einem Ohr zu, weil ich da ja schon auf den Galapagos Inseln sein werde und dementsprechend nicht mitmachen werde. Langsam bekomme ich erstmalig das Gef\u00fchl, dass ich krank werde. Ich f\u00fchle mich etwas schwach und m\u00fcde. Mittags bringt mich John nach Hause. Ich habe nur 10 Minuten Zeit zu essen, weil ich mitkommen soll um Nicole von der Schule abzuholen. Wir setzen uns ins Taxi, aber ich habe \u00fcberhaupt keine Lust jetzt unterwegs zu sein, ich will Zuhause sein. An der Schule suchen wir Nicole und gehen hinein, weil sie an dem Tag ihre Noten bekommt. Wir laufen von einem Lehrer zum n\u00e4chsten, bis mich pl\u00f6tzlich eine Frau fragt wer ich bin. Nicole erkl\u00e4rt es, doch es bringt nichts&#8230; Ich werde raus geworfen, weil ich weder Sch\u00fcler, noch Elternteil bin. Also warte ich vor dem Eingang der Schule. Die Mittagssonne knallt in voller St\u00e4rke auf mich nieder und es gibt kaum Schatten und auch trotz Schatten ist es viel zu warm. Am liebsten w\u00fcrde ich mich hinlegen und schlafen. Als Nicol zur\u00fcck kommt, fahren wir nach Hause. Dort lege ich mich aufs Sofa und schlafe. John holt mich heute nicht ab, weil er in der Stadt ist um unser Visum abzuholen und bis dahin ist man gut zwei Stunden unterwegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als ich aufwache, habe ich Fieber. Mir tut alles weh und ich habe Kopfschmerzen. Kein Schnupfen und keine Halsschmerzen. Also ist es keine normale Grippe, da habe ich am Anfang immer Halsschmerzen. Ich sage Mama Chavez Bescheid und nachdem sie mir attestiert, dass ich sterben werde, vermutet sie, dass es Dengue Fieber sein k\u00f6nnte. Sofort kramt sie irgendwelche Tabletten hervor und gibt mir 2 davon. Ich wei\u00df bis heute nicht was es war. Danach lege ich mich ins Bett, kann aber nicht schlafen. Nach einiger Zeit werde ich runtergerufen und mir wird gesagt, ich solle mehr Wasser trinken. Ich trinke soviel ich kann, aber das abgekochte Leitungswasser schmeckt f\u00fcrchterlich. Ich sage, dass ich gerne zu einem Arzt m\u00f6chte, weil es mir wirklich schlecht geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also gehen Mama Chavez und ich los. Ich bin ein wenig \u00fcberrascht, dass der \u00a8Arzt\u00a8 drei H\u00e4user weiter ist und eher eine Apotheke zu sein scheint. Eine Frau in Krankenschwestertracht be\u00e4ugt mich durch das Gitter, welches vor jedem Gesch\u00e4ft im Guasmo ist, redet etwas auf Spanisch und gibt mir schlie\u00dflich insgesamt vier Tabletten und irgendwelche Elektrolytl\u00f6sung zur Senkung des Fiebers. Bei den Tabletten handelte es sich um zwei mal Paracetamol und zwei mal Amoxicilin. Ich nehme von beiden jeweils eine Tablette und gehe schlafen. Das erweist sich als relativ schwierig, weil ich so starken Sch\u00fcttelfrost habe, dass die d\u00fcnne Decke, die ich nur habe irgendwie nichts bringt. Ausserdem trainiert Jose Steven, mein Gastbruder, im Nachbarzimmer und h\u00f6rt dabei in voller Lautst\u00e4rke Raggaeton, obwohl er wei\u00df, dass ich im Nachbarzimmer liege, krank bin und schlafen will. Alle in der Familie haben sich so gut um mich gek\u00fcmmert, aber er war in der Situation einfach nur r\u00fccksichtslos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am n\u00e4chsten Morgen f\u00fchle ich mich genauso schlecht, jedoch sagt das Thermometer, dass das Fieber gesunken sei. Am sp\u00e4ten Vormittag kommt John vorbei und schaut nach mir. Er war wohl schon am Abend vorher da, aber ich habe es nicht mitbekommen, da ich schon mitten in meinen Fiebertr\u00e4umen lag. Ich sage ihm, dass ich gerne in ein richtiges Krankenhaus gehen m\u00f6chte und mich von einem echten Arzt untersuchen lassen m\u00f6chte. Also mache ich mich mit ihm auf den Weg, marschiere mit Fieber durch das gesamte Viertel bis zum Krankenhaus. Das Krankenhaus hebt sich von der Architektur nur insofern ab, als dass es deutlich gr\u00f6\u00dfer ist als die anderen Geb\u00e4ude ist. Ansonsten ist es derselbe kahle Beton. Am Empfang schildert John meine Krankheit und ich werde in ein Behandlungszimmer geschickt. John muss draussen warten. Drinnen kommt eine \u00c4rztin zu mir, gibt mir zu verstehen, dass ich mich auf den Gartenplastik-Stuhl setzen soll und ihr meinen Arm geben soll. Sie nimmt einen Gummihandschuh, legt ihn um meinen Arm um das Blut abzuschn\u00fcren. Als n\u00e4chstes rammt sie mir eine Nadel in den Unterarm, und f\u00fcllt eine Kartusche mit Blut. Ich bekomme einen Tupfer und werde wieder des Raumes verwiesen. John erkl\u00e4rt mir, dass wir drei Stunden auf das Ergebnis warten m\u00fcssen, was, wie ich inzwischen wei\u00df unglaublich wenig ist. Ich laufe wieder nach Hause. Vier Stunden sp\u00e4ter bekommen wir in einem verschlossenen Umschlag das Resultat des Testes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">NEGATIVO<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein Herz macht einen Sprung und ich bin froh, dass ich kein Dengue habe. Ich hatte am Abend vorher den gesamten Wikipedia-Artikel gelesen und der hat nicht gerade daf\u00fcr gesorgt, dass ich mir diese Krankheit gew\u00fcnscht habe. Da es mir aber immer noch wirklich schlecht geht, m\u00fcssen wir noch zu einem Allgemein Arzt. Wir warten mindestens eine Stunde in einem durch die Klimaanlage extrem unterk\u00fchltem Wartezimmer. Das Mobiliar bestand ausschlie\u00dflich aus wei\u00dfen Plastikst\u00fchlen, wie man sie aus dem Garten kennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als wir endlich an der Reihe sind beginnt der Arzt mit seine Diagnose. Seine erste Idee ist, dass es Typhus sein k\u00f6nnte. Doch ich melde mich sofort, dass ich (zum Gl\u00fcck) geimpft bin. \u00a0Doch scheint ihn diese Tatsache komplett aus dem Konzept zu bringen, er f\u00e4ngt an auf einem Zettel alle potenziellen Krankheiten, die ich haben k\u00f6nnte anzukreuzen. Am Ende hat er ungef\u00e4hr 20 Kreuze gesetzt, von denen einige nochmal umkreist sind, weil er diese Krankheiten f\u00fcr wahrscheinlicher als andere h\u00e4lt. Als ich ihm zeige, was ich f\u00fcr Tabletten genommen habe, schreibt er mir ein Rezept. Seine Krankheitsthese lautet: Lebensmittelvergiftung. Aber ehrlich gesagt schien mir das irgendwie unwahrscheinlich, weil ich weder Durchfall, noch irgendwelche anderen Magenbeschwerden hatte und auch nicht gekotzt habe. Die Tabletten, die ich bekomme sind erneut Amoxicilin. Wieder nehme ich sie. Ich bete, dass es mir am n\u00e4chsten Tag besser geht, weil dort mein Flug auf die Galapagos Inseln abgeht. Der Arzt hatte keinerlei Bedenken bez\u00fcglich des Fluges ge\u00e4ussert. Ich gehe also schon fr\u00fch schlafen, wobei ich vorher alle meine Sachen packe. Mama Chavez scheint nicht so begeistert von der Idee zu sein, dass ich am n\u00e4chsten Tag in den Flieger steigen m\u00f6chte, doch ich m\u00f6chte es unbedingt, weil ich wei\u00df, dass ich dort einfach viel mehr Ruhe bekomme und Jos\u00e9 sich mit Sicherheit gut um mich k\u00fcmmern wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am n\u00e4chsten Morgen ist das Fieber immer noch da, doch trotzdem fahre ich mit John an den Flughafen, nachdem ich meine letzte Tablette genommen habe. Der Flug lief super und auf den Galapagos Inseln werde ich von Jos\u00e9 abgeholt. Das Fieber hat aber daf\u00fcr gesorgt, dass ich mich kaum an Details erinnern kann. Im Haus lege ich mich sofort schlafen. Am n\u00e4chsten Morgen wird mir bewusst, dass ich kein Fieberthermometer dabei habe. Aber da wir sowieso zum Arzt wollen, beschlie\u00dfen wir eins zu besorgen. Also fahren wir mit dem Fahrrad zum einzigen Krankenhaus der Insel. Es hat nur die Notaufnahme ge\u00f6ffnet und wir warten eine halbe Ewigkeit, bis wir dran kommen. Wir schildern dem Arzt meine Symptome, doch er weigert sich mich zu behandeln. Ich habe ja \u00a8nur\u00a8 Fieber und Kopfschmerzen. Ich soll viel trinken und am Montag wiederkommen, falls es immer noch da ist. Das einzige Thermometer, was wir bekommen ist ein uraltes Quecksilber Thermometer. Doch irgendwie funktioniert es nicht, es scheint keine Fl\u00fcssigkeit zu enthalten. Doch ich wei\u00df, dass ich noch Fieber habe, ich f\u00fchle es und auch Jos\u00e9 sagt, dass ich immer noch gl\u00fche. Dennoch machen wir uns erneut auf den Weg und finden eine Apotheke, die ein \u00a8digitales\u00a8 Thermometer f\u00fchrt. Naja, es war nicht das, was wir erwarteten. Es handelt sich um einem Plastikstreifen, den man sich auf die Stirn h\u00e4lt und der dann mittels Farben anzeigt wie hoch das Fieber ist. Jedoch ist es erstens unglaublich ungenau, da es nur ganze Zahlen anzeigt und wenn es 38 Grad anzeigt, kann es sowohl 37,5 Grad als auch 38,5 Grad, sein, was ja kaum ein Unterschied ist&#8230; Ausserdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die Stirn ein geeigneter Ort zum Fieber messen ist. Also wei\u00df ich weiter nur, dass ich Fieber habe aber nicht wie viel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am n\u00e4chsten Morgen kommt Martin vom Festland und als w\u00fcrde der Himmel ihn schicken, hat er ein echtes, deutsches Fieberthermometer dabei. Das sagt, das ich leider immer noch Fieber habe, doch es ist niedriger als vorher. Am Sonntag wache ich auf und f\u00fchle mich das erste Mal so, als h\u00e4tte ich kein Fieber. Ich messe und tats\u00e4chlich habe ich nur noch leicht erh\u00f6hte Temperatur. Also beschlie\u00dfe ich, dass ich endlich Mal wieder raus muss und begleite Martin mit Jos\u00e9 zum Hafen, wo seine Kreuzfahrt losgehen soll. Leider funktioniert nicht alles wie geplant und wir haben noch mehr Zeit, also trinken wir Jugo (Saft) und spazieren durch den Nationalpark. Aber die Euphorie \u00fcber das fast verschwundene Fieber w\u00e4hrt nicht lange. Anstatt von Fieber habe ich pl\u00f6tzlich roten Ausschlag an H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfen, der so unglaublich sehr juckt, dass ich fast den Verstand verliere. Wir m\u00fcssen nach Hause gehen, bevor Martin abf\u00e4hrt, weil ich es einfach nicht aushalte. Die folgende Nacht ist eine der schlimmsten in meinem Leben. Ich liege bis vier Uhr wach und kann nicht schlafen, weil alles juckt und ich bin wirklich kurz davor den Verstand zu verlieren. Mehrmals verlasse ich unser Haus und spaziere durch die Stra\u00dfen mich abzulenken. Im Endeffekt schlafe ich nur wenige Stunden und ich h\u00e4tte lieber noch Fieber, als diesen Ausschlag gehabt. Am n\u00e4chsten Morgen ist es ein wenig besser, dennoch beschlie\u00dfen wir ins Krankenhaus zu gehen, da ja auch Montag ist und ich nicht gesund war. Nach der obligatorischen Stunde Wartezeit d\u00fcrfen wir eintreten und vor uns sitzt eine \u00c4rztin und das erste mal f\u00fchle ich mich so, als w\u00fcrde sich jemand f\u00fcr mich interessieren. Sie ordnet zwei Bluttests an, einen f\u00fcr sofort, den anderen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Sie erkl\u00e4rt mir, dass man f\u00fcr den sicheren Nachweis von Dengue acht Tage warten muss, daher muss ich am n\u00e4chsten Tag wiederkommen. Ich gehe also in das \u00a8Labor\u00a8 und setze mich auf einen gro\u00dfen Holzstuhl, der auch zu Folterzwecken benutzt werden k\u00f6nnte. Eine Schwester kommt rein, nimmt mir Blut ab, steckt die Kartusche in ihre Brusttasche und wirft die benutzte Nadel in ein Pappkarton mir eingeschnittenem Loch. Wir bekommen gesagt, dass wir in vier Stunden wiederkommen sollen, also verschwinden wir und gehen erstmal Mittagessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als wir zur\u00fcckkommen, gehen wir ins Labor und holen unser Ergebnis ab. Es ist ein normaler Bluttest, es stehen Werte und Abk\u00fcrzungen darauf, von denen ich nichts verstehe, also m\u00fcssen wir erneut zur \u00c4rztin, damit diese uns sagen kann, was es bedeutet. Wieder warten wir unglaublich lange. Die \u00c4rztin sagt uns schlie\u00dflich, dass die Blutwerte alle in Ordnung sind und sie daher tats\u00e4chlich vermutet, dass es sich um Dengue handelt. Wir sollen also am n\u00e4chsten Tag wiederkommen f\u00fcr den endg\u00fcltigen Test.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gesagt, getan, am n\u00e4chsten Tag sitze ich wieder im Folterstuhl und bekomme dieses Mal zwei Kartuschen Blut abgenommen. Dazu sollte man sagen, dass die Dengue-Viren in Europa, sowie den USA und einigen anderen L\u00e4ndern nur in Labors der Stufe 3 untersucht werden, da es ja bis heute keine Medikamente dagegen gibt und sie schweren Schaden verursachen k\u00f6nnen. Es gibt nur eine h\u00f6here Stufe, zu der extrem gef\u00e4hrliche Krankheiten wie Ebola geh\u00f6ren, die im Gegensatz zu Dengue hoch ansteckend sind. Ein Labor der Stufe 3 darf nur von ausgebildeten Fachkr\u00e4ften in angemessener Schutzkleidung benutzt werden, muss fest verschlossene Fenster und eine T\u00fcr mit Sicherheitsschleuse haben.. Zudem muss es stets ausreichend gel\u00fcftet sein, die Proben immer fest verschlossen und die Tische und der Boden aus Wasserundurchl\u00e4ssigem Material sein. F\u00fcr Notf\u00e4lle muss die M\u00f6glichkeit bestehen das Labor zur Dekontamination mit Gas zu fluten. Aber wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, l\u00e4uft das hier in Ecuador etwas anders. Das Labor hat eine nicht abgeschlossene Holzt\u00fcr mit einem Schild, auf dem steht, dass das Betreten verboten sei. Etwas daneben ist eine Art Fenster, wie bei einem Drive-In Schalter bei McDonalds, von dem man direkt in das Labor schauen kann. Drinnen sitzen gem\u00fctlich Leute, h\u00f6ren Laut Radio und lesen Zeitung. Das Mobiliar besteht aus Holztischen und Schutzkleidung tr\u00e4gt niemand. Aber mir soll\u00a0es egal sein, solange ich mein Testergebnis bekomme&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sp\u00e4ter komme ich wieder und bekomme dasselbe Blatt wie am Vortag in die Hand gedr\u00fcckt. Wir fragen wo der Dengue Test sei, doch die Frau im Labor sagt, dass das der Test ist und ein Arzt die Werte auswerten muss und uns dann das Ergebnis sagen k\u00f6nne. Also stellen wir uns wieder an der Schlange an, doch uns wird kein Einlass gew\u00e4hrt. Einer der Arzthelfer\u00a0nimmt irgendwann meine Ergebnisse mit und verschwindet im Inneren. Kurz darauf kommt er wieder und sagt uns, dass niemand die Ergebnisse lesen kann und die einzige Person, die sie lesen kann auf dem Festland ist und erst in einer Woche zur\u00fcck kommt.<br \/>\nGeknickt gehen wir also zur\u00fcck nach Hause, aber immerhin ist der Ausschlag weg und ich f\u00fchle mich zum ersten Mal wieder vollst\u00e4ndig gesund. Weil mir die Ergebnisse jedoch nicht ganz geheuer sind und ich zuvor im Guasmo ja einfach nur einen Zettel bekommen hatte, auf dem das Ergebnis stand, schicke ich die Blutwerte nach Deutschland an einen Arzt, dem ich mehr vertraue (Viele Gr\u00fc\u00dfe und Danke, Martin). Er antwortet mir, dass es ja sch\u00f6ne Blutwerte seien, jedoch definitiv kein Dengue-Test dabei ist..<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alles klar, kein Problem, wir gehen einfach nochmal zum Krankenhaus und fragen nach. Wir gehen wieder ins Labor und dieses Mal sagen sie, dass der Bluttest zum Festland geschickt wurde und dort ausgewertet wird. Das Ergebnis komme in einer Woche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Inzwischen sind wir echt genervt und haben keine Lust jeden Tag ins Krankenhaus zu latschen. Eine Woche vergeht und wir sitzen wieder vor dem Krankenhaus und waren auf den Einlass. Wir werden wieder zu keinem Arzt vorgelassen, doch die freundlichen \u00a8T\u00fcrsteher\u00a8\/Arzthelfer gehen hinein und sagen uns, dass wir am n\u00e4chsten Tag wiederkommen sollen und zur Anmeldung kommen sollen. Das Ergebnis sei dann dort. Voller Vorfreude kommen wir am n\u00e4chsten Vormittag wieder und gehen zur Anmeldung. Doch pl\u00f6tzlich hei\u00dft es, ich ben\u00f6tige meinen Pass sowie eine Kopie desselbigen. Danke, dass ich das jetzt pl\u00f6tzlich ben\u00f6tige und mir das vorher gesagt wurde! Leider sind wir zum Essen eingeladen und ich muss erst noch meinen Pass holen. Ausserdem habe ich ja schon Unterricht. Also komme ich Nachmittags mit der Ausweiskopie wieder und gehe zum Empfang. Doch da hei\u00dft es, wir seien zu sp\u00e4t, sie w\u00fcrden um 16:30 Uhr schlie\u00dfen und es sei schon 16:40 Uhr. Wir sagen, dass wir nur endlich das Testergebnis haben wollen.Wir sollen warten, sagt einer und verschwindet hinten in einem Raum. Er kommt zur\u00fcck und sagt, dass der Test negativ sei und wir die schriftliche Version am n\u00e4chsten Morgen um 7:30 Uhr abholen sollen.<br \/>\nIch bin nicht komplett von der Nachricht \u00fcberzeugt und zweifel so sehr, dass Johnny schon sagt: \u00a8Joshua, du willst doch Dengue haben!\u00a8. Will ich definitiv nicht, das w\u00fcrde n\u00e4mlich bedeuten, dass ich keine Ecuador Rundreise machen k\u00f6nnte und vermutlich auch nicht mehr nach Thailand fliegen k\u00f6nnte&#8230; Dennoch ist die Hoffnung da, dass der Arzt recht hatte. Doch es w\u00e4re zu einfach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am n\u00e4chsten Morgen p\u00fcnktlich um halt Acht stehen wir vor der Anmeldung und einer endlos langen Schlange. Nach einer Stunde sind wir endlich dran. Nachdem sie alle Daten aufgenommen haben und mir meine gef\u00fchlt hundertste Akte angelegt haben, bekomme ich eine Nummer und soll im Wartezimmer Platz nehmen. Es sitzen mindestens 20 andere Leute mit mir hier, doch nach nur zehn Minuten bin ich schon an der Reihe. Ich komme in ein Zimmer zu einer \u00c4rztin, die mich fragt was f\u00fcr Symptome ich hatte. Zum tausendsten Mal erkl\u00e4re ich: Nur Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Augenschmerzen und Ausschlag. Und NEIN, kein Durchfall, keine \u00dcbelkeit oder Magenschmerzen! Sie sagt, es klingt nach Dengue, dass der Test aber sieben Tage nach Ausbruch durchgef\u00fchrt werden muss. Sie fragt, warum wir denn nicht beim Arzt waren und einen Dengue Test machen lassen haben&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich frage mich, wie ich in der Situation ruhig bleiben konnte, aber irgendwie lernt man hier sich \u00fcber nichts mehr aufzuregen, weil man sonst viel zu schnell kollabieren w\u00fcrde. Jos\u00e9 schildert ihr also langsam, dass wir schon zwei Mal zum Bluttest da waren, aber anscheinend kein Dengue Test vorhanden sei, obwohl er angeordnet wurde. Das Problem ist nur eben, wie soll es anders sein: Der einzige Arzt, der einen Dengue Test durchf\u00fchren kann ist auf dem Festland und kommt erst in einer Woche wieder&#8230; Wir fahren wieder nach Hause und ich beschlie\u00dfe, dass ich noch genau ein Mal ins Krankenhaus f\u00fcr den Test und ein einziges Mal f\u00fcr das Ergebnis gehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Inzwischen ist Dienstag, am n\u00e4chsten Tag soll ich zum Test ins Krankenhaus kommen. Ich habe die Symptome nochmal genau gepr\u00fcft und sie passen einfach 100% exakt genau auf Dengue. Darum werde ich, sollte das mit dem Test am n\u00e4chsten Tag nicht klappen, einfach davon ausgehen, dass es Dengue war. Zudem kommt, dass ich heute bei FUNDAR im B\u00fcro war und endlich Enio kennen gelernt habe. Wer Enio ist, erz\u00e4hle ich euch wann anders, interessant ist nur, was er gesagt hat:<br \/>\nLaut seinen Angaben war irgendeine Gesundheitsbeh\u00f6rde im B\u00fcro, hat sich nach unserem Haus erkundigt und war angeblich sogar dort um es zu \u00fcberpr\u00fcfen. Zudem soll das Haus, in dem ich im Guasmo gelebt hab, bzw. die Region darum auf weitere F\u00e4lle \u00fcberpr\u00fcft worden sein. Ich wei\u00df nicht inwiefern das Schwachsinn ist, was er erz\u00e4hlt hat, aber wenn es wahr sein sollte, dann k\u00f6nnte ich echt einfach mal ein paar K\u00f6pfe abrei\u00dfen! Die beschatten mich komplett, anstatt einfach nur einen Test durchzuf\u00fchren, der sogar im heruntergekommendsten Krankenhaus im Guasmo gerade mal 3 Stunden gedauert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anscheinend haben sie inzwischen aber Angst, dass ich tats\u00e4chlich Dengue gehabt haben k\u00f6nnte. Und bevor mir irgendjemand Vorw\u00fcrfe macht, als ich geflogen bin, war ich der festen \u00dcberzeugung kein Dengue zu haben. Ich hatte das Testergebnis aus dem Krankenhaus in Guayaquil und wusste nichts davon, dass man Dengue am dritten Tag noch nicht zwangsl\u00e4ufig nachweisen kann. Ausserdem hat John mir gesagt: Ich kenne viele die Dengue hatten, wenn deine Augen nicht schmerzen, ist es kein Dengue! Und zu dem Zeitpunkt haben sie nicht geschmerzt, das kam erst am zweiten Tag auf den Galapagos Inseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn ich jetzt hier etwas eingeschleppt habe, dann habe ich wirklich das schlechteste Gewissen, dass man haben kann, aber glaubt mir ich habe es einfach nicht besser gewusst. Und ich will jetzt keine Schuld von mir weisen, aber ich erinnere mich sehr gut, dass man sich am ersten Tag hier im Krankenhaus geweigert hat mich zu behandeln, obwohl ich auf den anfangs vorhandenen Dengue-Verdacht hingewiesen habe. Und auch an den folgenden Tagen h\u00e4tte ein einfacher Test ja auch gen\u00fcgt um die Gefahr zu erkennen und was dagegen zu tun. Zum Gl\u00fcck habe ich hier von Anfang an mit Moskitonetz geschlafen und gestochen wurde ich (soweit ich hoffe) erst, als es mir wieder gut ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also gehe ich am besagten Mittwoch, den 3. September, morgens fr\u00fch ins Krankenhaus in der Hoffnung endlich einen Test zu bekommen. Die Schlange an der Anmeldung ist wieder 42km lang und wir m\u00fcssen uns wieder ganz hinten anstellen. Irgendwann kommen wir endlich dran, doch bekommen gesagt, dass es so voll sei, dass wir erst am sp\u00e4ten Vormittag dran kommen w\u00fcrden. Also bekommen wir einen Termin bei der \u00c4rztin, bei der wir beim letzten Mal auch waren. \u00dcberp\u00fcnktlich (typisch Deutsch) sind wir wieder im Krankenhaus und setzen uns vor dem Behandlungsraum hin und warten&#8230; Und warten&#8230; Irgendwann kommt ein Arzt mit buschigem, wei\u00dfem Haar auf uns zu und fragt mich, ob ich Joshua sei.<br \/>\nIch bejahe und er setzt sich zu uns. In der Hand hat er den Zettel, den die \u00c4rztin beim letzten Mal ausgef\u00fcllt hatte. Darunter schreibt er klein und unleserlich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">DENGUE IGM POSITIVO<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alles klar, endlich habe ich ein Ergebnis, auf das ich mich verlassen kann. Woher der Test pl\u00f6tzlich kommt, wei\u00df ich nicht, uns hatte man gesagt es g\u00e4be keinen. Anscheinend hat es doch einen gegeben und er musste tats\u00e4chlich auf dem Festland untersucht werden.<br \/>\nDann f\u00e4ngt der Arzt an zu erz\u00e4hlen, Johnny hat im Gegensatz zu mir noch nicht die Wikipedia Artikel auswendig gelernt und l\u00e4sst sich alles genau erkl\u00e4ren. Doch der Arzt ist wirklich freundlich und schildert alles anschaulich und verst\u00e4ndlich. Irgendwann kommt die \u00c4rztin, zu der ich eigentlich sollte raus und stellt sich dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jetzt wird es interessant, weil sich beide die Frage stellen, warum der Test erst so sp\u00e4t kam, warum man mich nicht schon am Anfang genauer untersucht hat und wieso zwei mal ein falscher Test gemacht wurde. Schon der erste Arzt im Krankenhaus h\u00e4tte das erkennen, melden und behandeln m\u00fcssen. Der Arzt mit den wei\u00dfen Haaren scheint extrem ver\u00e4rgert \u00fcber die \u00c4rztin sowie alle anderen, bei denen ich war. Er rechnet uns vor: Man wird t\u00e4glich durchschnittlich f\u00fcnf mal gestochen. F\u00fcnf Tage war ich auf den Galapagos Inseln in der Phase, in der ich den Virus verbreiten konnte. Die Moskitos stechen weitere Personen und vermehren sich in der Zeit auch noch. Ihr k\u00f6nnt euch selbst ausrechnen, wie gro\u00df die Gefahr ist, dass so etwas eine Epidemie ausl\u00f6st. Ich hoffe wirklich, dass ich gut genug aufgepasst habe und nicht gestochen wurde, weil ich nicht derjenige sein m\u00f6chte, der eine Dengue-Epidemie auf den Galapagos Inseln ausl\u00f6st. Zum Gl\u00fcck ist der \u00dcbertr\u00e4ger des Virus, die weibliche Gelbfieberm\u00fccke, hier nicht so verbreitet und da bis jetzt noch niemand in meinem Umfeld ebenfalls erkrankt ist, hoffe ich, dass wir alle Gl\u00fcck gehabt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mir geht es inzwischen aber wieder perfekt, ich bin topfit, bin die ganze Zeit unterwegs, arbeite, esse, genie\u00dfe und bin gl\u00fccklich hier sein zu d\u00fcrfen. Doch die Krankheit wird f\u00fcr mich jede Menge Folgen haben. Da die Zweiterkrankung mit einem Dengue Virus eines anderen Typs weit gef\u00e4hrlicher ist, als die Erste, werde ich in Zukunft Gebiete, in denen die Krankheit verbreitet ist meiden m\u00fcssen. Das schr\u00e4nkt meine Freiheit auf der Welt irgendwie total ein, weil die meisten tropischen und subtropischen Urwaldregionen f\u00fcr mich zum Tabu werden. Aber wer wei\u00df, vielleicht gibt es in einigen Jahren ja schon eine M\u00f6glichkeit Dengue zu bek\u00e4mpfen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich bin inzwischen als dritter offizieller Dengue-Fall auf den Galapagos Inseln eingetragen und damit offiziell zum Denguepapst ernannt worden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das war die erste spannende Geschichte, f\u00fcr euch und ich hoffe, dass sie wirklich zu Ende ist und ich nicht noch ein Kapitel dazuschreiben muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Einen ganz besonderen Dank schulde ich noch Josefin und Johnny, die mich in der ganzen Zeit gepflegt haben oder mit mir im Krankenhaus waren und sich mit den Knallk\u00f6pfen dort rumgeschlagen haben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also, bleibt gesund, genie\u00dft das Leben und haltet euch fern von Moskitos!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wundersch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Joshua (Denguepapst)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Dienstag, der 12.8.2014. Ich wache morgens auf und f\u00fchle mich anders als sonst. Irgendwie f\u00fchle ich mich unwohl. Es ist der erste Tag an dem ich Deutschland und alle Menschen dort richtig vermisse. Ich habe getr\u00e4umt, dass ich &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/2014\/09\/05\/die-dengue-story\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":35,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[2],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/users\/35"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=128"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/joshuakaewnetara\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}