{"id":235,"date":"2018-03-03T05:54:47","date_gmt":"2018-03-03T04:54:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/claudiadanner\/?p=235"},"modified":"2018-03-03T06:00:58","modified_gmt":"2018-03-03T05:00:58","slug":"out-of-many-one-people-szenen-aus-dem-leben-mit-jamaikanern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/claudiadanner\/2018\/03\/03\/out-of-many-one-people-szenen-aus-dem-leben-mit-jamaikanern\/","title":{"rendered":"Out of many &#8211; one people! Szenen aus dem Leben mit Jamaikanern"},"content":{"rendered":"<p>Night, guys!<\/p>\n<p>In Jamaika sagt man t\u00e4ts\u00e4chlich &#8222;Night&#8220; anstatt von Guten Abend. Good morning sagt man bis ca. 12 Uhr, danach good afternoon bis ungef\u00e4hr 15 Uhr, good evening h\u00f6ren wir hier bis 18, maximal 19 Uhr, alles danach ist night. Nicht zu verwechseln mit Gute Nacht, denn es handelt sich bei &#8222;night&#8220; haupts\u00e4chlich um eine Begr\u00fc\u00dfungsform. Und da w\u00e4ren wir schon mitten im Topic dieses Blogs: Wie ticken die Blackies hier eigentlich so? Einiges \u00fcber die Jamaikinis konntet ihr bestimmt in meinen bisherigen Blogeintr\u00e4gen bereits &#8222;herauslesen&#8220;. Nat\u00fcrlich ist es schwer, eine bestimmte Art von Mentalit\u00e4t, einen Lebensstil oder ein kulturbedingtes Verhalten zu beschreiben. Deshalb besteht der folgende Eintrag aus lauter kleinen Geschichten, mal mit und mal ohne Kommentar meinerseits. Es handelt sich um kleine Erlebnisse, die sich in meinen mittlerweile 8 Wochen angesammelt haben. Ich m\u00f6chte jedoch davor warnen, beim Lesen der Geschichten zu voreilige Schl\u00fcsse \u00fcber die jamaikanische Mentalit\u00e4t zu schlie\u00dfen. Vieles liest sich &#8222;krasser&#8220; als es tats\u00e4chlich ist, und jeder Freiwillige erlebt seine Zeit im Projekt und mit den Einheimischen immer ein bisschen anders. Das Leben hier ist ja auch anders als in Deutschland, und diese Andersartigkeit genie\u00dfe ich, so gut es geht, insbesondere in dem Wissen, dass 3 Monate keine lange Zeit sind. So, und nun auf ins Geschichten erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p><strong>No, children, no cry.<\/strong> Ich gehe in die Jonestown Basic School und sehe ein sch\u00fcchtern drein blickendes Kind auf dem Arm einer Lehrerin. Die Lehrerin zeigt auf uns und zeigt dem Jungen, dass er uns zuwinken kann. Die anderen Freiwilligen erz\u00e4hlen mir darauf, dass der Junge weint, weil wir wei\u00df sind.<\/p>\n<p><strong>Two Rastamen<\/strong>. Wir gehen in Downtown einkaufen und ein alter Rasta fragt uns in einem super sympathischen Auftreten, wo wir herkommen und ob uns Jamaika gefallen w\u00fcrde. Er erkl\u00e4rte uns, dass wir doch alle Menschen sind und dass das einzige, was uns unterscheidet, die Hautfarbe ist. F\u00fcr ihn w\u00e4re es selbstverst\u00e4ndlich, dass wir alle aufeinander aufpassen. &#8222;I take care of you when you&#8217;re in my country the same way as you watch out for me when I&#8217;m in your country!&#8220; Ein paar Tage sp\u00e4ter erkl\u00e4rt jedoch ein anderer Rasta einem unserer Freiwilligen: &#8222;Also, von deiner Denkweise her bist du aber schon eher schwarz als wei\u00df&#8220; &#8230; die Ansichten sind also auch im selben Volk recht unterschiedlich.<\/p>\n<p><strong>Dem like leaders<\/strong>. Hitler ist bei manchen hier angesehen. W\u00e4hrend wir ihn als einen der unmenschlichsten Personen beschreiben, die je gelebt haben, feiern sie ihn als beeindruckenden F\u00fchrer. So wie es Putin auch w\u00e4re, wurde uns gesagt. Als wir den Holocaust ansprechen, sagen sie darauf, dass Hitler ja nur was gegen Juden und nichts gegen Schwarze gehabt h\u00e4tte (&#8222;Mi a no jew!&#8220;). Wenn ich sie richtig verstanden habe, meinten sie &#8222;wenn er gemerkt h\u00e4tte, dass wir ihn als F\u00fchrer anerkennen, h\u00e4tte er uns nichts angetan&#8220;. Hmpf.<\/p>\n<p><strong>Music 24\/7<\/strong>. Fr\u00fchs werde ich h\u00e4ufig von Musik geweckt. Und damit meine ich, dass irgendwer eine riesige Box aufgestellt hat, um haupts\u00e4chlich reggae, oder auch r n b, pop oder dancehall abzuspielen. Die Musik ist laut, sehr laut. Auch auf Busfahrten oder einfach mitten auf der Stra\u00dfe ist laute Musik zu h\u00f6ren. Ich habe tats\u00e4chlich auf l\u00e4ngeren Reisen immer Ohropax dabei, um nicht v\u00f6llig geh\u00f6rlos wieder kommen zu m\u00fcssen. Viel Bass, mehr dieser chillige, langsame Reggae als tanzbares Zeug. Musik H\u00f6ren ist hier eine Besch\u00e4ftigung zum Abh\u00e4ngen, Chillen, rauchen. Kein Problem soweit, solange wir auch unsere deutsche Musik h\u00f6ren k\u00f6nnen, ist alles ok. W\u00e4hrend man in Deutschland gew\u00f6hnt ist, dass die Musik auch mal runter gedreht wird, wenn man miteinander reden will, habe ich es schon \u00f6fters erlebt, dass die Musik laut bleibt und die Leute einfach lauter reden. Ebenso ist es v\u00f6llig normal, wenn nicht nur eine Musik im Raum l\u00e4uft, sondern mehrere Menschen ihren Lautsprecher herausholen.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Trench Town Jamaika, born and raised.<\/strong> Da wir ja an 3 verschiedenen Schulen unterrichten und auch durch den Instrumentalunterricht somit viel Kontakt zu Kindern haben, versuche ich mich oft in das Leben der Kids, das Aufwachsen in Trenchtown oder Jonestown hineinzuversetzen. Und obwohl wir so viel Kontakt zu den Kids haben, empfinde ich es als unm\u00f6glich, mich in dieses Leben hier hineinzuversetzen. Es passiert mir immer wieder, dass ich meine Kindheit mit der der Kids vergleiche und mir denke: oh, das hatten\/kennen die ja gar nicht, das machen die ja anders oder \u00fcberhaupt nicht, das w\u00e4re ja komisch f\u00fcr die. Beispiel: wenn ich mit den Kids ein kleines Einsingen machen will, verbinde ich das gerne mit einer Fantasiereise, z.B. &#8222;Wir gehen an den Strand und springen ins Wasser, dabei sagen wir huiiiiiiiii&#8230;&#8220;. Hierf\u00fcr muss ich mich immer wieder vergewissern, dass die Kids das hier auch wirklich kennen. Letztens wollte ich mit den Kids auf den Rummel gehen. Aber welches Trench Town Kid war schon mal auf einem Jahrmarkt? So was gibt es hier nicht, zumindest nicht ansatzweise vergleichbar mit Deutschland.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ey whities&#8220;<\/strong> h\u00f6ren wir eigentlich jedes Mal, wenn wir einkaufen oder sonst wo hingehen. Wobei, man h\u00f6rt es in Downtown schon eher als in Uptown. Wenn man dann immer noch nicht zu der anquatschenden Person hinguckt, kommt ein &#8222;ssssssssst&#8220; hinterhergehisst. Das f\u00fchlte sich anfangs besonders unangenehm an. Mittlerweile wei\u00df ich, dass sie dieses Ger\u00e4usch h\u00e4ufig machen, um Aufmerksamkeit zu erhalten und dass es nichts unbedingt mit uns als Wei\u00dfen zu tun hat. Einmal bin ich in einem kleinen Supermarkt fr\u00fcher dran gekommen als ein Schwarzer neben mir, als h\u00e4tte die Kassiererin gedacht, dass ich mich sonst beschweren k\u00f6nnte. Das war mir im Nachhinein auch unangenehm, aber es geschah so schnell, dass ich in dem Moment nicht dr\u00fcber nachdachte. Vielleicht hat es der schwarze neben mir auch nicht gemerkt, keine Ahnung. Im gro\u00dfen und ganzen h\u00e4lt sich der Rassismus jedoch in Grenzen, und die Leute sind auch h\u00e4ufig einfach neugierig, wo wir herkommen und was wir hier so treiben. Ich f\u00fchle mich inzwischen eher unwohl, wenn ich von einem Haufen wei\u00dfer Touristen umgeben bin, denn schlie\u00dflich bin ich ja mittlerweile ein Brownie und wohne hier^^. Einziges, immer wiederkehrendes Problem ist die Sache mit dem Geld. Mir war im Vorfeld klar, dass man hier angebettelt wird. Doch dass meine Hautfarbe mit Geld direkt verbunden wird, ist oft \u00e4rgerlich. Ich m\u00f6chte nicht sagen, dass uns regelm\u00e4\u00dfig Bettler umschw\u00e4rmen. Es wird selten nach Geld gefragt, wenn es aber vorkommt, wird es mit bewusster Selbstverst\u00e4ndlichkeit verlangt. Und es gab bereits andere Freiwillige im Projekt vor uns, die von Jamaikanern \u00fcbel abgezockt wurden, in scheinbaren Freundschaften. Man MUSS sich jedes Mal die Frage stellen: was n\u00fctzt der Person mein Geld wirklich?&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Wort zur Kriminalit\u00e4t<\/strong>. Wenn wir nach Downtown fahren, wo wir wie gesagt auf dem Markt unser Essen einkaufen, lasse ich mein Handy zu hause und halte meinen Rucksack lieber vorn als auf dem R\u00fccken. Einem Freiwilligen vor mir wurde auch schon an die Tasche gegriffen, man sollte wirklich aufpassen. Leider m\u00fcssen wir nicht nur in Downtown aufpassen. Inzwischen wurde auch von einem anderen Freiwilligen eine Kamera gestohlen. Er hatte sie auf der Dachterrasse unseres Hauses \u00fcber Nacht liegen gelassen. Hmpf. Die krasseste Story allerdings geschah an meinem ersten Abend in Trench Town. Jemandem wurde aus dem eigenen, leider nicht abgeschlossenen Bus das Portemonnaie geklaut. Wie sich im Nachhinein herausstellte, wurde das Portemonnaie von einer Kinderbande gestohlen, Kids, die nicht \u00e4lter als 8,9 Jahre alt waren. Wie sind die Kinder aufgeflogen? Bei dem Versuch, teure Sportschuhe zu kaufen, wobei sie von allen Verk\u00e4ufern abgewiesen wurden, weil sie f\u00fcr ihr Alter verd\u00e4chtig viel Geld bei sich hatten (der Geldbeutel enthielt eine dreistellige Summe, zumindest in Euro umgerechnet). Tja, traurig f\u00fcr den Besitzer. Da mir schon in voran gegangenen Urlauben einiges abhanden kam, bin ich hier super vorsichtig und lasse nichts unbeaufsichtigt rumliegen. Es macht mich allerdings auch traurig, dass ich so auf mein Zeug aufpassen muss. Vielleicht kann das Projekt ja einen winzigen Teil gegen die Kriminalit\u00e4t beitragen, n\u00e4mlich dadurch, indem viele Kids ihre Freizeit am Instrument verbringen und nicht in irgend welchen Jugendbanden.<\/p>\n<p><strong>K\u00fcchenhilfe auf jamaikanisch<\/strong>. Ein Freiwilliger sollte beim Kochen helfen. Aber die &#8222;K\u00fcchenhilfe&#8220; bestand im Endeffekt daraus, f\u00fcr den schwer besch\u00e4ftigten Koch Joints zu drehen.<\/p>\n<p><strong>Katzengeschichte<\/strong>: (nichts unbedingt jamaikanisches, aber ich finde die Story einfach ulkig :D) Als wir in meiner ersten Woche in Ocho Rios, auch Ochi genannt waren, hatten wir uns einen Abend lang eine gro\u00dfe Runde Gin Tonic geg\u00f6nnt. Leicht angeheitert wie wir alle waren, warf ich einen Blick aus dem Fenster unseres Hostelzimmers. Auf einer Mauer sa\u00df eine Katze, die mit gro\u00dfen Augen zum hellen gro\u00dfen Mond aufblickte und maunzte. Ich \u00f6ffnete das Fenster, und sang der Katze das Lied aus dem Musical Cats. &#8222;Mooondliiiiicht, schau hinauf in das Mooondliiiiicht&#8220;&#8230; Was ich nicht sah: da stand die ganze Zeit ein Jamaikaner. &#8222;Are you singing for me?&#8220; Ehrlich antwortete ich &#8222;Noooo, for the cat!&#8220; Wollte er mir einfach nicht abnehmen&#8230;&nbsp;Apropos: wenn man hier als Frau irgendwelche k\u00f6rperlichen Arbeiten vollzieht, sei es Kochen, Putzen, Waschen oder auch wenn man einfach nur sein Instrument spielt, wird das gerne mal von den Herrschaften so kommentiert, als w\u00fcrde dabei etwas f\u00fcr sie rausspringen. &#8222;Kannst du f\u00fcr mich kochen? Soll ich meine W\u00e4sche auch gleich runter bringen? Spielst du ein Lied, nur f\u00fcr mich?&#8220; Mittlerweile ignoriere ich die Kommentare oder mache mich lustig \u00fcber sie. Da m\u00fcssen die Herrschaften durch!<\/p>\n<p><strong>Yow gyal! <\/strong>(Ey M\u00e4dchen!) Allgemein f\u00e4llt in der Kommunikation auf, dass sehr fordernd und scheinbar undankbar miteinander umgegangen wird. &#8222;E Boy, give me dem &#8230;!&#8220; &#8222;Claudia, stir that for me!&#8220; &#8222;Isabella, buy a new charger!!!&#8220;. Ich deute dies allerdings nicht als Unh\u00f6flichkeit, sondern als den hier nun mal vorherrschenden Umgang miteinander und m\u00f6chte dies insofern als Lehre f\u00fcr mich mitnehmen, dass man manchmal etwas durchsetzungsf\u00e4higer ist, wenn man einen kleinen Befehlston an den Tag legt und nicht so \u00fcberirdisch dauerfreundlich und hyperh\u00f6flich, wie ich es manchmal bin. Ob das im Grundschullehramt von N\u00fctzen sein k\u00f6nnte? &#8222;Ey Chantal-Mandy, mach gef\u00e4lligst deine Hausaufgaben!&#8220; (????)&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tier&#8220;liebe&#8220;?<\/strong> In Jamaika, insbesondere in der Gegend, wo wir wohnen, wird mit Tieren allgemein sehr schlecht umgegangen. Unserer Katze hier wird gerne mal ein Schuh hinterher geworfen. Die Hunde, die wild auf der Stra\u00dfe leben, ducken sich instinktiv wenn ihnen ein Mensch zu Nahe kommt. Hunde, Katzen, Schweine, aber vor allem Ziegen leben vom M\u00fcll der Menschen. Es ist bei weitem kein Vergleich zur deutschen Haustierkultur, wobei ich das \u00fcberm\u00e4\u00dfige Verh\u00e4tscheln von Haustieren, wie man es in Deutschland oft sieht, nat\u00fcrlich auch nicht begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Missverst\u00e4ndnis<\/strong>.&nbsp;<\/p>\n<p>Ich: &#8222;I can&#8217;t marry a jamaican boy&#8220;.<\/p>\n<p>M: &#8222;Why?&#8220;<\/p>\n<p>Ich: &#8222;Because my boyfriend would&#8217;nt like that!&#8220;<\/p>\n<p>M: &#8222;Why, is he racist?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>The Talk.<\/strong> Mit Jamaikanern kommt man super locker und unkompliziert ins Gespr\u00e4ch. Seien es Belanglosigkeiten, Gespr\u00e4che \u00fcber Politik, Kultur oder Musik, jeder steht gern zu seiner eigenen Meinung. Manchmal kann man die Leute allerdings nicht von einer falschen Aussage in den \u00c4u\u00dferungen abbringen, und selbst wenn man ihnen den falschen Inhalt beweisen kann, kommen sie gerne mit einer Ausrede rum, warum ihre falsche Antwort doch h\u00e4tte richtig sein k\u00f6nnen. Diese Falschaussagen fallen besonders auf, wenn die Jamaikaner voreinander angeben wollen, was sie schon alles geschafft haben. H\u00f6rt man genauer hin, entpuppt sich oft aus einem lang anhaltenden Lobgesang \u00fcber die eigenen F\u00e4higkeiten ein eher, naja, normales Bild eines Menschen, der eben St\u00e4rken und Schw\u00e4chen hat.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Out of many, one people<\/strong>. Es herrscht ein krasser Gegensatz zwischen dieser gegenseitigen Feindlichkeit und einer ungeheuren Freundlichkeit zueinander. Einerseits gibt es die verfeindeten Dons, also die Bandenchefs, oder den (mal friedlichen, mal blutigen) Krieg zwischen den zwei gro\u00dfen Parteien, der Jamaican Labour Party und der People&#8217;s National Party. Und gleichzeitig herrscht eine ungeheure Hilfsbereitschaft und aufeinander achten, wie man es selten sonst mitbekommt. Hier wartet der Bus auf dich, wenn du angerannt kommst.&nbsp;<span style=\"font-size: 1rem\">W\u00e4hrend wir in Deutschland eher etwas googlen w\u00fcrden anstatt andere Leute um Rat oder Informationen zu fragen, hat letzteres noch Priorit\u00e4t hier vor Ort. Au\u00dferdem lachen sich die Leute hier im Kino bei einem lustigen Film so laut schlapp, dass man sich in jedem anderen deutschen Kino beschwert h\u00e4tte. Vielleicht sollte ich eine Kampagne f\u00fcr lauteres Gel\u00e4chter in deutschen Kinos starten&#8230;<\/span><\/p>\n<p><strong>Ach du dicker Topf!<\/strong>&nbsp;Knapp 4 Wochen war ich hier, als mir mein erstes, gr\u00f6\u00dferes Malheur passiert ist. Es war 6 Uhr fr\u00fchs, als ich nur kurz aufs Klo und danach wieder ins Bett wollte. Ging leider nicht, denn vom Bad aus hatte sich in unser Zimmer eine riesige Pf\u00fctze geschlichen, die fast das ganze Schlafzimmer einnahm. Der Sp\u00fclkasten war anscheinend undicht (es handelte sich also um &#8222;sauberes&#8220; Wasser!). Ich war m\u00fcde und wollte so schnell wie m\u00f6glich die Pf\u00fctze beseitigen. Suarez und Yannis begannen bereits mit dem Aufwischen, aber es war so viel Wasser, dass ich mich auch noch auf die Suche nach einem Eimer begab, um helfen zu k\u00f6nnen. Ich fand allerdings keinen in Griffweite. Unsere normalen Plastikeimer werden im Haus f\u00fcr alles m\u00f6gliche genutzt und ich wollte nicht durchs ganze Haus flitzen, wenn doch einfach nur fix diese Suppe entfernt werden sollte. Was macht also Claudia? Ich greife un\u00fcberlegt zu einem unkonventionelleren Mittel des Aufputzens und hole einen Kochtopf aus der K\u00fcche in unser Schlafzimmer.&nbsp;Ich beginne also, die Pf\u00fctze mit einem Putzlappen aufzusaugen und in dem Topf auszuwringen. Ich fand das selber schon so absurd, dass ich anfing, vor mich hin zu kichern. Suarez war \u00fcberhaupt nicht begeistert, lie\u00df ein wehleidiges &#8222;nooooo&#8220; h\u00f6ren und lief erz\u00fcrnt aus dem Raum, nur um mein Vergehen br\u00fchwarm seinen Eltern zu erz\u00e4hlen. Sein Vater war ebenso alles andere als begeistert. Ich brach daher die Putzaktion ab und begann in der K\u00fcche den besagten Topf gr\u00fcndlich zu sp\u00fclen. Einmal, dann ein zweites mal. Ich versuchte mich vorsichtig beim Vater zu entschuldigen, der mir darauf hin erkl\u00e4rte, dass man den Topf jetzt nicht mehr benutzen k\u00f6nne. Ich habe ja schlie\u00dflich Dreck vom Boden in den Topf bef\u00f6rdert, und Dreck essen nur sehr arme oder kranke Menschen. Ich erkl\u00e4rte ihm, dass ich den Topf auch einmal komplett mit hei\u00dfem Wasser auskochen k\u00f6nnte, um wirklich alle Bakterien zu beseitigen. Nein, da w\u00fcrden bestimmt nicht alle Bakterien sterben, und au\u00dferdem helfe das dem Gewissen nicht, dass Dreck in diesem Topf war. Nun ja, dumme Nummer war das. Ein anderer Freiwilliger fiel mir am Tag darauf noch in den R\u00fccken, als er den Jamaikanern erkl\u00e4rte, dass mein Verhalten nicht unbedingt ein &#8222;Kulturunterschied&#8220; war, denn in Deutschland w\u00fcrde man auch nicht sofort zu T\u00f6pfen zum Putzen greifen . Jaaa, das war eine klassische Claudel-Nummer, zugegebenerma\u00dfen. Lustig ist folgendes:<\/p>\n<p>1. Der Topf wurde nur selten genutzt, war in einem miserablen Zustand und ich freu mich schon richtig drauf, ihn durch einen besseren zu ersetzen&#8230;&nbsp; 2. Hat Suarez mich selbst letztens gefragt, ob wir nicht den aussortierten Topf zum Reis kochen nehmen sollen, als alle anderen T\u00f6pfe besetzt waren. 3. Haben wir letztens mit eigenen Augen gesehen, wie ein K\u00fcchenmesser zum Reparieren eines Autoreifens verwendet wurde (eigentlich schade, dass ich deshalb keinen Aufstand gemacht habe&#8230;)<\/p>\n<p><strong>Counting<\/strong>. Super spannend: wenn sie mit den Fingern z\u00e4hlen, z\u00e4hlen sie f\u00fcr uns falsch herum: 1=kleiner Finger, 2=Ringfinger und so weiter.<\/p>\n<p><strong>Au\u00dfen die harte Schale<\/strong>. Einmal habe ich mit der Hand den Abfluss im K\u00fcchensp\u00fclbecken von Essensresten befreit, also eine Angelegenheit, vor der sich der ein oder andere eher zieren w\u00fcrde. Kommentar eines Jamaikaners: Good Claudia, you&#8217;re already hard outside. Now you have to become hard inside too to achieve your dreams!<\/p>\n<p><strong>Jamaica, Land we love.<\/strong> Ich bin au\u00dferdem sehr positiv beeindruckt vom Nationalstolz hier. \u00dcberall sieht man jamaikanische Flaggen, die Gesichter von Bob Marley, Usain Bolt, Haile Selassie oder anderen Ber\u00fchmtheiten an die W\u00e4nde gepinselt. Sie sind stolz auf ihre Kultur, und sagen dabei aber nicht direkt, dass andere Kulturen dadurch schlechter sind. Das Interesse an deutscher Kultur ist zwar sehr unterschiedlich, manche wollen Deutsch lernen, andere verziehen bereits das Gesicht, wenn wir das Essen anders als jamaikanisch kochen&#8230; aber mit der Art und Weise, wie ich bisher mit jamaikanischer Kultur in Ber\u00fchrung gekommen bin, kann ich mich sehr anfreunden und denke, es ist nichts schlechtes, wenn ich insgeheim durch das Vergleichen von fremder Kultur mit meiner Eigenen auch ein bisschen mehr Freude an meiner Heimatkultur bekomme. Das deutsche Leben hat eben auch seine Vorz\u00fcge, und was sollte daran falsch sein, diesen Gedanken zu haben?<\/p>\n<p>Zum Schluss noch ein paar kleine Spr\u00fcche, die ich so von Jamaikanern aufgeschnappt habe:<\/p>\n<ul>\n<li>School makes you smart, life makes you wise!<\/li>\n<li>The white Part of the pepper gives you cancer! You germans don&#8217;t know that!<\/li>\n<\/ul>\n<p>So, das war&#8217;s, kleine bis gro\u00dfe Erfahrungen aus acht Wochen Jamaika! Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag schon viel fr\u00fcher schreiben, aber je l\u00e4nger ich blieb, umso eher wusste ich, dass es sich lohnt f\u00fcr diesen Eintrag noch weitere Geschehnisse abzuwarten. Liebe Leute, ich hoffe, ich konnte euch durch diesen Mentalit\u00e4tenblogeintrag noch ein wenig mehr vom Leben hier zeigen. Beim n\u00e4chsten Blog gibt&#8217;s dann auch wieder abgefahren sch\u00f6ne Strand- und Wanderbilder^^<\/p>\n<p>Soon forward, lickkle more!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Night, guys! In Jamaika sagt man t\u00e4ts\u00e4chlich &#8222;Night&#8220; anstatt von Guten Abend. Good morning sagt man bis ca. 12 Uhr, danach good afternoon bis ungef\u00e4hr 15 Uhr, good evening h\u00f6ren wir hier bis 18, maximal 19 Uhr, alles danach ist night. Nicht zu verwechseln mit Gute Nacht, denn es handelt sich bei &#8222;night&#8220; haupts\u00e4chlich um &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blogs.musikerohnegrenzen.de\/claudiadanner\/2018\/03\/03\/out-of-many-one-people-szenen-aus-dem-leben-mit-jamaikanern\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eOut of many &#8211; one people! 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